Als Polyneuropathie werden mehrere Schaden an den peripheren Nerven bezeichnet, vor allem an den Nerven der entlegensten Teilen der Extremitäten. Es ist oft Teil einer systemischen Erkrankung.
Der primäre Ort der Beschädigung kann eine Nervenfaser (zB bei Diabetes, Schäden aufgrund schädlicher Stoffe) oder die Myelin-Haut, welche den Nerv umgibt (zB bei akuten oder chronischen entzündlichen Polyneuropathien, Leukodystrophie, oder Guillain-Barré-Syndrom) sein. Wenn die kleinen Myelin Fasern beteiligt sind, gibt es einen primären Verlust der Empfindung von Temperatur und Schmerz, im Falle der Beschädigung größerer Fasern treten Motilitätsstörungen auf.
Ursachen und Klassifizierung
Die Ursachen sind vielfältig und lassen sich in mehrere Gruppen einteilen. So unterscheiden wir folgende Polyneuropathien:- als Folge von schädlichen Substanzen (Nikotin, Blei, Quecksilber, Alkohol)
- als Folge von Druck (Osteophyten, Bandscheibenvorfall)
- als Folge traumatischer Schäden
- Nachwirkungen von entzündungshemmenden Mitteln (Diphtherie, Lepra, virale Infektionen, HIV-Infektion)
- als Teil systemischer Erkrankungen (rheumatoide Arthritis, Arthrose nodosum)
- durch Stoffwechselstörungen (Diabetes, Vitamin B12-Mangel, Porphyrie, Leber-und Nierenversagen)
- als Folge der neoplastischen (Tumor) Infiltration
- als Folge paraneoplastischer Befindungen
- als Folge von genetischen Erkrankungen (Charcot-Marie-Tooth)
Diabetische Polyneuropathie - Etwa 65 Prozent der Patienten mit Diabetes leiden auch an der Neuropathie. Die Krankheit tritt meist nach dem fünfzigsten Lebensjahr auf, obwohl sie früher auftreten kann. Bei dreißig Prozent der Patienten werden Zeichen einer Polyneuropathie vor der Bestimmung der Stoffwechselstörung aufgefunden.
Die häufigsten Symptome bei diesen Patienten sind Kribbeln und Brennen in den Fingern und Zehen. Die Symptome sind weitaus schwerwiegender an den Beinen, als an den Armen. Die charakteristischen Zeichen der Neuropathie bei Diabetes-Patienten sind unangenehm brennendes Gefühl in den Füßen, welches sich im Liegen und nachts verstärkt.
Alkoholische Polyneuropathie - eine periphere Neuropathie entwickelt sich in mehr als 80 Prozent der Alkoholiker. Sie erfolgt schrittweise und ist durch das Auftreten von Parästhesien an den Füssen, nächtlichem glühen der Füße, vermehrtes Schwitzen charakterisiert. Es kann auch zu Muskelschwäche kommen, obwohl dies nicht wie in den anderen Formen der Polyneuropathie ein Kennzeichen darstellt. Die genaue Ursache ist nicht bekannt, obwohl davon ausgegangen wird, dass eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Polyneuropathie, eine mangelhafte Ernährung, spielt. Die Behandlung besteht in der absoluten Abstinenz von Alkohol und einer B-Vitamine-reichen Ernährung.
Probleme schwangerer Frauen
Polyneuropathie in der Schwangerschaft - bei etwa 20 bis 25 Prozent der Schwangeren kommt es in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft zu Schwangerschafts-Parästhesien. Bei der Hälfte der Patienten ist auch ein sensorischer Verlust vorhanden. Die genaue Ursache der Erkrankung ist nicht bekannt, obwohl davon ausgegangen wird, dass mechanische Beschädigungen eine wichtigen Rolle spielen. Es gibt keine spezifische Behandlung, aber bei jeder schwangeren Frau mit solchen Symptomen sollten der Urin und Blutdruck überprüft werden.Polyneuropathie bei rheumatoider Arthritis - Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis kann es zur Polyneuropathie aufgrund ischämischer Nervenschädigungen kommen. Die Diagnose auf klinischen Symptomen basiert, und durch eine Nervenbiopsie bestätigt.
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