Stottern - Logopädie
Stottern - etwa 800.000 Deutsche leiden dauerhaft unter dieser Störung des Redeflusses
Therapie

Phänomen Stottern – Logopädie kann helfen

Kommunikation, sowohl verbal als auch nonverbal, bildet die Grundlage jeder sozialen Gesellschaftsform. Die Lautsprache hat sich als gängiges und primäres Kommunikationsmittel durchgesetzt und bildet die Grundlage der Verständigung zwischen Menschen. Was aber, wenn diese verbale Verständigung gestört ist? Stottern, so nennt man eine sehr häufig auftretende Störung, kann zu einem Spießrutenlauf für den betroffenen Menschen werden – dabei gibt es gute Behandlungsmethoden, die eine enorm hohe Erfolgsquote vorweisen können.

Wann Stottern in der Regel auftritt und wie viele Menschen betroffen sind

Das Stottern tritt typischerweise bei Kindern zwischen 2 und 5 Jahren auf bzw. wird als echtes Stottern erkannt. Die Statistik sagt, dass das Durchschnittsalter bei 2,8 Lebensjahren liegt, wenn Kinder das Stottern beginnen. Man geht davon aus, dass ca. 70 Millionen Menschen weltweit mit dieser Sprachstörung zu kämpfen haben, was ungefähr 1% der Weltbevölkerung entspricht. Studien der EU haben aufgezeigt, dass rund 5% aller Kinder in Europa mit dieser Sprachstörung konfrontiert sind, wobei davon aber gut drei Viertel der Kinder diese Störung bis zur Pubertät wieder ablegen – ohne Therapie.

Der Forschungsstand zur Sprachstörung Stottern

Die Basis der Erkenntnisse, die sich aus den vielen Studien und Untersuchungen dieser Sprachstörung ergeben haben, ist ziemlich breit. Es lässt sich beispielsweise keiner Sprache zuordnen, sondern kommt in allen auf der Erde praktisch genutzten Sprachen vor. Stottern ist also ein sehr universelles Problem und kann nicht auf bestimmte Sprachen bzw. deren Schwierigkeitsgrad bei der Aussprache reduziert werden. Beeindruckend ist, dass Stotter-Experten sogar in der Lage sind, Stottern zu diagnostizieren, wenn sie die verwendete Sprache nicht verstehen können. Stottern ist eben universell und damit weltweit gleich.

Was man bislang über die Ursachen herausgefunden hat

Forschungen in der Humangenetik haben die grundsätzliche Annahme untermauert, dass Stottern auf einem Gendefekt beruht. Dieses Ergebnis ist für sehr viele Eltern vor allem eine beruhigende Feststellung, denn lange Zeit galt Stottern als ein sichtbarer Beweis für geistige Störungen eines Menschen oder auch als Hinweis auf falsche Erziehungsmethoden. Seit der endgültigen Klärung der Ursache für das Stottern beschäftigen sich die Forscher mittlerweile vor allem mit solchen Fragen, die der Findung neuer, effektiverer Behandlungsmethoden dienen. Dazu gehören vor allem folgende Fragen:

  • Welcher Personenkreis hört alleine wieder mit dem Stottern auf?
  • Welchen Effekt erzielen die jeweils unterschiedlichen Therapieformen?
  • Gibt es besonders gute Erfahrungen im Bereich der Diagnostik, die allgemeingültig sind?

Logopädie – das kann sie für stotternde Menschen tun

Wie bereits erwähnt, können die meisten Kinder mit auffällig unflüssiger Sprache das Stottern selbst überwinden und benötigen keine Therapie. Dennoch kann hier die Logopädie mit entsprechenden Fachkräften den Eltern betroffener Kinder helfen, indem die Beratung und Unterstützung derselben ausreichend ausgenutzt wird. Dadurch werden die Eltern in die Lage versetzt, dem Kind unterstützend zur Seite zu stehen, damit diese schwierige Phase in ihrem Leben schnell wieder vorüber geht. Stottern sorgt im frühen Kindesalter nämlich für psychische Belastungen – vor allem dann, wenn das stotternde Kind häufig negative Erfahrungen (dauernde Belehrungen zur richtigen Aussprache beispielsweise) sammelt. Dadurch verliert das Kind die natürliche Lust am Gebrauch der verbalen Sprache, was das Stottern langfristig noch verschlimmern kann. Die Kunst der Diagnostik aus logopädischer Sicht ist, eine Schätzung zum möglichen Risiko abzugeben und dabei festzustellen, ob eine mögliche logopädische Therapie für das Kind überhaupt indiziert ist. Dafür nutzen Logopäden die Testform „Spontansprechprobe“, damit die Qualität und Anzahl der sogenannten Stotterereignisse bestimmt werden kann. Auch wird der Hintergrund der bisherigen Sprachentwicklung durchleuchtet, um das Testergebnis möglichst präzise werden zu lassen. Wichtig ist dabei auch zu wissen, ob das Kind Begleitsymptome des Stotterns anzeigt wie z.B.:

  • Anzeichen von Anspannung und/oder Anstrengung beim Sprechen
  • Deutliches Mitbewegen während des Sprechens

Ebenso muss auch geprüft werden, ob das Kind aufgrund des Stotterns evtl. auch psychische Reaktionen zeigt. Diese sind z.B.:

  • Sprechangst
  • Emotionales Zurückziehen
  • Frustrationsanzeichen

Lässt sich Stottern heilen?

Die ganz kurze Antwort darauf lautet: Nein, Stottern kann nicht geheilt werden. Dabei meint Heilung die Heilung im Sinne der Medizin. Es gibt erwiesenermaßen keine Therapieform, die im frühen Kindesalter genutzt werden kann, welche eine Heilung verspricht. Dennoch können rund 90% der therapierten Kinder von der Sprachstörung befreit werden, zumindest so, dass das Stottern deutlich weniger auffallend ist. Eine seriöse Therapie gegen Stottern zielt deshalb immer auch darauf ab, das stotternde Kinder mit ihrer Sprachstörung umzugehen lernen.

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