Angst vorm Zahnarzt - Auslöser & Behandlungsmöglichkeiten
Es leiden viele Menschen unter einer Dentalphobie - © Prostock-studio / stock.adobe.com
Therapie

Angst vorm Zahnarzt – Auslöser & Behandlungsmöglichkeiten

Schon beim Geräusch eines Zahnarztbohrers bekommen viele Menschen Gänsehaut. Einige sogar regelrecht Panik. Was dagegen hilft, erkläre ich hier im Detail.

Fast jeder Mensch hat vor etwas Angst. Die einen haben Angst vor Spinnen (Arachnophobie), die anderen vor Höhe (Akrophobie) und wiederum andere haben panische Angst vorm Zahnarzt (Dentalphobie/Oralphobie). Während Arachnophobie und Akrophobie Ängste sind, die sich gut unter Kontrolle bringen lassen, bringt die Dental- bzw. Oralphobie einige Probleme mit sich. Schließlich lernen wir schon von klein auf an, wie wichtig es ist, seine Zähne zu pflegen. Wer das zwar tut, aber seine Zähne nicht regelmäßig kontrollieren lässt, kann seine Zahngesundheit gefährden. Schäden an den Zähnen, dem Zahnfleisch und Schmerzen können die Folge sein. Und das, obwohl heutzutage eigentlich niemand mehr Angst vorm Zahnarzt haben muss. Schließlich gibt es mittlerweile schon viele verschiedene und vor allem schmerzfreie Behandlungsmöglichkeiten.

Was versteht man unter der Angst vorm Zahnarzt?

Unter der Angst vorm Zahnarzt versteht man eine starke Furcht vor dem Besuch beim Zahnarzt. Diese Angst kann sich dabei generell in ganz verschiedenen Formen äußern, von leichtem Unwohlsein bis hin zu panischen Zuständen, die einen Zahnarztbesuch nahezu unmöglich machen. In der Regel ist es die Angst vor Schmerzen, Spritzen, Bohrgeräuschen oder vor dem Verlust der Kontrolle während der Behandlung, die Betroffenen Sorgen bereitet. Die Folge: sie gehen erst gar nicht zum Zahnarzt. Und das wiederum kann schwerwiegende Folgen haben. Deshalb ist es wichtig, sich Hilfe zu suchen.

Was sind mögliche Auslöser für die Zahnarztangst?

Angst vorm Zahnarzt - Auslöser & Behandlungsmöglichkeiten
Oft sind schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit Auslöser – © 2xSamara.com / stock.adobe.com

Laut einem Beitrag der R+V Allgemeine Versicherung AG leiden rund 15 Prozent der Bevölkerung unter einer Dentalphobie. Die Angst vorm Zahnarzt entsteht aber generell nicht ohne Grund. Betroffene verknüpfen mit dem Zahnarztbesuch meist etwas Negatives. Mögliche Auslöser dafür sind zum Beispiel:

  • Angst vor Schmerzen: Der wohl häufigste Grund für die Zahnarztphobie ist die Erwartung, dass die Behandlung schmerzhaft sein könnte. Selbst auch dann, wenn eigentlich kein Grund zur Sorge besteht und nur ein Kontrollbesuch ansteht.
  • Schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit: Negative Erlebnisse bei früheren Zahnarztbesuchen, wie schmerzhafte Behandlungen oder ein unsensibles Verhalten des Zahnarztes, können auch tief sitzende Ängste auslösen.
  • Geräusche und Gerüche: Manchmal muss es aber gar nicht die Angst vor den Schmerzen sein. Das Geräusch des Bohrers oder der Geruch von Desinfektionsmittel können bei manchen Menschen auch schon Angstzustände auslösen.
  • Gefühl des Kontrollverlustes: Sich während der Behandlung auf dem Zahnarztstuhl ausgeliefert zu fühlen, verstärkt bei vielen Patienten das Angstgefühl.

Hat sich ein schlechtes Erlebnis oder Gefühl erst einmal im Kopf fest verankert, ist es schwer, dieses dort wieder herauszubekommen. Es ist jedoch, gerade was die Zähne betrifft, wichtig, Wege aus der Angststörung zu finden. Ansonsten verursachen Betroffene damit nur noch mehr Probleme. Etwa, wenn ein Zahn schmerzt, aber nicht behandelt wird. Nicht nur, dass die Schmerzen dann mit der Zeit immer schlimmer werden, es könnten auch nach und nach immer mehr Zähne Probleme verursachen. Es ist daher wichtig, entweder selbst Wege aus der Angst zu finden oder sich Hilfe zu suchen bzw. den passenden Zahnarzt auszuwählen.

Was können Betroffene gegen die Angst unternehmen?

Es gibt verschiedene Methoden und Techniken, mit deren Hilfe Betroffene ihre Angst vor dem Zahnarztbesuch überwinden können. Wenn Sie zwar Angst vor dem Zahnarzt haben, sich aber dennoch zu Kontrollen und bei Schmerzen in die Praxis begeben, helfen zum Beispiel die folgenden Tipps:

Vertrauen:

Das Wichtigste ist zunächst, dass Sie sich bei Ihrem Zahnarzt gut aufgehoben fühlen. Denn dann haben Sie auch den Mut, offen und ehrlich über Ihre Angst zu sprechen. Das alleine kann manchmal schon helfen, die Behandlung angenehmer zu gestalten. Denn weiß Ihr Zahnarzt über Ihre Angst Bescheid, wird er besonders rücksichtsvoll vorgehen.

Entspannungstechniken:

Entspannungs­techniken wie Atemübungen können helfen, die Angst zu lindern. Atmen Sie zum Beispiel mehrmals langsam und tief durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus. Ansonsten helfen auch die Atemübungen in unserem Beitrag Atemübungen zur Entspannung sowie die Übungen in diesem Video.

Aber auch progressive Muskelentspannung (PME) kann weiterhelfen. Ziel dieser Methode ist es, durch bewusstes An- und Entspannen verschiedener Muskelgruppen eine tiefe Entspannung zu erreichen. Einige Übungen dazu finden Sie z.B. in diesem Video.

Ablenkung:

Manchen Patienten hilft es, Musik während der Behandlung zu hören. Aber auch Virtual-Reality-Brillen können helfen. Beide Methoden lenken die Gedanken von der Angst ab und wirken entspannend.

Was können Zahnärzte bei einer Dentalphobie unternehmen?

Angst vorm Zahnarzt - Auslöser & Behandlungsmöglichkeiten
Die Betäubungsspritze ist das gängigste Betäubungsmittel – © Werner / stock.adobe.com

Wenn Sie wissen, wie wichtig Zahnarztbesuche sind, aber die Angst vor den Schmerzen extrem groß ist, ist auch hier Kommunikation das A und O. Schließlich sind sich Zahnärzte der Problematik bewusst und bieten daher mittlerweile viele verschiedene Möglichkeiten an, um Angstpatienten zu helfen. Wichtig ist hierfür jedoch, dass Sie sich für die „richtige“ Zahnarztpraxis entscheiden. Und zwar für eine, in der die Mitarbeiter auf Patienten mit Angst vor dem Zahnarzt geschult werden, der Zahnarzt selbst viel Einfühlungsvermögen besitzt und Möglichkeiten zur schmerzfreien Zahnbehandlung anbietet. Sie erhalten zum Beispiel eine angstfreie Zahnbehandlung bei Dr. Seidel und in vielen anderen Zahnarztpraxen. Erkundigen Sie sich einfach in der Praxis Ihrer Wahl, ob diese für Angstpatienten gut geeignet ist. Wenn Sie kein gutes Gefühl haben, wählen Sie lieber eine andere Zahnarztpraxis.

Zahnärzte, die auch Angstpatienten behandeln, bieten in der Regel mehrere Möglichkeiten an, um die Behandlung schmerzfrei zu gestalten. Darunter zählen:

Lokalanästhesie:

Bei der Lokalanästhesie wird dem Patienten ein Medikament direkt in das Zahnfleisch injiziert. Dieses blockiert dann das Schmerzempfinden in dem zu behandelnden Bereich. Das Gute: Die Wirkung tritt schnell ein und hält in der Regel während der gesamten Behandlungsdauer an. Wenn auch schon der Stich der Spritze große Angst auslöst, kann der Zahnarzt auch hier die Sorgen nehmen und zunächst ein betäubendes Gel auf das Zahnfleisch auftragen.

Es gibt mittlerweile auch schon computergesteuerte Lokalanästhesie. Systeme wie „The Wand“ ermöglichen dabei eine präzise Verabreichung von Lokalanästhetika, was weniger schmerzhaft ist, da das Anästhetikum dank des Computers langsamer und gleichmäßiger injiziert wird.

Sedierung:

Wenn Patienten nicht nur Angst vor den Schmerzen, sondern auch davor haben, dass sie alles mitbekommen, können Zahnärzte eine Sedierung anbieten. Dabei wird ein Mittel verabreicht, welches wie ein Beruhigungsmittel wirkt und für Entspannung sorgt. Patienten bleiben in der Regel ansprechbar, bekommen vom Eingriff selbst aber oftmals gar nichts mit. Sedierungen können folgendermaßen aussehen:

  • Lachgas – wird über eine Nasenmaske verabreicht
  • Orale Sedierung – Beruhigungsmittel in Tablettenform
  • Intravenöse Sedierung – Beruhigungsmittel wird über eine Injektion verabreicht

Vollnarkose:

Patienten, die extreme Angst vor dem Zahnarzt oder mögliche Schmerzen haben, können auch unter Vollnarkose behandelt werden. Diese fallen nach der Gabe von einem entsprechenden Medikament in eine Art Tiefschlaf und bekommen während der gesamten Behandlung nichts davon mit. Hierfür ist ein qualifizierter Anästhesist erforderlich, denn dieser verabreicht nicht nur das Narkosemittel, er überwacht auch während der gesamten Behandlung die Atmung, den Herzschlag und den Blutdruck.

Laserbehandlung:

Es gibt unzählige Patienten, die Angst vor dem Bohrer haben. Denn durch die Vibrationen und die Reibung entstehen die typischen Schmerzen bei der Behandlung. Doch mittlerweile muss gar nicht mehr der Bohrer zum Einsatz kommen, denn inzwischen sind auch Behandlungen mit einem Laser möglich. Diese sind weitestgehend schmerzlos.

Hypnose und Akupunktur:

Einige Zahnarztpraxen bieten auch Hypnose an. Auf diese Weise können Angstpatienten in einen Zustand tiefer Entspannung versetzt werden, was die Schmerzwahrnehmung reduziert und Angstzustände lindert. Unterstützend kann auch Akupunktur angewendet werden.

Tragen Krankenkassen die Kosten für eine schmerzlose Behandlung?

Generell übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland die Kosten für Standardbehandlungen, einschließlich der notwendigen Lokalanästhesie, sprich einer Betäubungsspritze. Alle anderen Maßnahmen zur Schmerz- und Angstreduktion werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen nicht übernommen. Das bedeutet, dass Patienten für die Kosten selbst aufkommen müssen. Eine Zahnzusatzversicherung kann deshalb für Angstpatienten sinnvoll sein, da sie Leistungen abdeckt, die von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen werden.

Anders sieht es in der privaten Krankenversicherung aus. Diese bietet oft einen viel umfassenderen Versicherungsschutz. Bedeutet, dass sie auch die Kosten für weitergehende Anästhesiemethoden und schmerzfreie Behandlungen übernimmt. Trotzdem sollten Privatpatienten immer zunächst einen Blick in die Vertragsbedingungen werfen. Denn nicht jeder Vertrag ist gleich.

Fazit

Mittlerweile muss eigentlich niemand mehr Angst vor dem Zahnarzt haben. Schließlich gibt es schon zahlreiche Methoden und Techniken, um Zahnbehandlungen schmerzfrei zu gestalten. Wichtig ist nur, sich eine passende Zahnarztpraxis zu suchen und sich ausreichend zu versichern, damit man die Kosten für die schmerzfreie Behandlung nicht selbst tragen muss.