Sehstörungen Baby
Frühzeitig erkannt, lassen sich die meisten Sehstörungen bei Babys gut behandeln
Baby & Kinder

Sehstörungen bei Babys und Kleinkindern

Für Elternpaare gibt es wohl kaum etwas Schöneres, als die strahlenden Augen ihres Babys. Sinneseindrücke nimmt das Kind fast ausschließlich über die Augen wahr, deshalb ist eine gute Sehkraft besonders wichtig. Doch was, wenn bereits in diesem jungen Alter Sehstörungen vorliegen?

Das Lernen erfolgt durch Beobachtung, außerdem regen die optischen Reize zu diversen Aktivitäten an. Funktionieren die Augen nicht einwandfrei, kann das Baby seine Umwelt nicht richtig verstehen, was natürlich starke Auswirkungen auf die geistige und motorische Entwicklung hat.

Früherkennung von Sehstörungen erhöht die Chance auf gesunde Augen

In den ersten Lebensjahren entwickelt sich das Sehvermögen des Kindes rasend schnell und deshalb treten Störungen in dieser Zeit gehäuft auf. Wenn bei Babys und Kleinkindern das Schielen oder ein Sehfehler nicht erkannt werden, kann sich das Sehvermögen auch nicht richtig entwickeln. Der Früherkennung kommt deshalb eine große Bedeutung zu. Wenn eine Behandlung frühzeitig erfolgt, können Sehschwächen bis zum vierten Geburtstag häufig komplett behoben werden. In vielen Fällen kann es bereits ausreichen, wenn Kleinkinder nur ein paar Stunden täglich eine Brille tragen oder die Eltern das gesunde Auge abdecken.

Natürlich können Sehschwächen durchaus auch noch im Schulalter behoben werden, doch mit zunehmendem Alter gestaltet sich dies schwieriger. Liegt eine Sehschwäche vor, so kann das Gehirn die Informationen dieses Auges nicht korrekt verarbeiten. Normalerweise bleibt dieses Manko ein Leben lang erhalten, wenn es erst im Schulalter auffällt.

Bei Risikofaktoren sind regelmäßige Kontrollen unabdingbar

Natürlich kontrolliert der Kinderarzt bei den Vorsorgeuntersuchungen auch das Sehvermögen des Kindes. Allerdings ist ein Kinderarzt nicht auf Augenerkrankungen spezialisiert, so dass Eltern auch immer zusätzlich einen Augenarzt konsultieren sollten. In Deutschland wird bei etwa 60 Prozent der Kinder eine Sehschwäche immer noch zu spät entdeckt, so dass eine Behandlung erst mit Verzögerung einsetzen kann, wertvolle Zeit geht somit verloren.

In manchen Fällen liegen besondere Risikofaktoren vor, bei denen bereits im Alter von sechs bis neun Monaten ein Termin beim Augenarzt angezeigt ist. Bei Frühgeborenen kommen Sehfehler wesentlich häufiger vor, bei ihnen sollten die Augen grundsätzlich engmaschiger untersucht werden. Auch wenn in einer Familie Augenerkrankungen bekannt sind oder viele Familienmitglieder eine Brille tragen, sollten Eltern mit ihrem Baby so früh wie möglich einen Augenspezialisten aufsuchen.

Auf diese Auffälligkeiten und Symptome müssen Eltern achten

In den ersten Lebensmonaten und -jahren stehen eine ganze Reihe an Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt auf dem Programm, bei denen auch das Sehvermögen überprüft wird. Allerdings reichen diese auf keinen Fall aus, um Sehfehler absolut zuverlässig auszuschließen. Es ist deshalb enorm wichtig, dass Eltern ihre Kinder beobachten, um Auffälligkeiten so früh wie möglich zu erkennen und gegebenenfalls einen Arzt aufzusuchen. Es gibt zahlreiche Symptome, die für Eltern ein erster Hinweis auf eine vorliegende Sehschwäche sein können, auch schon beim Säugling.

In den ersten Wochen schielen sehr viele Babys, was Eltern selbstverständlich beunruhigt. Dies ist jedoch noch kein Grund zur Besorgnis, denn häufig normalisiert sich dies bald wieder von alleine. Lediglich wenn das Kind auch mit sechs Monaten noch schielt, sollte ein Augenarzt dies überprüfen und eventuell eine Behandlung einleiten.

Manchmal nehmen Eltern auch äußerliche Auffälligkeiten der Augen wahr, wie zum Beispiel gelbliche oder grau-weißliche Pupillen, eine Trübung der Hornhaut, Veränderungen an den Augenlidern, einen starren Blick oder auffallend große Augen verbunden mit Lichtempfindlichkeit. Auch häufiges Blinzeln, Tränen sowie das Zittern oder Zusammenkneifen der Augen sollten Alarmsignale sein und einen Besuch des Augenarztes nach sich ziehen. Viele Kinder reiben sich auch oft die Augen oder legen beim Schauen den Kopf schräg zur Seite. Sobald das Kind laufen kann, wird es Eltern auffallen, wenn es sehr häufig stolpert oder allgemein Probleme mit dem Gleichgewicht und der Balance hat.

Mögliche Sehtests und Untersuchungen bei Babys und Kleinkindern

Selbstverständlich kann man bei Babys noch keinen Sehtest im eigentlichen Sinn durchführen, bei dem ihnen Buchstaben, Bilder oder Zahlen gezeigt werden. Dennoch kann der Arzt auch schon in diesem Alter mit Hilfe gezielter Tests und Untersuchungen eine Sehstörung nachweisen. Zunächst einmal wird er die Beschaffenheit der Augen beurteilen, danach erfolgt eine Kontrolle der natürlichen Reflexe der Augen. Der Mediziner wird auch mit einer Taschenlampe in die Augen leuchten, um die Reaktion der Pupillen zu testen.

Anschließend wird der Arzt ein interessantes Objekt vor den Augen des Kindes hin- und herführen, um zu sehen ob die Augen des Babys es wahrnehmen und ihm folgen. Ist das Baby bereits etwas älter, sollte es den Gegenstand dabei auch zielsicher greifen können. Kleinkindern werden auch Bilder in unterschiedlichen Größen vorgehalten. Sie sollen dann benennen, was sie auf den Tafeln sehen können. Dann gibt es noch die so genannten E-Zeichen, das Kind wird gefragt, in welche Richtung die Finger des Buchstabens zeigen.

Kurz- und Weitsichtigkeit bei Babys und Kleinkindern

Wenn ein Baby auf die Welt kommt ist es grundsätzlich weitsichtig, denn die Entwicklung der Augen ist noch nicht abgeschlossen und das Gehirn lernt erst nach und nach, auch Bilder mit vielen Details wahrzunehmen. Sollte der Augapfel zu kurz bleiben, wird sich die Weitsichtigkeit nicht verlieren, die nähere Umgebung wird vom Kind nur unscharf wahrgenommen. Auf der anderen Seite wird ein zu langer Augapfel zu einer Kurzsichtigkeit führen, diese entwickelt sich mit zunehmendem Alter oder kann auch erblich bedingt sein. Im Gegensatz zur Weitsichtigkeit kann das Kind in diesem Fall Dinge in der Ferne nur unscharf erkennen.

Kurzsichtigkeit bei Babys ist für viele Ärzte kein Grund für eine Brille, denn Babys nehmen ohnehin nur die nähere Umgebung wahr. Weitsichtigkeit ist auch nur bedingt eine Indikation für eine Brille, denn bei Babys lässt diese sich nur schwer anpassen. Erst wenn der Wert drei Dioptrien übersteigt, sollten auch Babys eine Brille tragen.

Schielen lässt sich gut behandeln

Wenn ein Kind schielt, richtet es die Augen auf unterschiedliche Punkte, im Gehirn entstehen in der Folge Doppelbilder. Grund für das Schielen ist eine Fehlbildung der Muskeln, so dass ein Auge eine Fehlstellung aufweist. Unter Umständen sind auch beide Augen davon betroffen. Das Kind muss nicht unbedingt dauerhaft schielen, manchmal tritt die Fehlstellung auch nur sporadisch auf.

Durch das Entstehen der Doppelbilder wird das räumliche Sehvermögen beeinträchtigt, so dass das betroffene Kind nicht richtig nach Gegenständen greifen kann. Das hat dann meist zur Folge, dass sich auf einem Auge eine Sehschwäche entwickelt, weil die Bilder eines Auges vom Gehirn gar nicht mehr richtig wahrgenommen werden.

Das stärkere Auge wird zur Behandlung einige Stunden am Tag abgeklebt, auf diese Weise wird das schwächere Auge trainiert. Sollten beide Augen eine Fehlstellung aufweisen, muss das Abkleben im Wechsel erfolgen, so kann sich das Gehirn auf die Signale beider Augen einstellen. Die Muskulatur von beiden Augen wird so beansprucht, so dass sich wesentlich seltener eine Schwachsichtigkeit auf einem Auge entwickelt. Liegt bereits eine Sehschwäche vor, wird der Arzt dem Kind eine Brille verschreiben. In vielen Fällen verwächst sich eine Fehlstellung der Augen, ansonsten wäre eine Operation zu einem späteren Zeitpunkt möglich.

Weitere Sehstörungen bei Babys und Kleinkindern

Leidet ein Kind unter einer Rot-Grün-Schwäche, so kann es Farben nicht korrekt wahrnehmen. Diese Störung lässt sich leider nicht behandeln, normalerweise beeinträchtigt sie aber auch das Sehvermögen nicht. Ist die Linse des Auges getrübt, so kann dies unterschiedliche Ursachen haben, eventuell kann später eine Operation helfen.

Eine andere mögliche Sehstörung im Kindesalter ist die Hornhautkrümmung. Die von Natur aus kugelförmige Hornhaut ist in diesem Fall verformt. Aus diesem Grund wird einfallendes Licht gestreut und nicht gebündelt. Das sorgt dafür, dass das Kind nicht mehr scharf sehen kann, unabhängig von der Entfernung, weil es keine punktgenaue Wahrnehmung mehr gibt. Das normale Sehvermögen kann nur durch das Tragen einer entsprechenden Brille wieder hergestellt werden. Wenn das Kind älter ist, kann auch eine Operation in Betracht gezogen werden.

Wenn das Baby eine Brille braucht

Wie bereits erwähnt, wird einem Baby nur eine Brille verordnet, wenn das Sehvermögen sehr stark beeinträchtigt ist. Das liegt daran, dass viele Babys die Brille als Fremdkörper empfinden und sie deshalb nur schwer aufbehalten. Außerdem wachsen Kinder in dem Alter sehr schnell, es muss deshalb regelmäßig eine Anpassung erfolgen. Kommt man um diese Maßnahme nicht herum, ist es wichtig, eine gute Beratung in einem Fachgeschäft in Anspruch zu nehmen und ein paar wichtige Punkte bei der Auswahl der Brille zu berücksichtigen.

Das Gestell muss auf jeden Fall aus einem flexiblen und weichen Material hergestellt sein, denn die Brille muss den Tragebedürfnissen des Babys entsprechen. Gute Babybrillen verfügen über Bügel mit Federscharnier und sind mit einem Steg aus Silikon ausgestattet. Die Brille darf nicht zu schwer sein, damit keine Druckstellen entstehen. Größe und Passform müssen natürlich dem Kopf des Babys angepasst sein.

Weil Babys noch viel liegen, muss die Brille sehr schmal sein und eng am Gesicht anliegen, die Bewegungen des Kindes dürfen durch die Brille nicht eingeschränkt werden. Da gerade Babys gerne über den Brillenrand schauen, sollten die Gläser abgerundet sein. Hat das Baby eine Sehstörung, muss nicht nur die Sehstärke in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden, sondern auch der optimale Sitz der Brille.

Bildnachweis: © Themalni (ID 302213297) / shutterstock.com

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