Asthma
Typische Beschwerden bei Asthma bronchiale sind pfeifende Atmung, Kurzatmigkeit und Luftnot
Krankheiten

Asthma – Ursachen, Symptome und Therapie

Asthma bronchiale, in der Kurzform einfach Asthma genannt, ist eine chronische Erkrankung der Atemwege, die anfallsartig zu starker Atemnot führt. Grundsätzlich wird zwischen allergischem und nicht-allergischem Asthma unterschieden.

Was ist Asthma?

Asthma ist eine Erkrankung der Atemwege. Zwar gibt es auch das Asthma cardiale, das Folge einer Herzerkrankung ist, die Kurzform Asthma wird aber ausschließlich für das Asthma bronchiale genutzt. Der Begriff Asthma stammt aus dem Griechischen und bedeutet Atemnot. Die Atemnot ist auch das Leitsymptom der chronisch-entzündlichen Erkrankung. Der Definition des international consensus reports zufolge, ist das Asthma eine anfallsweise Atemnot infolge einer sogenannten Bronchialobstruktion. Als Bronchialobstruktion wird eine Verengung der oberen Luftwege bezeichnet. Zusätzlich zu dieser Verengung bilden die Schleimhäute vermehrt Schleim und Ödeme.

In der Regel beginnt die Erkrankung bereits im Kindesalter. Asthma bronchiale zählt hier zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Rund zehn Prozent aller Kinder in Deutschland sind betroffen. Bei den Erwachsenen leiden noch etwa fünf Prozent unter der Atemwegserkrankung. Dabei erkranken Frauen häufiger als Männer. Pro Jahr ereignen sich in Deutschland rund 5.000 asthmabedingte Todesfälle. Anders als man vielleicht vermuten würde, tritt die Erkrankung in stark industrialisierten und schadstoffbelasteten Gegenden nicht häufiger auf. Allerdings schwanken die Erkrankungszahlen von Land zu Land deutlich. Während in Gesamtwesteuropa durchschnittlich sechs Prozent der Menschen an Asthma leiden, sind es in Schottland fast 19 Prozent. Griechenland weist hingegen eine Prävalenz von nur zwei Prozent auf.

Asthma – Ursachen

Grundsätzlich kann zwischen dem allergischen Asthma und dem nicht-allergischen Asthma unterschieden werden.

Beim allergischen Asthma, auch als exogenes Asthma bezeichnet, kommt es aufgrund einer genetischen Anlage und verschiedener äußerer (exogener) Auslöser zu Entzündungen der Bronchien. Das allergische Asthma bronchiale gehört genau wie die allergische Rhinitis und die Neurodermitis zu den atopischen Krankheiten.

Menschen mit einer Atopie neigen zu Überempfindlichkeitsreaktionen. Diese Neigung zur Überreaktivität kann vererbt werden. So ist das Risiko Asthma zu bekommen deutlich erhöht, wenn beide Elternteile ebenfalls unter allergischem Asthma leiden. Infolge reagieren die Betroffenen verstärkt auf Stoffe, die eine Allergie auslösen können. Diese werden auch als Allergene bezeichnet.
Mögliche Allergene sind zum Beispiel Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Mehlstaub oder Insektengifte. Tritt das Asthma überwiegend im Beruf auf, spricht man vom berufsbedingten Asthma. Bei Kontakt mit diesen Allergenen werden vermehrt Immunglobuline vom Typ E, die sogenannten IgE, gebildet. Diese lösen in Wechselwirkung mit den Allergenen die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffe wie Histamin oder Bradykinin aus. Dadurch kommt es zu einer Entzündung der Bronchialschleimhaut. Die Schleimhäute schwellen stark an und bilden einen zähen Schleim, sodass sich die Atemwege verengen. Krämpfe der Atemmuskulatur erschweren zusätzlich die Atmung.

Häufig äußert sich die Atopie zunächst durch eine Pollenrhinitis, also durch einen allergischen Schnupfen. Bei fast einem Viertel der Patienten entwickelt sich im Laufe der Jahre daraus ein Bronchialasthma. Man spricht hier auch vom Etagenwechsel.

Das allergische Asthma sollte nicht mit der pseudoallergischen Reaktion auf Acetylsalicylsäure oder nicht steroidale Antirheumatika verwechselt werden. Diese Form des Asthma bronchiale wird auch als Arzneimittelasthma bezeichnet. Das Arzneimittelasthma ist eine pseudoallergische Reaktion, da der Körper auf das Medikament nicht im eigentlichen Sinne allergisch reagiert. Vielmehr entstehen bei der Verstoffwechselung der entsprechenden Wirkstoffe vermehrt Botenstoffe, die bei vorbelasteten Menschen einen Asthmaanfall auslösen können. Das Arzneimittelasthma gehört ebenso wie das Asthma durch Infekte zu den nicht-allergischen Formen der Erkrankung, die auch als intrinsic asthma oder intrinsisches Asthma bezeichnet werden. Bei einer Virusinfektion können die Atemwege eine höhere Reizempfindlichkeit aufweisen. Insbesondere bei Erwachsenen und Kleinkindern kann sich daraus ein Infektasthma entwickeln. Während bei jüngeren Kindern vor allem die sogenannten Respiratory-Syncytial-Viren verantwortlich sind, basiert das Infektasthma bei Erwachsenen häufiger auf Infektionen mit Rhinoviren. Doch auch Influenza-Viren, Coronaviren oder Adenoviren können ein Infektasthma auslösen.

Eine weitere Ursache für das nichtallergene Asthma ist der gastroösophageale Reflux. Hierbei fließt Magensaft aus dem Magen zurück in die Speiseröhre. Der zurückfließende Magensaft reizt mit seiner Säure den Vagusnerv, den zehnten Hirnnerv. Über verschiedene Verschaltungen im Gehirn löst dies eine Verengung der Bronchien aus. Zudem können die Atemwege durch das Verschlucken des Magensaftes stark gereizt werden, woraufhin sie sich reflexartig zum Schutz zusammenziehen.

Asthma – Symptome

Das Leitsymptom des Asthma bronchiale sind Asthmaanfälle mit akuter Luftnot (Dyspnoe). Diese bezeichnet man in der medizinischen Fachsprache auch als inspiratorischen Stridor.

Häufig beginnt ein Anfall zunächst mit einem trockenen Husten. Viele Patienten klagen zudem über ein Engegefühl im Bereich der Brust. Die Sogwirkung beim Einatmen sorgt dafür, dass die Betroffenen in der Regel trotz verengter Atemwege zu Beginn noch gut einatmen können. Bei der Ausatmung fehlt diese Sogwirkung allerdings, sodass das Abatmen der Luft erschwert ist. Es verbleibt vermehrt Atemluft in den Lungen, sodass nach einiger Zeit nicht mehr ausreichend Raum zum Einatmen vorhanden ist. Die Betroffenen verspüren Luftnot und reagieren daraufhin mit Aufregung oder Angst. Die Atemfrequenz steigt und die Patienten nutzen zur Erleichterung der Atmung ihre Atemhilfsmuskulatur. Zu den Atemhilfsmuskeln gehören zum Beispiel der Musculus obliquus internus abdominis (innerer schräger Bauchmuskel) und der vordere Sägemuskel. Zur Unterstützung der Atemmuskulatur und der Atemhilfsmuskulatur stützen sich die Betroffenen oft mit den Armen auf den Oberschenkeln oder auf einem Tisch ab. Dieser sogenannte Kutschersitz entlastet zudem den Brustkorb und vergrößert die Atemfläche durch eine Dehnung des Thorax.

Je nach Ausprägung des Asthmaanfalls kann es durch Sauerstoffmangel zu einer Blaufärbung der Lippen und Fingernägel kommen. Man spricht hier von einer Zyanose. Auch ein beschleunigter Herzschlag und ein aufgeblähter Brustkorb können bei einem Anfall auftreten. Bei sehr schwerer Atemnot weisen die Patienten zwischen den Rippen, im Oberbauch und im Bereich der sogenannten Drosselgruben Einziehungen auf. Ausgeprägte Asthmaanfälle können ohne Behandlung zu einem erniedrigten Blutdruck, Erschöpfung und sogar zum Koma führen. Normalerweise klingt der Asthmaanfall aber von selber ab. Die Patienten husten nach der Atemnot gelben und zähen Schleim ab. Zwischen den Anfällen zeigen die Patienten keine Symptome.

Dauert der Asthmaanfall jedoch längere Zeit an, liegt ein Status asthmaticus vor. Die Symptomatik kann mehr als 24 Stunden bestehen und in einem tödlichen Atemstillstand enden.

Asthma – Therapie

Grundsätzlich kann bei der Behandlung des Asthma bronchiale zwischen einer Basis- und einer Anfallstherapie unterschieden werden. Auch präventive Maßnahmen kommen zum Einsatz.

Die wichtigste Vorbeugung eines Asthmaanfalls ist es, die Auslöser der Anfälle zu vermeiden. Je nach auslösendem Stoff kann eine Hyposensibilisierung durchgeführt werden. Ziel dieser spezifischen Immuntherapie ist es, das Abwehrsystem des Körpers nach und nach an das Allergen zu gewöhnen. Bestenfalls löst die Substanz dann keine Asthmaanfälle mehr aus.

In der Basistherapie kommen Medikamente zum Einsatz, die das Fortschreiten der Erkrankung verhindern sollen. Dazu empfiehlt die Deutsche Atemwegsliga ein Behandlungskonzept, das auch als Asthma-Stufentherapie bekannt ist. Im ersten Stadium ist noch keine Dauermedikation erforderlich. Die Stufe zwei, das leichtgradige Asthma, bedarf hingegen einer regelmäßigen Inhalation von niedrigdosierten Glukokortikoiden wie Mometason oder Budesonid. Bei Kindern und Jugendlichen können alternativ sogenannte Mastzellstabilisatoren wie Nedocromil oder Cromoglicinsäure zum Einsatz kommen. Beim mittelgradigen Asthma (Stufe drei) wird die Dosierung der Glukokortikoide gesteigert. Die Dosierung kann jedoch auch beibehalten werden, falls die Glukokortikoide zusammen mit ß2-Sympathomimetika verabreicht werden. Bei der Stufe vier, dem schweren Asthma, erhalten die Patienten ein hoch dosiertes Glukokortikoid zur Inhalation, das mit einem ß2-Sympathikomimetikum kombiniert wird. Während die Glukokortikoide in den Stufen eins bis vier nur lokal wirksam sind, erfolgt beim sehr schweren Asthma (Stufe fünf) eine orale Gabe. Beim allergischen Asthma erhalten die Patienten zudem Omalizumab, einen Anti-IgE-Antikörper.

Bei sehr schweren Krankheitsverläufen kann eine bronchiale Thermoplastie durchgeführt werden. Hierbei wird im Rahmen einer Endoskopie mit hochfrequentem Strom die Muskulatur der Bronchien verdünnt, um die Atemwege zu weiten.

Neben dieser medikamentösen bzw. invasiven Therapie gibt es weitere Möglichkeiten den Verlauf der Erkrankung positiv zu beeinflussen. Wenn eine psychosomatische Komponente beim Krankheitsgeschehen vorliegt, kann eine Psychotherapie sinnvoll sein.

In jedem Fall sollten Asthmatiker auf Zigaretten und andere Tabakprodukte verzichten. Dadurch lässt sich die Lungenfunktion deutlich verbessern. Als positiv hat sich zudem eine ballaststoffreiche Ernährung erwiesen. Scheinbar unterstützt eine ausgewogene Ernährung die Darmflora und dadurch indirekt auch die Funktion der Atemwege. Gute Effekte zeigt ferner das intermittierende Fasten. Hierbei wird in einem bestimmten Rhythmus zwischen normaler Nahrungsaufnahme und Fasten gewechselt. Üblicherweise folgt auf eine 24-stündige Phase mit normalem Essverhalten eine 24-Stunden-Fastenphase. Studien zeigen, dass Patienten, die intermittierend fasten, weniger Entzündungsmarker im Blut aufweisen. Zudem verbessert sich der sogenannte Peak Flow deutlich. Dieser Messwert dient der Beobachtung des Verlaufs von asthmatischen Erkrankungen.

Der akute Asthmaanfall ist potenziell lebensbedrohlich. Zur Erweiterung der Bronchien kommen kurzwirksame ß2-Agonisten in Form einer Inhalation zum Einsatz. Falls keine Inhalation möglich ist, können die Arzneimittel auch injiziert werden. Über eine Sonde oder eine Maske erhalten die Patienten Sauerstoff mit einer Sauerstoffsättigung von mehr als 90 Prozent. Schwangere und Patienten, die unter einer Herzerkrankung leiden, erhalten Sauerstoff mit einer Sauerstoffsättigung von mehr als 95 Prozent.

Zur Entzündungshemmung und Verbesserung der Atmung verabreicht der behandelnde Arzt intravenös Kortikosteroide. Auch durch die intravenöse Gabe von Magnesiumsulfat kann eine Erweiterung der Bronchien erwirkt werden. Ist diese Therapie nicht ausreichend, kommen zusätzlich Xanthine wie Theophyllin zum Einsatz. Der Wirkstoff führt zu einer Erschlaffung der glatten Atemwegsmuskulatur und damit auch zu einer Erweiterung der Bronchien. Eventuell erhalten die Patienten alternativ das Narkotikum Ketamin.

Asthma – Vorbeugung

Der Neigung zum Asthma bronchiale lässt sich nicht vorbeugen. Allerdings können gezielte Maßnahmen akute Asthmaanfälle vermeiden und so Langzeitschäden vorbeugen. Da trockene Luft ein Reizfaktor für die Atemwege darstellt, sollten Asthmatiker stets auf eine ausreichende Raumluftfeuchtigkeit achten. Bei allergischem Asthma sollten alle auslösenden Stoffe gemieden werden. Allergenfreie Matratzen und Bettwaren können hilfreich sein. Tierhaltung ist für Asthmatiker hingegen nicht zu empfehlen.

Bei einer Neigung zu Asthmaanfällen sollten verschiedene Medikamente gemieden werden. Dazu gehören unter anderem Arzneimittel mit den Wirkstoffen Ibuprofen, Diclofenac, Indometacin und Acetylsalicylsäure. Diese können einen Asthmaanfall auslösen. Auch die blutdrucksenkenden Betablocker dürfen nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Um eine Verschlechterung frühzeitig zu bemerken, müssen Asthma-Patienten ihre Lungenfunktion regelmäßig mit einem Peak-Flow-Meter kontrollieren. Zudem sollte jeder Asthmatiker ein Notfalldokument bei sich tragen, in dem klar vermerkt ist, welche Erkrankung vorliegt, welche Auslöser bekannt sind, welche Medikamente eingenommen werden und welche Notfallempfehlungen vorliegen. Bei einem schweren Asthmaanfall kann solch ein Notfallplan Leben retten.

Bildnachweis: © wavebreakmedia / shutterstock.com

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