Lippenherpes
Auslöser für Lippenherpes ist meist körperliche Nähe oder infiziertes Besteck und Geschirr
Krankheiten

Lippenherpes – Ursachen, Symptome und Therapie

Der Lippenherpes ist nicht nur die häufigste, sondern auch die bekannteste Erscheinungsform der Infektionskrankheit Herpes. In der medizinischen Fachsprache wird die Erkrankung als Herpes labialis bezeichnet.

Was ist Lippenherpes?

Herpes ist eine Infektionskrankheit, die auf der ganzen Welt verbreitet ist und von Viren hervorgerufen wird. Die Erkrankung kann sich in verschiedenen Bereichen des Körpers manifestieren. Beim Lippenherpes ist die Mundregion von den typischen Herpesbläschen betroffen. Erreger sind hier in der Regel Herpesviren der Gattung Herpes simplex. Infektionen mit diesen Viren gehören zu den häufigsten infektiösen Erkrankungen der Haut. Die erste Ansteckung mit den Herpesviren findet überwiegend schon in der Kindheit statt. Das Virus verbleibt ein Leben lang im Körper und kann unter bestimmten Umständen reaktiviert werden. Während die Erstinfektion oft unbemerkt bleibt, zeigt sich die Zweitinfektion dann in der Regel als Herpes labialis mit den charakteristischen Herpesbläschen. Aufgrund der hohen Dichte an Nervenfasern und der empfindlichen Haut sind die Lippen besonders anfällig für Herpesinfektionen. Rund 40 Prozent der Bevölkerung leiden deshalb mindestens einmal im Leben unter einer sichtbaren Herpeserkrankung der Lippen. Schätzungen zufolge tragen mehr als 80 Prozent der Menschen die auslösenden Herpesviren in sich.

Lippenherpes – Ursachen

Die eigentliche Ursache für die Hauterscheinungen im Lippenbereich ist eine Infektion mit den Herpesviren. Bei einem Herpes labialis sind zumeist die Viren aus der Gattung Herpes simplex vom Typ 1 und Typ 2 beteiligt. Diese werden auch als HSV1 und HSV2 bezeichnet. HSV1 ist der Hauptauslöser für Lippenherpes. Zwar kann einem Lippenherpes auch eine Infektion mit dem Typ HSV2 zugrunde liegen, dieser Virustyp ist aber eher Verursacher des Genitalherpes.

Die Übertragung der Herpesviren erfolgt von Mensch zu Mensch durch Schmier- oder Tröpfcheninfektionen sowie durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt. Bei ausreichender körperlicher Nähe genügen für eine Ansteckung bereits kleinste Speicheltröpfchen, die beim Sprechen oder Niesen entstehen und über die Luft übertragen werden. Häufiger verbreitet sich das Virus jedoch mittels Schmierinfektion über kontaminierte Lebensmittel oder Gegenstände. So stellt das gemeinsame Benutzen von Geschirr, Besteck oder Handtüchern beispielsweise eine Infektionsquelle dar. Ebenso kann das Virus beim Küssen, beim Berühren der infektiösen Bläschen oder beim Geschlechtsverkehr übertragen werden.

In den meisten Fällen verläuft die Erstinfektion mit dem Virus unbemerkt. Das Immunsystem kann zwar einen Großteil der Viren eliminieren, ein Teil verbleibt jedoch in einer Art Ruhezustand im Körper. Die Herpesviren gelangen vom Infektionsort über die Leitbahnen des Nervensystems, die sogenannten Axone, zu den Nervenknoten. Im Zellkern der Nervenzellen sind die Herpesviren für das Immunsystem nicht greifbar, sodass die DNA des Virus dort ein Leben lang überdauern kann. So kann sich das Virus theoretisch jederzeit wieder vermehren. Eine solche Reaktivierung mit der Entstehung zahlreicher neuer Viren und der Ausbildung der charakteristischen Symptome ist aber zumeist nur dann möglich, wenn das Immunsystem geschwächt ist.

Es gibt verschiedene Auslöser, die eine Reaktivierung der Infektion begünstigen können. So können Infektionskrankheiten oder Fieber das Immunsystem schwächen. Deshalb werden Herpesbläschen in einigen Regionen auch als Fieberblasen bezeichnet. Starke Sonneneinstrahlung führt zu einer Unterdrückung der Immunzellen in der Haut und kann so ebenfalls zu einer Sekundärinfektion beitragen. Dasselbe gilt für psychische Belastungen wie Stress, Trauer oder Angst. Viele Menschen entwickeln bei ausgeprägtem Ekel einen Lippenherpes. Auch in Phasen hormoneller Umstellungen, beispielsweise während der Menstruation, in den Wechseljahren oder in der Schwangerschaft, treten häufiger Zweitinfektionen auf. Ferner erhöhen Medikamente oder Krankheiten, die das Immunsystem unterdrücken, das Erkrankungsrisiko. Je nach Gesundheitszustand können somit zwischen der Erstinfektion und dem ersten Auftreten der Herpesbläschen mitunter mehrere Jahre vergehen.

Lippenherpes – Symptome

Die Erstinfektion mit dem Virus verläuft meist ohne Beschwerden. Bei einigen Betroffenen zeigen sich jedoch auch unspezifische Symptome wie Unwohlsein, Müdigkeit oder Übelkeit. Die eigentliche Infektion äußert sich dann durch flüssigkeitsgefüllte Bläschen und eine gerötete Haut im Bereich der Lippen. Auch Schwellungen und Hautschäden können auftreten. Die Bläschen platzen im Verlauf auf und verkrusten. Zeitgleich können sich neue Bläschen bilden.

Bei der Reaktivierung des Lippenherpes, der sogenannten Sekundärinfektion, treten die ersten Beschwerden häufig schon dann auf, wenn noch keine Bläschen zu sehen sind. Die Haut der Lippen spannt, juckt, kribbelt oder ist überempfindlich. Diese ersten Vorzeichen können mehrere Stunden oder sogar einen ganzen Tag andauern. Einige der Betroffenen haben vor dem Erscheinen der Herpesbläschen aber auch keinerlei Beschwerden. Die Hauterscheinungen der Zweitinfektion gleichen denen der Erstinfektion. Es bilden sich Bläschen, die mit klarer Flüssigkeit gefüllt sind und nach wenigen Tagen aufplatzen. Die dabei entstehenden kleinen und schmerzenden Wunden verkrusten nach kurzer Zeit gelblich. Solange diese Krusten die Wunden noch nicht abdecken, besteht bei Berührung eine erhebliche Infektionsgefahr für andere Personen. Ferner können die Herpesviren über das Aufkratzen der Bläschen auf dem Körper verteilt werden und so auch in anderen Bereichen Hauterscheinungen hervorrufen. In der Regel verläuft die Infektion eher milde. Bis zur vollständigen Ausheilung vergehen in der Regel zehn bis vierzehn Tage.

Bei Babys, Kindern und stark immungeschwächten Personen können die Herpes-simplex-Viren jedoch auch eine generalisierte Infektion auslösen. Dabei entstehen im Körper in verschiedenen Organen Infektionsherde, die schlussendlich zum Tod führen können. Die Erreger des Lippenherpes können bei Kindern ferner eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) hervorrufen. Auch hier besteht Lebensgefahr. Insgesamt betrachtet treten solche Komplikationen jedoch eher selten auf.

Lippenherpes – Therapie

Ein leichter und begrenzter Befall der Lippen bedarf in der Regel keiner Behandlung. Die Infektion heilt innerhalb von zwei Wochen von allein aus. Bei einem sehr ausgeprägten Befall stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

So können Arzneimittel mir virenhemmenden Wirkstoffen, sogenannte Virostatika, die Vermehrung der Viren stoppen. Dazu werden Arzneistoffe wie Aciclovir in Form von Salben oder Tinkturen auf die betroffenen Stellen aufgetragen. In besonders schweren Fällen kann der behandelnde Arzt die Virostatika auch intravenös verabreichen.

Ferner sind zur Behandlung von Lippenherpes spezielle Pflaster erhältlich. Diese Patches werden auf die Bläschen aufgeklebt. Sie dienen allerdings ausschließlich der Linderung der Symptome und wirken nicht der Vermehrung der Herpesviren entgegen.

Droht neben der eigentlichen Infektion mit dem Virus eine Zweitinfektion durch Bakterien wie Streptokokken oder Staphylokokken, können örtlich desinfizierende Maßnahmen erforderlich sein. Auch Antibiotika können zur Behandlung einer solchen Superinfektion zum Einsatz kommen.

Eine ursächliche Behandlung der Herpesinfektion ist mit den zur Verfügung stehenden Therapieverfahren nicht möglich. Zwar verschwinden die Bläschen bei der richtigen Behandlung schneller, die verantwortlichen Viren verbleiben jedoch weiterhin im Körper, sodass es jederzeit zu einer Reaktivierung kommen kann.

Lippenherpes – Vorbeugung

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die einer Infektion mit den Herpesviren vorbeugen können, aufgrund der hohen Durchseuchungsrate in der Bevölkerung ist eine sichere Prävention jedoch kaum möglich. Herpesviren können außerhalb des Körpers zwar nur für sehr kurze Zeit überleben, dennoch sollten Handtücher, Servietten, Kosmetika, Gläser oder Besteck nicht gemeinsam mit akut Erkrankten genutzt werden. Besonders infektiös ist der Inhalt der Herpesbläschen. Der direkte Kontakt sollte deshalb zwingend vermieden werden. Betroffene können einer Infektion anderer Personen durch regelmäßiges Händewaschen und Desinfizieren vorbeugen. Menschen, die unter einem akuten Lippenherpes leiden, sollten ferner auf Küssen und Geschlechtsverkehr verzichten. Besondere Vorsicht ist im Erkrankungsfall beim Kontakt mit Säuglingen, Kleinkindern und alten Menschen geboten. Es empfiehlt sich hier auf jeglichen Hautkontakt zu verzichten und gegebenenfalls einen Mundschutz zu tragen.

Tritt die Herpesinfektion an den Lippen bei Schwangeren unmittelbar vor der Geburt auf, raten die Ärzte meistens zu einem Kaiserschnitt, da die Viren mittels Schmierinfektion auch in den Genitalbereich und von dort auf das Kind übertragen werden können.

Nach erfolgter Erstinfektion mit den Herpesviren können verschiedene Vorsorgemaßnahmen ergriffen werden, um einem weiteren Ausbruch der Bläschen vorzubeugen. Wichtigster Schutz ist ein intaktes Immunsystem. Dieses lässt sich durch ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und eine gesunde und ausgewogene Ernährung stärken. Stress schwächt hingegen die Abwehrkräfte des Körpers und sollte deshalb weitgehend reduziert werden. Ebenso können der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten sowie ein adäquater Schutz vor UV-Strahlen das Risiko für eine Reaktivierung des Lippenherpes senken.

Bildnachweis: © Cherries – Fotolia.com

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