Niedriger Blutdruck - Hypotonie
Niedriger Blutdruck (Hypotonie) kann zu Schwindel, Ohrensausen und auch zur Ohnmacht führen
Krankheiten

Niedriger Blutdruck – Ursachen, Symptome und Therapie

Bei der arteriellen Hypotonie liegt der Blutdruck unterhalb der Normgrenze. Häufig bleibt niedriger Blutdruck asymptomatisch.

Was ist niedriger Blutdruck?

Bei einer arteriellen Hypotonie ist der Gefäßdruck in den großen Arterien des Körpers zu niedrig. Der Grund dafür ist ein Missverhältnis zwischen dem Volumen der Blutgefäße und dem zirkulierenden Blutvolumen im Blutkreislauf. In Deutschland liegt die Grenze zur Hypotonie bei einem systolischen Blutdruck von weniger als 110 mmHg. In den USA gibt das National Heart, Lung and Blood Institute (NHLBI) hingegen einen Grenzwert von 90/60 mmHg an.

Im Gegensatz zur Hypertonie (Bluthochdruck) ist die Hypotonie nicht zwingend behandlungsbedürftig, da es keine relevanten Folgeschäden gibt. Handlungsbedarf besteht ausschließlich, wenn das Wohlbefinden der Patienten durch den niedrigen Blutdruck beeinträchtigt ist. Ist dies der Fall, spricht man auch von einer symptomatischen Hypotension.

Grundsätzlich kann zwischen der primären Hypotonie und der sekundären Hypotonie unterschieden werden. Die Ursache der primären Hypotonie ist unbekannt, bei der sekundären Hypotonie ist eine körperliche Ursache erkennbar. Ein Sonderfall ist die sogenannte orthostatische Hypotonie. Hier zeigt sich der niedrige Blutdruck ausschließlich beim Übergang vom Liegen zum Stehen.

Niedriger Blutdruck – Ursachen

Die häufigste Form der Hypotonie ist die essentielle Hypotonie. Die Ursache ist hier unklar. Experten vermuten jedoch, dass dem niedrigen Blutdruck eine Verschiebung des Sollwerts zugrunde liegt. Der Sollwert ist der Blutdruckwert, den der Körper anstrebt. Normalerweise liegt der Sollwert beim Blutdruck bei 120/80 mmHg. Ist der Sollwert zu niedrig angesetzt, strebt der Körper danach, diesen erniedrigten Sollwert zum Istwert zu machen. Die Folge ist eine Hypotonie. Eine essentielle Hypotonie findet sich bevorzugt bei jungen und schlanken Frauen. In der Regel hat diese Form des erniedrigten Blutdrucks jedoch keinen Krankheitswert.

Als Ursache der sekundären Hypotonie kommen verschiedene Erkrankungen infrage. So geht die endokrine Hypotonie auf Störungen im Hormonhaushalt zurück. Eine mögliche endokrine Ursache ist der Morbus Addison. Diese seltene aber potentiell lebensgefährliche Erkrankung basiert auf einem kompletten Funktionsverlust der Nebennieren. Dadurch kommt es zu einem Mangel an dem Hormon Aldosteron, das unter anderem für die Regulation des Blutdrucks verantwortlich ist. Ohne Aldosteron wird zu wenig Natrium in den Nieren rückresorbiert. Dadurch kommt es zu einem Flüssigkeitsverlust und somit auch zu einem Blutdruckabfall. Auch beim Bartter-Syndrom führt ein Salzverlust in den Nieren zur Hypotonie. Das Bartter-Syndrom ist ein autosomal-rezessiv vererbter Defekt, der relativ selten vorkommt. Eine Hypotonie kann ferner im Rahmen einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) auftreten. Durch den Mangel an Schilddrüsenhormonen ist der Stoffwechsel eingeschränkt, sodass der Blutdruck absinkt.

Die kardiovaskuläre Hypotonie hat ihre Ursache hingegen im Herz-Kreislauf-System. Eine mögliche kardiovaskuläre Ursache ist das Karotissinussyndrom. Dabei zeigen die Druckrezeptoren im Bereich des Karotissinus am Hals eine übersteigerte Reaktionsbereitschaft. So reichen bereits geringe Druckeinwirkungen auf den Karotissinus, zum Beispiel durch einen Hemdkragen oder eine Krawatte, um die Druckrezeptoren zu aktivieren. Diese reagieren mit einer Steigerung des Vagotonus, sodass der Blutdruck sinkt. Ein niedriger Blutdruck ist ebenfalls das Symptom des Vena-cava-inferior-Syndroms. Hier ist der venöse Rückstrom zum Herzen im Einzugsbereich der unteren Hohlvene gestört, sodass es zu einer unteren Einflussstauung kommt. Mögliche Ursachen des Vena-cava-inferior-Syndroms sind Tumore im Bauchraum oder Thrombosen der Beckenvenen. Auch in der fortgeschrittenen Schwangerschaft kann es in der Rückenlage durch den Druck des Ungeborenen auf die Vena cava inferior zu einem Blutdruckabfall kommen.

Weitere kardiovaskuläre Ursachen der Hypotonie sind Ergüsse im Bereich des Herzbeutels, eine Herzbeuteltamponade und Herzerkrankungen.

Die Hypotonie kann ferner durch Medikamente hervorgerufen werden. Häufig liegen dieser medikamentösen Hypotonie Betablocker zugrunde. Um eine solche Hypotonie zu vermeiden, sollten medikamentös eingestellte Hypertoniker ihre Blutdruckwerte regelmäßig überprüfen. In seltenen Fällen tritt eine Hypotonie auch im Rahmen von Infektionen auf.

Bei der orthostatischen Hypotonie ist die Gegenregulation des Körpers beim Lagewechsel gestört. Beim Wechsel in die aufrechte Körperlage fließt das Blut plötzlich und schnell in die Beine. Normalerweise steuert der Organismus dem Blutdruckabfall, der durch diese Orthostase hervorgerufen wird, mit der sogenannten Orthostase-Reaktion entgegen. Bei der sympathikotonen orthostatischen Hypotonie ist die Gegenregulation des sympathischen Nervensystems jedoch zu stark. So kommt es zu einem starken Anstieg des diastolischen Blutdrucks und der Herzfrequenz und gleichzeitig zu einem starken Abfall des systolischen Blutdrucks. Bei der asympathikotonen orthostatischen Hypotonie fällt die Gegenregulation des sympathischen Nervensystems jedoch zu schwach aus. Herzfrequenz, systolischer und diastolischer Blutdruck fallen gleichzeitig stark ab.

Niedriger Blutdruck – Symptome

Aufgrund der Sauerstoffunterversorgung leiden die betroffenen Patienten unter Schwindel. Dieser tritt häufig am Morgen oder nach dem Lagewechsel auf. Oft begleitet Ohrensausen die Schwindelsymptomatik. Insbesondere jüngere und schlanke Frauen neigen zur Ohnmacht. Diese Synkopen können zu schweren Stürzen und damit verbunden auch zu Verletzungen führen.

Wenn der Körper versucht gegen den niedrigen Blutdruck anzukämpfen, zeigt sich bei den Patienten kompensatorisch ein hoher Puls. In vielen Fällen tritt die Hypotonie zusammen mit Kopfschmerzen auf. Durch die verminderte Durchblutung des Kopfes können pulsierende oder stechende Kopfschmerzen entstehen. Ebenso häufig zeigt sich der niedrige Blutdruck in Kombination mit Müdigkeit. Abgeschlagenheit, Konzentrationsprobleme und Benommenheit sind ebenfalls Folge der verminderten Durchblutung. Einige Patienten leiden zudem unter Zittrigkeit oder starkem Schwitzen.

Menschen mit niedrigem Blutdruck klagen zudem zeitweise über Engegefühle im Bereich der Brust oder über stechende Schmerzen in der Herzgegend. Auch Luftnot ist ein mögliches Symptom der Hypotonie. Bei einigen Patienten stellt der Körper die Blutgefäße bei einem niedrigen Blutdruck eng, damit das Blut so besser zu den lebenswichtigen Organen gelangt. Diese Gefäßengstellung kann die beschriebenen Enge- und Druckgefühle verursachen. Die Haut ist bei einer Engstellung der Blutgefäße kühl und blass. Dementsprechend leiden Hypotoniker häufig auch unter kalten Händen und Füßen.

Niedriger Blutdruck – Therapie

Insbesondere bei jungen und sehr schlanken Frauen bzw. Mädchen tritt eine Hypotonie ohne Krankheitswert auf. Diese ist nicht behandlungsbedürftig.

Eine länger bestehende Hypotonie sollte jedoch immer ärztlich abgeklärt werden, da der niedrige Blutdruck Ausdruck einer lebensbedrohlichen Erkrankung sein kann. Die Therapie der sekundären Hypotonie ist dementsprechend von der Ursache abhängig.

Liegt dem niedrigen Blutdruck jedoch keine Erkrankung zugrunde, wird eine Therapie nur bei Beschwerden durchgeführt. Basis der Therapie bei der primären Hypotonie ist eine Anregung des Herz-Kreislauf-Systems. Hypotonie und die damit verbundenen Symptome lassen sich nachweislich durch Sport und regelmäßige Bewegung im Alltag verbessern. Durch die Aktivierung und Stimulation des Kreislaufs lassen Symptome wie Schwindel und Müdigkeit nach. Menschen, die vor allem nach dem Aufstehen unter einem niedrigen Blutdruck leiden, können bereits im Bett mit körperlichen Übungen einem Blutdruckabfall vorbeugen. Dafür sollten die Beine im Liegen einfach abwechselnd gestreckt und dann wieder angewinkelt werden. Dadurch wird der Blutfluss in den Beinen angeregt. Ausdauersportarten wie Radfahren oder Joggen regen den Kreislauf auch langfristig an und eigenen sich so gut zur Behandlung und Prävention der Hypotonie.

Auch Wechselduschen können bei niedrigem Blutdruck sinnvoll sein. Der rasche Wechsel zwischen kalter und warmer Wassertemperatur sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße abwechselnd eng stellen und wieder weiten. Diese Wechseldurchblutung verbessert die Spannung der Blutgefäße und regt zugleich die Kreislauffunktion an. Der durchblutungsfördernde und blutdrucksteigernde Effekt kann durch Bürstenmassagen oder einen Massageschwamm noch verbessert werden.

Der niedrige Blutdruck lässt sich ferner über die Ernährung beeinflussen. Lakritz, Hülsenfrüchte und auch Hafer enthalten sogenannte Saponine. Diese können die Produktion des Hormons Cortisol im Körper steigern und so den Blutdruck erhöhen. Menschen mit niedrigem Blutdruck sollten zudem auf eine ausreichende Zufuhr von Salz und Flüssigkeit achten.

Lässt sich der Blutdruck mit diesen nicht-medikamentösen Maßnahmen nicht zufriedenstellend steigern, können verschiedene Arzneimittel zum Einsatz kommen. So können Wirkstoffe aus der Gruppe der Sympathikomimetika die Blutgefäße verengen und so den Rückstrom zum Herzen erhöhen. Gleichzeitig senken sie die Herzfrequenz und erhöhen so den Blutdruck. Ein anderer Wirkstoff, der bei der Behandlung der Hypotonie genutzt werden kann, ist Erythropoetin. Das Hormon regt die Reifung der roten Blutkörperchen an. Dadurch verbessert sich der Sauerstofftransport innerhalb des Körpers, sodass die Sauerstoffmangelsymptome der Hypotonie gelindert werden können.

Niedriger Blutdruck – Vorbeugung

Die beste Prävention sind allgemeine Maßnahmen, die die Regulationsfähigkeit der Blutgefäße verbessern. Dazu gehören Sport, ausreichende Bewegung im Alltag sowie eine ausgewogene und salzreiche Ernährung. Menschen, die zu niedrigem Blutdruck neigen, sollten zudem mindestens zwei bis drei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Geeignet sind natriumreiche Mineralwässer, Kräuter- und Früchtetees. Kaffee und Tee in Maßen können niedrigem Blutdruck vorübergehend vorbeugen.

Wer bereits unter einer Hypotonie leidet, sollte Stürzen und den möglichen Folgeschäden vorbeugen. Schnelle Lagewechsel und plötzliches Aufstehen sollten vermieden werden. Bei den ersten Anzeichen für einen Blutdruckabfall sollten sich die Betroffenen sofort hinlegen und die Beine in einem 45 Grad Winkel hochlagern.

Bildnachweis: © Syda Productions / shutterstock.com

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