Neurodermitis
Starker Juckreiz und trockene, entzündete Haut sind typische Symptome der Neurodermitis
Krankheiten

Neurodermitis – Ursachen, Symptome und Therapie

Die Neurodermitis ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die mit Juckreiz und Ekzembildung einhergeht. Andere Bezeichnungen für die Krankheit sind atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis.

Was ist Neurodermitis?

Die Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung, die nicht ansteckend ist. Sie gehört ebenso wie das allergische Bronchialasthma und der Heuschnupfen zu den Erkrankungen des atopischen Formenkreises. Der Name Neurodermitis stammt noch aus dem 19. Jahrhundert. Damals ging man davon aus, dass die schweren Hauterscheinungen durch Entzündungen der Nerven hervorgerufen werden. Zwar gilt diese Ansicht schon seit langer Zeit als widerlegt, die Bezeichnung Neurodermitis ist heute jedoch immer noch geläufig.

Die Erkrankung ist insbesondere in den westlichen Industriestaaten weit verbreitet. Schätzungen zufolge sind 10-15 Prozent aller Kinder von den chronischen Entzündungen der Haut betroffen. Bei 90 Prozent aller Betroffenen tritt die Erkrankung erstmalig vor dem fünften Lebensjahr in Erscheinung. Rund 20 Prozent aller Patienten leiden bereits seit ihrem ersten Lebensjahr an Neurodermitis. Die Erkrankungszahlen steigen stetig an. So tritt das atopische Ekzem heute vier- bis sechsmal häufiger auf als in den 1950er Jahren. Die genauen Gründe für den starken Anstieg sind noch nicht bekannt. Die heutigen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten scheinen jedoch eine Rolle zu spielen.

Neurodermitis – Ursachen

Die Ursachen und Entstehungsfaktoren des atopischen Ekzems konnten bisher noch nicht abschließend geklärt werden. Experten vermuten ein multifaktorielles Geschehen mit einem Zusammenspiel aus immunologischen, genetischen und psychosomatischen Faktoren.

Zwar konnte eine eindeutige genetische Veranlagung der Neurodermitis bisher noch nicht nachgewiesen werden, es gibt jedoch einige Gene, die scheinbar in Zusammenhang mit der Krankheitsentstehung stehen. So beeinträchtigen Gendefekte die Produktion wichtiger Strukturproteine. Dadurch kommt es zu einer gestörten Barrierefunktion der Haut, sodass ihre Schutzfunktion in hohem Maße beeinträchtigt ist. Erreger und Allergene können leichter in die Haut eindringen, infolge erhöht sich die Entzündungsbereitschaft sehr deutlich. Ebenso können die Gendefekte die Kollagenproduktion in der Haut stören und den Umbau von Linolsäure in Gamma-Linolensäure behindern. Dies beeinträchtigt die Hautfunktion ebenfalls.

Ob die gestörte Barrierefunktion der Haut nun ganz zu Beginn der Krankheitsentstehung oder erst an zweiter oder dritter Stelle steht, ist umstritten. Eine Hypothese besagt, dass die atopische Dermatitis beim Kleinkind durch Autoallergene hervorgerufen wird. Dadurch entsteht eine Entzündung, die die Hautbarriere stört, sodass exogene Allergene eindringen und die Symptomatik verschlechtern können. Gegner dieser Hypothese vermuten hingegen, dass zuerst der Defekt der Hautbarriere besteht, der dann eine lokale Entzündung zur Folge hat.

Studien zeigen zudem, dass sich auf der Haut und in den Nasennebenhöhlen der Erkrankten vermehrt Bakterien der Art Staphylococcus aureus finden. Diese Erreger können durch die Hautdefekte in die Haut eindringen und dort Toxine produzieren, die die Entzündungsreaktion verstärken. Ähnliche Reaktionen können durch Viren oder durch Pilze wie beispielsweise Candida albicans hervorgerufen werden.

Als eine weitere Ursache der Neurodermitis wird eine Unterforderung des Immunsystems diskutiert. So führen einige Forscher den Anstieg atopischer Erkrankungen auf eine mangelnde Aktivierung des Immunsystems durch übertriebene Hygienemaßnahmen zurück. Auch der Rückgang parasitärer Erkrankungen scheint bei diesem Geschehen eine Rolle zu spielen. Experten vermuten, dass der frühe Kontakt mit bestimmten Bakterien und Parasiten wichtig ist, um das Immunsystem zu schulen. Ein unterfordertes Immunsystem neigt zu allergischen Reaktionen, wie sie bei der Neurodermitis auftreten.

Es gibt verschiedene weitere Faktoren, von denen vermutet wird, dass sie die Entstehung der Neurodermitis begünstigen können. Dazu gehören (Passiv-)Rauchen, Autoabgase, Stress, veränderte Ernährung und eine kurze Stillzeit bei Säuglingen und Kleinkindern.

Neurodermitis – Symptome

Je nach Alter des Patienten und abhängig vom individuellen Ausmaß der Erkrankung können die Symptome der Neurodermitis sehr unterschiedlich sein. Charakteristisch für die Hauterkrankung ist jedoch das schubweise Auftreten der Beschwerden. Auf symptomfreie Zeitabschnitte folgen Phasen mit teilweise sehr extremen Symptomen. Häufig werden die Symptome durch Stress, Ernährung oder andere Umwelteinflüsse ausgelöst. Kinder, Babys und Jugendliche weisen in der Regel andere Symptome auf als Erwachsene.

Beim Baby zeigt sich die Neurodermitis meist im Gesicht und im Bereich der behaarten Kopfhaut in Form von Milchschorf. Dabei handelt es sich um weiß-gelbliche Schuppen und Krusten, die auf geröteter Haut entstehen. Die Bezeichnung Milchschorf wurde gewählt, weil die Schuppenkrusten in ihrem Aussehen an verbrannte Milch erinnern. Die Schuppen können trocken sein oder nässen. Im jungen Alter zeigt sich die Neurodermitis zudem häufig auf den Streckseiten von Armen und Beinen oder im Mundbereich.

Schon kurze Zeit später entwickeln die jungen Neurodermitis-Patienten auch die typischen Ekzeme an den Beugeseiten von Armen und Beinen. Betroffen sind die Kniekehlen, die Handgelenke und die Ellenbogen. Die Haut kann kaum Feuchtigkeit speichern und ist deshalb sehr trocken. Gleichzeitig können aber nässende Stellen entstehen. Je älter die Kinder werden, desto häufiger weisen die Hautstellen Verdickungen, Flechten und Lichenifikationen auf. Das gesamte Hautbild wird gröber. Einzelne Bereiche der Haut können zu stark oder zu schwach gefärbt sein. Man spricht hier von einer Hyper- bzw. Hypopigmentierung. Die Hauterscheinungen sind häufig von quälendem Juckreiz begleitet. Insbesondere sehr kleine Kinder äußern ihren Unmut über die Hauterscheinungen durch ständiges Weinen.

In vielen Fällen bildet sich die Neurodermitis in der Pubertät vollständig zurück. Doch manchmal überdauert die Hauterkrankung auch die Pubertät. Bei Erwachsenen zeigt sich die atopische Dermatitis durch lederartige Verdickungen der Gesichtshaut, Juckreiz, kleine juckende Hautknoten und durch eine verstärkte Irritabilität der Haut. Typischerweise betrifft die Neurodermitis bei erwachsenen Patienten die Beugeseiten der Extremitäten, Hand- und Fußrücken sowie den Augen- und Stirnbereich. Bei einigen Patienten macht sich die Neurodermitis nur durch Lippenentzündungen, eingerissene Mundwinkel oder Brustwarzenekzeme bemerkbar.

Patienten mit einer atopischen Dermatitis weisen zudem häufig sogenannte atopische Stigmata auf. Dazu gehören helle Hautzeichnungen nach einem mechanischen Reiz, wiederholte Bindehautentzündungen, eine doppelte untere Lidfalte, Ausdünnungen der seitlichen Augenbrauen und Blässe im Mundbereich.

Neurodermitis – Therapie

Die Neurodermitisbehandlung besteht aus vier Stufen. Je nach aktueller Ausprägung der Symptome wird eine entsprechende Stufe zur Therapie ausgewählt.

In der ersten Stufe steht die Vorbeugung von Neurodermitisschüben im Vordergrund. Die Patienten benutzen täglich spezielle Cremes zur Pflege bei Neurodermitis und versuchen auslösende Faktoren zu meiden. Ab der zweiten Stufe wird diese prophylaktische Behandlung durch äußerlich angewendete, gering dosierte Medikamente unterstützt. In dieser Phase kommen Medikamente zum Einsatz, die die Aktivität des Immunsystems senken. Dazu gehört zum Beispiel Kortison, welches in Form einer Salbe auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen wird. Im dritten Behandlungsschritt ergänzen immunmodulierende Wirkstoffe wie Pimecrolimus oder Tracrolimus sowie Antihistaminika die Therapie. Die vierte Stufe der Neurodermitisbehandlung erfordert zusätzlich Medikamente zur Einnahme. Auch hier können Kortisone zum Einsatz kommen. In sehr schweren Fällen von Neurodermitis bei Erwachsenen greifen die Ärzte auch auf stark immunsupprimierende Arzneimittel wie Ciclosporin A, Azathioprin oder Methotrexat zurück.

Die Neurodermitistherapie kann mit weiteren Maßnahmen wie Lichttherapie oder bei Erregerbefall der Haut auch mit Antibiotika und Antimykotika erfolgen. Einen ähnlichen hautberuhigenden Effekt wie die Lichttherapie hat ein Aufenthalt im Reizklima an der See oder im Hochgebirge. Die hohe UV-Strahlung und die allergenarme Luft in diesen Gebieten wirken sich vor allem bei starken Schüben positiv auf das Beschwerdebild aus.

Es gibt zudem verschiedene Methoden der Alternativmedizin, die bei der Neurodermitis eingesetzt werden können. Unter anderem werden homöopathische und pflanzliche Heilmittel verwendet. Die Wirksamkeit dieser Verfahren ist allerdings wissenschaftlich bisher nicht nachgewiesen.

Neurodermitis – Vorbeugung

Die Veranlagung für die chronische Hauterkrankung wird vererbt, sodass sich die atopische Dermatitis bis heute weder verhindern noch heilen lässt. Es gibt jedoch einige Empfehlungen, um dem Ausbruch der Erkrankung vorzubeugen. Dermatologen empfehlen gefährdete Babys möglichst lange zu stillen und sie besonders vor Zigarettenrauch zu schützen. Zudem können spezielle Cremes helfen, die Barrierefunktion der Haut aufrecht zu erhalten. Die sehr trockene Haut benötigt besonders viel Pflege, um feucht und geschmeidig zu bleiben. Tägliches Eincremen kann die Anfälligkeit für Entzündungen frühzeitig senken.

Bildnachweis: © Traza / shutterstock.com

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