Colitis ulcerosa
Bei der Colitis ulcerosa treten zumeist Durchfälle, Darmblutungen und schmerzhafte Koliken auf
Krankheiten

Colitis ulcerosa – Ursachen, Symptome und Therapie

Die Colitis ulcerosa gehört genau wie der Morbus Crohn zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Die in Schüben verlaufende Erkrankung betrifft überwiegend den Dickdarm und ruft dort Geschwüre hervor.

Was ist die Colitis ulcerosa?

Die Colitis ulcerosa ist durch eine chronische Entzündung des Dickdarms bzw. des Colons charakterisiert. Der Begriff Colitis stammt aus dem Griechischen und bedeutet Darmentzündung. Die Bezeichnung ulcerosa heißt hingegen geschwürig und weist auf die Geschwürbildung bin, die bei der Colitis ulcerosa oft zu finden ist.

Im Gegensatz zum Morbus Crohn beschränken sich die entzündlichen Veränderungen bei der Colitis ulcerosa ausschließlich auf die Schleimhaut des Darms. Die übrigen Schichten der Darmwand sind nicht betroffen. Die entzündlichen Herde gehen meist vom Mastdarm aus, können sich aber auf den gesamten Dickdarm ausbreiten. Anders als beim Morbus Crohn treten im Bereich des Dünndarms keine Entzündungen auf.

In der westlichen Welt leiden pro 100.000 Einwohner zwischen 160 und 250 Menschen unter der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. In Deutschland erkranken durchschnittlich vier Menschen pro 100.000 Einwohner jährlich an Colitis ulcerosa. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen. Typischerweise tritt die Erkrankung zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr auf. Jahrzehntelang konnte man in Nordamerika und Europa steigende Krankheitszahlen beobachten. Mittlerweile stagniert die Prävalenz. Jedoch tritt die Colitis ulcerosa in Asien, Südamerika und Afrika, wo sie früher sehr selten war, in den letzten Jahren immer häufiger auf.

Colitis ulcerosa – Ursachen

Die Ursache der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung ist unbekannt. Es scheint sich ähnlich wie beim Morbus Crohn um ein multifaktorielles Geschehen zu handeln. Forscher vermuten, dass der Entzündung eine Autoimmunreaktion zugrunde liegt. Aufgrund einer Störung der Darmschleimhaut, die erworben oder angeboren sein kann, mangelt es an körpereigenen antibiotisch wirkenden Stoffen, den sogenannten Defensinen.

Bei Patienten mit Colitis ulcerosa zeigte sich in verschiedenen Studien zudem ein Mangel an Phosphatidylcholin. Dieser Stoff bindet den Schleim an die Schleimhaut und trägt somit zu einer intakten Schleimhautbarriere bei. Ferner ist die Verbindung zwischen den einzelnen Zellen der Darmschleimhaut nicht so eng, wie sie sein sollte. Diese Barrierestörung ermöglicht es Bakterien und anderen Erregern aus dem Darm in die Darmwand vorzudringen. Da diese Bakterien und auch andere Stoffe wie beispielsweise Bestandteile der Nahrung nicht in die Darmwand gehören, werden sie dort als Fremdstoffe wahrgenommen und vom Immunsystem attackiert. Es kommt zur Entzündung.

Neben diesen immunologischen Faktoren scheint es auch eine genetische Veranlagung für die Colitis ulcerosa zu geben, da die Krankheit gehäuft in Familien auftritt. Franz Alexander zählte die Colitis ulcerosa zu den Holy Seven und somit zu den psychosomatischen Erkrankungen. Heute geht man jedoch davon aus, dass weder Stress noch andere psychische Probleme die Darmentzündung auslösen können. Stress und emotionale Belastungen können jedoch einen akuten Krankheitsschub begünstigen.

Bei der Entwicklung und dem Verlauf der Erkrankung scheinen zudem Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle zu spielen. Eher als ein einzelner Umweltfaktor ist hier jedoch ein Zusammenspiel von Umweltfaktoren als Auslöser der Erkrankung nötig, sofern die genetischen Grundlagen überhaupt vorhanden sind. So steht übertriebene Hygiene im Verdacht, die Entstehung der Colitis ulcerosa zu fördern. Experten vermuten, dass ein nicht ausgelastetes Immunsystem eher zu Entgleisungen neigt. Auch die Ernährung kann einen Einfluss auf die Krankheitsentstehung haben. Erstaunlich ist, dass Tabakrauchen das Risiko, an einer Colitis ulcerosa zu erkranken, vermindert. Da Rauchen jedoch eine der größten vermeidbaren Todesursachen ist, sollte Tabak natürlich dennoch nicht als Präventionsmaßnahme in Erwägung gezogen werden.

Colitis ulcerosa – Symptome

Leitsymptome der Colitis ulcerosa sind ständig wiederkehrende Durchfälle, Darmblutungen und Koliken. Die Erkrankung bereitet jedoch nicht durchgängig Beschwerden, sondern verläuft genau wie der Morbus Crohn in Schüben. Es gibt also Zeiten, in denen die Patienten überhaupt keine Symptome haben. Diese beschwerdefreien Phasen können Monate oder sogar Jahre anhalten. Die meisten Erkrankten leiden jedoch in regelmäßigen Abständen unter den Schüben. Dabei bilden sich in der Darmschleimhaut Geschwüre, die sogenannten Ulzerationen. Diese sondern Schleim ab und können auch bluten. Dadurch kommt es zu schleimigen und teilweise zu blutigen Durchfällen. Auch Eiter kann mit dem Stuhl vermengt sein. Die Stuhlfrequenz im akuten Schub ist hoch. Die Patienten müssen bis zu 20 Mal pro Tag zur Toilette. Trotz der ständigen Toilettengänge haben die Betroffenen das Gefühl, dass sich ihr Darm nicht vollständig entleert hat. Der Stuhlgang ist zudem trotz der flüssigen oder breiigen Konsistenz des Stuhls schmerzhaft.

Noch dazu leiden Patienten mit Colitis ulcerosa häufig unter krampfartigen Bauchschmerzen, die bevorzugt im linken Unterbauch auftreten. Bei einem sehr heftigen Schub können Herzrasen oder auch Fieber hinzukommen. Die Patienten verlieren an Körpergewicht und fühlen sich schwach. Aufgrund der Blutungen kann sich eine Blutarmut (Anämie) entwickeln, die zu zusätzlicher Müdigkeit und Schwäche führt.

Die Symptome der Colitis ulcerosa können sich jedoch von Mensch zu Mensch stark unterscheiden. Das Ausmaß und die Schwere der Beschwerden sind unter anderem von der Ausbreitung der Entzündung abhängig. Während sich die Erkrankung bei einigen Patienten auf den Mastdarm beschränkt, weiten sich die Geschwüre bei anderen Patienten über größere Darmabschnitte aus. Dementsprechend schwerer ist hier die Symptomatik.

Ebenso wie der Morbus Crohn kann sich auch die Colitis ulcerosa außerhalb des Darms manifestieren. Solche extraintestinalen Manifestationen sind bei der Colitis ulcerosa aber deutlich seltener als beim Morbus Crohn. Patienten mit extraintestinalen Manifestationen leiden unter Gelenkentzündungen, Entzündungen der Augen oder unter Hautveränderungen. Auch eine Entzündung der Gallengänge, die sogenannte primär sklerosierende Cholangitis (PCS), kann im Rahmen der Colitis ulcerosa entstehen. Hierbei entzünden sich die kleinen Gallengänge in der Leber. Dadurch wird der Gallenabfluss behindert, sodass es zu einem Rückstau von Gallenflüssigkeit in die Leber und damit schlussendlich auch zu einer Schädigung der Leber kommt.

In selteneren Fällen führt die Colitis ulcerosa zu Komplikationen. Bei sehr heftigen Entzündungen kann sich der Darm aufblähen, sodass ein toxisches Megakolon entsteht. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich und erfordert eine sofortige Operation. Sehr intensive Schmerzen, ein stark aufgeblähter Bauch, Fieber und Schocksymptomatiken weisen auf ein solches Megakolon hin. Bei einem langjährigen Verlauf erhöht sich das Risiko für Darmkrebs. Dabei gilt: Je früher die Erkrankung beginnt, je länger sie dauert und je schwerer sie verläuft, desto größer ist das Entartungsrisiko. Patienten, die neben der Colitis ulcerosa auch an einer primär sklerosierenden Cholangitis leiden, haben sogar ein fünffach höheres Darmkrebsrisiko.

Colitis ulcerosa – Therapie

Eine ursächliche Therapie ist nicht möglich, sodass rein symptomatisch behandelt wird. Die symptomatische Therapie richtet sich nach der Schwere der Beschwerden und dem Ausmaß der Entzündung im Darm. Im akuten Schub kommen vor allem entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz, die die Betroffenen über mehrere Wochen anwenden müssen. Wenn sich die Entzündung auf den letzten Dickdarmabschnitt beschränkt, werden die Wirkstoffe über Zäpfchen oder Einläufe zugeführt. Diese enthalten zumeist den Wirkstoff 5-ASA (5-Aminosalicylsäure), der ähnlich wie Acetylsalicylsäure (ASS) wirkt. Wenn die Behandlung mit diesem Wirkstoff nicht ausreicht, wird zusätzlich ein lokal wirkendes immunsupprimierendes Kortison in den After eingeführt. Üblicherweise kommt hier die Substanz Budesonid zum Einsatz.

Hat sich die Entzündung im Dickdarm weiter ausgebreitet, reicht die Verabreichung von Zäpfchen und Klistieren nicht mehr aus. Die Patienten erhalten zusätzlich 5-ASA in Tablettenform oder als Granulat zum Trinken. Bleibt der Behandlungserfolg aus, verabreicht der Arzt zusätzlich Kortisonpräparate.

Bei einem sehr schweren Schub ist häufig eine stationäre Behandlung erforderlich. Hier erhalten die betroffenen Patienten Kortison und verschiedene Immunsuppressiva per Infusion.

In der schubfreien Zeit wird eine Remissionstherapie durchgeführt. Diese hat das Ziel, die Ruhephasen ohne Beschwerden zu verlängern. In dieser Erhaltungstherapie erhalten die Patienten weiterhin 5-Aminosalicylsäure-Präparate. Alternativ empfehlen einige Mediziner sogenannte Probiotika. Diese haben einen positiven Einfluss auf die Darmflora. In sehr seltenen Fällen mit schweren Erkrankungsverläufen kann die Gabe von sehr starken Immunsuppressiva wie Tacrolimus oder Cyclosporin erforderlich sein. Anti-TNF-@-Antikörper wie Infliximab werden aufgrund der potenziellen schweren Nebenwirkungen nur bei sehr wenigen Patienten genutzt.

Bei Komplikationen wie dem toxischen Megakolon oder schweren Blutungen müssen die betroffenen Patienten operiert werden. Auch bei Dickdarmkrebs im Frühstadium ist eine Operation erforderlich. Falls keinerlei Medikamente anschlagen, kann eine vollständige Entfernung des Dickdarms durchgeführt werden. Dieser drastische Eingriff sollte allerdings nur nach gründlicher Risiko-Nutzen-Abwägung durchgeführt werden.

Colitis ulcerosa – Vorbeugung

Da die Ursachen der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung bisher nicht bekannt sind, ist eine gezielte Prävention schwer möglich. Zum Erhalt der Darmgesundheit empfiehlt sich jedoch eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung. Patienten, die unter einer Colitis ulcerosa leiden, sollten regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen, damit Darmkrebserkrankungen möglichst früh entdeckt und behandelt werden.

Bildnachweis: © Syda Productions / shutterstock.com

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