Blinddarmentzündung
Eine Blinddarm­entzündung kann sehr starke Schmerzen verursachen
Krankheiten

Blinddarm­entzündung – Ursachen, Symptome und Therapie

Bei einer Blinddarmentzündung entzündet sich der Wurmfortsatz (Appendix vermiformis), der dem Blinddarm anhängt. In der medizinischen Fachsprache wird die Blinddarmentzündung deshalb auch als Appendizitis bezeichnet.

Was ist eine Blinddarm­entzündung?

Bei der Blinddarmentzündung liegt eine Entzündung eines kleinen Dickdarmabschnitts vor. Betroffen ist der sogenannte Wurmfortsatz. Es handelt sich dabei um ein Anhängsel des Blinddarms (Caecum), das bis zu zehn Zentimeter lang werden kann und sich im rechten Unterbauch befindet. Die Bezeichnung Blinddarmentzündung ist also streng genommen nicht korrekt, da nicht der Blinddarm selbst entzündet ist. Liegt eine Entzündung des eigentlichen Blinddarms vor, spricht man auch von einer Typhlitis.

Leitsymptom der Appendizitis sind starke Schmerzen im rechten Unterbauch. Doch auch uncharakteristische Beschwerden wie Gewichts- oder Appetitverlust und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl können auf eine Blinddarmentzündung hinweisen.

Grundsätzlich können Menschen jeden Alters von einer Appendizitis betroffen sein. Den Statistiken zufolge tritt die Blinddarmentzündung jedoch am häufigsten bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf. Jedes Jahr sind rund 100 von 100.000 Einwohnern in den westlichen Industriestaaten von der Entzündung betroffen. In Deutschland werden jährlich mehr als 100.000 operative Entfernungen des Wurmfortsatzes, sogenannte Appendektomien, durchgeführt. 46.000 dieser Operationen entfallen auf Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 5 und 19 Jahren.

Blinddarm­entzündung – Ursachen

In den meisten Fällen liegt der Entzündung des Wurmfortsatzes eine Verstopfung des Dickdarms zugrunde. Der Wurmfortsatz ist mit dem Blinddarm verbunden und endet blind im Bauchraum. Ist also die Verbindung zum Blinddarm verstopft, Mediziner sprechen hier von einer Verlegung des Darmlumens, können sich Sekrete zurückstauen und so eine Entzündung hervorrufen.

Eine solche Verstopfung kann beispielsweise durch Kotsteine entstehen. Es handelt sich dabei um steinartige Gebilde, die aus mehreren Schichten eingedicktem Kot und eingetrocknetem Darminhalt bestehen. Ebenso kann die Entleerung des Appendix durch Knicke oder Narbenstränge behindert werden. Seltener sind Fremdkörper für die Entleerungsstörung und die dadurch bedingte Entzündung verantwortlich. So können Kirschkerne oder Kerne von Weintrauben und Melonen den Wurmfortsatz verstopfen und eine bakterielle Infektion begünstigen.

Weitere eher seltene Ursachen für eine Blinddarmentzündung sind Tumore oder Parasitenbefall. Eine Blinddarmentzündung kann ferner als Begleitsymptom bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa auftreten.

Eine weitere mögliche Ursache ist die bakterielle Infektion mit Erregern wie Enterokokken, Koli- oder Proteusbakterien. Eine bakterielle Infektion ohne eine vorherige Verstopfung tritt jedoch ebenfalls eher selten auf.

Blinddarm­entzündung – Symptome

Die Blinddarmentzündung ist ein akutes Geschehen. Das bedeutet, dass die Beschwerden plötzlich auftreten und innerhalb kürzester Zeit sehr stark werden können.

Typisch für die Entzündung des Appendix sind Bauchschmerzen. Diese beginnen in der Regel im Bereich von Magen und Bauchnabel und wandern dann in Richtung des rechten Unterbauchs. Dabei nehmen die Schmerzen auch an Stärke zu. Da die Lage des Wurmfortsatzes im Körper jedoch variieren kann, können auch Schmerzen an anderen Stellen auftreten.

Untypische Schmerzmuster zeigen sich vor allem bei Schwangeren, älteren Menschen oder Kindern. So klagen Kinder häufig über Schmerzen im gesamten Bauchraum, während bei Menschen höheren Alters die Schmerzsymptomatik deutlich schwächer ausgeprägt sein kann. In der Schwangerschaft verlagert sich der Wurmfortsatz und damit auch der Schmerz vom Unterbauch in den Mittelbauch. Die Schmerzen können dann sogar im Bereich des Rückens auftreten, was eine korrekte Diagnosestellung deutlich erschwert.

Im Allgemeinen verstärken sich die Schmerzen aber insbesondere beim Gehen und beim Anheben des rechten Beins. Daraus ergibt sich eine charakteristische Gangart, das sogenannte Schonhinken. Hierbei ziehen die Patienten das rechte Bein beim Gehen wie ein Storch an.

Die Entzündung wird ferner häufig von Fieber bis zu 39 Grad Celsius begleitet. Ein deutlicher Hinweis auf eine Appendizitis ist eine Temperaturdifferenz zwischen der rektalen und der axillären Temperaturmessung. So zeigt das Thermometer bei der Messung im Analbereich eine bis zu ein Grad Celsius höhere Körpertemperatur an als bei der Messung unter den Achseln. Es kann zudem zu einer Erhöhung des Pulses kommen. Übelkeit und Erbrechen gehören ebenfalls zu den typischen Beschwerden, die bei einer Blinddarmentzündung auftreten können.

Die Prognose der Appendizitis hängt davon ab, wie schnell die Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird. Wird die Blinddarmentzündung nicht rechtzeitig erkannt, droht ein Durchbruch des Darms, eine sogenannte Darmperforation. Dabei können Kot und Bakterien aus dem Darm in die Bauchhöhle gelangen. Dies kann eine lebensbedrohliche Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) zur Folge haben. Ferner kann sich die Entzündung vom Wurmfortsatz auf das umliegende Gewebe des Darms ausbreiten.

Blinddarm­entzündung – Therapie

In den meisten Fällen wird der Wurmfortsatz in einer Operation entfernt. Um einen Blinddarmdurchbruch zu vermeiden, sollte die Operation so schnell wie möglich, idealerweise in den ersten ein bis zwei Tagen nach dem Auftreten der ersten Symptome, durchgeführt werden. Ist die Entzündung sehr weit fortgeschritten, kann vor der eigentlichen Operation eine Antibiotikatherapie zur Eindämmung des entzündlichen Geschehens erforderlich sein. Der chirurgische Eingriff wird erst dann durchgeführt, wenn der Allgemeinzustand des Patienten stabil ist.

Zur Entfernung des Wurmfortsatzes stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Bei der offenen Blinddarmoperation eröffnet der behandelnde Chirurg den Unterbauch des Patienten mit einem Schnitt, trennt den Blinddarm ab und entfernt ihn. Mithilfe einer Tabaksbeutelnaht wird die entstandene Öffnung verschlossen. Liegt zudem eine Perforation, also ein Durchbruch des Appendix vor, muss der Bauchraum mithilfe einer Spülung von Bakterien, Eiter und Stuhl gereinigt werden.

Ein weiteres Verfahren zur Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes ist die laparoskopische Blinddarmoperation. Hier führt der Chirurg durch einen sehr kleinen Schnitt im Bereich des Nabels ein Endoskop in die Bauchhöhle ein. Mithilfe eines speziellen Klammernahtgeräts und zwei Schlingen lässt sich der Wurmfortsatz abtrennen und über eine Führungshülse aus dem Körper entfernen.

Welche Operationsmethode zum Einsatz kommt, hängt unter anderem vom Krankheitsbefund, dem Gewicht und dem Allgemeinzustand des Patienten ab. Nach der Operation müssen die Patienten üblicherweise für vier bis fünf Tage im Krankenhaus verbleiben. Danach haben sich sowohl die Darmfunktion als auch der Allgemeinzustand in der Regel normalisiert.

Blinddarm­entzündung – Vorbeugung

Im Allgemeinen lässt sich einer Blinddarmentzündung kaum vorbeugen. Lediglich eine Entzündung, die durch Obstkerne verursacht wird, kann vermieden werden, indem möglichst wenig Kirsch-, Trauben- oder Melonenkerne verschluckt werden. Eine ballaststoffreiche Ernährung, eine ausreichende Trinkmenge und regelmäßige Bewegung können ferner einem Verschluss durch verstopfungsbedingte Kotsteine entgegenwirken.

Um mögliche Komplikationen zu verhindern, sollte bei Verdacht auf eine Entzündung möglichst schnell ein Arzt aufgesucht werden.

Bildnachweis: © ESB Professional (ID 252888340) / shutterstock.com

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