Endometriose
© leszekglasner / stock.adobe.com
Kinderwunsch Krankheiten

Endometriose – Symptome, Diagnose, Behandlung

Die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) wird während der Menstruation abgestoßen und wächst dann wieder nach. Wenn Teile der abgelösten Schleimhaut in der Bauchhöhle an inneren Organen haften bleiben, wird von einer Endometriose gesprochen.

Die Erkrankung kommt recht häufig vor und betrifft etwa 20 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter. Bei mehr als der Hälfte aller Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, ist eine Endometriose die Ursache. Schätzungen zufolge erkranken allein in Deutschland jährlich etwa 30.000 Frauen. Damit zählt Endometriose zu den häufigsten gynäkologischen Krankheiten. Im Folgenden klären wir über das Krankheitsbild auf und stellen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten vor.

Endometriose – Was ist das?

Obwohl es sich um eine häufige Erkrankung handelt, herrscht über Endometriose meist Unkenntnis. Die meisten Frauen wissen nach erfolgter Diagnose mit dem Begriff nichts anzufangen.

Es handelt sich um eine Erkrankung, wobei das Gewebe der Gebärmutterschleimhaut an anderen Organen im Bauchraum auftritt. Die Schleimhautteile reagieren auf die Menstruation und beginnen während der Periode ebenfalls zu bluten. Das Blut kann nicht über die Scheide abfließen, sondern führt zu Gewebereizungen, die mit Schmerzen verbunden sind. Vernarbungen und Zysten können die Folge sein.

An folgenden Organen können sich Gewebeinseln anlagern:

  • Eileiter
  • Eierstöcke
  • Scheide
  • Gebärmuttermund
  • Darm
  • Blase
  • Lunge
  • Leistenkanal

Abhängig von der Lage der Endometriose-Herde können drei Formen der Krankheit unterschieden werden.

Endometriose FormLage der Gewebeteilchen
Endometriosis genitalis interna
  • Gebärmutterwand
  • Eileiter
Endometriosis genitalis externa
  • im Genitalbereich, aber außerhalb der Gebärmutter
  • Eierstöcke
  • zwischen Gebärmutter und Enddarm
Endometriosis extragenitalis
  • Darm
  • Blase
  • Harnleiter
  • Lunge

➔ Endometriose Ursachen

Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Die Wissenschaftler rätseln darüber, wie Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutter wachsen kann. Verschiedene Theorien gehen von einem gestörten Zusammenspiel von Immunsystem und Hormonen aus. Eigentlich verhindert die Immunabwehr das Festsetzen von Gewebeteilen an Organen im Körper.

Das Auftreten einer Endometriose kann durch operative Eingriffe und Gewebeentnahmen begünstigt werden.

Weiterhin ist es möglich, dass sich Schleimhautinseln selbstständig an Organen, die während der Embryonalentwicklung eine Verbindung zur Gebärmutter besaßen, ausbilden.

➔ Endometriose Symptome

In vielen Fällen verläuft die Erkrankung symptomfrei und wird nur durch Zufall entdeckt. Die Ausprägung der Beschwerden ist von Frau zu Frau unterschiedlich.

Folgende Symptome deuten auf Endometriose hin:

  • Schmerzen im Unterbauch vor und während der Periode
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Schmerzen beim Wasserlassen und Stuhlgang
  • unregelmäßige Blutungen
  • starke Blutungen
  • ungewollte Kinderlosigkeit

Als Folge der Erkrankung kann es auch zu eher untypischen Beschwerdebildern kommen:

  • Müdigkeit
  • allgemeine Erschöpfung
  • Allergien
  • Autoimmunerkrankungen
  • Infektanfälligkeit

Das häufigste Symptom sind heftige Regelschmerzen. Jedoch können die Beschwerden auch unabhängig von der Periode auftreten. Es kann darüber hinaus zu Schmerzen am ganzen Körper kommen.

Folgende Übersicht nennt die einzelnen Beschwerden, getrennt nach Körperbereichen.

KörperregionBeschwerden
BauchraumBauchschmerzen
Atemnot
Schulterschmerzen
Schwindel
Rückenschmerzen
beschleunigter Herzschlag
GeschlechtsorganeRegelschmerzen
unregelmäßige Periode
starke Blutungen
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Unfruchtbarkeit
VerdauungstraktDurchfall
Verstopfung
Übelkeit
Erbrechen
ImmunsystemAllergien
Lebensmittelunverträglichkeiten

Weiterhin sind folgende untypische Beschwerden beobachtet worden:

Wächst die Gebärmutterschleimhaut am Dickdarm fest, kann es zu Durchfall oder Verstopfung während der Periode kommen. Selten treten Blutungen aus dem Mastdarm auf.

Endometriose – Verlauf der Erkrankung

Die Krankheit betrifft nur fruchtbare Frauen und kann theoretisch zwischen der ersten und letzten Regelblutung auftreten. Sehr selten sind Krankheitsfälle vor Einsetzen der Periode oder in den Wechseljahren aufgetreten. Der Verlauf der Erkrankung kann nicht sicher bestimmt werden. Die Beschwerden können einen leichten Verlauf nehmen oder die Krankheit kann sich auch ohne Behandlung zurückbilden.

Während der Menopause klingen die Beschwerden in der Regel ab. Nimmt die Erkrankung einen eher ungünstigen Verlauf, verschlimmern sich die Beschwerden und die Gewebeinseln nehmen an Umfang zu. Es kann zur Bildung von Zysten und Verwachsungen kommen. Dies führt zur Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit. Eine vollständige Heilung der Erkrankung ist derzeit nicht möglich. Behandlungen verlaufen meist erfolgreich.

Die Symptome können jedoch bis zum Einsetzen der Menopause wieder auftreten. Nach Entfernung der Eierstöcke ist ein erneutes Auftreten eher unwahrscheinlich. Aufgrund des unterschiedlichen Verlaufs und vielschichtigen Beschwerdebildes wird die Erkrankung auch scherzhaft als „Chamäleon der Medizin“ bezeichnet. Viele Frauen leiden an chronischen Schmerzen und unklaren Symptomen. Zwischen dem Auftreten der ersten Beschwerden und der Diagnose liegen durchschnittlich fünf Jahre. Bei Schmerzpatientinnen können bis zu zehn Jahre vergehen, bis eine Endometriose als Ursache erkannt wird.

Endometriose Diagnose

Bei Frauen, die keine Symptome verspüren, wird die Krankheit vornehmlich erst bei einer Untersuchung wegen Unfruchtbarkeit festgestellt.

Folgende Untersuchungen können zur Diagnose eingesetzt werden:

  • umfassende Anamnese
  • Ultraschalluntersuchung
  • Tastuntersuchung
  • Darmspiegelung
  • Computertomografie

Der Verdacht kann durch eine Bauchspiegelung bestätigt werden. Fehldiagnosen bezüglich Eierstockentzündungen oder PMS sind nicht ausgeschlossen.

Endometriose – Behandlungsmöglichkeiten

Endometriose wird hinsichtlich des Alters der Patientinnen, der betroffenen Organe und der Schwere der Erkrankung unterschiedlich therapiert. Bei leichten Fällen kommen die Betroffenen ohne Behandlung aus. Mögliche Optionen sind die Medikamentengabe, Hormonbehandlungen oder Operationen.

➔ Medikamente bei Endometriose

Es können Schmerzmittel oder Hormonpräparate verabreicht werden. Bei starken Schmerzen können Wirkstoffe wie Ibuprofen, ASS oder Diclofenac helfen. Mit Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Blutgerinnungsstörungen muss gerechnet werden. Von einer Einnahme ohne ärztlichen Rat ist daher abzusehen.

Sehr starke Schmerzen können mit Opioiden gelindert werden. Die Wirkung der Medikamente gegen Endometriose-Beschwerden ist jedoch nicht eindeutig wissenschaftlich belegt.

Bei einer Hormonbehandlung wird die Menstruation für mehrere Monate gestoppt. Die Anwendung ist meist über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten notwendig. Kleine Gewebeteile, die nicht auf die Hormonbehandlung ansprechen, lassen sich während der Bauchspiegelung mit einem Laser zerstören. Ein erneutes Auftreten der Erkrankung ist jedoch nicht ausgeschlossen.

➔ Der operative Eingriff

Bei einem schweren Verlauf und wenn kein Kinderwunsch mehr besteht, kann über eine Entfernung der Gebärmutter nachgedacht werden. Dabei werden auch beide Eierstöcke entfernt. Wird der Eingriff vor dem Eintritt der Wechseljahre durchgeführt, können die Symptome einer Menopause auftreten und es kommt eine Hormonersatztherapie in Betracht.

➔ Alternative Behandlungsformen

Vielen Betroffenen können alternative Heilmethoden helfen. Dabei kommen Anwendungen der Traditionellen Chinesischen Medizin, Akupunktur, Homöopathie oder Pflanzenheilkunde in Betracht.

Vielen Frauen helfen autogenes Training oder Yoga. Auch die Änderung des Lebensstils, mit dem Fokus auf mehr Bewegung und einer Anpassung der Ernährung können hilfreich sein. Während Betroffene auf Schweinefleisch besser verzichten sollten, sind Vollkornprodukte, Fisch und Nüsse zu favorisieren.

Gegen Endometriose-Schmerzen helfen Wärmebehandlungen. Ein warmes Bad wirkt krampflösend und entspannend. Ebenso können Wärmepackungen oder die Anwendung einer Wärmflasche Linderung verschaffen.

Folgende Pflanzen aus der Naturapotheke können die Beschwerden lindern:

  • Ingwer wirkt entkrampfend und fördert die Durchblutung.
  • Johanniskraut beruhigt die Nerven.
  • Frauenmantel reguliert den Hormonhaushalt.
  • Ringelblume beruhigt gereizte Schleimhaut.
  • Schafgarbe hilft bei starken Blutungen.
  • Melisse hilft gegen Regelschmerzen.
  • Brennnesselkraut regt die Blutbildung an.
  • Baldrian oder Passionsblume wirken auf seelischer Ebene.

Beitragsbild: © leszekglasner / stock.adobe.com