Schlafstörungen
Schlafstörungen können viele Ursachen haben und wirken sich negativ auf die Gesundheit aus
Krankheiten

Schlafstörungen – Ursachen, Symptome und Therapie

Schlafstörungen können viele Gesichter haben: von Einschlafstörungen über frühes Aufwachen bis hin zum Schnarchen. So vielseitig das Erscheinungsbild der Schlafstörungen ist, so unterschiedlich können auch die Ursachen sein.

Was sind Schlafstörungen?

Eine Schlafstörung wird in der medizinischen Fachsprache auch als Insomnie, Hyposomnie oder Agrypnie bezeichnet. Man fasst unter diesen Begriffen verschiedene Beeinträchtigungen des Schlafes zusammen. Dazu gehören zum Beispiel Einschlafstörungen, komplette Schlaflosigkeit, mehrmaliges Aufwachen in der Nacht, nächtliches Wachliegen oder Unruhe am frühen Morgen.

Vermutlich haben die meisten Menschen in ihrem Leben zumindest für kurze Zeit schon unter Schlafstörungen gelitten. Eine wirkliche behandlungsbedürftige Störung des Schlafes liegt allerdings erst dann vor, wenn die Beeinträchtigungen des Schlafes von den Betroffenen als pathologisch empfunden werden oder körperliche bzw. seelische Schäden zur Folge haben.

Die Schlafsucht (Hypersomnie) ist zwar auch eine Abweichung vom normalen Schlafverhalten, wird aber in der medizinischen Fachliteratur bis auf wenige Abweichungen nicht den Schlafstörungen zugeordnet. Hingegen ist die Parasomnie eine Sonderform der Schlafstörung. Hierbei zeigen die Betroffenen während des Schlafes ein unnormales Verhalten, wachen aber nicht auf.

Schätzungen zufolge leidet rund ein Drittel der Deutschen unter schlechtem Schlaf. Die Dunkelziffer ist hoch, da viele Betroffene ihre Schlafstörungen als gegeben hinnehmen und sich nicht in ärztliche Behandlung begeben.

Schlafstörungen – Ursachen

Die Ursachen von Schlafstörungen sind sehr vielschichtig. Häufig liegt den nächtlichen Beeinträchtigungen des Schlafes ein gestörter Rhythmus zugrunde. Sämtliche Körperfunktionen und auch das psychische Wohlbefinden unterliegen einem sogenannten zirkadianen Rhythmus. Dieser innere Rhythmus wird in der heutigen Zeit immer häufiger ignoriert. Der Anteil an Schichtarbeitern nimmt immer weiter zu, der Mensch verbringt weniger Zeit im Tageslicht und mehr Zeit unter künstlichem Licht. Noch dazu ist er auch nachts diversen künstlichen Lichtreizen ausgesetzt. Dadurch bedarf die innere Rhythmik einer ständigen Neujustierung. Auch der sogenannte Jetlag, der beim Reisen beim Wechsel der Zeitzonen auftritt, wird durch die Störung der zirkadianen Rhythmik hervorgerufen. Neben Schlafstörungen können auch Depressionen die Folge davon sein. Besonders gefährdet sind Menschen mit Wechselschicht. Hier muss sich der innere Rhythmus ständig neu anpassen.

Doch auch das eigene Verhalten unmittelbar vor dem Zubettgehen kann die Schlafqualität mindern. Koffeinhaltige Getränke wie Cola, Kaffee und schwarzer Tee am späten Nachmittag bzw. Abend können Einschlafstörungen zur Folge haben. Der Koffeinabbau im Körper dauert mehrere Stunden. Chronischer Koffeinabusus führt häufig unabhängig von der Tageszeit, zu der die koffeinhaltigen Getränke zugeführt werden, zu Schlafstörungen. Fette Speisen zum Abendessen beanspruchen die Verdauungsleistung der Organe. Ein- und Durchschlafstörungen können die Folge sein.

Sowohl die Störung der zirkadianen Rhythmik als auch Koffeinabusus und fetthaltiges Essen werden den extrinsischen Ursachen zugeordnet. Extrinsische Ursachen sind außerhalb des Körpers des Patienten zu finden. Auch Alkohol ist eine extrinsische Ursache für Schlafstörungen.

Hingegen sind körperliche Erkrankungen intrinsische Ursachen. So können verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen den Schlaf stören. Bei Herzrhythmusstörungen in der Nacht schüttet der Körper vermehrt Stresshormone wie Cortisol oder Adrenalin aus. Ein erholsamer Schlaf ist so nicht möglich. Eine weitere Ursache für Schlafstörungen ist die Herzmuskelschwäche. Die Kurzatmigkeit, die im Rahmen dieser Erkrankung auftritt, führt zu Ein- und Durchschlafstörungen.

Zudem sind Menschen mit Herzinsuffizienz und koronarer Herzkrankheit gefährdet, eine Schlafapnoe auszubilden. Bei der Schlafapnoe erschlaffen Schlund- und Rachenmuskulatur, sodass es zu starkem Schnarchen und zu nächtlichen Atemaussetzern kommt. Bei der obstruktiven Schlafapnoe blockiert die erschlaffte Muskulatur komplett die oberen Atemwege, sodass für kurze Zeit absoluter Sauerstoffmangel herrscht. Mithilfe der Atemmuskulatur können die Betroffenen im Schlaf die verlegten Atemwege durch einen starken Druck von unten öffnen. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrfach in der Nacht. Der Schlaf von Schlafapnoe-Patienten ist insgesamt sehr unruhig und oberflächlich. Die Betroffenen sind tagsüber sehr müde und haben zudem ein erhöhtes Risiko für verschiedene Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes mellitus oder Bluthochdruck.

Doch nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch Erkrankungen der Atemwege können den Schlaf beeinträchtigen. Eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff ist eine der Voraussetzungen für einen erholsamen Schlaf. Jegliche Beeinträchtigung der Sauerstoffaufnahme, beispielsweise durch eine behinderte Nasenatmung, Nasennebenhöhlenentzündungen oder chronische Lungenerkrankungen, kann zu Ein- und Durchschlafstörungen führen.

Eine häufige körperliche Ursache für einen gestörten Schlaf ist Sodbrennen. Insbesondere in den frühen Morgenstunden leiden die Betroffenen unter einem Rückfluss der Magenflüssigkeit in die Speiseröhre. Infolge kommt es durch die Reizung der Schleimhäute zu einem unangenehmen Brennen und zu morgendlichen Hustenanfällen. Auch ein Magengeschwür führt vermehrt in den frühen Morgenstunden zu Schmerzen.

Viele Menschen mit rheumatischen Erkrankungen und degenerativen Erkrankungen der Gelenke können in der Nacht aufgrund von Schmerzen schlecht schlafen. So treten beim Morbus Bechterew charakteristischerweise am frühen Morgen starke Rückenschmerzen auf, die den Betroffenen den Schlaf rauben können.

Es ist jedoch zu beachten, dass auch die Medikamente, die beispielsweise bei einer Arthritis eingesetzt werden, ebenfalls zu Schlafproblemen führen können. Ferner sind Bluthochdruckmedikamente, Statine, Schilddrüsenmedikamente, die Anti-Baby-Pille, Antidepressiva, Psychopharmaka, Antibiotika, Kortison, Schmerzmittel und einige Antihistaminika mögliche Auslöser von Schlafstörungen.

Ebenso gehen psychische Erkrankungen wie beispielsweise die Depression und die Manie häufig mit Schlafproblemen einher. Insbesondere bei der Depression leiden die Betroffenen unter frühmorgendlichem Erwachen und unruhigen Nächten. Grund dafür sind Schwankungen im Neurotransmitterhaushalt, von denen Serotonin und Noradrenalin betroffen sind. Diese gehören zu den regulierenden Transmittern beim Schlaf- und Wachrhythmus.

Insbesondere Frauen leiden aufgrund von hormonellen Schwankungen unter Schlafstörungen. So kommt es besonders häufig in den Wechseljahren zu Schlafstörungen, die häufig mit Hitzewallungen und vermehrtem Schwitzen einhergehen.

Schlafstörungen – Symptome

Leitsymptom des gestörten Schlafes ist die fehlende Regeneration durch den Schlaf. Patienten mit Schlafstörungen wachen in der Nacht auf und können dann nicht wieder einschlafen, erwachen zu früh oder liegen abends im Bett noch lange wach, bevor der Schlaf eintritt. Krankheitswert besteht laut Definition erst dann, wenn die Erscheinungen mindestens einen Monat andauern und in diesem Monat an drei oder mehr Tagen in der Woche auftreten.

Aufgrund des wenig erholsamen Schlafes leiden die Betroffenen am Tage unter einer Schläfrigkeit. Die Wachheit und auch die Aufmerksamkeit sind herabgesetzt. Je nach Schwere der Schlafstörung kann ein Drang zum Einschlafen im Laufe des Tages entstehen. Auch Reizbarkeit, Angst und Ruhelosigkeit gehören zu den typischen Folgesymptomen der Schlaflosigkeit. Aufgrund von Wesensveränderungen und/oder einem totalen Leistungsknick können die Schlafstörungen das soziale und berufliche Leben der Patienten beeinträchtigen.

Ein Sonderfall der Schlafstörung ist die Parasomnie. Dazu gehört zum Beispiel das Schlafwandeln. Die Betroffenen verlassen in der Nacht das Bett während des Schlafs und wandeln mehrere Minuten oder sogar Stunden umher. Nach dem Erwachen können sich die Patienten nicht an das Schlafwandeln erinnern. Die Nachtangst wird ebenfalls der Parasomnie zugeordnet. Die Patienten wachen mitten in der Nacht schreiend vor Panik auf und leiden unter einer starken Angst, die mit einer schnellen Atmung, starkem Schwitzen und einem erhöhten Puls einhergeht. Eine solche nächtliche Angstepisode kann bis zu zehn Minuten andauern.

Die sehr seltene, erblich bedingte tödliche fatale Schlaflosigkeit (letale familiäre Insomnie) ist ebenfalls durch Ein- und Durschlafstörungen gekennzeichnet. Später bleibt der Schlaf sogar komplett aus. Innerhalb von Monaten bis Jahren endet diese Erkrankung tödlich.

Schlafstörungen – Therapie

Die Therapie einer Schlafstörung hängt von der Ursache ab. Hartnäckige Schlafstörungen erfordern immer einen Arztbesuch. Sind die Schlafprobleme auf einen ungesunden Lebensstil und eine gestörte Rhythmik zurückzuführen, kann eine gesunde Schlafhygiene ein normales Schlafverhalten zurückbringen.

Gute Erfolge lassen sich auch mit einer kognitiven Verhaltenstherapie erzielen. Hier erlernen die Patienten, ihr Schlafmuster und ihre kontraproduktiven Schlafgewohnheiten zu verändern und finden so zu einem erholsameren Schlaf. Insbesondere Schlafstörungen bei Depressionen, Angsterkrankungen oder Burnout lassen sich mithilfe der Verhaltenstherapie gut behandeln. Sind die Schlafprobleme Folge von Stress, können Entspannungstechniken wie das Autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson hilfreich sein.

Liegt den Schlafstörungen eine körperliche Erkrankung zugrunde, muss diese natürlich behandelt werden, damit sich der Schlaf bessert. Je nach Krankheitsbild kommen hier unterschiedliche Therapieverfahren zum Einsatz. Patienten mit Schlafapnoe erhalten beispielsweise eine spezielle Atemmaske. Diese bläst mit Überdruck Raumluft in Nase und Mund und verhindert so ein Kollabieren der Atemwege. In bestimmten Fällen kann aber auch eine Operation erforderlich sein. Schlafstörungen, die mit Schnarchen einhergehen, bessern sich häufig schon durch eine Reduktion des Körpergewichts bei Übergewicht und durch eine veränderte Schlafposition. So ist die Rückenlage bei Patienten mit einer Schnarchproblematik oder mit Schlafapnoe nicht zu empfehlen.

Rund fünf Prozent aller Männer und mehr als zehn Prozent aller Frauen in Deutschland greifen zur Behandlung ihrer Schlafstörungen auf Schlafmittel zurück. Die Schlafmittel stammen meist aus der Gruppe der Benzodiazepine. Diese wirken sedierend, hypnotisch, angstlösend und muskelentspannend. Bekannte Wirkstoffe aus dieser Gruppe sind Alprazolam, Diazepam und Lorazepam. Medikamente mit diesen und weiteren Wirkstoffen können eine Abhängigkeit zur Folge haben. Eine Einnahmedauer von vier Wochen sollte deshalb nicht überschritten werden. Auch die Dosis sollte so gering wie möglich gehalten werden. Es ist ferner zu beachten, dass sich bei Benzodiazepinen nach einiger Zeit ein Gewöhnungseffekt einstellt. Die Dosis muss somit erhöht werden. Daraufhin reagieren die Betroffenen jedoch häufig mit unruhigem Schlaf und starker Tagesmüdigkeit. Weitere Schlafmittel finden sich in den Arzneigruppen der Hypnotika und Antihistaminika. In einigen Fällen werden Antidepressiva verordnet, die eine vermehrte Schläfrigkeit zur Folge haben.

Bei älteren Patienten mit unerklärlichen Schlafstörungen kann Melatonin hilfreich sein. Das Hormon spielt bei Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus eine entscheidende Rolle.

Auch pflanzliche Medikamente mit Baldrian, Melisse und Hopfen können bei Schlaflosigkeit eingesetzt werden. Hier besteht die Gefahr einer körperlichen Abhängigkeit nicht.

Schlafstörungen – Vorbeugung

Für einen erholsamen Schlaf ist eine gute Schlafhygiene unabdingbar. Feste Schlafzeiten und Aufstehzeiten stärken die zirkadiane Rhythmik. Dazu gehört es jeden Tag, auch am Wochenende, zur selben Zeit ins Bett zu gehen und zur selben Zeit aufzustehen. Abweichungen von maximal 30 Minuten stören den Rhythmus nicht. Regelmäßige Bewegung am Tage und leichte körperliche Aktivität am frühen Abend können entspannend wirken und zu einem guten Schlaf verhelfen. Körperlich sehr fordernder Sport am Abend wirkt hingegen kontraproduktiv. Auch auf Kaffee, schwarzen Tee und Cola sollte am späten Nachmittag und am Abend verzichtet werden. Ebenso sollten schlafstörende Substanzen wie Alkohol und Nikotin gemieden werden.

Eine wichtige Rolle bei der Qualität des Schlafes spielt auch das Schlafzimmer. Das Schlafzimmer sollte ausschließlich zum Schlafen und zur sexuellen Aktivität und nicht zum Arbeiten genutzt werden. Das Handy sollte im Schlafbereich tabu sein. Zum einen wird der Einfluss der Strahlung auf die Schlafqualität immer noch diskutiert und zum anderen macht die ständige Erreichbarkeit eine Entspannung und somit auch das Einschlafen nahezu unmöglich.

Der Schlafraum sollte dunkel, ruhig und nicht zu warm sein. Die Matratze sollte bequem und rückengerecht sein, die Schlafkleidung darf nicht einengen. Ein persönliches Einschlafritual kann für Ruhe und Entspannung und somit auch für einen erholsamen Schlaf sorgen. Es gibt viele Möglichkeiten ein Schlafritual nach den persönlichen Vorlieben zu gestalten. Das Eindösen vor dem Fernsehgerät ist allerdings nicht zu empfehlen. Die flackernden Bilder und die Lautstärke stören den Schlafprozess. Etwas Beruhigendes und Entspannendes lesen oder hören kann hingegen das Einschlafen fördern. Als Abendritual eignen sich auch ein wohltuendes Bad oder ein warmer Tee mit Kräutern wie Melisse, Hopfen oder Lavendel. Wer zu nächtlichem Grübeln neigt, kann im Rahmen seines Abendrituals alle belastenden Ereignisse des Tages niederschreiben. Häufig bringt dies mehr Klarheit und Erleichterung, sodass Raum für das Ein- und Durchschlafen entsteht.

Bildnachweis: © Sergey Mironov / shutterstock.com

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