Akupunktur
Mit der Akupunktur lassen sich sehr viele Beschwerden und Krankheiten behandeln
Alternativmedizin

Akupunktur – Anwendungs­gebiete und Wirksamkeit

Die Akupunktur zählt zu den traditionellen chinesischen Heilmethoden. Durch den Einsatz sehr feiner Nadeln können diverse Beschwerden gelindert werden. Bereits vor mehr als 3.000 Jahren entwickelte man in China dieses Therapieverfahren mit den heilenden Nadeln, im zweiten Jahrhundert vor Christus wurde es zum ersten mal schriftlich erwähnt. Nach Europa gelangte die Akupunktur dann in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Mittlerweile wird sie bei vielen Erkrankungen begleitend zur Schulmedizin angewendet.

Vorteil der Akupunktur: Hohe Effektivität und kaum Nebenwirkungen

Die Traditionelle Chinesische Medizin, kurz TCM, findet im Westen immer mehr Anhänger und verbreitet sich rasant schnell. Die Akupunktur hat sich dabei von den unterschiedlichsten Therapieformen am ehesten durchgesetzt und wird auch von vielen Schulmedizinern inzwischen anerkannt. Die Akupunktur kann vor allem mit ihrer hervorragenden Wirksamkeit und den nahezu nicht vorhandenen Nebenwirkungen punkten. Schon seit vielen Jahrzehnten befasst sich die Wissenschaft mit der Erforschung der besonderen Wirkungsweise, zahlreiche Zusammenhänge konnten schon geklärt werden.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird der Mensch als Ganzes gesehen. Unzählige Kanäle, die so genannten Meridiane, durchziehen den Organismus und lassen die Lebensenergie hindurch fließen. Ist das so genannte Qi im Gleichgewicht, sind Körper und Geist gesund. Gerät es allerdings aus der Balance, treten bestimmte Symptome auf und es entstehen Krankheiten.

Die Wirkungsweise der Akupunktur

Mit Hilfe der Nadeln können durch die Akupunktur bestimmte Punkte gereizt werden, die sich auf den Meridianen befinden, so findet eine Regulierung des Energieflusses statt. Ist im Körper zu viel oder zu wenig von Yin und Yang vorhanden, findet somit ein Ausgleich statt und Störungen können gelindert oder gar beseitigt werden. Ganz feine Einmalnadeln sticht der Therapeut in bestimmte Punkte auf der Hautoberfläche, der Patient empfindet dabei kaum Schmerzen. Während er bequem auf einer Liege ruht, bleiben die Nadeln für die Dauer von 20 bis 30 Minuten in der Haut. Ein Großteil der Akupunkturpunkte liegt direkt auf den Meridianen, einige befinden sich aber auch in der Nähe des erkrankten Organs oder des schmerzenden Bereiches.

Viele Patienten können schon nach wenigen Sitzungen eine Linderung ihrer Beschwerden feststellen, was für die effektive Wirkung der Akupunktur spricht. Wissenschaftler konnten bisher nicht mit absoluter Gewissheit herausfinden, was während der Akupunktur im Körper passiert, es gibt jedoch einige einleuchtende Erklärungen. Durch die Stimulation mit den Nadeln werden vom Gehirn mehr Glückshormone ausgeschüttet. Diese heben nicht nur die Stimmung, sondern wirken gleichzeitig auch schmerzlindernd. Zu den Glückshormonen zählen zum Beispiel Endorphine und das Serotonin. Das erklärt auch, warum die Akupunktur immer häufiger zur Schmerztherapie eingesetzt wird.

Akupunktur in der Schmerztherapie

Viele Menschen leiden unter chronischen Schmerzen und müssten zur Linderung theoretisch ständig Schmerzmittel nehmen. Mit Hilfe der Akupunktur lassen sich jedoch viele Arten von Schmerzen lindern, so dass diese Therapie eine gute Alternative zur Schulmedizin darstellt oder diese zumindest ergänzen kann. Akupunktur wird nach heutigen Erkenntnissen als eine Art Reflexzonentherapie angesehen. Durch die Stimulation bestimmter Punkte gelangen Reize über das Rückenmark zu gewissen Regionen des Gehirns, zum Beispiel in den Hirnstamm und die Großhirnrinde. Je nachdem, wo die Stimulation stattfindet und abhängig von ihrer Art und Stärke, verarbeitet das Nervensystem diese dann weiter. Um Schmerzen zu lindern, gilt es bei der Akupunktur die Nervenfasern zu aktivieren, die Schmerzen hemmen können, so findet eine Stärkung des körpereigenen Schmerzkontrollsystems statt. Jede Nervenfaser verfügt sowohl über hemmende als auch über aktivierende Bestandteile, deshalb ist eine Beeinflussung des Schmerzempfindens auf diese Art und Weise möglich.

Gibt es am Körper also schmerzende Stellen, so entwickelt sich in der Nähe ein hemmendes Feld. Die in diesem Feld befindlichen Nervenfasern greifen nun unter der Stimulation durch die Nadeln auf eben die Nervenzelle zu, die auch die schmerzhaften Reize empfangen hat. In der Folge werden hemmende Botenstoffe aktiviert, welche wiederum dafür sorgen, dass die schmerzhaften Reize nicht zu den höher gelegenen Zentren gelangen.

Mit Akupunktur alleine lassen sich sicher keine Schmerzen heilen, sie sollte immer nur ein Baustein eines Gesamtkonzepts in der Schmerztherapie sein. Besonders gute Erfolge lassen sich mit Hilfe der Akupunktur vor allem bei Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates verzeichnen. Dazu zählen zum Beispiel Arthrose der Knie oder der Hüfte, Rücken-, Nacken- und Schulterbeschwerden, Tennisellbogen, chronische Polyarthritis, Muskelverspannungen, Fibromyalgie, Entzündungen der Achillessehne sowie Verstauchungen und Prellungen. Auch bei Kopfschmerzen kann man durch regelmäßige Akupunktur eine deutliche Linderung erfahren.

Zehn Krankheitsbilder, bei denen Akupunktur oft Erfolg verspricht

Bereits seit einigen Jahrhunderten hat sich die Akupunktur bei vielen Beschwerden und Krankheitsbildern bewährt, die Liste wurde im Laufe der Jahre immer länger. Störungen bezüglich der Körperfunktionen können wieder ins Gleichgewicht gebracht und Blockaden beseitigt werden. In erster Linie konnten gute Erfolge bei Schmerzen, Allergien und immer wiederkehrenden Erkältungskrankheiten erzielt werden. Bei den folgenden zehn Beschwerden kann man am ehesten mit einer Linderung rechnen.

Chronische Schmerzen
Durch die Einstiche mit den feinen Nadeln werden im Körper vermehrt schmerzhemmende Substanzen gebildet. Die Erfahrung aus der Praxis hat gezeigt, dass sich die Akupunktur vor allem bei chronischen Schmerzen im Bereich des Kopfes, des Nackens, des Gesichtes, der Knie und des Rückens positiv auswirkt.

Allergien
Auch bei Allergikern sind gute Erfolge zu verzeichnen, das gilt vor allem für Patienten, die unter einer Pollenallergie leiden. Bei Heuschnupfen kann man durch eine regelmäßige Akupunktur die Beschwerden in rund 80 Prozent der Fälle sehr verringern. Es hat sich herausgestellt, dass die Behandlung mit den Nadeln sogar besser anschlägt als die ansonsten verabreichten Anti-Allergika. Die Linderung der Beschwerden hält nach der Behandlung bis zu einem Jahr an, erst dann musst eine Auffrischung erfolgen.

Behandlung nach einem Schlaganfall
Wenn jemand einen Schlaganfall erleidet, zieht das in vielen Fällen Sprachstörungen und Lähmungen nach sich. Das liegt an einer Schädigung der Nervenzellen im Gehirn, deren Aktivität durch die Akupunktur wieder angeregt werden kann, das beschleunigt die Genesung deutlich.

Asthma
Auch auf die Atemwege hat die Akupunktur einen äußerst positiven Effekt. Neben der Behandlung von Lungenentzündungen, Pseudokrupp und diversen Erkrankungen der Bronchien und Lungen, können die Nadeln vor allem bei Asthma helfen. Rund 80 Prozent aller Asthma-Patienten konnten unter der Behandlung durch Akupunktur die Dosis ihrer Medikamente deutlich verringern.

Regelschmerzen
Eine positive Wirkung der Akupunktur ist auch auf den Unterleib der Frau zu verzeichnen. Leidet diese unter besonders starken Regelschmerzen, können die Beschwerden oft innerhalb von sechs Sitzungen gelindert werden. Der Therapeut setzt dazu rund 20 Nadeln in die Hände, Füße, den Bauch, Rücken und die Ohren.

Chronische Darmentzündungen
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronische Darmentzündungen, die mit Durchfällen und Bauchschmerzen verbunden sind. In der Praxis hat sich gezeigt, dass durch die Akupunktur die Beschwerden deutlich zurückgehen, in einigen Fällen verschwinden sie sogar ganz.

Mundtrockenheit nach Bestrahlungen
Wenn Krebspatienten sich einer Strahlentherapie unterziehen müssen, dann ist dies meistens mit sehr starken Nebenwirkungen verbunden. Zu den besonders häufig vorkommenden Nebenwirkungen zählt unter anderem Mundtrockenheit. Diese lässt sich mit Hilfe der Akupunktur positiv beeinflussen, indem der Speichelfluss angeregt wird.

Rückenschmerzen
Rückenschmerzen sind eine wahre Volkskrankheit. Es gibt kaum jemanden, der noch nicht darunter gelitten hat. Besonders schlimm ist es jedoch, wenn die Schmerzen chronisch sind und den Alltag und die Lebensqualität stark einschränken. Eine Studie hat die Effektivität der Akupunktur bei Rückenbeschwerden nachgewiesen. Fast 400 Patienten haben sich daran beteiligt und ließen sich über einige Wochen mit den Nadeln behandeln. Fast die Hälfte der Patienten konnte anschließend von einem deutlichen Rückgang der Schmerzen berichten. Bei den Patienten, die mit Wärme, Massagen und Spritzen behandelt wurden, waren es hingegen nur 27 Prozent.

Trigemius-Neuralgie
Erkrankungen des Nervensystems können besonders schmerzhaft sein, das gilt auch für die Trigemius-Neuralgie, bei welcher Nerven im Gesichtsbereich betroffen sind. Durch die Behandlung mit den feinen Nadeln werden vom Gehirn Endorphine ausgeschüttet, welche die Nervenschmerzen lindern können.

Hüftschmerzen
Wenn man häufig unter Hüftschmerzen leidet, liegt in vielen Fällen eine Hüftarthrose vor. Unterziehen sich die betroffenen Patienten zusätzlich zur Behandlung durch die Schulmedizin auch einer Akupunktur-Therapie, so sind die Symptome weniger stark ausgeprägt.

Weitere Anwendungsgebiete der Akupunktur

Die Liste der Erkrankungen, bei denen eine Behandlung mittels Akupunktur angezeigt sein kann, ist lang, auch wenn nicht bei allen eine Linderung der Beschwerden wissenschaftlich erwiesen ist. Nachfolgend ein Auszug aus der Auflistung der Deutschen Akademie für Akupunktur.

Augenerkrankungen

  • Sehschwäche und Fehlsichtigkeit
  • Grüner Star
  • Augenentzündungen
  • Allergien

Erkrankungen der Lungen und Bronchien

Gynäkologische Erkrankungen

  • Entzündungen der Brüste, Gebärmutter und Eierstöcke
  • Regelschmerzen
  • Fruchtbarkeitsstörungen
  • Beschwerden in den Wechseljahren
  • Schwangerschaftsbeschwerden
  • Reizblase

Hauterkrankungen

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems

Erkrankungen des HNO-Bereichs

  • Chronische Entzündungen
  • Heuschnupfen
  • ständige Erkältungen
  • Störungen des Geruchs und des Geschmacks
  • Hörsturz
  • Tinnitus
  • Erkrankungen der Speicheldrüsen und der Luftröhre
  • Schwindel
  • Sprachstörungen
  • Mundtrockenheit
  • Gesichtsnervenlähmung

Magen-Darm-Erkrankungen

Neurologische Erkrankungen

Orthopädische Beschwerden

Psychische Erkrankungen

Urologische Erkrankungen

  • Entzündungen der Nieren, Blase oder Prostata
  • Reizblase
  • Harninkontinenz
  • Nierensteine
  • Impotenz

Raucherentwöhnung durch Akupunktur

Viele Raucher haben bereits unzählige Versuche hinter sich, das Laster loszuwerden, doch die Sucht ist einfach stärker. Schnell kommt es zu den gefürchteten Entzugserscheinungen, die einen rasch wieder zum Glimmstängel greifen lassen. Die Akupunktur-Behandlung kann in diesem Fall hilfreich sein, denn durch die Stimulation bestimmter Punkte am Ohr wird nicht nur das Verlangen nach Nikotin gemildert, gleichzeitig werden auch Entzugserscheinungen unterdrückt. Um den größtmöglichen Erfolg zu erzielen, sollte der Patient am besten bereits in den letzten 24 Stunden nicht mehr geraucht haben. Um einen Raucher von den Zigaretten zu entwöhnen, braucht es meist zwischen drei und sechs Sitzungen. Häufig hat man nach der Entwöhnung einen gesteigerten Appetit, aber auch hier lässt sich mit Hilfe der Akupunktur eingreifen, so dass man keine Gewichtszunahme befürchten muss.

Mögliche Nebenwirkungen der Akupunktur

Grundsätzlich handelt es sich bei der Akupunktur um eine sehr sanfte Therapieform, bei der generell nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen ist. Man kennt es ja aus der Naturheilkunde, dass es zu einer Erstverschlimmerung nach der Behandlung kommen kann. Hierbei sind einzelne Symptome für kurze Zeit womöglich stärker ausgeprägt. In einigen Fällen kann es durch das Einstechen der Nadeln zu blauen Flecken oder leichten Blutergüssen kommen. Bei sehr empfindlichen Patienten kann der Kreislauf während der Behandlung eventuell überreagieren, dies normalisiert sich jedoch schnell wieder. Zu Infektionen an den Einstichstellen kann es nicht kommen, da sterile Nadeln aus Edelstahl zum Einsatz kommen, die nur einmal verwendet werden.

Kosten für die Akupunktur-Behandlung

Bei alternativen Behandlungsmethoden stellt sich immer die Frage nach der Kostenübernahme. Für eine Sitzung von 30 bis 45 Minuten muss man mit Kosten zwischen 25 und 80 Euro rechnen, die Kosten sind abhängig vom jeweiligen Aufwand. Gesetzliche Krankenkassen müssen nur in zwei Fällen für die Kosten aufkommen, das hat die Bundesärztekammer so festgelegt. Lediglich, wenn ein Patient unter Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder des Kniegelenks leidet, kann der qualifizierte Arzt mit der Krankenkasse abrechnen.

Bei allen anderen Indikationen ist keine Kostenübernahme möglich, der Patient muss die Behandlung also aus eigener Tasche bezahlen. Bei Privatpatienten ist die Situation etwas anders, denn der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Kosten für alternative Medizin immer übernommen werden müssen, wenn die Schulmedizin nicht mehr ausreicht. Wenn man sich jedoch die positiven Effekte und die Wirksamkeit der Akupunktur bei vielen Beschwerden und Erkrankungen vor Augen hält, kann es durchaus sinnvoll sein, die Kosten notfalls auch selbst zu tragen.

Bildnachweis: © Andrey_Popov / shutterstock.com

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