Karpaltunnelsyndrom
Beim Karpaltunnel­syndrom kommt es zu Schmerzen und Sensibilitäts­störungen in den Fingern
Krankheiten

Karpaltunnel­syndrom – Ursachen, Symptome und Therapie

Das Karpaltunnelsyndrom, auch als Medianuskompressionssyndrom bekannt, wird durch eine Kompression des mittleren Armnervs (Nervus medianus) im Bereich des Handgelenks hervorgerufen. Durch die Einklemmung kommt es zu sensiblen und motorischen Störungen im innervierten Versorgungsgebiet.

Was ist das Karpaltunnel­syndrom?

Beim Karpaltunnelsyndrom liegt eine Schädigung des Nervus medianus im Handbereich vor. Diese wird durch eine Einengung des Nervs im sogenannten Karpaltunnel hervorgerufen.

Der Karpaltunnel (Karpalkanal) ist eine tunnelartige Röhre, die vom Unterarm zur Hand zieht. Sie wird von den Handwurzelknochen und dem darüberliegenden Karpalband geformt und dient als Durchgang für Sehnen und den Mittelnerv. Dieser steuert zum einen bestimmte Hand- und Fingermuskeln und ist zum anderen für die Sensibilität von Zeigefinger, Daumen und Mittelfinger verantwortlich.

Kommt es zu Einengungen des Karpalkanals, werden sowohl der Nerv als auch die Gefäße, die ihn mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, komprimiert. Bei einer längerfristigen Einengung kann der Nerv Schaden nehmen, sodass seine Funktion beeinträchtigt ist. Dadurch entstehen die typischen Symptome wie Schmerzen oder Taubheitsgefühle in der betroffenen Hand.

Schätzungen zufolge sind bis zu zehn Prozent der Bevölkerung vom Karpaltunnelsyndrom betroffen. Nicht alle Erkrankungsfälle sind jedoch behandlungsbedürftig. Jedes Jahr erkranken drei von 1.000 Menschen neu an dem chronischen Kompressionssyndrom. Am häufigsten zeigt sich die Erkrankung bei Frauen im Alter von 40 bis 70 Jahren. Männer sind nicht so häufig betroffen, auch bei Kindern kommt das Karpaltunnelsyndrom nur sehr selten vor.

Karpaltunnel­syndrom – Ursachen

Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch eine Einengung des Karpalkanals und eine folgende Nervenschädigung. Die Kompression kann durch erbliche Faktoren, hormonelle Störungen, Verletzungen oder andere Erkrankungen bedingt sein. Nicht bei allen Erkrankungsfällen findet sich jedoch eine Ursache. Mediziner sprechen hier vom idiopathischen Karpaltunnelsyndrom.

Bei den meisten Patienten findet sich jedoch eine sogenannte konstitutionelle Enge des Karpalkanals. Der Karpaltunnel ist bei ihnen genetisch bedingt enger gebaut als bei anderen Menschen. Kommt es nun beispielsweise durch eine Überlastung der Hand zusätzlich zu einer Gewebeschwellung, haben Nerven und Gefäße nicht mehr ausreichend Platz.

Auch hormonelle Veränderungen können zu einem Karpaltunnelsyndrom führen. Häufiger Auslöser für die komprimierenden Wassereinlagerungen in den Gelenken der Hand sind die Wechseljahre oder eine Schwangerschaft.

Verschiedene Erkrankungen können ferner die Entstehung des Karpaltunnelsyndroms begünstigen. So leidet jeder zweite Patient mit einer Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis auch unter dem Kompressionssyndrom. Häufig ist dieses sogar das erste Symptom des beginnenden Rheumas. Ebenso neigen Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion oder Schilddrüsenunterfunktion sowie mit der Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus zu der Nervenkompression. Ursachen dafür sind Wassereinlagerungen in den Gelenke oder krankheitsbedingte Verdickungen der Bänder. Dialysepflichtige Patienten mit einer chronischen Nebenschwäche weisen auch ein erhöhtes Erkrankungsrisiko auf. Hier zeigt sich die Nervenschädigung vor allem an dem Arm, an den das Dialysegerät angeschlossen ist.

Ebenso kann sich das Karpaltunnelsyndrom nach einer Verletzung entwickeln. Besonders häufig sind Patienten nach einem Speichenbruch betroffen. Während die Erkrankung sonst meist chronisch verläuft, tritt das Karpaltunnelsyndrom nach einer Fraktur in seiner akuten Form auf.

Ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung des Kompressionssyndroms ist zudem die körperliche Belastung. Wer viel körperlich arbeitet, weist ein drei- bis siebenfach erhöhtes Erkrankungsrisiko auf. Monotone Bewegungsabläufe und starke Vibrationen, die auf die Handgelenke einwirken, begünstigen die Kompression besonders.

Karpaltunnel­syndrom – Symptome

Zu Beginn äußert sich die Erkrankung vor allem durch Schmerzen oder Kribbelgefühle in den Fingern, die der mittlere Armnerv versorgt. Die Missempfindungen beginnen häufig am Daumen und breiten sich dann auf den Zeige- und den Mittelfinger aus.

Zunächst zeigen sich Schmerzen in der Regel nur nach einer starken Belastung des Handgelenks, beispielsweise nach dem Putzen oder der Gartenarbeit. Im Krankheitsverlauf treten die Beschwerden dann auch im Ruhezustand auf. In der Nacht schlafen die Finger insbesondere bei abgeknicktem Handgelenk ein. Wird die Hand umgelagert oder geschüttelt, verschwinden die Beschwerden. Später treten in der Nacht zudem Schmerzen auf, die bis in den Arm oder die Schulter hinaufziehen können. Die Finger schwellen an und sind steif. Auch die Sensibilität der Finger verschlechtert sich, Tast- und Empfindungssinn sind eingeschränkt. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten beim Zuknöpfen der Hose oder können kleinere Gegenstände nicht mehr aufheben.

Je weiter die Schädigung fortschreitet, desto weniger Missempfindungen treten auf. Vielmehr werden die betroffenen Finger gefühllos. Die Muskulatur des Daumenballens wird nicht mehr richtig innerviert und bildet sich nach und nach zurück. Dadurch entsteht eine sichtbare Eindellung am Daumenballen. In der medizinischen Fachsprache wird dieses Phänomen auch als Daumenballenatrophie bezeichnet. Der Schwund der Daumenballenmuskulatur schränkt den Daumen in seiner Funktion stark ein. Greifbewegungen sind nur noch schwer möglich. Wird das Karpaltunnelsyndrom nicht rechtzeitig behandelt, kann eine irreversibele Lähmung des Daumens die Folge sein. Auch eine lebenslange Gefühllosigkeit im Bereich der Handfläche ist eine mögliche Folge des Karpaltunnelsyndroms.

Karpaltunnel­syndrom – Therapie

Je früher die Erkrankung behandelt wird, desto besser ist die Prognose. Jede Verzögerung des Therapiebeginns bedeutet eine weitere Schädigung des Nervus medianus. Grundsätzlich stehen zur Behandlung des Kompressionssyndroms verschiedene Verfahren zu Verfügung.

Leichte bis mittelschwere Erkrankungsfälle werden in der Regel konservativ behandelt. Dabei wird das Handgelenk in der Nacht mithilfe einer speziellen Schiene fixiert und ruhiggestellt. So wird einem Umknicken des Handgelenks und einer weiteren Nervenkompression vorgebeugt. Basiert das Karpaltunnelsyndrom auf einer übermäßigen Belastung, ist zwingend Schonung nötig. Auch hier kann eine Schiene hilfreich sein. Um weitere beruflich bedingte Überbeanspruchungen zu vermeiden, kann in schweren Fällen ein Wechsel des Arbeitsplatzes erforderlich sein.

Bei einer fortgeschritteneren Nervenschädigung reicht die konservative Behandlung in der Regel nicht mehr aus. Starke nächtliche Schmerzen, eine anhaltende Gefühllosigkeit in den Fingern und eine verminderte Nervenleitungsgeschwindigkeit sind die Hauptindikationen für eine Operation. Die Karpaltunnelsyndrom-Operation wird in den meisten Fällen ambulant unter lokaler Betäubung durchgeführt. Bei der offenen Operation trennt der Chirurg das Karpalband am Handgelenk durch und entfernt zudem Gewebe, das den Nerv komprimiert. Hierfür ist ein Schnitt in der Hohlhand nötig. Alternativ kann der Eingriff auch endoskopisch als Schlüsselloch-OP durchgeführt werden. Dafür ist nur ein kleiner Schnitt erforderlich, sodass das Handgelenk nach der endoskopischen Operation oft früher wieder belastet werden kann als nach einem offenen Eingriff.

Nach der Operation erhalten die Patienten eine Gipsschiene, die das Handgelenk komplett ruhigstellt. Schon einen Tag nach dem Eingriff erlernen die Patienten einfache Fingerübungen zur Förderung des Heilungsprozesses. Damit keine Schwellungen auftreten, sollte der Arm jedoch überwiegend hoch gelagert werden. Schmerzen, die in den ersten Tagen nach dem chirurgischen Eingriff auftreten können, lassen sich mithilfe schmerzstillender Arzneimittel lindern. In der Regel kann die Hand drei bis vier Wochen nach der Karpaltunnelsyndrom-Operation wieder normal belastet werden.

Karpaltunnel­syndrom – Vorbeugung

Da die Ursache des Karpaltunnelsyndroms oft unklar ist, lässt sich die Erkrankung nur bedingt verhindern. Druckbelastungen des Handgelenks sollten jedoch möglichst vermieden werden. Menschen, die viel mit ihren Händen arbeiten, sollten während der Arbeit auf regelmäßige Pausen achten. Wenn typische Symptome wie Schmerzen oder Missempfindungen in den Finger auftreten, ist zeitnah ein Arzt aufzusuchen. Durch eine frühe Diagnose und eine rechtzeitige Behandlung lassen sich irreversible Schäden in der Regel vermeiden.

Bildnachweis: © JPC-PROD (ID 275814131) / shutterstock.com

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