Schilddrüsenüberfunktion
Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) tritt vor allem bei der Krankheit Morbus Basedow auf
Krankheiten

Schilddrüsen­überfunktion – Ursachen, Symptome und Therapie

Bei der Schilddrüsenüberfunktion, auch Hyperthyreose genannt, produziert die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone. Infolge kommt es zu Symptomen wie Gewichtsverlust, Durchfall oder vermehrtem Schwitzen.

Was ist eine Schilddrüsen­überfunktion?

Der Begriff der Hyperthyreose setzt sich aus der griechischen Vorsilbe hyper für über und der medizinischen Kurzbezeichnung Thyroidea für Schilddrüse zusammen.

Die Schilddrüse ist ein Organ des Hormonsystems, das sich unterhalb des Kehlkopfes befindet und sich in einen rechten und in einen linken Schilddrüsenlappen unterteilt. In ihrer Hauptfunktion speichert die Schilddrüse Jod und produziert daraus die jodhaltigen Schilddrüsenhormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), wobei T3 rund drei- bis fünfmal so wirksam ist wie T4.

Die Konzentration an Schilddrüsenhormonen im Blutplasma wird durch den thyreotropen Regelkreis, der zwischen Hypophyse und Schilddrüse besteht, reguliert. Wenn die Hypophyse einen Mangel an Schilddrüsenhormonen im Blut registriert, schüttet sie das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) aus. Dieses stimuliert die Schilddrüse zur Hormonproduktion. Ist der Blutspiegel ausreichend, wird dementsprechend weniger TSH gebildet und die Schilddrüse fährt ihre Produktion runter.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion bildet die Schilddrüse mehr Schilddrüsenhormone, als der Körper eigentlich benötigt. Somit kommt es zu einer Überversorgung und aufgrund der stoffwechselanregenden Wirkung der Hormone auch zu einer Beschleunigung aller Stoffwechselvorgänge. Die Überfunktion der Schilddrüse ist keine eigenständige Erkrankung, sondern vielmehr ein Symptom verschiedener Schilddrüsenerkrankungen. So kann eine Hyperthyreose beispielsweise im Rahmen des Morbus Basedow oder bei Adenomen der Schilddrüse auftreten.

Insgesamt leiden deutlich mehr Frauen als Männer unter einer Überfunktion der Schilddrüse. Das Verhältnis liegt je nach Ursache ungefähr bei 4:1.

Schilddrüsen­überfunktion – Ursachen

Für die Hyperthyreose kommen viele verschiedene Erkrankungen infrage. Hauptverursacher der Schilddrüsenüberfunktion ist jedoch der Morbus Basedow. Die Basedowsche Krankheit gehört zu den Autoimmunerkrankungen. Deshalb wird diese Form der Überfunktion auch Immunogene Hyperthyreose oder Immunhyperthyreose genannt. Der Körper bildet bei dieser Form der Hyperthyreose Antikörper, die sich an die TSH-Rezeptoren der Schilddrüse binden. Diese TSH-Rezeptorautoantikörper, kurz auch TRAK genannt, stimulieren die Hormonproduktion in der Schilddrüse. Dadurch produziert die Schilddrüse unabhängig vom thyreotropen Regelkreis T3 und T4, sodass die Konzentration an Schilddrüsenhormonen im Blut deutlich ansteigt. Der Morbus Basedow entwickelt sich in zwei Drittel aller Erkrankungsfälle erst nach dem 35. Lebensjahr. Frauen sind rund fünfmal häufiger betroffen als Männer.

Insbesondere im höheren Lebensalter liegt der Hyperthyreose häufig eine Schilddrüsenautonomie zugrunde. Normalerweise reguliert das Thyreoidea-stimulierende Hormon aus der Hypophyse die Aktivität der Schilddrüse. Bei der Schilddrüsenautonomie arbeiten jedoch größere Bereiche der Schilddrüse autonom und somit unabhängig vom thyreotropen Regelkreis. Solche großen autonomen Schilddrüsenanteile entstehen zum Beispiel bei einer Schilddrüsenvergrößerung durch Jodmangel (Jodmangelstruma). Kommt es dann beispielsweise durch jodhaltige Kontrastmittel oder Medikamente plötzlich zu einer hohen Jodzufuhr, produzieren die autonomen Bereiche große Mengen Schilddrüsenhormone.

Tritt die Hyperthyreose durch die Kombination einer autoimmunogenen Schilddrüsenerkrankung und einer Schilddrüsenautonomie auf, spricht man vom Marine-Lenhart-Syndrom. Dieses Syndrom findet sich jedoch nur bei einem Prozent aller Patienten mit Morbus Basedow.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann auch durch eine Überdosierung von Schilddrüsenhormonen oder durch hormonproduzierende Tumore in der Schilddrüse oder in der Hypophyse hervorgerufen werden. Ferner können Entzündungen der Schilddrüse eine Überfunktion zur Folge haben. Einige Experten vermuten zudem, dass die Hyperthyreose zumindest zu Teilen eine psychosomatische Erkrankung ist.

Schilddrüsen­überfunktion – Symptome

Die Gesamtheit aller charakteristischen Symptome, die bei einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten können, bezeichnet man als Hyperthyreoidismus. Vier von fünf Patienten mit einer Hyperthyreose weisen eine Struma, also eine Vergrößerung der Schilddrüse, auf. Je nach Ausmaß der Vergrößerung haben die Betroffenen Probleme beim Schlucken oder leiden unter Heiserkeit und Husten. Die Beschwerden, die im Rahmen der Hyperthyreose entstehen, gehen auf eine Beschleunigung des Stoffwechsels durch die Schilddrüsenhormone zurück. Zudem ist der Organismus bei einer Überfunktion der Schilddrüse sensibler gegenüber den Hormonen Adrenalin und Nordadrenalin. Somit gehören Gewichtsabnahme bei gesteigertem Appetit, Haarausfall, starkes Schwitzen, Wärmeintoleranz und ein beschleunigter Puls zu den typischen Hyperthyreosesymptomen. Einige Patienten leiden unter Herzklopfen, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck. Sie sind nervös und unruhig. Die Hände zittern und das Einschlafen sowie das Durchschlafen fallen schwer. Bei vielen Patienten zeigt sich die Hyperthyreose auch durch Stimmungsschwankungen, Muskelschmerzen und Muskelschwäche. Infolge des beschleunigten Stoffwechsels kommt es zu Durchfall und Verdauungsstörungen.

In Abhängigkeit von der Grunderkrankung können weitere Symptome auftreten. So kann der Morbus Basedow neben der Schilddrüse auch die Augenhöhle beeinträchtigen. Man spricht hier von einer endokrinen Orbitopathie. Ein typisches Symptom, das im Rahmen dieser Erkrankung der Augenhöhle auftritt, ist der sogenannte Exophthalmus. Dabei tritt der Augapfel aus der Augenhöhle hervor. Tritt dieser Exophtalmus zusammen mit einer Struma und Herzrasen auf, liegt die für den Morbus Basedow typische Merseburger Trias vor.

Die Schilddrüsenüberfunktion kann zu einer hyperthyreoten bzw. thyreotoxischen Krise fortschreiten. Dabei kommt es zu Fieber, starker Schwäche und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma. Die thyreotoxische Krise ist akut lebensbedrohlich und erfordert deshalb schnelle und intensivmedizinische Therapiemaßnahmen.

Schilddrüsen­überfunktion – Therapie

Die Therapie der Schilddrüsenüberfunktion erfolgt in Abhängigkeit von der Ursache. Jedoch gibt es derzeit für sämtliche Ursachen der Hyperthyreose keine kausale Therapie, sodass eine Behandlung immer rein symptomatisch ausgerichtet ist. Grundsätzlich kann man zwischen der Radiojodtherapie sowie zwischen operativen und medikamentösen Behandlungsverfahren unterscheiden.

Bei der medikamentösen Therapie kommen Thyreostatika zum Einsatz. Diese Medikamente hemmen die Synthese der Schilddrüsenhormone direkt oder behindern den Jodtransport in die Schilddrüsenzellen und damit indirekt auch die Produktion der Schilddrüsenhormone. Bekannte Thyreostatika sind Carbimazol, Thiamazol, Perchlorat und Propylthiouracil. Auch hohe Dosen Jod können über einen begrenzten Zeitraum durch den sogenannten Wolff-Chaikoff-Effekt einen hemmenden Einfluss auf die Schilddrüsenfunktion haben. Die thyreostatische Therapie geht jedoch häufig mit unerwünschten Wirkungen einher. Dazu gehören Veränderungen im Blutbild, allergische Reaktionen, eine Schilddrüsenvergrößerung, Magen-Darm-Beschwerden und bei falscher Dosierung auch eine Unterfunktion der Schilddrüse. Ferner ist zu beachten, dass Thyreostatika bei einer Schilddrüsenüberfunktion, die durch eine Schilddrüsenentzündung ausgelöst wurde, nicht wirksam sind. Neben Thyreostatika werden bei einigen Patienten auch nichtkardioselektive ß-Rezeptorenblocker wie Propranolol eingesetzt. Diese mildern zum einen die Herzsymptomatik, die bei einer Hyperthyreose häufig auftritt, und hemmen zudem die Konversion von T4 zum wirksameren T3. Aufgrund der Nebenwirkungen sind die meisten Thyreostatika nicht zur Dauereinnahme geeignet und sollten spätestens nach ein bis zwei Jahren abgesetzt werden.

Wenn sich durch die medikamentöse Therapie die Laborwerte vorübergehend normalisiert haben, wird in der Regel eine Operation durchgeführt. Dadurch soll ein Rezidiv dauerhaft verhindert werden. Bei einer bösartigen Krebserkrankung ist die vollständige Entfernung der Schilddrüse, die sogenannte Thyreoidektomie, das Verfahren der Wahl. Wenn die Schilddrüse gutartig vergrößert ist, werden nur Teile des Organs entfernt. Nach der Operation ist eine lebenslange medikamentöse Therapie erforderlich. Die Patienten erhalten zum einen Jod zur Prophylaxe eines Rezidivs und zum anderen synthetische Schilddrüsenhormone zur Prävention einer Schilddrüsenunterfunktion.

Alternativ zur Operation kann nach der medikamentösen Normalisierung der Schilddrüsenwerte auch eine Radiojodtherapie durchgeführt werden. Bei diesem nuklearmedizinischen Therapieverfahren wird ein radioaktives Jod-Isotop eingesetzt, das das betroffene Schilddrüsengewebe durch die radioaktive Strahlung zerstört. Insbesondere Schilddrüsenzellen mit einem gesteigerten Hormonstoffwechsel nehmen vermehrt das radioaktive Jod auf. So erreicht das Mittel bei der Schilddrüsenautonomie vor allem die autonomen und knotigen Bereiche. Beim Morbus Basedow sind jedoch alle Zellen betroffen, sodass auch alle Zellen durch das radioaktive Jod zerstört werden. Da die Betroffenen während der Radiojodtherapie radioaktives Jod ausscheiden, muss die Therapie isoliert in speziellen Stationen im Krankenhaus durchgeführt werden. Die Erfolgsrate dieses Therapieverfahrens ist hoch. Allerdings kann sich als Folgewirkung noch Jahre nach der Behandlung eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln. Diese Nebenwirkung der Behandlung wird mit der Substitution von synthetischen Schilddrüsenhormonen behandelt.

Schilddrüsen­überfunktion – Vorbeugung

Da die Ursachen der Basedowschen Erkrankung noch nicht bekannt sind, ist eine Prävention hier schwer möglich. Die Schilddrüsenüberfunktion kann aber auch auf dem Boden einer Jodmangelstruma entstehen, sodass zur Vorbeugung auf eine ausreichende Jodversorgung geachtet werden sollte. Insbesondere Jugendliche, Schwangere und Stillende benötigen viel Jod. Das Spurenelement ist unter anderem in Seefisch oder Algen enthalten. Diese Lebensmittel sollten mindestens einmal in der Woche auf dem Speiseplan stehen. Sind in der näheren Verwandtschaft bereits Schilddrüsenerkrankungen aufgetreten, kann eine regelmäßige Kontrolle beim Arzt sinnvoll sein. So kann einer Hyperthyreose gegebenenfalls rechtzeitig entgegengewirkt werden.

Bildnachweis: © Satyrenko / shutterstock.com

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