Ringelröteln
Das für die Ringelröteln verantwortliche Virus ist das kleinste krankheits­erregende Virus überhaupt
Krankheiten

Ringelröteln – Ursachen, Symptome und Therapie

Die Ringelröteln, in der medizinischen Fachsprache auch als Erythema infectiosum bezeichnet, sind eine ansteckende Infektionskrankheit, die überwiegend Kinder betrifft. Normalerweise verläuft die Infektion harmlos, eine Ansteckung in der Schwangerschaft kann jedoch zu schweren Schäden beim Ungeborenen führen.

Was sind die Ringelröteln?

Bei den Ringelröteln handelt es sich um eine ansteckende Krankheit, die durch das Parvovirus B19 hervorgerufen wird. In der Regel sind Kinder zwischen dem 6. und dem 15. Lebensjahr betroffen, sodass die Ringelröteln ebenso wie Mumps, Röteln oder Masern den klassischen Kinderkrankheiten zugeordnet werden.

Genau wie bei den Röteln kommt es auch bei den Ringelröteln zu einem charakteristischen Hautausschlag. Trotz dieser Gemeinsamkeit und der Namensähnlichkeit haben beide Erkrankungen aber nichts miteinander zu tun.

Der Erreger der Ringelröteln, das Parvovirus B19, ist weltweit verbreitet. Infektionen treten recht häufig auf, bleiben aber oft unbemerkt. So tragen rund 70 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland Antikörper gegen das Virus im Blut. Das bedeutet, dass sie sich schon einmal mit dem Virus infiziert haben. Da nach einer Infektion eine lebenslange Immunität zurückbleibt, ist eine erneute Ansteckung mit den Ringelröteln nicht möglich.

Ringelröteln – Ursachen

Die Erkrankung wird durch das Parvovirus B19, ein unbehülltes DNA-Virus aus der Gattung der Erythroviren, ausgelöst. Das Virus hat einen Durchmesser von 23 Nanometern und ist damit das kleinste krankheitsauslösende Virus überhaupt. Es wird vornehmlich durch Tröpfcheninfektion übertragen. Beim Husten oder Niesen gelangen winzige erregerhaltige Tröpfchen in die Luft und werden dann von gesunden Menschen eingeatmet. Auch eine Infektion durch direkten Kontakt beispielsweise beim Küssen ist möglich. Ferner besteht die Möglichkeit einer Schmierinfektion. In seltenen Fällen wird das Virus durch infizierte Blutprodukte übertragen.

Gefürchtet ist ferner die Infektion des Ungeborenen in der Schwangerschaft über die Plazenta. Am größten ist das Infektionsrisiko für das Kind zwischen der 13. und 20. Schwangerschaftswoche. Bei einer gesicherten Infektion der Mutter kommt es hier bei fünf bis zehn Prozent der Ungeborenen zu einer Ringelrötelinfektion.

Ringelröteln – Symptome

In den meisten Fällen verläuft die Infektion komplett ohne Symptome. Da trotzdem eine Immunisierung stattfindet, spricht man hier auch von einer stillen Feiung.

Ein kleiner Teil der Infizierten entwickelt nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen Symptome wie Fieber, Kopf- oder Muskelschmerzen. Nach diesem Stadium der Virusvermehrung folgt das sogenannte Exanthemstadium, das durch einen Hautausschlag charakterisiert ist. Dieser beginnt in den meisten Fällen im Gesicht. Nasenwurzel und Wangen weisen einen ausgeprägten Juckreiz und Rötungen auf. Dabei tritt der Ausschlag meist symmetrisch auf und ähnelt in seiner Form einem Schmetterling.

Nach kurzer Zeit bilden sich girlandenförmig geschwungene Hauterscheinungen, die der Erkrankung auch zu ihrem Namen verholfen haben. Im Krankheitsverlauf kann sich der Ausschlag vom Gesicht auf die Arme und Beine, das Gesäß und den gesamten Rumpf ausbreiten. Zwar verschwinden die Hauterscheinungen nach ein bis zwei Wochen wieder, innerhalb der nächsten sieben Wochen kann der Ausschlag aber erneut auftreten. Häufige Auslöser für diese Reaktivierung sind Sonnenlicht oder heißes Wasser. Erwachsene leiden zudem in mehr als der Hälfte aller Erkrankungsfälle unter einer begleitenden Gelenkentzündung, die sich durch starke Schmerzen bemerkbar macht.

Besondere Gefahren bergen die Ringelröteln in der Schwangerschaft. Selbst wenn die Mutter die Infektion nicht bemerkt, können beim Kind schwere Schäden entstehen. Über die Plazenta gelangt das Virus in den Blutkreislauf des Ungeborenen und kann dort durch einen Befall der blutbildenden Zellen eine ausgeprägte Blutarmut (Anämie) hervorrufen. Dadurch sind die Sauerstoff- und die Nährstoffversorgung eingeschränkt. Das verminderte Blut- und Sauerstoffvolumen stört nicht nur die Entwicklung des Kindes, sondern schädigt schlimmstenfalls auch das Herz. Besonders in den ersten Schwangerschaftsmonaten drohen Fehl- oder Frühgeburten.

Ringelröteln – Therapie

Zur Behandlung der Ringelröteln gibt es keine spezifische antivirale Therapie. Aufgrund des milden Verlaufs ist in der Regel eine symptomatische Therapie zur Linderung der Beschwerden ausreichend. Dazu kommen fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente, beispielsweise aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), zum Einsatz. Kalte Umschläge können den Juckreiz abmildern. Menschen mit einem supprimierten Immunsystem erhalten in seltenen Fällen spezielle Antikörper, die das Virus bekämpfen sollen. Da die Therapie allerdings sehr teuer und zudem mit Nebenwirkungen behaftet ist, wird sie in der Regel nur bei einer chronischen Blutarmut eingesetzt.

Vermutet der Arzt bei einer Schwangeren eine Infektion mit dem Parvovirus B19, wird das Ungeborene wöchentlich mittels Ultraschall auf mögliche Krankheitszeichen untersucht. Bei einem verminderten Blutvolumen schwellen durch einen Austritt von Flüssigkeit aus den Blutgefäßen Brustkorb und Bauch an. Man spricht hier auch vom Hydrops fetalis. Bei einer nachgewiesenen Infektion erhalten die Kinder im Mutterleib Blutkonserven, um den Blutverlust auszugleichen und eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen zu gewährleisten. Das Blut wird über eine lange Nadel der Nabelschnur des Babys zugeführt. In einigen Fällen muss die Infusion direkt an eine Vene des Kindes oder an das Herz angeschlossen werden. Vier von fünf Babys überleben dank dieser Behandlung.

Ringelröteln – Vorbeugung

Es gibt keine Impfung gegen das Parvovirus B19, deshalb lässt sich einer Infektion mit Ringelröteln nicht sicher vorbeugen. Auch infizierte Personen lassen sich nur teilweise meiden, da bereits eine Ansteckungsgefahr besteht, wenn noch keine Symptome auftreten. Sobald der typische Hautausschlag auftritt, ist das Ansteckungsrisiko hingegen nur noch gering. Dennoch sollten Kinder mit einer akuten Ringelrötelinfektion nicht in die Schule oder den Kindergarten geschickt werden.

Schwangere sollten bei Verdacht auf eine Infektion sofort ihren Frauenarzt aufsuchen, sodass eine Erkrankung beim Kind so schnell wie möglich behandelt werden kann.

Bildnachweis: © vitstudio (ID 339731102) / shutterstock.com

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