Morbus Scheuermann
Eine zu stark gekrümmte Wirbelsäule ist typisches Merkmal der Erkrankung Morbus Scheuermann
Krankheiten

Morbus Scheuermann – Ursachen, Symptome und Therapie

Wächst die Wirbelsäule während der Pubertät unregelmäßig und charakteristisch gekrümmt, so kann dies ein Symptom für die Krankheit Morbus Scheuermann sein. Bei dieser Wirbelsäulenveränderung kommt es zu einer Wölbung der Wirbelsäule nach hinten, die mehrheitlich im Bereich der Brustwirbelsäule auftritt.

Morbus Scheuermann verursacht als Adoleszentenkyphose eine Störung im Wachstum der Wirbelsäule und tritt vor allem bei Jugendlichen zwischen dem 11. und 13. Lebensjahr im Zusammenhang mit den typischen Wachstumsschüben auf. Die gesunde und übliche Krümmung der Wirbelsäule ist bei der Erkrankung durch unregelmäßiges Wachstum wesentlich ausgeprägter als normal und ist somit auch verantwortlich für eine optische Auffälligkeit in Form eines dominanten Rundrückens.

Betrifft die Erkrankung den Bereich der Lendenwirbelsäule, kommt es zu einer Abflachung der Vorwärtskrümmung und in Folge zu einem auffälligen Flachrücken. Diese Form des Morbus Scheuermann ist eher atypisch und führt zu einem Verlust der natürlichen Lordose und damit der physiologischen Krümmung der Wirbelsäule.

Im Anfangsstadium bleibt Morbus Scheuermann sehr oft unerkannt. Die normale Krümmung des Rückens ist bis zu einem gewissen Grad normal, sodass es erst bei extremer Abweichung zu einer ersten Wahrnehmung der Krankheit kommt. Auch sind in diesem Stadium die Beschwerden und Symptome oft noch sehr leicht und werden vom Patienten nicht mit einer möglichen Erkrankung oder Deformation des Skeletts in Verbindung gebracht.

Morbus Scheuermann gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Wirbelsäule. Dabei zeigt sich, dass Jungen vier- bis fünfmal häufiger betroffen sind als Mädchen. Namensgebend für die Erkrankung ist die Erstdiagnose durch den dänischen Radiologen und Orthopäden Holger Werfel Scheuermann im Jahr 1921.

Morbus Scheuermann – Ursachen

Bei der Erkrankung ist das gesunde und regelmäßige Wachstum der Wirbelsäule gestört. Stellenweise kommt es zu fehlerhaftem Wachstum innerhalb der als Ringapophysen bezeichneten Wachstumszonen. Der dem Bauch zugewandte Teil bleibt bei Morbus Scheuermann im Wachstum zurück, während der dem Rücken zugewandte Teil weiter wächst. Dies führt zu keilförmigen Wirbeln, die sich vermehrt im Bereich der Brustwirbelsäule feststellen lassen. Die Keilwirbelbildung erstreckt sich dabei über mehrere Wirbelkörper, die dann den typischen Rundrücken ausbilden. Es kommt zu einer Fehlstatik, die sich durch fehlenden Gegenzug nicht ausgleichen lässt.

Im weiteren Verlauf kommt es damit zu Schäden an den Knorpel-Knochen-Verbindungen der Deck- und Bodenplatten der Wirbelkörper. Die Wachstumszonen werden beschädigt und es entstehen kleine Vertiefungen, die mit Bandscheibenmaterial gefüllt sind (sogenannte Schmorl-Knorpelknötchen).

Die Veranlagung zur Krankheit kann autosomal-dominant vererbt werden; nichtsdestotrotz tritt Morbus Scheuermann auch bei einer solchen genetischen Disposition nicht in jedem Fall auf. Welche Faktoren als Trigger fungieren, ist Gegenstand der aktuellen Forschung und noch nicht endgültig geklärt.

Gerade in der Wachstumszeit um die Pubertät herum kann es zu einem Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit des Skelettapparates kommen. Dieses ist geeignet, ein Auftreten von Morbus Scheuermann zu begünstigen. Sicher ist daher, dass vor allem das Zusammenspiel von mehreren Faktoren eine Entstehung der Krankheit fördert. Hierzu zählen auch mechanische Reize wie die dauernde Überbeanspruchung der Wirbelsäule im Bereich des Leistungssportes, eine ständig gebückte Körperhaltung oder auch konstante einseitige Belastungen.

Morbus Scheuermann – Symptome

Erstes Indiz für die Erkrankung ist die optische Abweichung von der normalen Krümmung der Wirbelsäule. Der auffällige Rundrücken wird durch die stärkere Krümmung der Brustwirbelsäule verursacht. Oft kommt es auch zur Ausbildung eines Hohlkreuzes, mit dem die gestörte Statik ausgeglichen werden soll (sogenannte Kypholordose). Trotzdem bleibt die Diagnose von Morbus Scheuermann häufig ein Zufallsfund, der oft im Rahmen einer Röntgenaufnahme erkannt wird.

Zu Beginn der Erkrankung sind Patienten in der Regel überwiegend frei von körperlichen Beschwerden. Schmerzen und weitergehende Beeinträchtigungen treten üblicherweise erst mit fortschreitendem Alter auf. Die Keilbildung innerhalb der Wirbelkörper sorgt neben der Krümmung auch für zunehmende Beschwerden, da sich infolgedessen die Zwischenbereiche der Wirbel und die Bandscheiben verengen.

Die dauernde Überbeanspruchung der Rückenmuskulatur kann eine weitere Ursache für mögliche Schmerzen darstellen. Um die Krümmung durch den Rundrücken auszugleichen, wird die Muskulatur dauerhaft angespannt. Diese atypische Belastung sorgt dann für Beschwerden und Einschränkungen im Nacken und anderen Muskeln. In sehr schweren Fällen lässt sich unter Umständen auch eine Beeinträchtigung der Lungenfunktion feststellen.

Grundsätzlich kann die Erkrankung auch ohne Beschwerden verlaufen. Die Mehrzahl der Fälle weist aber abhängig vom Schweregrad ein mit Schmerzen verbundenes Krankheitsbild auf. Häufig treten diese Schmerzen erst im Erwachsenenalter auf. Morbus Scheuermann kommt in seiner Pathogenese mit dem Abschluss der Wachstumszeit und dem Erreichen des Erwachsenenalters zum Ende.

Damit wird deutlich, dass Morbus Scheuermann zwar grundsätzlich im Kindes- und Jugendalter einen Ausgangspunkt hat, demgegenüber lassen sich aber sowohl Auswirkungen als auch Beschwerden erst im Erwachsenenalter feststellen.

Morbus Scheuermann – Therapie

Langfristiges Ziel einer therapeutischen Behandlung von Morbus Scheuermann ist stets die Aufrechterhaltung der Beweglichkeit und die Vermeidung von weitergehenden Deformationen. Hierbei ist die frühzeitige Diagnose der Krankheit von entscheidendem Vorteil: Je früher Morbus Scheuermann erkannt wird, desto optimaler gestaltet sich das therapeutische Vorgehen. Der Schweregrad der Erkrankung lässt sich mit bildgebenden Methoden feststellen. Eine Diagnose muss dabei vor allem zwischen Morbus Scheuermann und anderen Skeletterkrankungen unterscheiden; so treten auch bei den Krankheitsbildern von Morbus Bechterew und Skoliose ähnliche Beschwerden und Einschränkungen auf.

Wird die Krankheit noch während der Wachstumsphase festgestellt, können vor allem leichte physiotherapeutische Übungen das Fortschreiten verhindern. Kurzfristig kann auch die Anlage eines speziellen Korsetts oder einer Orthese die gewünschte Druckentlastung herbeiführen. Auch im weiteren Verlauf sind bei der Therapie von Morbus Scheuermann vor allem Bewegung und Sport indiziert, die eine Stärkung der Rückenmuskulatur bewirken und damit zu einer Entlastung führen. Eine zunehmende Bewegungseinschränkung kann so erheblich verbessert werden.

Eine begleitende medikamentöse Therapie durch Schmerzmittel und Muskelrelaxantien kann indiziert sein und dient vorübergehend der Beschwerdefreiheit.

Bei fortschreitender Erkrankung und zeitlich späten Diagnose stehen daneben auch operative Methoden zur Verfügung. Ein derartiger Eingriff ist kritisch abzuwägen, da er wie jede operative Therapie auch Risiken für den Patienten beinhaltet. Daher wird im Allgemeinen nur bei sehr schwerwiegenden Beeinträchtigungen ein entsprechendes Vorgehen in Erwägung gezogen.

Liegt eine Disposition zur Erkrankung vor, sollten Sportarten vermieden werden, bei denen die Wirbelsäule prägnanten Kompressions- und Torsions-Belastungen ausgesetzt wird. Hierzu zählen vor allem Disziplinen wie Rudern, Kampfsportarten wie Judo und Ringen, Geräte- und Bodenturnen und Radfahren in gebückter Haltung. Demgegenüber sind Sportarten wie Schwimmen, Gymnastik, Reiten und leichter Kraftsport für Morbus Scheuermann-Patienten wesentlich günstiger und dazu geeignet, trotz der Erkrankung sportlich aktiv zu bleiben. Eine Betätigung auf Leistungsniveau ist im Rahmen der Krankheit nicht empfehlenswert.

Bildnachweis: © wavebreakmedia / shutterstock.com

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