Lungenentzündung
Je nach Schweregrad der Lungenentzündung (Pneumonie) kann eine Behandlung im Krankenhaus angezeigt sein
Krankheiten

Lungen­entzündung – Ursachen, Symptome und Therapie

Bei einer Lungenentzündung ist das Gewebe der Lunge akut oder chronisch entzündet. Während die Erkrankung bei jüngeren Menschen oft gut ausheilt, kann sie bei älteren oder chronisch kranken Patienten auch tödlich enden.

Was ist eine Lungen­entzündung?

Die Lungenentzündung wird in der medizinischen Fachsprache auch als Pneumonie bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine akute oder chronische Entzündung von Lungengewebe.

Traditionell wird bei der Lungenentzündung zwischen der typischen und der atypischen Form unterschieden. Während die typische Pneumonie durch Bakterien ausgelöst wird und vornehmlich die Lungenbläschen betrifft, entzündet sich bei der atypischen Lungenentzündung das Gewebe zwischen den Lungenbläschen. Auslöser sind hier in der Regel Viren.

Eine weitere Unterscheidung kann zwischen der primären und der sekundären Lungenentzündung getroffen werden. Bei einer primären Pneumonie ist kein direkter Auslöser bekannt, wohingegen sich bei der sekundären Pneumonie immer ein auslösendes Ereignis und/oder ein Risikofaktor in der Vorgeschichte des Patienten finden.

Zusätzlich wird die Lungenentzündung klinisch in ambulante und nosokomiale Entzündungen unterteilt. Während die ambulante Lungenentzündung im alltäglichen Leben erworben wurde, ist die nosokomiale Pneumonie auf eine Infektion im Krankenhaus zurückzuführen.

Die Lungenentzündung gehört mit den Durchfallerkrankungen zu den am häufigsten registrierten Infektionskrankheiten. In den USA erkranken jedes Jahr bis zu drei Millionen Menschen an der Entzündung des Lungengewebes, 500.000 von ihnen müssen im Krankenhaus behandelt werden. Für Deutschland liegen zwar keine vergleichbaren Daten vor, die Anzahl der jährlichen neuen Erkrankungsfälle wird auf bis zu elf Menschen pro 1.000 Einwohner geschätzt. Bei Bewohnern von Altenheimen liegt die Erkrankungshäufigkeit vermutlich fünf bis zehnmal so hoch. Rund 20.000 Menschen versterben deutschlandweit jährlich an der Lungenentzündung. Damit gehört die Lungenentzündung zusammen mit den Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zu den häufigsten Todesursachen.

Lungen­entzündung – Ursachen

Fast 90 Prozent aller Lungenentzündungen werden durch Bakterien hervorgerufen. Haupterreger sind Pneumokokken, Haemophilus influenzae, Chlamydien, Legionellen und Mykoplasmen. Bei älteren Patienten ab einem Alter von 65 Jahren führen auch Infektionen mit Bakterien wie Klebsiellen, Enterobacter oder E. Coli zu Lungenentzündungen. Ein besonderes Problem in der Therapie stellen Infektionen mit multiresistenten Bakterien wie MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) oder Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE) dar. Diese Erreger werden meist in Krankenhäusern übertragen und lassen sich mit den gängigen Antibiotika oft nur unzureichend behandeln.

Auch Viren wie das Grippevirus, Adenoviren oder Herpesviren sowie Pilze und Parasiten können eine Entzündung des Lungengewebes hervorrufen. Die virale Lungenentzündung ist im Vergleich zu der bakteriellen Form jedoch eher selten. Eine Lungenentzündung durch Pilze betrifft meist nur Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem. Parasitäre Pneumonien sind ebenfalls eher selten und treten bevorzugt bei immungeschwächten Menschen oder bei Reisenden in den Tropen auf. Diese Formen der Lungenentzündung können ansteckend sein. Die Erreger verteilen sich in der Regel durch Husten oder Niesen in der Luft und können so auf andere Menschen übergehen.

Eine Entzündung des Lungengewebes kann ferner durch eine Reizung ausgelöst werden. So können der Kontakt mit Reizgasen, die Strahlentherapie oder die Einatmung von Mageninhalt eine Pneumonie hervorrufen. Im letzten Fall spricht man auch von einer Aspirationspneumonie. Eine Ansteckungsgefahr ist hier nicht gegeben.

Es gibt zudem verschiedene Personengruppen, die eine besondere Anfälligkeit für Lungenentzündungen aufweisen. Dazu gehören neben älteren und geschwächten Menschen auch chronisch Kranke wie herzkranke Patienten, Menschen mit einer chronischen Bronchitis oder Diabetiker. Bei Menschen mit einer geschwächten körperlichen Abwehr, beispielsweise durch HIV-Infektionen oder die Einnahme von immunsupprimierenden Medikamenten, sowie bei alkoholkranken Patienten und bei kleineren Kindern besteht ebenfalls ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Lungen­entzündung – Symptome

Welche Symptome bei einer Lungenentzündung auftreten, hängt von der Ursache und dem gesundheitlichen Zustand des Patienten ab.

Eine typische Lungenentzündung beginnt meist sehr plötzlich mit einem ausgeprägten Krankheitsgefühl und Schwäche. Die Patienten leiden unter teils sehr hohem Fieber und Schüttelfrost. Im Anfangsstadium der Entzündung entwickelt sich ein trockener Husten. Nach kurzer Zeit wandelt sich dieser in einen produktiven Husten um, bei dem die Patienten grünlich-gelblichen Schleim abhusten.

Das Husten ist häufig mit Schmerzen im Brustbereich verbunden. Diese können bis in den Unterbauch ausstrahlen. Die Entzündung behindert den Gasaustausch in den Lungenbläschen. Die Patienten können Sauerstoff also erschwert aufnehmen und Kohlendioxid erschwert abatmen. Dadurch kommt es zu einer sogenannten Hypoxämie, einem Sauerstoffmangel. Um den Mangel an Sauerstoff auszugleichen, atmen die Betroffenen schneller und sehr flach. Man spricht hier auch von einer Tachypnoe. Durch die veränderte Atmung kommt es zu einem Flattern der Nasenflügel, einem der typischen Symptome der Lungenentzündung. Lässt sich der Sauerstoffmangel durch die schnellere Atmung nicht ausgleichen, können sich Fingerspitzen und/oder Lippen blau verfärben. Mediziner reden dann von einer Zyanose.

Bei Kindern tritt die Lungenentzündung häufig nur durch Symptome wie Fieber, Trinkunlust oder durch einen aufgeblähten Bauch in Erscheinung.

Bei einer atypischen Pneumonie zeigt sich lediglich ein trockener Husten, der produktive Husten bleibt hier komplett aus. Die Beschwerden sind zudem deutlich milder ausgeprägt als bei der typischen Lungenentzündung. Dafür kann sich die Erkrankung über mehrere Wochen hinziehen. Die Patienten fühlen sich ohne erkennbaren Grund müde und abgeschlagen. Häufig wird die atypische Pneumonie aufgrund der fehlenden charakteristischen Symptome übersehen und deshalb nicht auskuriert.

Eine verschleppte Lungenentzündung kann Komplikationen wie eine Entzündung des Lungenfells, eine Blutvergiftung (Sepsis) oder eine Entzündung der Gehirnhäute (Meningitis) zur Folge haben. Die Erreger können zudem auf den Herzmuskel übergreifen und dort eine lebensbedrohliche Entzündung, die sogenannte Myokarditis, auslösen.

Grundsätzlich gilt, dass sowohl die atypische als auch die typische Pneumonie bei älteren oder immungeschwächten Patienten schwerwiegender verlaufen.

Lungen­entzündung – Therapie

Die Therapie hängt von der Ursache der Erkrankung ab. Bakterielle Infektionen werden in der Regel mit Antibiotika behandelt. Diese können sowohl in Tablettenform als auch intravenös als Infusion verabreicht werden. Die durchschnittliche Behandlungsdauer beträgt eine Woche, kann sich aber je nach Schweregrad der Infektion auch deutlich verlängern. Falls der auslösende Keim nicht bekannt ist, erhalten die Patienten normalerweise ein Breitbandantibiotikum. Ist der Erreger bekannt, kann hingegen eine spezifische und zielgerichtete Antibiotikatherapie durchgeführt werden.

Auch bei viralen Lungenentzündungen kann eine Antibiotikatherapie indiziert sein. Zwar richten die antibiotischen Arzneimittel nichts gegen die Viren aus, sie können aber einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien, einer sogenannten Superinfektion, vorbeugen.

Bei einem quälenden trockenen Hustenreiz können hustenstillende Arzneimittel (Antitussiva) genutzt werden. Mukolytika, schleimlösende Medikamente, erleichtern den Patienten hingegen das Abhusten. Da Mukolytika und Antitussiva gegensätzlich wirken, dürfen sie nie gemeinsam verordnet werden, jedoch ist eine Einnahme zu unterschiedlichen Tageszeitpunkten möglich.

Bei besonders hohem Fieber sollten fiebersenkende Maßnahmen durchgeführt werden. Dazu gehören neben Wadenwickeln auch fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS).

Die Patienten sollten zudem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 1,5 Litern pro Tag achten. Eine frühzeitige Mobilisation sowie Atemtherapie können den Verlauf und die Prognose der Lungenentzündung zusätzlich positiv beeinflussen.

Bei einer ausgeprägten Entzündung, einer besonders schweren Symptomatik sowie bei einem schlechten Allgemeinzustand kann eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich sein. Auch Komplikationen wie eine Lungenfellentzündung bedürfen einer stationären Therapie.

Lungen­entzündung – Vorbeugung

Einer Entzündung des Lungengewebes lässt sich nicht sicher vorbeugen. Eine gesunde Lebensführung, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und eine ausgewogene Ernährung stärken jedoch das Immunsystem. Auch der Verzicht auf das Rauchen ist förderlich für die Lungengesundheit.

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt zudem präventive Impfungen gegen Grippeviren und Pneumokokken für Risikogruppen. Dazu gehören zum Beispiel ältere Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen von Herz oder Lunge und immunsupprimierte Menschen. Auch bei Kindern rät die STIKO zu Impfungen gegen Pneumokokken und Haemophilus influenzae B.

Zwar beugen die Impfungen einer Lungenentzündung nicht verlässlich vor, die Häufigkeit der erregerbedingten Komplikationen lässt sich durch die Schutzimpfung jedoch deutlich senken. Bei geimpften Personen verlaufen die Entzündungen oft milder. Zudem reduziert die Präventionsmaßnahme die Sterblichkeit der Lungenentzündung entscheidend. Ob eine entsprechende Impfung sinnvoll ist, sollte jedoch immer mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.

Bildnachweis: © Andrey_Popov (ID 270461507) / shutterstock.com

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