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Kognitive Behinderungen
Einleitung

Artikelverzeichnis

 

Etwas zum Nachdenken...

Computer Bild eines KopfesDas Konzept kognitiver Behinderungen ist extrem breit gefächert und nicht stets eindeutig definiert. In einfachen Worten ist eine Person mit kognitiven Behinderungen jemand, der mit einer oder mehren Arten geistiger Aufgaben größere Schwierigkeiten hat als die Durchschnittsperson. Es gibt zu viele Typen kognitiver Behinderungen um alle hier aufzuzählen, aber wir wollen uns zumindest die wichtigsten Kategorien näher betrachten. Die meisten kognitiven Behinderungen sind in der Biologie oder Physiologie eines Menschen begründet. Der Zusammenhang zwischen der Biologie eines Individuums und seinen geistigen Prozessen wird am offensichtlichsten in Fällen von Gehirntrauma und genetischen Störungen, aber auch subtilere kognitive Behinderungen haben ihre Basis oft in der Struktur oder dem Chemiehaushalt des Gehirns.

Eine Person mit einer tiefgreifenden kognitiven Behinderung ist in nahezu jedem Aspekt ihres alltäglichen Lebens auf Hilfe angewiesen. Jemand mit einer leichten Lernbehinderung kann trotz seiner Einschränkung adequat funktionieren, manchmal so gut, dass die Behinderung niemals aufgedeckt oder diagnostiziert wird. Zugegebenermaßen kompliziert die große Varianz an geistigen Fähigkeiten bei Personen mit kognitiven Behinderungen die Sache etwas. Man kann in der Tat behaupten, dass ein großer Anteil von Webseiten Individuen mit tiefgreifenden kognitiven Behinderungen nicht zugänglich gemacht werden kann, egal wie sehr sich die jeweiligen Webseitenentwickler darum bemühen mögen. Manche Webinhalte werden für gewisse Besucher immer zu komplex bleiben. Dies ist unvermeidlich. Nichtdestotrotz gibt es einige Möglichkeiten, die es Webdesignern erlauben, ihre Inhalte zumindest für Menschen mit weniger ausgeprägten kognitiven Behinderungen zugänglich zu machen.

 

Funktionelle vs. Klinische Kognitive Behinderungen

Es existieren mindestens zwei Arten der Klassifizierung von kognitiven Behinderungen: nach funktioneller Behinderung oder nach klinischer Behinderung. Klinische Diagnosen kognitiver Behinderungen schließen mit ein Autismus, Down Syndrom, traumatische Gehirnverletzung und selbst Demenz. Weniger schwere kognitive Konditionen umfassen Aufmerksamkeitsstörung, Dyslexie (die Schwierigkeit zu lesen), Dyskalkulie (Schwierigkeiten mit Mathematik) und generelle Lernbehinderungen. Klinische Diagnosen können from medizinischen Standpunkt her für die Behandlung nützlich sein, aber hinsichtlich der Zugänglichkeit des Internets ist die Klassifizierung kognitiver Behinderungen nach funktioneller Einschränkung weitaus angebrachter. Funktionelle Einschränkungen ignorieren die medizinischen oder verhaltensbezogenen Gründe der Behinderung und richten den Fokus stattdessen auf die resultierenden Fähigkeiten und Herausforderungen. Einige der Hauptkategorien funktioneller kognitiver Behinderungen umfassen Mängel oder Schwierigkeiten mit:

  1. Gedächtnis
  2. Problemlösen
  3. Aufmerksamkeit
  4. Lese-, Linguistik- und Verbalverständnis comprehension
  5. Mathematikverständnis
  6. Visualverständnis

Der hauptsächliche Grund weshalb diese funktionellen Einschränkungen wichtiger sind wenn es um Internetzugänglichkeit geht, ist, dass sie in direkterer Weise mit den Bedenken von Webdesignern zu tun haben. Wenn man einem Entwickler mitteilt, dass manche Menschen an Autismus leiden, so ist diese Information nicht besonders bedeutsam, ausser der Entwickler ist gewahr, welche Barrieren sich einem Autisten stellen. Wenn man auf der anderen Seite den Entwickler wissen lässt, dass einige Menschen Probleme mit Mathematik haben, so kann er diesen Umstand beim Aufbau seiner Webseite speziell für dieses Besuchersegment mit berücksichtigen.

Zusätzlich sind klinische Diagnosen nicht gegenseitig ausschließend wenn es um die unterschiedlichen Schwierigkeiten von Personen geht. Innerhalb klinischer Diagnosen existieren oft beträchtliche Überlappungen mit funktionellen Behinderungen. Eine Person mit Merkfähigkeitsstörungen mag beispielsweise ebenso Aufmerksamkeits- oder Problemlösungsschwierigkeiten aufweisen. Diese Art der Überlappung fügt sich zwar in das medizinische Modell, ist aber für Webdesigner nicht besonders hilfreich, denn sie müssen ganz einfach wissen, was eine Person zu tun und nicht zu tun imstande ist.

 

Gedächtnis

‘Gedächtnis’ bezieht sich auf die Fähigkeit eines Menschen, sich daran zu erinnern, was er im Laufe der Zeit gelernt hat. Ein gebräuchliches Modell zur Erklärung des Gedächtnisses involviert das Konzept von Sofort-, Kurzzeit- und Langzeitgedächtnisses. Bedeutsame Information durchläuft typischerweise diese Kette und wird zuerst im Sofortgedächtnis gespeichert bevor es später ins Kurzzeit- und sodann ins Langzeitgedächtnis umgelagert wird. Manche Individuen mit kognitiven Behinderungen haben Schwierigkeiten mit einem, zwei oder gar allen dreien dieser Gedächtnistypen. Je wichtiger ein Inhalt für die Bedürfnisse des Benutzers ist, desto größer ist die Chance dass er im funktionellen Gedächtnisspeicher des Gehirns abgelegt wird. Manche Benutzer haben Gedächtnisschwierigkeiten, die ihre Fähigkeit einschränken, sich zu entsinnen wie sie an bestimmte Informationen auf einer Webseite oder anderswo gekommen sind.

 

Problemlösen

Einige Menschen mit kognitiven Behinderungen haben Schwierigkeiten beim Lösen von auftretenden Problemstellungen. In vielen Fällen ist ihre Belastbarkeit gering und die resultierende Frustration kann so groß werden, dass sie sich entschließen, die Webseite zu verlassen anstatt sich weiterhin der Lösung des Problems zu widmen. Ein Beispiel dafür wäre das Auftreten einer ‚404‘-Fehlermeldung von einem schlechten Link; oder auch ein Link, das sie nicht dorthin bringt wo sie dachten sie würden landen.

 

Aufmerksamkeit

Begeistertes KindEs gibt viele Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihre Aufmerksamkeit auf die Aufgabe an der Hand zu fokussieren. Ablenkungen wie Lauftext oder aufblinkende Ikonen können die Umwelt des Internets schwer bewältigbar machen. Selbst für den typischen Benutzer können blinkende oder laufende Komponenten oder multiple Pop-ups irritierend sein. Gute Designprinzipien würden solche Komponenten auf das allernötigste Ausmaß beschränken um den Inhalt zu vermitteln.

Manche Individuen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) haben Schwierigkeiten mit dem Lernen. Das liegt jedoch oft nur an ihrer Ablenkbarkeit und ist nicht irgendeiner Art der Unfähigkeit, Information zu verarbeiten. Menschen mit ADHS können impulsiv sein, sind leicht ablenkbar und unaufmerksam. Eine positive Note wäre, dass einige Personen mit Aufmerksamkeitsdefizit in kurzen Ausbrüchen höchst kreativ und produktiv sein können, energiegeladen und enthusiastisch. Weniger positiv wäre, dass Menschen mit ADHS es schwierig finden, sich einer bestimmten Aufgabe auf lange Zeit zu widmen. Auf dem Internet können auch blinkende Banner ablenkend wirken, genauso wie alles andere was die Aufmerksamkeit des Besuchers vom eigentlichen Inhalt abbringt.

 

Lese-, Linguistik- und Verbalverständnis

komplexe Wörter, die durch den Raum schwebenEinige Individuen haben Schwierigkeiten Text überhaupt zu verstehen. Diese Schwierigkeiten können mild, aber auch schwer ausgeprägt sein und rangieren von leichten Herausforderungen bis hin zur vollständigen Leseunfähigkeit. Es wäre unangemessen, von Web-Entwicklern zu erwarten, die ganze Bandbreite von Lesefähigkeiten zu berücksichtigen. Die Unterschiede zwischen Nichtlesern und Lesegenies sind schlichtweg zu groß. Auf der anderen Seite ist es aber durchaus angemessen, von Entwicklern zu erwarten, dass sie ihre Inhalte einfach und klar verfassen und damit die Hauptleserschaft als auch jene Personen, die Schwierigkeiten mit dem Inhalt haben könnten, zu berücksichtigen. Am Ende  leiden immerhin geschätzte 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung an einer oder anderen Form von Sprach- und Verständnisschwierigkeit.

Selbst wenn die Behauptungen schwerlich verfizierbar sind, so wird doch gemeinhin berichtet, dass auch viele berühmte Führungspersönlichkeiten und Intellektuelle Schwierigkeiten mit dem Lesen und/oder Buchstabieren hatten, einschließlich Winston Churchill, Thomas Alva Edison, Henry Ford, Albert Einstein, George Washington, John F. Kennedy, Leonardo da Vinci und andere. Die Botschaft, die man angesichts dessen mit nach Hause nimmt, ist, dass Autoren es schlichtweg nicht wissen können, ob ihr Publikum Leseschwierigkeiten hat oder nicht. Es ist eine Kondition, die viele Personen geschickt vor der Außenwelt verbergen.

Nachstehend finden Sie ein Beispiel für ein Leseproblem. Bitte beachten Sie, dass das Problem in Auffassung oder Bearbeitung begründet sein kann. Finden Sie heraus, ob der assoziierte Zugänglichkeits-Fix Ihnen behilflich sein kann.

Was wird in der folgenden Phrase ausgedrückt?

Tob eornot obe

Überprüfen Sie nun die Mächtig- und Wichtigkeit der eingebettenen Grafiken als einen Weg zur Hervorhebung des Kontextes des geschriebenen Worts. Lesen Sie die  Phrase mit einer Grafik.

Eine weitere interessante Simulation einer Leseschwierigkeit und unsere Widerstandskraft angesicht von Leseproblemen kann man hier finden: http://www.angmail.fsnet.co.uk/jumbltxt.htm.

Nicht wortwörtlicher Text

Ein Problem für manche Leser ist nicht wortwörtlicher Text wie zum Beispiel Sarkasmus, Satire, Parodie, Allegorie, Metapher, Slang und Umgangssprache. In manchen Fallen erkennt der Leser einfach nicht, dass die Worte nicht wortwörtlich zu verstehen sind. Ein Autor, der schreibt „Ich liebe es, im Verkehr stecken zu bleiben wenn ich sowieso schon zu spät zur Arbeit bin”, meint wahrscheinlich das exakte Gegenteil von dem, was sein Satz wortwörtlich niederlegt. Sarkasmus wie in diesem Beispiel kann für manche Leser verwirrend sein. Im gleichen Sinne mag jemand, der liest, er solle seine „Enten in die Reihe bringen“ nicht realisieren, dass der Autor mitnichten tatsächliche Enten meint. Stattdessen schlägt er schlicht vor, der Leser solle organisierter und disziplinierter werden. Zur Umschreibung und Illustrierung des Konzepts verwendet er das Beispiel einer Entenmutter, deren Küken ihr beim Watscheln in einer sauberen Reihe folgen.

Nicht existierender Text

Ungesagte Annahmen und implizierte Bedeutungen in niedergeschriebenen Inhalten mögen dem Autoren offensichtlich sein, doch seine Leser haben zu deren Erkennung nicht den dafür notwendigen Wissenshintergrund. Einige Leser haben nicht die Fähigkeit, solche Andeutungen und Implizierungen ohne zusätzliche Hilfestellung aus dem Text zu ziehen.

 

Mathematikverständnis

Bild mit mathematischen GleichungenMathematische Ausdrücke sind nicht für jedermann einfach zu verstehen. Das bedeutet nicht, dass Autoren Mathematik stets vermeiden sollen. Für Personen, denen das Lesen mathematischer Formeln und mathematisches Denken ein Leichtes sind, ist der beste Weg zur Darstellung eines mathematischen Konzept durch die Benutzung von mathematischen Gleichungen. Auf der anderen Seite ist es oft hilfreich, Mathematik konzeptionell zu erklären, das heißt mit oder ohne Formeln. Konzeptuelles Erklären hilft Lesern, die Gründe hinter der Mathematik zu verstehen.

 

Visualverständnis

Manche Individuen haben Schwierigkeiten, visuelle Information zu verarbeiten. Auf vielerlei Art ist dies das Gegenteil des Problems, mit dem sich Personen mit Schwierigkeiten bei der Verarbeitung von Worten und Sprache auseinandersetzen. Individuen mit Visualverständnisschwierigkeiten mögen Objekte nicht als das erkennen was sie sind. Sie erkennen zwar die Tatsache, dass sich die Webseite aus Objekten zusammensetzt, können diese Objekte aber nicht einzeln definieren. Zum Beispiel mögen sie nicht realisieren dass das Foto einer Person in der Tat eine Abbildung dieser Person darstellt, obwohl sie doch das Foto selbst (als Objekt) ganz klar auf der Webseite sehen können.

Für diese Menschen mag eine sich bewegende, sprechende Person in einem Video einfacher zu identifizieren und geistig verarbeitbar sein als die selbe Person in einem statischen, unbewegten Foto. Video und Multimedien, unterstützt durch Ton, mag den besten Weg darstellen, mit solchen Individuen zu kommunizieren.

 

Diese Übersetzung wurde im Rahmen einer Vereinbarung mit WebAim.org erstellt.
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