Schlaganfall
Beim Schlaganfall ist Eile geboten - die Behandlung sollte bestenfalls innerhalb der ersten Stunde nach dem Schlaganfall beginnen
Krankheiten

Schlaganfall – Ursachen, Symptome und Therapie

Der Schlaganfall, in der medizinischen Fachsprache Apoplex genannt, ist eine akute Durchblutungsstörung des Gehirns, die mit neurologischen Ausfällen einhergeht. Fast immer ist der Hirnschlag eine Folge von arteriosklerotischen Veränderungen in den hirnversorgenden Gefäßen.

Was ist ein Schlaganfall?

Der Schlaganfall ist eine Erkrankung, die sehr plötzlich auftritt, und das Gehirn betrifft. Durch eine Störung der Blutversorgung des Gehirns kommt es zu einem partiellen Funktionsausfall des zentralen Nervensystems (ZNS). Die Erkrankung ist unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt. So werden für den Schlaganfall sowohl die deutschen Termini zerebraler Insult und apoplektischer Insult genutzt als auch die englischen Fachbegriffe Stroke und Cerebrovascular accident (CVA).

Grob unterteilt man den Schlaganfall in einen ischämischen und einen hämorrhagischen Infarkt. Bei dem ischämischen Schlaganfall kommt es zu einer plötzlichen Minderdurchblutung und damit zu einer Unterversorgung der betroffenen Hirngebiete. Bei dem hämorrhagischen Insult liegt eine Hirnblutung vor, die jedoch aufgrund der Raumforderung oder durch einen Blutmangel ebenfalls zu einer Hirnunterversorgung führt.

Der Apoplex gehört zu den häufigen Erkrankungen in Deutschland. Pro Jahr kommt es hier in 200.000 Fällen zu den gefährlichen Durchblutungsstörungen im Gehirn. Das entspricht einer Inzidenz von 160 bis 240 Erkrankungsfällen pro 100.000 Einwohner. Jährlich versterben mehr als 50.000 Menschen an den Folgen eines Schlaganfalls. Damit ist die Erkrankung die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Zudem ist der Apoplex die häufigste Ursache für Behinderungen. Ein Drittel der Überlebenden zeigt deutliche Behinderungen, ein Drittel bleibt sogar dauerhaft pflegebedürftig.

Grundsätzlich kann ein Schlaganfall in jedem Alter auftreten. Mehr als 50 Prozent aller Erkrankungsfälle betreffen aber Menschen, die älter als 75 Jahre sind. Bereits ab dem 60. Lebensjahr nimmt die Erkrankungshäufigkeit jedoch stark zu.

Schlaganfall – Ursachen

Damit das menschliche Gehirn korrekt funktioniert, muss es ständig mit Blut versorgt werden. Nur so erhält es die erforderlichen Nährstoffe und Sauerstoff. Eine fehlende oder verminderte Durchblutung kann innerhalb kürzester Zeit die Nervenzellen im Gehirn schädigen oder sogar zu ihrem Absterben führen. In 80 Prozent der Fälle ist ein Gefäßverschluss für die mangelnde Blutversorgung verantwortlich. Häufig liegt diesem Gefäßverschluss eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) zugrunde. Die Ablagerungen an der Innenwand der Blutgefäße verengen den Gefäßinnenraum zunehmend. Im schlimmsten Fall kommt es durch einen winzigen Riss im Gefäß und die nachfolgende Anlagerung von Blutplättchen zu einem kompletten Verschluss. In den meisten Fällen sind von den arteriosklerotischen Veränderungen die größeren Hirn- und Halsarterien betroffen. Ein Verschluss bedeutet somit, dass größere Hirnbereiche nicht mehr ausreichend versorgt werden.

Aber auch ein Blutgerinnsel, ein sogenannter Thrombus, kann das Blutgefäß verstopfen. Man spricht hier von einer Embolie. Häufig bildet sich ein solcher Thrombus im Herzen bei Vorhofflimmern oder Vorhofflattern. Ebenso kann das Gerinnsel einer arteriosklerotisch verkalkten Halsschlagader entstammen.

15 bis 20 Prozent der Schlaganfälle basieren auf Hirnblutungen. Bei der intrazerebralen Blutung platzt ein Hirngefäß, sodass plötzlich Blut ins Hirngewebe der Umgebung austritt. Bluthochdruck ist der häufigste Auslöser für eine solche Hirnblutung. Zu hoher Blutdruck schädigt auf Dauer die Gefäße, sodass diese leichter platzen können. Ebenso erhöhen arterielle Aussackungen, die sogenannten Aneurysmen, die Gefahr für eine Hirnblutung.

Zwei bis fünf Prozent der Erkrankungsfälle gehen auf eine Blutung im Subarachnoidalraum zurück. Dieser Spaltzwischenraum liegt zwischen der mittleren und der inneren Hirnhaut. Häufigste Ursache einer Subarachnoidalblutung ist ein geplatztes Aneurysma.

In seltenen Fällen beruht der Hirnschlag auf Gefäßentzündungen (Vaskulitiden), die im Rahmen von Autoimmunerkrankungen auftreten können. Fett- und Luftembolien sowie angeborene Gerinnungsstörungen gehören ebenfalls zu den seltenen Schlaganfall-Ursachen.

Schlaganfall – Symptome

Charakteristischerweise treten die Zeichen eines Schlaganfalls sehr plötzlich auf. Häufig zeigt sich zunächst nur ein Symptom, je nach Schweregrad können aber auch mehrere Beschwerden zur gleichen Zeit auftreten. Die Kombination der Symptome hängt davon ab, welche Hirnarterien betroffen sind und welche Bereiche diese Gefäße versorgen.

Bei dem Cerebri-media-Infarkt, der häufigsten Form des Schlaganfalls, sind Halbseitenlähmungen zu erwarten. Die Betroffenen können beispielsweise nach dem Schlafen plötzlich nicht mehr eigenständig aus ihrem Bett aufstehen. Typischerweise ist der Arm von der Lähmung betroffen. Auch eine Fazialisparese, eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur, kann auftreten. Die Patienten oder ihre Angehörigen bemerken zum Beispiel einen hängenden Mundwinkel oder einen unvollständigen Lidschluss. Nicht immer sind die betroffenen Körperteile komplett gelähmt. Auch eine ausgeprägte Schwäche der Extremität kann auf einen Schlaganfall hinweisen.

Ein weiteres typisches Zeichen für den neurologischen Ausfall sind Sensibilitätsstörungen, die sich in Form von Kribbel- (Ameisenlaufen) oder Taubheitsgefühlen bemerkbar machen.

Bei Verschluss der linken Arteria cerebri media treten Störungen des Sprachverständnisses und/oder der Sprachproduktion auf. Die Betroffenen leiden unter Wortfindungsstörungen und Sprachstörungen. Ebenso zeigt sich oft eine Unfähigkeit zur Durchführung bestimmter Handlungen. Beispielsweise können sich die Betroffenen nicht mehr die Zähne putzen, obwohl keine Lähmung vorliegt und obwohl die visuelle Wahrnehmung intakt ist. Man spricht hier von einer Apraxie.

Weitere Beschwerden, die im Rahmen des Schlaganfalls auftreten können, sind Schwindel, Erbrechen, Übelkeit und starke Kopfschmerzen. Auch Sehstörungen, akute Verwirrtheit mit Orientierungslosigkeit und Teilnahmslosigkeit sowie Schluckstörungen können auf einen Apoplex hinweisen.

Je länger die Durchblutungsstörung andauert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die neurologischen Ausfälle irreversibel sind.

Bei einem Verschluss der Hirngefäße im Bereich der Arteria cerebri media der rechten Hirnhälfte zeigen sich die Symptome auf der linken Körperseite und umgekehrt. Der Grund dafür ist, dass sich sowohl die absteigenden Pyramidenbahnen als auch die aufsteigenden sensiblen Bahnen, welche für die Weiterleitungen von Nervensignalen zuständig sind, kreuzen. Die linke Hirnhälfte schickt ihre Informationen also zur rechten Körperperipherie, die rechte Hirnhälfte ist für die Steuerung der linken Körperhälfte zuständig.

Das häufigste und wichtigste Warnsignal für den Schlaganfall ist die transitorisch ischämische Attacke (TIA). Die Symptome ähneln den Symptomen des Schlaganfalls, jedoch bilden sich die neurologischen Ausfälle innerhalb weniger Minuten oder Stunden zurück. Typischerweise kommt es bei einer TIA zu Sehstörungen auf einem Auge oder zu kurzzeitigen Lähmungen. Die Betroffenen unterschätzen diese kurzzeitigen Ausfälle oft in ihrer Bedeutung. Jedoch erleidet fast die Hälfte aller Menschen mit einer transitorischen ischämischen Attacke innerhalb von fünf Jahren einen Schlaganfall.

Schlaganfall – Therapie

Grundsätzlich gilt: Je früher die Therapie nach einem Schlaganfall begonnen wird, desto größer sind die Chancen, dass keine oder nur wenig dauerhafte Schäden zurückbleiben. Aus diesem Grund ist ein Schlaganfall immer ein Notfall. Die besten Therapieergebnisse lassen sich dann erzielen, wenn die Behandlung innerhalb der ersten drei Stunden und bestenfalls in der ersten Stunde nach dem Schlaganfall beginnt.

Auf der Intensivstation sichern die Ärzte die Atmung und die Herz-Kreislauf-Tätigkeit des Patienten. Auch die Korrektur des Flüssigkeitshaushaltes und die Regulation des Blutzuckers sowie der Körpertemperatur gehören zu den ersten Maßnahmen, die nach einem Schlaganfall im Krankenhaus ergriffen werden. Viele Krankenhäuser verfügen über Stroke Units. Es handelt sich dabei um Spezialstationen für Schlaganfälle, die eine intensive Betreuung der Patienten gewährleisten sollen. Neben der schnellen Diagnose und einer kontinuierlichen Überwachung spielt hier auch die Frührehabilitation durch Pflege, Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten eine wichtige Rolle.

Bei einem ischämischen Schlaganfall muss die Durchblutung der betroffenen Hirnbereiche so schnell wie möglich wiederhergestellt werden. Dazu kommt die systemische Thrombolyse, in der Kurzform auch Lyse genannt, zum Einsatz. Die Patienten erhalten ein Medikament (Thrombolytika) über die Vene gespritzt, dass das Gerinnsel auflösen soll. Zuvor muss allerdings mittels Computertomographie sichergestellt werden, dass keine Hirnblutung vorliegt. Diese würde sich durch die Gabe von Thrombolytika verschlimmern. Mittels intraarterieller Katheterthrombolyse kann das auflösende Medikament auch direkt an den Thrombus im Gehirn appliziert werden. Zusätzlich kommen blutverdünnende Medikamente, die sogenannten Antikoagulantien, zum Einsatz, um den Blutfluss im Gehirn zu verbessern. Sie sollen zudem die Bildung neuer Gerinnsel oder die Vergrößerung bereits bestehender Thromben verhindern.

Bei bestimmten Formen des ischämischen Apoplexes wird auch die mechanische Thrombektomie genutzt. Ähnlich wie bei der intraarteriellen Katheterthrombolyse wird hier unter Beobachtung mit einem speziellen Röntgengerät ein sehr dünner Katheter bis zur Stelle des Gefäßverschlusses geführt. Dann entfernt der Arzt das Gerinnsel zunächst mechanisch und saugt es anschließend ab. Die mechanische Thrombektomie kann allerdings nur bei Verschlüssen der großen Hirngefäße durchgeführt werden, sodass nur etwa fünf bis zehn Prozent der Schlaganfallpatienten von dieser Methode profitieren. Zudem wird die recht aufwändige Methode nur in größeren medizinischen Zentren angeboten.

Bei einem hämorrhagischen Schlaganfall steht die Stillung der Blutung im Fokus. Je mehr Blut aus dem beschädigten Gefäß austritt, desto mehr schädigt der entstehende Druck das umliegende Hirngewebe. Da die im Blut enthaltenen Substanzen zudem zusätzlich die Zellen des Gehirns schädigen können, kann bei größeren Blutungen eine Operation zur Beseitigung des Blutes erforderlich sein. Um dem Gehirn mehr Raum zu geben, kann eine Eröffnung des knöchernen Schädels sinnvoll sein. Falls möglich wird das geplatzte Gefäß wieder verschlossen. Nicht bei allen Blutungen ist dies jedoch machbar.

Ebenso wichtig wie eine schnelle Behandlung sind auch eine frühe Rehabilitation und eine effektive Vorbeugung weiterer Schlaganfälle. Zu den vorbeugenden Maßnahmen gehören beispielsweise der Einsatz von Gerinnungshemmern, die Behandlung eines Bluthochdrucks oder eine generelle Änderung des Lebensstils. Darüber hinaus erfolgt eine Rehabilitation bestehend aus Physiotherapie, Ergotherapie und je nach Beschwerdebild auch Logopädie.

Schlaganfall – Vorbeugung

Bluthochdruck, Übergewicht und erhöhte Blutfettwerte gehören zu den Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Mit einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung lässt sich diesen Risikofaktoren jedoch entgegenwirken.

Alkohol und Tabakrauchen sollten zur Schlaganfallprävention zwingend gemieden werden. Wer das Rauchen aufgibt, weist ungefähr fünf Jahre nach der letzten Zigarette dasselbe Schlaganfallrisiko auf wie ein Nichtraucher.

Diabetes, Herzrhythmusstörungen und eine Thromboseneigung erhöhen ebenfalls das Schlaganfallrisiko. Wer Medikamente zur Behandlung dieser Erkrankungen erhält, sollte diese zur Schlaganfallprävention gewissenhaft einnehmen und unter keinen Umständen auf eigene Faust absetzen.

Bildnachweis: © Syda Productions / shutterstock.com

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