Schwerhörigkeit – Arten, Ursachen, Behandlung und Folgen
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Gesundheit

Schwerhörigkeit – Arten, Ursachen, Behandlung und Folgen

Schwerhörigkeit ist keine Frage des Alters. Sie kommt in jeder Altersgruppe vor und kann unbehandelt die Lebensqualität stark einschränken.

Nicht nur der Verlust der Sehkraft führt zur Verschlechterung der Lebensqualität – auch der Verlust der Hörkraft stellt für die Betroffenen oft eine große Belastung dar.
Genau wie bei der Sehkraft gibt es auch beim Hörverlust verschiedene Stufen:

HörstufeProzentualer Hörverlust
Normalhörigkeit0 - 20 %
geringgradiger Hörverlust20 - 40 %
mittelgradiger Hörverlust40 - 60 %
hochgradiger Hörverlust60 - 80 %
an Gehörlosigkeit grenzender Hörverlust80 - 95 %
Gehörlosigkeit100 %

Wie funktioniert Hören überhaupt?

Das Ohr besteht aus drei Teilen:

  • Die Ohrmuschel und der Gehörgang bilden das Außenohr.
  • Das Trommelfell und die Paukenhöhle mit den Gehörknöchelchen bilden das Mittelohr.
  • Das Innenohr besteht aus der Schnecke mit den Haarzellen und dem Gleichgewichtsorgan.

Schallwellen treffen über den Gehörgang auf das Trommelfell und versetzen es in Schwingungen. Diese übertragen sich durch die Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel) bis ins Innenohr. Dort werden die Schallwellen durch die Haarzellen in Nervensignale umgewandelt und ans Gehirn weiter geleitet.

Hören - Schallübertragung im Ohr
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Arten von Schwerhörigkeit

Bei der Schwerhörigkeit unterscheiden HNO-Ärzte grundsätzlich 3 Arten:

  • Schallleitungsschwerhörigkeit
  • Schallempfindungsschwerhörigkeit
  • Kombinierte Schwerhörigkeit

Schallleitungsschwerhörigkeit

Von Schallleitungsschwerhörigkeit betroffene Personen hören alles leiser, aber die Qualität der Schallsignale bleibt weitestgehend erhalten. Im Gespräch würden Betroffene die Worte folglich je nach Ausprägung der Schwerhörigkeit leiser hören, diese aber verstehen. Problematisch wird das Verstehen, wenn es viele Hintergrundgeräusche gibt.
Der Grund für diese Form des Hörverlustes ist, dass der vom Trommelfell ankommende Schall nicht richtig über das Mittelohr ans Innenohr weiter geleitet wird.

Ursachen

Bei den Ursachen ist zwischen akuter und chronischer Schallleitungsschwerhörigkeit zu unterscheiden.

Akute SchallleitungsschwerhörigkeitChronische Schallleitungsschwerhörigkeit
  • Ohrenschmalz, Wasser (vom Schwimmen oder Basen) oder andere Fremdkörper, die den Gehörgang verstopfen können

  • Mittelohrentzündung

  • Verschluss der Ohrtrompete (meist durch Erkältung oder zu großen Rachenmandeln bei Kindern, aber auch bei schneller Luftdruckveränderung)

  • verletztes Trommelfell

  • entzündungsbedingte Schwellungen im Gehörgang

  • Unterbrechung der Gehörknöchelchenkette (beispielsweise durch Schädelbruch oder Verletzungen des Mittelohres)

  • Chronische Mittelohrentzündung

  • chronische Tubenventilationsstörung

  • Verknöcherung im Übergang vom Steigbügel zum Innenohr

  • verengter Gehörgang durch Narbenbildung

  • übermäßiges Knochenwachstum im Gehörgang oder Mittelohr

  • Tumore im Gehörgang oder Mittelohr

  • angeborene Fehlbildung oder Störung im Außen- oder Mittelohr

Behandlung

Für die Schallleitungsschwerhörigkeit gibt es keine generelle Behandlungsmethode. Vielmehr hängt die Behandlung von der Ursache ab. Beispielsweise wird die durch Ohrenschmalz bedingte Schwerhörigkeit durch Entfernen des Ohrenschmalzes geheilt. Wenn die Schwerhörigkeit durch eine Belüftungsstörung der Ohrtrompete bedingt ist, kann wiederum eine Medikamentengabe zur Wiederherstellung der Hörkraft beitragen. Im Falle eines Paukenergusses im Mittelohr kann die Hörkraft durch einen kleinen Schnitt im Trommelfell, durch welches die Wundflüssigkeit austreten kann und das Mittelohr damit entlastet, wiederhergestellt werden.
Bei schwerwiegenderen Ursachen wie Otosklerose oder eine Zerstörung der Gehörknöchelchen ist es mit diesen einfachen Verfahren nicht getan. Hier bedarf es operativen Eingriffen.

Wenn diese Behandlungsmaßnahmen nicht zur Verbesserung der Hörkraft führen, kommt zusätzlich ein Hörgerät zum Einsatz. Alternativ dazu kann aber je nach Ausmaß der Schwerhörigkeit auch ein Mittelohrimplantat eingesetzt werden.

Schallempfindungsschwerhörigkeit

Bei dieser Form des Hörverlustes handelt es sich eher um eine Fehlhörigkeit als um eine Schwerhörigkeit. Denn betroffene Personen haben Sprachverständnisschwierigkeiten und können je nach Ausprägung des Hörverlustes sogar komplett gehörlos sein.

Diese Form der Schwerhörigkeit ist darin begründet, dass der Schall im Innenohr aufgrund fehlender oder beschädigter Sinneszellen (Haarzellen) in der Hörschnecke nicht richtig verarbeitet und an das Gehirn weitergeleitet werden kann. Deshalb wird diese Form der Schwerhörigkeit auch als Innenohrschwerhörigkeit bezeichnet.

Ursachen

Auch hier muss wieder zwischen akuter und chronischer Schallempfindungsschwerhörigkeit unterschieden werden.

Akute SchallempfindungsschwerhörigkeitChronische Schallempfindungsschwerhörigkeit
  • Hörsturz

  • Infektionskrankheiten wie Mumps, Scharlach, Aids, Hirnhautentzündung und Toxoplasmose können auch das Innenohr schädigen

  • Lärm über der Schmerzgrenze von 120 dB wie beispielsweise eine Explosion (durch die enormen Schwingungen der Schallwelle können die Haarzellen im Innenohr absterben)

  • Schädelbruch mit Querbruch des Felsenbeins

  • Riss der Membran zwischen Mittelohr und Innenohr (ovales Fenster oder rundes Fenster)

  • Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Morbus Menière

  • psychisch bedingt (also quasi eine unbewusst vorgetäuschte Schwerhörigkeit)

  • Vergiftungen, beispielsweise durch Kohlenmonoxid, Quecksilber oder Blei

  • bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung das Innenohr angreifen, beispielsweise Aspirin oder Chemotherapeutika und harntreibende Arzneien
  • Zunehmendes Alter (Presbyakusis)

  • tägliche mehrstündige Lärmbelastung von über 80 dB ohne Gehörschutz

  • Erkrankung der Hörnerven

  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Mellitus und Funktionsstörungen der Nieren, der Leber oder der Schilddrüse

  • angeborene Fehlbildung oder Störung im Innenohr

  • eine den Hörnerv einengende Geschwulst (Akustikusneurinom)

  • Arteriosklerose

  • Zervikal-Syndrom

  • Morbus Meniére
Anmerkung: Beim Felsenbein handelt es sich um einen zum Schläfenbein (Os temporale) gehörenden Knochen. Er befindet sich an der Schädelbasis und umschließt das Innenohr.

Hörsturz

Ein Hörsturz, auch Ohrinfarkt genannt, kommt plötzlich und scheinbar spontan ohne klar erkennbare Ursachen, die im Voraus auf einen Hörsturz hindeuten würden. Deshalb können Ärzte den Hörsturz nur per Ausschlussdiagnose erkennen. Es gibt auch keine wirkungsvolle Therapie.

In der Regel äußert sich ein Hörsturz durch eine einseitige Schallempfindungsstörung, wobei wenige oder auch alle Frequenzen betroffen sein können. Die Schallempfindungsstörung kann bis zur Gehörlosigkeit reichen.
Eine vergleichsweise hohe Anzahl an Patienten erlebt eine Spontanheilung des Hörschadens, auch wenn der Verlauf oftmals sehr unterschiedlich ist.

Häufig klagen erkrankten Personen über:

  • Einseitiger Druck und Ohrgeräusche
  • Hochfrequenter Tinnitus
  • Taubes Hautempfinden
  • Schwindelgefühl
  • Doppeltonhören
  • Lärmempfindlichkeit
Ursachen

Die Ursachen für einen Hörsturz kann man noch nicht klar definieren. Wissenschaftler gehen aber von folgenden Einflüssen aus, die den Hörsturz begünstigen können:

  • Stress
  • Autoimmunerkrankungen
  • Risse der Rundfenstermembran
  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Rauchen

Behandlung

Noch ist es nicht möglich, eine Schallempfindungsschwerhörigkeit medikamentös oder durch eine Operation zu behandeln. Hier helfen nur spezielle Hörgeräte, um den Hörverlust auszugleichen.

Eine frühzeitige Versorgung mit einem passenden Hörgerät ist enorm wichtig. Denn selbst eine leichte Innenohrschwerhörigkeit kann sich im Laufe der Zeit verschlechtern. Durch regelmäßige Hörtests kann der Hörverlust immer optimal ausgeglichen werden – gegebenenfalls durch die Verordnung eines neuen Hörgerätes oder in besonders schwerwiegenden Fällen ein Cochlea- oder Knochenleitungsimplantat.

Kombinierte Schwerhörigkeit

Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus den beiden vorgenannten Formen der Schwerhörigkeit, sodass betroffene Personen sowohl unter einem Verlust der Lautstärke als auch des Verständnisses leiden. je nachdem, welche Schwerhörigkeit stärker ausgeprägt ist, unterscheidet sich auch die Qualität des Hörens. Bei einer stärkter ausgeprägten Schallleitungsschwerhörigkeit gibt es einen Lautstärkeverlust, bei einer Schallempfindungsschwerhörigkeit einen Verständnisverlust.

Ursachen

Oft tritt die kombinierte Schwerhörigkeit bei gleichzeitiger Erkrankung des Außen- oder Mittelohres und des Innenohres auf, so zum Beispiel bei einem Übergreifen einer Mittelohrentzündung auf das Innenohr.
Als Ursache kommen aber auch sämtliche Ursachen für die anderen beiden Formen der Schwerhörigkeit in Frage.

Behandlung

Die Behandlung der kombinierten Schwerhörigkeit richtet sich nach der oder den Ursachen und nach der Schwere des Hörverlustes. So sind sowohl medikamentöse und operative Behandlungsmöglichkeiten möglich, als auch der Einsatz von Hörgeräten oder Implantaten zur Verbesserung der Hörkraft.

Schwerhörigkeit – Folgen für die Gesundheit

Studien haben bewiesen, dass mit jeden dB Hörverlust die Gefahr, an einer Depression zu erkranken, steigt. Die ständige Anstrengung, trotz Schwerhörigkeit alles mitbekommen zu wollen, führt nämlich zu erhöhter Erschöpfung, Müdigkeit, Kopfschmerz und Stress. Nicht selten ziehen sich betroffene deshalb mehr und mehr zurück und landen schließlich in einer sozialen Isolation. Diese wiederum lässt die Betroffenen einsam werden, wodurch Depressionen begünstigt werden. Zusätzlich steigt für Schwerhörige das Risiko an Demenz zu erkranken.

Gerade für schwerhörige Kinder, die draußen spielen, kann es gefährlich werden, wenn Gefahren wie zum Beispiel herannahende Autos nicht oder nicht rechtzeitig bemerkt werden. Auch in der Schule kann die Schwerhörigkeit für Kinder schwerwiegende Folgen haben, wenn sie dem Unterricht nicht folgen können oder Aufgabenstellungen falsch verstehen.

Fazit

Wer an Schwerhörigkeit leidet, hat es nicht immer einfach im Leben. Umso wichtiger ist es, dass diese behandelt wird. Wenn Sie also das Gefühl haben, dass sich Ihr Gehör verschlechtert, scheuen Sie nicht, einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann eine Diagnose stellen und die Schwerhörigkeit behandeln – mit oder ohne Hörgerät.
Auch wenn Sie sich vielleicht nicht gleich mit einem Hörgerät anfreunden können, sollten Sie ruhig einen Versuch wagen.
Bestellen Sie sich doch einfach ein kostenloses Hörgeräte-Muster Paket und testen Sie ganz unverbindlich das Gefühl, wieder alles hören zu können und sich wieder problemlos an Gesprächen beteiligen zu können.

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