Chlamydien
Die Infektion mit Chlamydien ist eine ernste Geschlechtskrankheit und kann sogar zur Unfruchtbarkeit führen
Krankheiten

Chlamydien – Ursachen, Symptome und Therapie

Chlamydien sind Bakterien, die beim Menschen eine Infektion hervorrufen können. Chlamydien-Infektionen gehören zwar weltweit zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten, Augen oder Atemwege können aber ebenso betroffen sein.

Was sind Chlamydien?

Der Begriff Chlamydien wird in der Alltagssprache für verschiedene Bakterienarten aus der Familie der Chlamydiaceae genutzt. Die kleinen gramnegativen Bakterien leben als eine Art Parasit, der sich ausschließlich innerhalb der Zelle eines Wirtes vermehren kann. Chlamydien durchlaufen immer eine Entwicklung. Deshalb können sie zum einen als sogenannte elementary bodies (infektiöse Elementarkörperchen) und zum anderen als deutlich größere Netzkörperchen vorliegen. Während die stoffwechselinaktiven Elementarkörperchen insbesondere für die Übertragung von Bedeutung sind, stellen die Netzkörperchen eine vermehrungsfähige und stoffwechselaktive Form der Chlamydien dar.

Eine Infektion mit Chlamydien nennt man Chlamydiose. Dieser Sammelbegriff umfasst verschiedene Infektionskrankheiten, die durch Chlamydien hervorgerufen werden. Sie können je nach Erregerart das Auge, die Atemwege oder den Urogenitaltrakt betreffen. Die Infektion des Urogenitaltrakts wird den sexuell übertragbaren Erkrankungen zugerechnet. Hier sind überwiegend Jugendliche und jüngere Erwachsene im Alter zwischen 15 und 25 Jahren betroffen. Aus der Gruppe der Chlamydien sind die Erreger Chlamydia trachomatis, Chlamydophila psittaci und Chlamydophila pneumoniae für den Menschen gefährlich. Sie können verschiedene Erkrankungen verursachen. Dazu gehören neben der Chlamydien-Infektion des Urogenitaltrakts auch das Trachom, die Geschlechtskrankheit Lymphogranuloma venereum, die Ornithose und die Chlamydienpneumonie.

Chlamydien-Infektion – Ursachen

Der Infektionsweg hängt vom Erregertyp ab. Chlamydia trachomatis vom Serotyp A bis C verursacht das Trachom, eine bakterielle Entzündung des Auges. Die Infektion wird über direkten Schleimhautkontakt von Augen, Nase und Mund hervorgerufen. So kann der Erreger beispielsweise durch Fliegen oder durch die gemeinsame Benutzung von Waschlappen und Handtüchern übertragen werden. In den Industriestaaten ist eine Infektion mit Chlamydia trachomatis vom Serotyp A und B äußerst selten. Aufgrund der mangelnden Hygiene und der schlechten Lebensbedingungen gehört das Trachom jedoch in den Entwicklungsländern zu den häufigsten Augenerkrankungen und ist zudem der häufigste Grund für Erblindungen.

Der Seroytp C findet sich im Gegensatz zu den Serotypen A und B auch in Industriestaaten. Der Erreger wird vor allem durch Badewasser übertragen. Die dadurch hervorgerufene Bindehautentzündung des Auges wird deshalb auch als Schwimmbadkonjunktivitis bezeichnet.

Chlamydien der Serotypen D bis K sind für Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane verantwortlich. Chlamydien-Infektionen stehen weltweit auf Platz zwei der am häufigsten auftretenden sexuell übertragbaren Erkrankungen. In Deutschland sind vier bis fünf Prozent aller sexuell aktiven Männer und Frauen im Alter zwischen 17 und 29 infiziert. Jährlich gibt es rund 100.000 Fälle von Chlamydien-Infektionen. Damit ist die Infektion in Deutschland die häufigste sexuell übertragbare Erkrankung. Die Erreger werden zum Großteil beim Geschlechtsverkehr übertragen. Da die Infektion bei fast 80 Prozent der infizierten Frauen und bei der Hälfte der Männer symptomlos verläuft, gibt es viele unerkannte Infektionsquellen. In seltenen Fällen können Chlamydien auch auf anderem Wege, beispielsweise in Schwimmbädern oder Whirlpools, übertragen werden.

Eine weitere sexuell übertragbare Erkrankung, die durch Chlamydien hervorgerufen wird, ist das Lymphogranuloma venereum. Verantwortlich sind hier die Serotypen L1, L2 und L3.

Infektionen mit dem Erreger Chlamydia psittaci gehören hingegen zu den Zoonosen. Das bedeutet, dass die Infektion des Menschen durch Tiere erfolgt. Im Fall von Chlamydia psittaci sind dies hauptsächlich Vögel. Die infizierten Vögel scheiden die Bakterien mit dem Kot aus. Die Infektion erfolgt dann durch das Einatmen von erregerhaltigem Staub, beispielsweise beim Säubern des Käfigs. Die Folge ist eine Entzündung der Atemwege. Auch Chlamydophila pneumoniae ruft eine Atemwegserkrankung hervor. Der Erreger wird durch Tröpfcheninfektion übertragen.

Chlamydien-Infektion – Symptome

Am Trachom erkranken zum Großteil Kinder. Nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen entwickelt sich eine beidseitige Bindehautentzündung mit tränenden Augen, Ausfluss und Fremdkörpergefühl. Im Krankheitsverlauf bilden sich kleine Lymphfollikel an der Oberfläche der Bindehaut, die dann einschmelzen und platzen. Die betroffenen Stellen vernarben, sodass sich die Bindehaut des Oberlides zusammenzieht. Dadurch verschiebt sich das Oberlid und die Wimpern des Auges scheuern auf der Hornhaut. Infolge der Schädigung kommt es zu Entzündungen der Hornhaut, die ebenfalls unter Narbenbildung abheilen. Ohne eine rechtzeitige Behandlung führt die Infektion mit Chlamydia trachomatis zur Erblindung.

Bei einer Infektion des Urogenitaltraktes rufen die Erreger bei Frauen häufig eine Urethritis (Harnröhrenentzündung) und eine Entzündung der Bartholinschen Drüsen hervor. Die Harnröhrenentzündung macht sich unter anderem durch ein Brennen beim Wasserlassen, Unterbauchschmerzen und Ausfluss bemerkbar. Die Entzündung der Bartholinschen Drüsen, die sogenannte Bartholinitis, kann äußerst schmerzhaft sein. Die Schamlippen und der Scheideneingang sind gerötet und geschwollen. Einige Frauen berichten über starke Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Des Weiteren kann der Erreger den Gebärmutterhals befallen und von dort bis zu den Eileitern aufsteigen, sodass sich auch der Gebärmutterhals, die Gebärmutterschleimhaut und die Eileiter entzünden können. Eine der häufigsten Komplikationen der genitalen Chlamydien-Infektion ist die Verklebung der Eileiter, die zur Sterilität führt. Zudem können verklebte Eileiter eine Eileiterschwangerschaft begünstigen, da das befruchtete Ei aufgrund der Verklebungen den Weg in die Gebärmutter nicht passieren kann. Das Risiko für Unfruchtbarkeit nach einer Chlamydien-Infektion der Genitalien liegt bei sieben Prozent, das für eine Eileiterschwangerschaft bei etwa drei Prozent. Eine Infektion in der Schwangerschaft fördert zudem Früh- und Fehlgeburten.

Beim Mann führt die Infektion mit Chlamydia trachomatis ebenfalls am häufigsten zu einer Entzündung der Harnröhre. Auch Entzündungen von Prostata oder Nebenhoden sind möglich. Typische Symptome einer Chlamydien-Infektion beim Mann sind Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang, (eitriger) Ausfluss, häufiger Harndrang, Schmerzen während und nach der Ejakulation sowie Schmerzen im Bereich von Hoden, Penis und Damm. Infolge der Infektion kann es zudem zu springenden Gelenkentzündungen sowie zum sogenannten Reiter-Syndrom kommen. Das Reiter-Syndrom ist durch eine Trias aus Urethritis, Arthritis und Entzündung der Bindehaut (Konjunktivitis) bzw. der Iris charakterisiert. Ebenso wie bei Frauen können Chlamydien-Infektionen auch bei Männern zu Unfruchtbarkeit führen. Zudem gibt es Hinweise, dass eine Chlamydien-Infektion das Risiko für eine Ansteckung mit anderen Geschlechtskrankheiten wie HIV oder Syphilis erhöht.

Beim Lymphogranuloma venereum entwickelt sich am Infektionsort ein oberflächliches Geschwür. Nach 10 bis 30 Tagen schwellen zusätzlich die Lymphknoten schmerzhaft an. Ohne Behandlung kann es zu einem Stau der Lymphbahnen kommen. Im Extremfall entwickelt sich eine Elephantiasis. In Mitteleuropa tritt die Geschlechtskrankheit jedoch eher selten auf. Sie ist vorwiegend in Afrika und Südamerika verbreitet.

Die medizinische Fachbezeichnung für die Erkrankung, die durch Chlamydia psittaci hervorgerufen wird, lautet Ornithose. Je nach Alter des Patienten und abhängig vom Zustand des Immunsystems sind verschiedene Krankheitsverläufe möglich. Meist kommt es nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Wochen zu Gliederschmerzen, Kreuzschmerzen, Fieber und Husten. In der vierten Woche beginnt normalerweise die Genesung. Unbehandelt oder bei einer Fieberdauer, die drei Wochen übersteigt, endet die Infektion häufig tödlich. Insgesamt betrachtet liegt die Letalität der Ornithose zwischen 20 und 50 Prozent.

Die Atemwegserkrankung, die durch den Erreger Chlamydophila pneomoniae verursacht wird, verläuft in den meisten Fällen eher mild. Neben einer leichten Lungenentzündung kann es auch zu Nasennebenhöhlenentzündungen oder zu Entzündungen des Rachens und der Bronchien kommen.

Chlamydien-Infektion – Therapie

Infektionen mit Chlamydien lassen sich mithilfe von Antibiotika gut behandeln. Penicillin ist bei den Bakterien aufgrund der fehlenden Zellwand wirkungslos. Geeignet sind Antibiotika aus der Gruppe der Tetrazykline und Makrolide wie Erythromycin, Doxycyclin und Azithromycin. Schwangere und Kinder dürfen jedoch nicht mit Tetrazyklinen behandelt werden. Während bei Infektionen des Urogenitaltrakts sowie der Atemwege eine systemische Antibiotikatherapie erfolgt, werden bei Augenentzündungen zusätzlich antibiotisch wirksame Augentropfen eingesetzt. Die Behandlung der Chlamydien-Infektion dauert normalerweise zwischen einer und vier Wochen. Das Trachom des Auges muss zudem chirurgisch behandelt werden.

Bei einer Erkrankung der Geschlechtsorgane ist eine Mitbehandlung des Partners erforderlich. Andernfalls erfolgt eine wiederkehrende wechselseitige Ansteckung. Man spricht hier auch vom Ping-Pong-Effekt. Zudem sollten die Patienten vier bis acht Wochen nach Abschluss der medikamentösen Therapie erneut untersucht werden. So lassen sich die häufig auftretenden Rezidive frühzeitig erkennen und behandeln.

Chlamydien-Infektion – Vorbeugung

Den besten Schutz vor genitalen Chlamydien-Infektionen bieten Kondome. Eine Übertragung ist ferner über Anal- oder Oralverkehr möglich, sodass auch hier stets mit Kondomen verhütet werden sollte. Da bei einer Schwangeren das Risiko besteht, dass die Chlamydien während des Geburtsvorgangs auf das Neugeborene übergehen, ist ein Screening auf Chlamydien ein wichtiger Bestandteil der Mutterschaftsvorsorge in Deutschland.

Einer Augeninfektion durch Chlamydia trachomatis lässt sich vor allem durch eine Verbesserung der Hygiene und der Lebensbedingungen in den betroffenen Ländern vorbeugen.

Bei der Ornithose stellt getrockneter Vogelkot die wichtigste Infektionsquelle dar. Um einer Infektion mit Chlamydophila psittaci vorzubeugen, sollten Vogelbesitzer beim Reinigen des Vogelkäfigs darauf achten, möglichst wenig Staub einzuatmen. Insbesondere bei größeren Vogelkäfigen kann ein Mundschutz bei der Käfigreinigung sinnvoll sein.

Einer Infektion der Atemwege durch Chlamydophila pneumoniae lässt sich hingegen nur schwer vorbeugen. Ein starkes Immunsystem bietet jedoch Schutz vor verschiedenen Chlamydieninfektionen. Das Abwehrsystem lässt sich unter anderem durch eine nähr- und vitalstoffreiche Ernährung sowie durch regelmäßige körperliche Betätigung und ausreichend Schlaf stärken.

Bildnachweis: © LuckyImages / shutterstock.com

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