Angststörung
Eine Angststörung kann zur sozialen Isolation führen
Krankheiten

Angststörung – Ursachen, Symptome und Therapie

Die Angststörung, auch phobische Störung genannt, ist eine psychische Störung, die mit unspezifischen Ängsten oder einer konkreten Furcht einhergeht. Bekannte Angststörungen sind beispielsweise die Angst vor Spinnen (Arachnophobie) oder die Flugangst.

Was ist eine Angststörung?

Für die Definition der Angststörung ist es hilfreich, zunächst ein Verständnis von dem Begriff der Angst zu erlangen. Der Psychiater Karl Jaspers beschreibt Angst als ein qualvolles Gefühl, das recht häufig auftritt. Im Gegensatz zur Furcht, die sich konkret auf etwas richtet, ist Angst ohne einen Zielgegenstand. Eine Angststörung liegt dann vor, wenn Ängste und Furcht regelmäßig ohne eine drohende Gefahr auftreten oder wenn die Betroffenen eine tatsächlich vorliegende Bedrohung in ihrer Relevanz deutlich überschätzen.

Ebenso kann anhand der Symptomausprägung eine physiologische Furcht von einer pathologischen Form unterschieden werden. Häufig besteht die Angst selbst nach dem Überstehen einer gefährlichen Situation fort.

Eine Phobie kann von einer konkreten einfachen Angst durch das Vorliegen eines Angstobjektes differenziert werden. Während eine Angststörung eher diffus bzw. an eine reale Situation gebunden ist, bezieht sich die Phobie auf einen konkreten Gegenstand. Im Krankheitsverlauf wird diese Furcht auf immer mehr Objekte ausgedehnt. Die Folge sind immer umfangreiche Vermeidungsstrategien.

Zu den wichtigsten Angststörungen gehören die Phobien mit und ohne Panik, Panikstörungen mit Panikattacken und die generalisierte Angststörung.

Angststörungen und spezifische Phobien treten in der Bevölkerung recht häufig auf. Rund elf Prozent aller Menschen entwickeln mindestens einmal im Leben eine Phobie. Studien der WHO zufolge leiden acht Prozent aller Patienten in deutschen Hausarztpraxen unter einer Angsterkrankung. In den USA zeigen sogar 20 Prozent aller Patienten, die ein allgemeinmedizinisches Krankenhaus aufsuchen, Symptome einer Angststörung.

Angststörungen – Ursachen

Die Ursachen für generalisierte Angststörungen, Panikattacken und Phobien konnten bisher noch nicht geklärt werden. Vermutlich liegt ein multifaktorielles Geschehen vor. Es gibt verschiedene psychologische Modelle, die das Auftreten der unphysiologischen Angst erklären sollen. Diverse dimensional konzipierte Persönlichkeitsmodelle stimmen darin überein, dass bei den Betroffenen eine genetische Veranlagung zur Ängstlichkeit vorliegt. Zudem scheint es so, dass Menschen mit starken Ängsten unter einer verzerrten Wahrnehmung der Welt leiden. Durch diese Fehleinschätzung bewerten sie die Gefährlichkeit ihrer Umgebung anders. Um den scheinbar überall drohenden Gefahren auszuweichen, entwickeln sie verschiedene Vermeidungsstrategien, was über kurz oder lang zu Rückzug oder Isolation führt.

Die Entwicklungspsychologie weist hingegen auf einen Zusammenhang zwischen phobischen Störungen und Trennungsängsten in der frühen Kindheit hin. Auch zwischen generalisierten Angststörungen und Traumatisierungen in der Kindheit scheint eine Verbindung zu bestehen. Doch nicht nur mangelhafte Zuwendung in der Kindheit kann eine Angststörung im Erwachsenenalter forcieren, auch eine übertriebene Besorgnis der Eltern kann die Entstehung einer Angsterkrankung begünstigen.

Lerntheoretiker und kognitive Psychologen gehen davon aus, dass Ängste erlernt sind. Man spricht hier auch von einer klassischen Konditionierung. Demnach entsteht eine Angst auf einen ursprünglich neutralen Reiz dann, wenn dieser Reiz in Zusammenhang mit einer realen angstauslösenden Situation auftritt.

Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, sah Angst als den Ausdruck eines inneren Konfliktes. Die Angst entwickelt sich demnach durch eine Unterdrückung eines Triebes oder aber durch die Wahrnehmung einer inneren Bedrohung. Dieser Theorie zufolge ist Angst eine Schutzmaßnahme der eigenen Psyche.

Vermutlich liegt bei Angstpatienten aber auch eine Störung im Neurotransmitterhaushalt vor. So spielen unter anderem das serotonerge, das exzitatorische und das noradrenerge System eine Rolle in der Pathophysiologie der Ängste. Auch das GABA-System ist beteiligt. Wie diese Störungen entstehen, konnte bisher noch nicht geklärt werden.

Eine weitere körperliche Ursache von Angst und Panikattacken sind Funktionsstörungen der Schilddrüse. Dabei kann sowohl eine Schilddrüsenüberfunktion als auch eine Unterfunktion des Organs zu Angststörungen führen. Mögliche Ursachen sind Erkrankungen wie Morbus Basedow oder die Hashimoto-Thyreoditis. Im Anfangsstadium einer Hashimoto-Thyreoditis können bereits dann Ängste auftreten, wenn die Laborwerte noch im Normbereich sind. Eine korrekte Diagnosestellung ist so nur schwer möglich.

Angststörung – Symptome

Hier muss zwischen den unterschiedlichen Erscheinungsformen der Angststörung unterschieden werden. Bei einer spezifischen Phobie entstehen die Ängste in Bezug auf einen bestimmten Gegenstand oder einen Ort. Die Patienten verspüren diese Angst häufig bereits beim Gedanken an dieses Objekt oder die Situation und entwickeln deshalb Vermeidungsstrategien. Zugleich ist ihnen aber bewusst, dass die Ängste die sie verspüren, nicht angemessen sind. Es gibt eine Vielzahl von möglichen Phobien. Prinzipiell kann sich eine Phobie auf alles richten. Zu den bekannten spezifischen Phobien gehören aber unter anderem die Angst vor engen Räumen (Klaustrophobie), die Angst vor dem Zahnarzt (Dentalphobie) oder die Angst vor Spinnen (Arachnophobie).

Eine Sonderform ist die soziale Phobie. Hier beziehen sich die Ängste auf Situationen, in denen Kontakt mit den Mitmenschen besteht. Die Betroffenen leiden unter Angst vor öffentlicher Beschämung und fürchten, dass andere ihre Ängste anhand körperlicher Reaktionen wie Stimmversagen, Erröten oder vermehrtem Schwitzen erkennen könnten. In der Folge haben sie ein vermindertes Selbstbewusstsein und verspüren häufig Versagensgefühle. Sie vermeiden soziale Situationen und entwickeln dadurch insbesondere im Prozess des Heranwachsens soziale Defizite.

Die Panikstörung ist durch das wiederholte Auftreten von starker Angst und Panikzuständen charakterisiert. Diese beziehen sich weder auf konkrete Gegenstände noch auf bestimmte Situationen, sodass sie von den Betroffenen auch nicht vorhergesehen werden können. Eine Panikattacke äußert sich unter anderem durch Herzrasen, Erstickungsgefühle, Atemnot, Schwindel und Schwitzen. Patienten mit einer Panikstörung leiden unter Todesangst und fürchten verrückt zu werden. In der Regel ist der Anfall nach einigen Minuten vorbei. Im Krankheitsverlauf entsteht jedoch eine Angst vor den Panikattacken. Die Betroffenen meiden öffentliche Plätze oder Veranstaltungen, weil sie befürchten dort eine Panikattacke zu erleiden. Sie interpretieren ihre Symptome oft fehl und erkennen nicht den Zusammenhang zwischen den körperlichen Beschwerden und der zugrunde liegenden Angst.

Die generalisierte Angststörung ist durch eine anhaltende Angstsymptomatik mit Nervosität, Schwitzen, Schluckbeschwerden, Schwindel, Konzentrationsstörungen oder Schlafproblemen charakterisiert. Die Patienten können keinen Auslöser der Angst erkennen, fürchten aber häufig, dass geliebte Menschen erkranken oder sogar versterben. Nicht selten leiden Patienten mit Angststörungen auch unter Depressionen.

Angststörungen – Therapie

In erster Linie kommen bei der Behandlung der Angst psychotherapeutische Verfahren und angstlösende Medikamente zum Einsatz.

Die Verhaltenstherapie arbeitet bei Phobien und Ängsten häufig mit einer Reizkonfrontation. Die Patienten werden mit ihren Ängsten gezielt konfrontiert, sodass diese im Therapieverlauf in den normalen Alltag integriert werden können. Häufig erfolgt die Verhaltenstherapie in Kombination mit einer Kognitiven Therapie. Hier lernt der Patient, seine Denk- und Verhaltensmuster zu ändern. Eine Fehlbewertung der angstauslösenden Situation soll so erkannt und aufgelöst werden. Die tiefenpsychologischen Behandlungsmethoden haben hingegen eher das Ziel, die unbewussten Konflikte, die der Angst zugrunde liegen, aufzudecken.

Da Ängste häufig auch von körperlichen Symptomen und einer großen inneren Unruhe und Anspannung begleitet werden, können sich Entspannungsverfahren wie das Autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson positiv auf die Symptomatik auswirken. Auch körperliches Training scheint einen positiven Einfluss auf die Beschwerden zu haben. Tägliche Bewegung in einem Rahmen von 30 bis 45 Minuten kann Studien zufolge die Angstsymptome mindern.

Ergänzend zur Psychotherapie und zu den unterstützenden Maßnahmen können angstlösende Medikamente eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem Trizyklische Antidepressiva oder Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Je nach Symptomatik eignen sich auch Neuroleptika, Benzodiazepine oder Buspiron. Auch die Pflanzenheilkunde und die Alternativmedizin bieten verschiedene angstlösende Substanzen. So können Baldrian, Lavendel, Passionsblume oder Johanniskraut insbesondere bei leichteren Formen der Angststörung hilfreich sein.

Angststörungen – Vorbeugung

Da die genaue Entstehung der Angststörung noch unklar ist, ist eine Prävention kaum möglich. Eine Therapie der Ängste gestaltet sich umso schwieriger, je länger die Symptome bestehen. Deshalb ist eine frühzeitige Erkennung und Behandlung der Angststörung wichtig. Bei irrationalen Ängste oder Phobien, sollte somit schnellstmöglich ein Arzt oder Therapeut kontaktiert werden.

Bildnachweis: © Andrew Lever / shutterstock.com

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