Genitalherpes
Beim Genitalherpes (Herpes genitalis) können die typischen Bläschen stark jucken und sogar schmerzen
Krankheiten

Genitalherpes – Ursachen, Symptome und Therapie

Der Genitalherpes, in der medizinischen Fachsprache auch Herpes genitalis genannt, gehört zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Auslöser ist eine Infektion mit Herpesviren.

Was ist Genitalherpes?

Der Genitalherpes ist eine sexuell übertragbare Erkrankung, die von Viren verursacht wird. Die Begriffe Vaginal-Herpes, Penis-Herpes und Intim-Herpes werden häufig synonym genutzt. Auslöser der Erkrankung sind Herpes-simplex-Viren (HSV) vom Typ 1 (HSV-1) oder vom Typ 2 (HSV-2).

Die Ansteckung erfolgt klassischerweise über ungeschützten Geschlechtsverkehr. Auch eine Übertragung von Lippenherpes auf die Genitalregion ist möglich.

Der Genitalherpes gehört zu den am häufigsten auftretenden sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Herpes-simplex-Viren sind weltweit verbreitet, ihr einziger natürlicher Wirt ist der Mensch. Da insbesondere das Virus HSV-1 bereits im Säuglingsalter durch den normalen Umgang innerhalb der Familie erworben wird, ist die Durchseuchung in der Bevölkerung hoch. Bei 80 bis 90 Prozent aller Menschen können Antikörper gegen HSV-1 im Blut nachgewiesen werden. Herpes-Viren verbleiben nach erfolgter Ansteckung lebenslang im Körper. Sie verweilen in einer Art Ruhemodus an den Nervenwurzeln und können insbesondere bei geschwächtem Immunsystem reaktiviert werden.

Genitalherpes – Ursachen

Dem Herpes genitalis liegt immer eine Infektion mit Herpesviren vom Typ 1 oder 2 zugrunde. Beide Erreger gehören zur Gattung Simplexvirus innerhalb der Familie der Herpesviridae.

Mit einem Durchmesser von bis zu 180 nm gehören die Herpes-simplex-Viren zu den großen Virenarten. In 50 bis 70 Prozent der Fälle ist das Herpes-simplex-Virus vom Typ 2 für die Hauterscheinungen im Intimbereich verantwortlich. In den anderen Erkrankungsfällen liegt eine Infektion mit Viren vom Typ 1 zugrunde. Allerdings ruft HSV-1 eher Lippen- als Genitalherpes hervor.

Die Herpesviren können über kleinste Haut- und Schleimhautverletzungen in den Körper eindringen. Häufige Eintrittspforten sind die Genital- und die Mundschleimhaut. Während HSV-2 insbesondere beim Geschlechtsverkehr übertragen wird, erfolgt die Ansteckung mit HSV-1 oft schon im Säuglingsalter durch Speichelkontakt oder Schmierinfektion. Insbesondere die Flüssigkeit, die sich in den Herpesbläschen befindet, ist ansteckend. Doch auch ohne Bläschen besteht eine Ansteckungsgefahr. Die Viren verbleiben in den infizierten Gebieten und werden durch Kontakt mit Vaginalsekret, Speichel oder Sperma übertragen. In seltenen Fällen, insbesondere wenn die Erstinfektion in der Schwangerschaft stattgefunden hat, erfolgt die Ansteckung während der Geburt.

In den meisten Fällen macht sich die Infektion nicht direkt nach der Ansteckung bemerkbar. Die Viren suchen sich über die Nervenleitbahnen, die sogenannten Axone, einen Weg zu den Nervenknoten (Ganglien) und Nervenwurzeln. Zwar eliminiert das Immunsystem direkt nach der Ansteckung sowohl Viren als auch einen Teil der infizierten Nervenzellen, da die Herpes-simplex-Viren ihr Erbgut jedoch im Zellkern von Nervenzellen verstecken können, bleibt ein Teil der Virus-DNA unerkannt. So kann das Virus ein Leben lang in den Nerven überdauern und dort neue Viren produzieren. In der Regel hält das Immunsystem das Virus in Schach, sodass keine Beschwerden auftreten. Kommt es jedoch zu einer Immunschwäche, ist eine Reaktivierung möglich. Es entstehen zahlreiche neue Viren und eine Zweitinfektion, die sich durch die typischen Symptome äußert.

Mögliche Ursachen für eine Reaktivierung sind neben Stress und Hormonschwankungen auch Verbrennungen, Hautreizungen, Verletzungen und bösartige Krebserkrankungen.

Genitalherpes – Symptome

Da der Genitalherpes oft ohne oder nur mit sehr milder Symptomatik verläuft, bleibt die Erkrankung häufig unbemerkt. Bei der Primärinfektion treten in der Regel zunächst unspezifische Symptome auf. Die Betroffenen sind abgeschlagen, fühlen sich unwohl und klagen über Übelkeit und Kopfschmerzen. An den Stellen, an denen sich schlussendlich die typischen Herpesbläschen entwickeln, kommt es zu einem Kribbeln oder zu starkem Jucken. Auch ein leichtes Schmerzgefühl ist möglich.

Der eigentliche Ausbruch der Herpeserkrankung ist durch flüssigkeitsgefüllte Bläschen gekennzeichnet. Die Haut im Bereich von Vulva, Anus oder Penis ist gerötet. Schwellungen und Hautschäden in den betroffenen Hautregionen sind weitere Symptome, die bei einer Infektion mit Herpes-simplex-Viren auftreten können. Die Übergänge zwischen den einzelnen Erkrankungsstadien sind häufig fließend.

Die Primärinfektion bei Kindern kann deutlich schwerer ablaufen. Die betroffenen Kinder fühlen sich sehr schlecht und haben starkes Fieber. Dabei zeigen sich nicht zwingend die klassischen Herpessymptome, sodass die Infektion oft für eine Erkältung oder Grippe gehalten wird.

Der reaktivierte Ausbruch der Herpesinfektion fällt sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern deutlich schwächer aus. Vor dem Auftreten der Hauterscheinungen zeigen die Patienten oft gar keine Beschwerden. Die Hautsymptomatik gleicht allerdings den Beschwerden bei der Primärinfektion. In der Regel heilen die Bläschen nach zwei bis drei Wochen wieder ab. Bei einer ungewöhnlich lange andauernden Symptomatik muss von einer Immunschwäche oder von einer bakteriellen Superinfektion ausgegangen werden.

Genitalherpes – Therapie

Die Therapie hängt von der Ausprägung des Herpesbefalls ab. Während eine leichte Infektion der Genitalhaut bzw. Schleimhaut unbehandelt bleiben kann, erfordert ein ausgeprägter Ausbruch eine Behandlung. Dafür stehen virenhemmende Arzneimittel, die sogenannten Virostatika, zur Verfügung. Dazu gehören zum Beispiel die Wirkstoffe Aciclovir oder Famciclovir. Die verschreibungspflichtigen Medikamente hemmen die Vermehrung der Viren und begünstigen eine schnellere Abheilung. Bei leichteren Erkrankungsfällen können die Virostatika lokal als Salbe aufgetragen werden.

Schwerere Krankheitsverläufe erfordern hingegen eine systemische Therapie mit Tabletten oder intravenös verabreichten Virostatika. Die Therapie mit Virostatika ist jedoch rein symptomatisch. Die Viren verbleiben im Körper, sodass der Herpes genitalis jederzeit wieder ausbrechen kann.

Bei starken Schmerzen kann der Arzt zusätzlich ein Schmerzmittel verabreichen. Auch betäubende Salben, die auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden, können die Beschwerden lindern.

Liegt neben der Herpeserkrankung zusätzlich eine Infektion mit Bakterien vor, können Antibiotika und lokale desinfizierende Maßnahmen erforderlich sein.

Bei einer Herpesinfektion in der Schwangerschaft wird den betroffenen Frauen ein Kaiserschnitt empfohlen. So kann eine Übertragung auf das Kind verhindert werden. Besteht der Verdacht, dass sich ein Neugeborenes bei der Mutter angesteckt haben könnte, erhalten die Kinder vom Arzt ein virostatisch wirkendes Medikament.

Genitalherpes – Vorbeugung

Aufgrund der hohen Durchseuchung der Bevölkerung mit HSV-1 ist es nur schwer möglich, hier eine Ansteckung zu verhindern. Das Ansteckungsrisiko für HSV-2 lässt sich verringern, wenn bei sichtbaren Herpessymptomen des Partners auf Geschlechtsverkehr und engen Körperkontakt verzichtet wird. Auch Kondome können wirksam vor einer Ansteckung schützen.

Nach erfolgter Infektion lässt sich einem Ausbruch vor allem durch eine Stärkung des Immunsystems vorbeugen. Ausreichend Schlaf, wenig Stress und eine ausgewogene Ernährung wirken sich positiv auf die Abwehrfunktion aus. Dennoch kann der Herpes genitalis manchmal scheinbar ohne Grund auftreten. Um einer Verschlimmerung der Symptome entgegenzuwirken, sollten die entzündeten Hautstellen nicht berührt werden. Nach jeder Berührung müssen die Hände gewaschen und desinfiziert werden. Nur so kann eine weitere Verbreitung verhindert werden.

Bildnachweis: © Feel Photo Art / shutterstock.com

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