Agavendicksaft contra Haushaltszucker
Agavendicksaft besitzt weniger Kalorien als Haushaltszucker
Lebensmittel

Agavendicksaft contra Haushaltszucker

Zuckerersatzstoffe sind in den letzten Jahren präsenter denn je. Neben Stevia ist nun auch Agavendicksaft groß im Kommen. Doch ist er wirklich gesünder als Haushaltszucker?

Agavendicksaft ist ein zuverlässiges Süßungsmittel, welches aus verschiedenen in Mexiko heimischen Agavenarten hergestellt wird. Er süßt intensiver als Honig und erscheint dabei weniger dickflüssig. Neben Stevia, Xylit oder Erythritol ist Agavendicksaft als Süßungsmittel und vor allem als Zuckeraustauschstoff im Gespräch. Dabei geht es gezielt darum, die mit Zucker in Zusammenhang stehenden negativen Eigenschaften, wie einen Anstieg des Blutzuckerspiegels oder die Förderung von Karies auszuschalten.

Agaven – der süße Kaktus

Agaven finden sich in unseren Breiten vermehrt in den Vorgärten wieder. Der Nutzen der Pflanzen ist dagegen weniger bekannt. Dabei dienen Agaven schon seit 8.000 Jahren der menschlichen Ernährung. Daneben werden die Pflanzenfasern zur Herstellung von Kleidung oder Papier genutzt. Besonders in Mexiko wird auch der Saft der Pflanzen seit langem verwendet, um Entzündungen zu heilen, Parfüm zu gewinnen oder Blutarmut zu bekämpfen. Aus vergorenen Agavenblättern wird Pulque, das Nationalgetränk Mexikos gewonnen. Agavendicksaft als Süßungsmittel ist noch vergleichbar neu und erst seit einigen Monaten auf dem deutschen Markt.

Die Agave im Fokus

Die Heimat der Agaven liegt in Mexiko. Die Pflanzen zählen zur Familie der Agavaceae. Sie wachsen meterhoch und ähneln beinahe Bäumen. Die erste Blüte zeigt sich jedoch erst frühestens nach zehn Jahren. Danach sterben die Pflanzen ab. Die fleischigen Blätter sind trichterförmig angeordnet und in der Lage, viel Wasser zu speichern.

Im mittelamerikanischen Raum sind etwa 300 unterschiedliche Agavenarten bekannt. Der süßliche Saft wird direkt aus dem Herz der Pflanze gewonnen. Dieses befindet sich am Zusammenlauf der Blätter.

Wie wird Agavendicksaft hergestellt?

Der Saft der Agaven lässt sich gewinnen, indem man den inneren Kern der Pflanzen entfernt. Geschieht dies bei älteren Pflanzen, die kurz vor der Blüte stehen, dann können über Monate hinweg mehr als ein Liter Agavensaft täglich entnommen werden. Der Saft wird erhitzt und gefiltert, da er ansonsten schnell verderben würde. Die Flüssigkeit wird anschließend eingedickt, bis mit dem eigentlichen Agavendicksaft eine sirupartige Masse entsteht, welche etwas flüssiger als Honig erscheint und optisch von farblos bis dunkelgelb ausfallen kann.

Welche Inhaltsstoffe besitzt Agavendicksaft?

Die Hauptbestandteile von Agavendicksaft sind Fructose und Glucose. Dabei ist der Anteil an Fructose deutlich höher. Fruchtzucker ist dafür bekannt, einen besonders niedrigen Glykämischen Index zu besitzen. In 100 Gramm Agavendicksaft sind folgende Nährwerte enthalten:

Kalorien304 kcal
Eiweiß0,1 g
Kohlenhydrate76 g
Fett0 g
Ballaststoffe0 g

Der hohe Anteil an Fruktose besitzt nicht ausschließlich positive Eigenschaften. Wer Fruchtzucker schlecht verträgt, der kann als Folge zum Beispiel einen erhöhten Harnsäure-Wert aufweisen.

Als unraffiniertes Produkt ist Agavendicksaft daneben Träger von Spurenelementen, sekundären Pflanzenstoffen und Mineralstoffen. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird von einer gesunden Alternative zu Zucker ausgegangen. Die enthaltenen Mengen sind allerdings äußerst gering und man müsste Agavendicksaft in großen Mengen zu sich nehmen, um davon zu profitieren.

Was besagt der Glykämische Index?

Der Glykämische Index ist ein Parameter, der Aussagen darüber liefert, wie schnell der Blutzuckerspiegel nach einer bestimmten Mahlzeit ansteigt. Reine Glucose bringt einen GI-Wert von 100 mit. Bei Schokolade liegt der Wert bei etwa 70 und bei Vollkornprodukten sinkt er auf 40. Ein niedriger Glykämischer Index lässt den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen und entlastet damit die Bauchspeicheldrüse.

Wie schmeckt Agavendicksaft?

Der Geschmack des Agavendicksaftes ist abhängig von seiner Farbe. Durchsichtiger Agavendicksaft ist nahezu geschmacksneutral. Dunklerer Agavendicksaft erinnert geschmacklich an Karamell. Besonders dunkler Dicksaft besitzt eine starke Karamellnote und ist in der Lage, Speisen einen deutlichen Eigengeschmack zu verleihen.

Wie wird Agavendicksaft verwendet?

Häufig wird Agavendicksaft in verschiedenen Rezepten als Ersatz von Honig und Zucker gebraucht. Besonders beliebt ist der Dicksaft bei Veganern, denn diese haben damit eine willkommene Alternative zu Honig gefunden. Agavendicksaft ist schnell löslich und eignet sich daher auch zum Süßen von Getränken. Weniger geeignet ist Agavendicksaft zum Backen. Durch den hohen Anteil an Fruchtzucker verliert der Teig seine gewohnte Konsistenz und bräunt zudem sehr schnell. Beliebt ist Agavendicksaft auch zur Verfeinerung von Obstsalaten, Desserts oder Salatsaucen.

Verkauft wird der Dicksaft in Reformhäusern, Bio-Läden oder gut sortierten Supermärkten. Auf Grund des hohen Zuckergehaltes lässt sich der geöffnete Dicksaft mehr als ein Jahr lagern, ohne zu verderben.

Agavendicksaft und Zucker im direkten Vergleich

Hände weg von Zucker – warum?

Von Zucker wird gemeinhin abgeraten, denn Zucker ist sehr kalorienreich. Er spendet uns zwar viel Energie, wird diese aber nicht sofort verbraucht, dann entstehen daraus ungeliebte Fettzellen. Zucker fördert darüber hinaus Übergewicht, schadet den Zähnen und steigert das Risiko an Diabetes und anderen Zivilisationskrankheiten zu erkranken.

Was macht Agavendicksaft anders?

Agavendicksaft besitzt weniger Kalorien und gelangt nicht so schnell in den Blutkreislauf. Ähnlich wie Zucker besteht auch Agavendicksaft aus Glucose und Fruktose. Die beiden Moleküle sind allerdings nicht miteinander verbunden. Der Anteil an Glucose und Fruktose schwankt. Unter Umständen kann Agavendicksaft aber bis zu 80 Prozent mehr Fruchtzucker als Haushaltszucker enthalten.

Agavendicksaft ist bis zu 1,5-mal so süß wie gebräuchlicher Haushaltszucker. Es wird also entsprechend weniger davon zum Süßen gebraucht. Folgende Tabelle stellt die Süßkraft und den Brennwert verschiedener Süßungsmittel gegenüber.

SüßungsmittelSüßkraft im Verhältnis zu HaushaltzuckerBrennwert
Haushaltzucker1405 kcal
AgavendicksaftBis 1,5304 kcal
Honig1,2302 kcal

Agavendicksaft als Plus für Diabetiker

Haushaltszucker besitzt einen Glykämischen Index von 70. Durch den hohen Fruchtzuckeranteil ist dieser Wert beim Agavendicksaft deutlich niedriger. Wer Agavendicksaft konsumiert, dessen Blutzuckerspiegel wird also weit langsamer ansteigen, als wenn Haushaltszucker konsumiert wurde. Diabetiker finden mit dem Agavendicksaft eine gute Alternative zu Zucker. Sie werden kein Insulin benötigen und auch Heißhungerattacken bleiben aus.

In Maßen statt in Massen

Agavendicksaft ist also durchaus eine gute Alternative zum Haushaltszucker, sollte allerdings in Maßen genossen werden. Durch ein Überangebot an Fruchtzucker kann der Stoffwechsel belastet werden und selbst Diabetiker haben dann keinen positiven Nutzen mehr von der vermeidlichen Zuckeralternative. Wer an Fructose-Intoleranz leidet, sollte Agavendicksaft von seinem Speisezettel streichen.

Ist Agavendicksaft gesund?

Die Agave selbst ist eine Heilpflanze. Bereits die Azteken schätzten ihre Wirkung als Wundheiler. Agavendicksaft ist ein natürliches und rein pflanzliches Süßungsmittel, welches weit weniger Kalorien als Zucker besitzt und auch deutlich ärmer an Kohlenhydraten ist. Ein wahrer Gesundbrunnen ist Agavendicksaft allerdings nicht. Wer zu viel konsumiert, kann schnell unter einer Unverträglichkeit leiden. Man sollte die Vor- und Nachteile des Produkts kennen und das Süßungsmittel eher sparsam verwenden. Dann spricht nichts dagegen Haushaltszucker hin und wieder durch Agavendicksaft zu ersetzen. Abschließend die Vor- und Nachteile von Agavendicksaft im Überblick.

VorteileNachteile
Der niedrige Glykämische Index entlastet den Blutzuckerspiegel.Durch den hohen Anteil an Fruchtzucker besteht eine direkte Gefahr für Menschen mit Fructose-Intoleranz. Bauchschmerzen und Übelkeit können auftreten.
Die sehr gute Löslichkeit macht Agavendicksaft vielseitig verwendbar.Auch Diabetiker sollten Agavendicksaft nur sparsam dosieren.
Der Sirup enthält Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe.Übermäßiger Verzehr kann zur Gewichtszunahme führen.
Agavendicksaft süßt bis zu 1,5-mal stärker als Zucker und besitzt dabei weniger Kalorien.

Bildquelle: © showcake – Fotolia.com

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