Stevia
Stevia süßt 300 bis 450 mal stärker als Zucker
Lebensmittel

Stevia – Gesunder Zuckerersatz ohne Kalorien

Stevia – süßer als Zucker und kalorienfrei. Ja, die Alternative zu Zucker hat es echt in sich. Doch ist der Zuckerersatzstoff wirklich so gesund?

Es klingt zu schön um wahr zu sein: Stevia – ein mit Zucker vergleichbarer Süßstoff ganz ohne Kalorien. Doch der Reihe nach. Der Begriff Stevia steht für eine Pflanze aus dem südamerikanischen Raum und bezeichnet daneben auch einen Süßstoff, der aus den Blättern dieser Pflanze gewonnen wird. In Südamerika ist Stevia seit vielen Jahrhunderten ein gängiger Süßstoff und wird für Speisen ebenso verwendet, wie für den von den Bewohnern favorisierten Mate Tee. Auch die Heilwirkung von Stevia haben die Bewohner früh erkannt. Auch in Japan ersetzt Stevia seit geraumer Zeit chemische Süßstoffe. Das Honigkraut kommt dabei in Restaurants oder Teehäusern zum Einsatz.

Seit wann ist Stevia bekannt?

Die Stevia-Pflanze stammt aus Südamerika und wächst hier bevorzugt in den Bergen des brasilianisch-paraguayischen Grenzgebietes. Schon die Ureinwohner schätzten die Süßkraft der Pflanze. Der Neuen Welt war Stevia damals noch völlig unbekannt. Erst 1887 entdeckte der Schweizer Botaniker Moises Giacomo die Pflanze und klassifizierte sie Anfang des 20. Jahrhunderts unter der Bezeichnung „Stevia rebaudiana Bertoni“.

In den 1920er Jahren wurden die Pflanzen bereits in Paraguay und Brasilien gezielt kultiviert. In den Fokus der europäischen Wissenschaft geriet Stevia bereits in den 1930er Jahren. Damals wurden Pflanzenextrakte an Hühnern, Kaninchen und Meerschweinchen getestet und man stellte die Verträglichkeit der Pflanze fest. Während des Zweiten Weltkrieges wurde in Europa dann erstmals gezielt Stevia angebaut. Das Projekt wurde allerdings nach Kriegsende nicht fortgeführt. Mitte des 20. Jahrhunderts kultivierten die Japaner Stevia in Treibhäusern. Wenig später wurde Stevia auch in China bekannt.

Wo ist der Süßstoff verbreitet?

Der gezielte Anbau erfolgt in Süd- und Mittelamerika. Auch in China, Israel und Thailand wird die Pflanze gezielt kultiviert. In Japan ist Stevia als Zuckerersatzstoff seit 1971 zugelassen. Offiziell als Süßstoff verwendet werden darf die Pflanze seit dem Jahre 2008 auch in Australien und Neuseeland. In den USA ist die Verwendung von Stevia seit Mitte der 1990er Jahre legal. In den 1980er Jahren gelangten große Mengen Stevia nach Europa. Im Jahre 2001 wurde Stevia allerdings in Europa als Lebensmittel wieder vom Markt genommen, da nicht ausreichend wissenschaftliche Informationen vorlagen.

Wo kommt die Süße her?

Die süßen Inhaltsstoffe der Stevia-Pflanze lassen sich aus den Blättern gewinnen. Die Blätter müssen hierfür zunächst getrocknet werden. Anschließend werden die Inhaltsstoffe unter Verwendung von Alkohol oder Wasser extrahiert. Die süßende Wirkung beruht auf den wichtigsten Inhaltsstoffen, den Steviolglykosiden. Dabei handelt es sich um Kohlenstoffverbindungen, die sich in vielen Organismen finden lassen. Die Menge an diesen Stoffen kann sehr unterschiedlich sein und sich auf etwa 3 bis 10 Prozent der gesamten Pflanzenmasse belaufen.

Welche weiteren Inhaltsstoffe kommen vor?

Wie folgende Übersicht zeigt, besitzt Stevia noch weitere wertvolle Inhaltsstoffe, welche die Pflanze auch für die Gesundheit des Menschen interessant erscheinen lassen.

InhaltsstoffeErläuterungen
VitamineVitamin C ist in größeren Mengen enthalten. Nennenswert sind auch das Vitamin B1 und das für die Aufrechterhaltung der Sehkraft essenzielle Beta-Karotin.
MineralstoffeNennenswerte Vorkommen an Magnesium, Eisen, Kalium, Phospor oder Kalzium
SpurenelementeVorkommen von Zink, Selen, Chrom, Silizium oder Mangan

Von Interesse sind auch die enthaltenden Flavonoide. Diese sekundären Pflanzenstoffe besitzen immunstärkende Eigenschaften. Bislang konnten in Stevia sieben unterschiedliche Flavonid-Verbindungen nachgewiesen werden. Besonders interessant erscheint dabei Rutin, welches bei Durchblutungsstörungen und Venenerkrankungen Linderung verspricht.

Stevia contra Zucker

Seit 1931 kennt man den Grund für die Süßkraft von Stevia. Für die enorme Süßkraft verantwortlich sind die in den Blättern vorkommenden Glycoside mit ihrem Hauptbestandteil Steviol. Bei einem direkten Vergleich mit dem herkömmlichen Zucker, wird das enorme Potential der Süßkraft von Stevia deutlich:

Stevia süßt 300 bis 450 mal stärker als Zucker!

Daneben lassen sich weitere positive Eigenschaften anführen:

  • Stevia enthält keine Kalorien.
  • Stevia ist ein Naturprodukt.
  • Stevia ist sehr sparsam in der Anwendung.
  • Stevia greift die Zähne nicht an.
  • Stevia ist auch für Diabetiker geeignet.

Beim Geschmackstest wurde jedoch deutlich, dass die Geschmäcker verschieden sind. Einige Testpersonen empfanden den Geschmack von Stevia angenehmer als Zucker, andere nicht. Stevia kann zudem einen bitteren Beigeschmack erzeugen, da entsprechende Geschmacksrezeptoren auf der Zunge aktiviert werden. Wo Zucker in großen Mengen vorkommt, zum Beispiel in Kuchenrezepten, ist der Ersatz durch Stevia nur bedingt zu empfehlen. Rezepte müssten in diesem Falle angepasst werden, da der Teig durch die geringe Menge an Stevia nicht seine gewollte Konsistenz behalten würde.

Wie gesund ist Stevia?

Unbestritten ist der Beitrag, den Stevia als Zuckerersatz für eine gesunde Ernährung leisten kann. Doch der gesundheitliche Nutzen geht noch darüber hinaus. Stevia greift die Zähnen nicht an, sondern kann sogar der Plaquebildung und somit der Entstehung von Karies entgegenwirken. Studien haben auch gezeigt, das Stevia leicht gefäßerweiternd wirkt und den Blutdruck senken kann.

Wie lässt sich Stevia anwenden?

In der Küche kann Stevia vielfältig verwendet werden. Dabei ist Stevia in Form von Pulver, Granulat oder Tabs einfach zu dosieren. Stevia ist hitzebeständig und kann daher beim Kochen und Backen Anwendung finden. So lassen sich zahlreiche alltäglich genossene Getränke und Speisen mit Stevia statt mit Zucker süßen. Dazu zählen:

  • Kaffee
  • Tee
  • Limonaden
  • Smoothies
  • Müsli
  • Desserts
  • Eis
  • Brotaufstriche

Ganz gleich, wo Stevia Anwendung findet, es sollte immer beachtet werden, dass nur kleinste Mengen an Stevia genügen, um die gewohnte Süße wieder herzustellen. Hier ist also Umdenken erforderlich.

Wie ist Stevia zu dosieren?

Verallgemeinerungen lassen sich schlecht treffen, denn die verschiedenen Stevia-Produkte unterscheiden sich zum Teil deutlich in ihrer Süßkraft. Die Süßkraft der Blätter einzuschätzen ist für Laien kaum möglich. Weit besser eignen sich hierbei flüssige Stevia Produkte oder Tabs. Auf der Verpackung werden meist Angaben zum Gehalt an Steviolglykosiden gemacht und somit ein Hinweis auf die Süßkraft gegeben. Als Richtlinie gilt: Stevia stets sparsam dosieren.

Ist die Einnahme von Stevia unbedenklich?

Alle von der Lebensmittelindustrie verwendeten Stoffe müssen gesetzlich zugelassen werden. Dies gilt auch für pflanzliche Bestandteile. Im Grunde ist seit Jahrhunderten bekannt, dass Stevia unbedenklich verzehrt werden kann. Dennoch tut sich die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sichtlich schwer, wenn es um die Zulassung von Stevia als Süßstoff geht. Versuche zeigten, dass Stevia keinerlei bedenkliche Stoffe enthält. Als in Asien Stevia weithin Verbreitung erfuhr, baute auch die westliche Welt ihre Skepsis ab und im Jahre 2008 wurde Stevia in den USA zugelassen.

LandStevia Verbrauch in Tonnen (Stand 2009)
USA1.020
Südamerika350
Japan200
Korea80
China62
Alle übrigen Länder1.150

Noch immer gilt Stevia EU-weit als „neuartige“ Pflanze und ist daher nicht als Lebensmittel erlaubt. Seit Dezember 2011 dürfen in Europa 31 verschiedene Lebensmittelgruppen mit Stevia gesüßt werden. Vorrangig:

  • Eis
  • Marmelade
  • Erfrischungsgetränke

Verbraucher erkennen ein mit Stevia gesüßtes Produkt am Zusatz „Süßstoff E 960“ oder „Süßstoff Steviolglycoside“.

Gibt es ein Risiko beim Konsum?

Wird Stevia in Maßen verwendet, in der Regel nicht. Wird das Produkt aber fortwährend überdosiert, dann sind gesundheitliche Probleme nicht auszuschließen. Gefährdete Personengruppen sind hierbei besonders Kinder, Abnehmwillige und Diabetiker. Stevia senkt den Blutzuckerspiegel. Dies kann sich besonders in Kombination mit Diabetes-Medikamenten negativ auswirken. Fällt der Blutzuckerspiegel dramatisch, dann droht ein lebensbedrohlicher Zuckerschock.

Bildquelle: © HandmadePictures – Fotolia.com

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