Histidin
Lange gereifter Käse hat einen besonders hohen Gehalt an der Aminosäure Histidin
Nährstoffe

Histidin – Aminosäure für Blutbildung und Wachstum

Histidin gehört zu den semi-essentiellen Aminosäuren, weil es vom Körper in geringen Mengen selbst hergestellt werden kann. Als Bestandteil von Proteinen erfüllt es lebensnotwendige Funktionen und ist für die Blutbildung, das Wachstum, die Immunabwehr und die Wundheilung von Bedeutung. Da die Eigensynthese zu gering ist und diese bei Säuglingen und Kleinkindern noch gar nicht möglich ist, muss Histidin von außen über die Nahrung zugeführt werden.

Was ist Histidin?

Histidin zählt zu den 20 proteinogenen Aminosäuren und ist basisch, hat aber gleichzeitig einen aromatischen Ring (Imidazolring) und erreicht so ein hohes Energieniveau. Die Aminosäure kommt in den zwei aktiven Formen D und L vor. Biologisch hat das D-Histidin aber keine Bedeutung und nur das L-Histidin ist an den Funktionsprozessen im Organismus beteiligt.

Die Synthese von Histidin innerhalb des Stoffwechsels erfolgt unter Beteiligung von acht Enzymen in mehreren Schritten. Bereits vor der Aufnahme über den Darm werden die Proteine in Tri- und Dipeptide (Proteinketten die aus zwei oder drei Aminosäuren bestehen) sowie freie Aminosäuren gespalten und nach der Resorption über den Darm zur Leber weitertransportiert.

Welche Funktion und Wirkung hat Histidin im Körper?

Eine wichtige Rolle kommt dem Histidin als Ausgangstoff des Hämoglobins und seiner damit verbundenen Beteiligung an der Bildung der roten Blutkörperchen zu. So fördert es den Sauerstofftransport im Körper und reguliert den pH-Wert des Blutes (Puffer-Wirkung). Mit seiner Bindungsfähigkeit an Eisen und andere Metalle trägt es zur Entgiftung des Körpers bei. Gleichzeitig aktiviert es die weißen Blutkörperchen und stärkt so das Immunsystem.

Als Vorstufe des Histamins ist es ebenfalls an der Stabilisierung der Widerstandskräfte beteiligt. Histamin ist nötig, um körperfremde Stoffe abzuwehren und setzt deshalb bei Allergien unerwünschte Reaktionen in Gang. Weil Histidin die Aufnahme von Zink verbessert, unterstützt es in diesem Zusammenhang ebenfalls das Immunsystem. Neben Histamin ist die Aminosäure auch ein Ausgangstoff für die Bildung von Glutamat.

Vor allem bei Kindern ist Histidin für die körperliche Entwicklung erforderlich, ohne Histidin wird das Wachstum gebremst und es kann zur Verzögerung dieses Prozesses kommen. Da die Aminosäure hilfreich für den körperlichen Reparaturmechanismus ist, hat sie gleichermaßen Einfluss auf die Wundheilung. Zudem ist sie für den Aufbau der Myelinscheide erforderlich. Diese umschließt alle Nervenzellen und schützt sie vor Beschädigungen.

Ursachen und Symptome von Histidin-Mangel

Im Allgemeinen ist ein Histidin-Mangel in Mitteleuropa selten, da gesunde Erwachsene ausreichend über die Nahrung versorgt werden. Bei unausgewogener Ernährung oder in Zeiten von starkem Stress kann es trotzdem zu einer Unterversorgung kommen.

In der Regel ist ein Erwachsener in der Lage, ein vorübergehendes Defizit auszugleichen. Ist die Eigenproduktion stark eingeschränkt kann es zu einem dauerhaften Mangel der Aminosäure kommen. Dies gilt vor allem für Säuglinge und Kleinkinder, die Histidin noch nicht selbst herstellen können oder Personen mit chronischen Nierenerkrankungen wie Niereninsuffizienz.

Symptome eines länger anhaltenden Histidin-Mangels:

  • Wachstumsstörungen und -Verzögerungen
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Blutarmut (Anämie)
  • Verzögerung der Geweberegeneration und Wundheilung
  • Entzündliche Veränderung der Haut und Schleimhäute

Wurde eine Unterversorgung mit Histidin diagnostiziert, kann sie durch den Einsatz histidinhaltiger Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente behoben werden.

Kann es zu einer Überversorgung mit Histidin kommen?

Die Gefahr einer Überdosierung besteht erst ab einer täglichen Zufuhr von mehr als vier Gramm Histidin. Zu Beschwerden kommt es dann in Folge einer erhöhten Histaminproduktion.

Starke gesundheitliche Probleme sind aber nur bei sehr hoher Zufuhr von außen, z.B. durch Fischvergiftung, einer Histamin-Intoleranz oder einer Histaminose (Störung des Histaminabbaus) zu erwarten. Zu diesen Symptomen zählen Blutdrucksenkung, gesteigerte Darmtätigkeit und Entzündungsneigung.

In manchen Fällen ist auch einer Histidin-Unverträglichkeit Grund für Krankheitsanzeichen, vor allem bei starken Kopfschmerzen. Ausgelöst werden diese häufig nach dem Genuss von Käse, Nüssen oder Rotwein.

Lebensmittel mit Histidin

Die empfohlene Menge für den täglichen Verzehr liegt für Kleinkinder bei 25 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und für Erwachsene zwischen 8 und 12 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Histidin ist überwiegend in Nahrungsmitteln enthalten, die proteinreich sind. Produziert wird es aber ausschließlich in jungem Pflanzengewebe, welches über die Nahrungskette in tierische Lebensmittel gelangt.

Lebensmittel mit einem hohem Gehalt an Histidin:

  • Käsesorten die lange gereift sind, z.B. Emmentaler
  • Thunfisch
  • Rinder- und Schweinefilet
  • Huhn
  • Lachs
  • Sojabohnen
  • Erdnüsse
  • Weizenkeime
  • Linsen

Insgesamt bleibt zu sagen, dass Histidin zahlreiche Funktionen im menschlichen Organismus unterstützt und deshalb lebensnotwendig ist. Vor allem Kinder müssen ausreichend mit der Aminosäure versorgt werden, um körperlichen Entwicklungsstörungen vorzubeugen. Daneben wird Histidin häufig zu therapeutischen Zwecken bei Allergien, Arthritis oder Anämie eingesetzt.

Bildnachweis: © Markus Mainka / shutterstock.com

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