Leucin
Die Aminosäure Leucin ist für den Muskelaufbau und Erhalt der Muskeln enorm wichtig
Nährstoffe

Leucin – Baustoff für die Muskeln

Leucin ist eine essentielle Aminosäure, die für den Aufbau sowie Erhalt von Muskelgewebe und der Leber verantwortlich ist. Der Name entspringt dem griechischen Wort „leukós“ für „weiß“ und bezieht sich auf die Farbe der Kristalle, die Leucin bildet. Da die Aminosäure vom Körper nicht selbst hergestellt werden kann, muss sie regelmäßig von außen über die Nahrung zugeführt werden.

Was ist Leucin?

Leucin gehört zu den proteinogenen Aminosäuren und zählt genau wie Isoleucin und Valin wegen seiner Molekularstruktur zu den Branched Chain Amino Acids (verzweigtkettige Aminosäure), kurz BCAA genannt. Sie kann sich sowohl sauer als auch basisch verhalten und ist deshalb eine neutrale Aminosäure.

Welche Funktion und Wirkung hat Leucin im Körper?

Leucin hemmt den Abbau von Protein im Muskelgewebe und unterstützt dort dessen Aufbau und Erhalt, was zur Bewahrung der Muskelmasse im Körper beiträgt. Da Leucin die Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse anregt, reguliert es auch den Blutzuckerspiegel. Dies führt zu einer schnelleren Aufnahme der Aminosäure über die Muskeln, was deren Aufbau begünstigt. Die Folge ist, dass die Freisetzung von Cortisol (Stresshormon) gesenkt wird.

Stimulierend wirkt Leucin sich auf die Fettverbrennung aus und schützt so die Leber vor den Schädigungen durch z.B. Alkohol. In seiner Eigenschaft als Energielieferant wirkt Leucin einem größeren Glucoseabbau entgegen, damit können die Muskeln und das Gehirn im Falle einer Unterversorgung immer auf genügend Traubenzucker zurückgreifen.

Durch Leucin wird die Ausschüttung von Somatotropin, das an der Organentwicklung beteiligt ist, gefördert. Aus diesem Grund hat die Aminosäure einen positiven Einfluss auf das Wachstum. Das ist nicht nur für Kinder von Bedeutung, auch Erwachsene profitieren von Somatotropin, weil es den Muskel- und Fettanteil reguliert.

Die Aminosäure findet selbst im therapeutischen Bereich Verwendung, da sie bestimmte Erkrankungen positiv beeinflusst. Leucin hat eine heilende Wirkung auf Muskelgewebs- und Gelenkerkrankungen sowie Leberleiden. Zusammen mit anderen proteinogenen Aminosäuren und Glycin kommt es als Bestandteil medizinischer Infusionslösungen zum Einsatz. In Folge seiner Einwirkung auf die Insulinausschüttung, kann es ebenfalls zur Behandlung von Diabetes verwendet werden.

Ursachen und Symptome von Leucin-Mangel

In der Regel ist ein Leucin-Mangel selten, doch bei starker körperlicher Belastung oder Stress kann der Bedarf derart steigen, dass eine Unterversorgung möglich ist. Dasselbe gilt für Operationen, Verletzungen und Zeiten während der Wachstumsphase.

Entscheidenden Einfluss auf den Leucin-Haushalt hat auch Vitamin B6, da es für den Leucin-Stoffwechsel benötigt wird. Eine zu geringe Zufuhr des Vitalstoffes kann deshalb zu einem Mangel an Leucin führen.

Darüber hinaus gibt es Personengruppen, die ein größeres Risiko haben, nicht ausreichend mit Leucin versorgt zu werden. Dies gilt z.B. für Leistungssportler, Menschen mit Leberleiden oder einer Essstörung sowie für Personen, die sich einseitig ernähren, z.B. bei einer eiweißarmen Diät.

Folgen und Symptome einer Unterversorgung mit Leucin können sein:

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Steifheit, Krämpfe und Ermüdung der Muskulatur
  • Verzögertes Wachstum
  • Schlechte Wundheilung
  • Verringerter Muskelaufbau
  • Gewichtszunahme

Ebenfalls zu einem Mangel an Leucin führt die angeborene Stoffwechselerkrankung Valin-Leucin-Isoleucinurie (Ahornsirup-Krankheit), bei der die Aufnahme von BCAA gestört ist.

Kann es zu einer Überversorgung mit Leucin kommen?

Durch die Nahrungsaufnahme ist eine Überdosierung in der Regel nicht möglich. Ein Überschuss an Leucin ist nur über die Aufnahme großer Mengen in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu erwarten. In diesem Falle besteht die Gefahr, dass die Proteinbildung gestört wird und es kommt zu Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen.

Hohe Gaben an Leucin über Nahrungsergänzungsmittel verhindern möglicherweise die Beförderung wichtiger Aminosäuren zum Gehirn. Weshalb Menschen mit Migräne oder Schlafstörungen keine BCAA-Präparate einnehmen sollten.

Lebensmittel mit Leucin

Die tägliche Zufuhr an Leucin ist nicht festgelegt, als Richtlinie gelten 10–50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht, angepasst an den individuellen Bedarf. Dieser richtet sich nach verschiedenen Faktoren, z.B. ob körperlich anstrengende Sportarten ausgeübt werden, die eine erhöhte Zufuhr erfordern.

Im Allgemeinen lässt sich der tägliche Leucin-Bedarf durch eine ausgewogene Ernährung ohne Probleme decken, da die Aminosäure in vielen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln enthalten ist.

Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Leucin:

  • Rindfleisch
  • Lachs
  • Thunfisch
  • Milch
  • Eier
  • Reis
  • Vollkornmehl
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse, z.B. Walnüsse
  • Oliven

Da Leucin nur mit ausreichend Vitamin B6 vom Körper verwertet werden kann ist es wichtig, dem Körper auch diesen Vitalstoff in genügenden Mengen zuzuführen. Dies gelingt in der Regel durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Leucin im Kraftsport

Professionelle Kraftsportler, die ihre Energieleistung und den Muskelaufbau durch eine höhere Zufuhr von Leucin fördern wollen, müssen auf eine protein- und kohlehydratreiche, aber ausgewogene Ernährung achten. Wird Leucin ohne andere Aminosäuren aufgenommen, bremst dies den Muskelaufbau mitunter sogar.

Auch sollten Kraftsportler für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen, wenn für das Training BCAAs zugeführt werden, da in diesem Falle die Konzentration von Harnstoff ansteigt. Gleichzeitig dient die Mehraufnahme von Flüssigkeit dazu, die Resorption im Darm zu verbessern.

Fazit ist, dass Leucin viele aufbauende und erhaltende Aufgaben im menschlichen Körper erfüllt, die zum Teil auch in der Medizin hilfreich eingesetzt werden können. Seine Verwertbarkeit hängt zu großen Teilen von der Vitamin B6 Zufuhr ab und erfordert deshalb eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Besonders Kraftsportler sollten dies beherzigen und zudem reichlich Trinken.

Bildnachweis: © Catalin Petolea / shutterstock.com

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