Brustkrebs
Regelmäßiges Abtasten und Untersuchen der Brust kann zur Früherkennung von Brustkrebs beitragen
Krankheiten

Brustkrebs – Ursachen, Symptome und Therapie

Der Brustkrebs, in der medizinischen Fachsprache Mammakarzinom genannt, ist die häufigste Krebsart bei Frauen in den westlichen Staaten. Männer sind nur sehr selten betroffen.

Was ist Brustkrebs?

Bei der Brustkrebserkrankung entartet das Gewebe der Brustdrüse. Ausgangsort sind meistens die Zellen der Milchgänge oder die Drüsenläppchen der Brust.

Anatomisch lässt sich die Brust in vier Quadranten unterteilen, wobei die Brustwarze den Mittelpunkt darstellt. Nicht alle Bereiche der Brust sind gleich häufig betroffen. Brustkrebs tritt am häufigsten im oberen äußeren Quadranten auf. Es folgen der Bereich der Brustwarze und der innere obere Quadrant. Zudem ist sowohl bei Frauen als auch bei Männern die linke Brust häufiger von Brustkrebs betroffen als die Brust der rechten Seite.

Bei Frauen hat das Mammakarzinom einen Anteil von einem Drittel an allen Krebserkrankungen. Das Risiko im Laufe des Lebens an Brustkrebs zu erkranken liegt bei Frauen bei rund 12 Prozent. Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 70.000 Frauen an Brustkrebs. Die Erkrankungszahlen haben sich seit dem Jahr 1970 nahezu verdoppelt.

Trotz einer Fünf-Jahres-Überlebensrate zwischen 80 und 90 Prozent versterben an keiner Krebserkrankung so viele Frauen wie an Brustkrebs. Zwischen dem 30. und dem 60. Lebensjahr ist der Brustkrebs sogar die häufigste Todesursache.

Auch weltweit gehört das Mammakarzinom zu den häufigsten Tumorerkrankungen bei Frauen. So erkranken jedes Jahr auf der Welt mehr als eine Million Menschen. Allerdings ist die Erkrankung in Asien und Afrika deutlich seltener anzutreffen.

Männer erkranken nicht so häufig am Mammakarzinom. In Deutschland sind jährlich nur etwa 500 Männer betroffen. Somit liegt das Verhältnis der Neuerkrankungen von Frauen zu Männern ungefähr bei 100:1. Allerdings ist die Mortalität bei den männlichen Patienten deutlich höher. Jedes Jahr versterben rund 200 Patienten an ihrer Krebserkrankung. Die Sterblichkeit beträgt damit mehr als 50 Prozent.

Brustkrebs – Ursachen

Eine genaue Ursache ist bisher nicht bekannt. Jedoch gibt es verschiedene genetische und erworbene Risikofaktoren, die eine Brustkrebserkrankung begünstigen können.

Etwa fünf Prozent aller Mammakarzinome sind genetisch bedingt. Dabei wird durch die Genveränderungen die Krankheit nicht direkt ausgelöst. In der Regel erhöht sich nur die Empfänglichkeit dafür, auf äußere Risikofaktoren mit einer Krebserkrankung zu reagieren. Von genetisch bedingten Brustkrebserkrankungen sind insbesondere Frauen betroffen, die eine Mutation in den beiden Brustkrebsgenen BRCA1 und BRCA2 aufweisen. Trägerinnen dieses Gens haben ein Risiko zwischen 40 und 60 Prozent im Lebensverlauf an Brustkrebs zu erkranken. Statistisch betrachtet erhöht sich das Risiko für eine Brustkrebserkrankung deutlich, wenn zwei Frauen in der direkten Verwandtschaft an Brustkrebs erkrankt sind.

Doch nicht nur genetische, sondern auch hormonelle Faktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung des Mammakarzinoms. So sind die meisten weiblichen Körperzellen und damit auch die Zellen des Tumors mit Rezeptoren für die beiden Sexualhormone Östrogen und Gestagen ausgestattet. Viele Mammakarzinome werden durch diese beiden Hormone in ihrer Entwicklung und ihrem Wachstum beeinflusst. Deshalb können hormonhaltige Medikamente wie beispielsweise verschreibungspflichtige Präparate gegen Beschwerden in den Wechseljahren, die im Rahmen der Hormonersatztherapie zum Einsatz kommen, das Erkrankungsrisiko auf bis zu 50 Prozent steigern. Ob auch die Antibabypille das Risiko für eine Krebserkrankung der Brust erhöhen kann, ist derzeit noch nicht geklärt. Die Auswirkungen scheinen sowohl vom Wirkstoff als auch von der Dosierung abzuhängen.

Auch Frauen mit einem späten Auftreten der Regelblutung und Frauen, die erst sehr spät in die Wechseljahre gekommen sind, haben ein leicht erhöhtes Erkrankungsrisiko. Frühes Gebären und langes Stillen scheinen hingegen das Risiko zu senken.

Zudem besteht ein interessanter Zusammenhang zwischen Linkshändigkeit und Brustkrebserkrankungen. So weisen Linkshänderinnen ein nahezu doppelt so hohes Erkrankungsrisiko auf wie Rechtshänderinnen. Es wird vermutet, dass dafür der Einfluss von hohen Dosen an Sexualhormonen in der vorgeburtlichen Entwicklung verantwortlich ist. So soll die Linkshändigkeit auf das vermehrte Vorliegen von Steroidhormonen in der Gebärmutter hinweisen. Dieser Einfluss scheint sich nachher auch auf die Krebsentwicklung auszuwirken.

Zu den weiteren Risikofaktoren gehört das Zigarettenrauchen. Langjähriger Tabakkonsum kann das Erkrankungsrisiko um bis zu 30 Prozent steigern. Dasselbe gilt für vermehrten Alkoholkonsum. Ebenso erkranken übergewichtige Frauen deutlich häufiger als Frauen mit Normalgewicht. Ionisierende Strahlung, eine zu geringe Jodzufuhr sowie Selen– und Vitamin-D-Mangel stehen ebenfalls als Risikofaktoren in der Diskussion.

Brustkrebs – Symptome

In frühen Stadien bereitet der Brustkrebs in der Regel keine Schmerzen. Es gibt jedoch verschiedene Warnzeichen, die auf eine Krebserkrankung der Brust hinweisen können. Insbesondere Frauen, die ihre Brüste regelmäßig abtasten und untersuchen, entdecken Verhärtungen oder Knoten, die so vorher nicht zu tasten waren. Auch Hauteinziehungen der Brust oder die Einziehung der gesamten Brustwarze können auf einen Tumor hinweisen.

Es ist ganz normal, dass zwischen beiden Brüsten der Frau leichte Größenunterschiede bestehen. Verändert sich dieser Größenunterschied jedoch, muss ein Tumor vom Arzt abgeklärt werden. Dasselbe gilt, falls die Brüste beim Anheben der Arme unterschiedlich aussehen. Eventuell hängt eine Brust höher oder weicht zu einer Seite ab. Jegliche Absonderungen aus einer Brustwarze, egal ob sie wässrig, blutig oder eitrig sind, sind immer als Warnzeichen zu werten. Auch plötzlich auftretende Hautveränderungen der Brust oder der Brustwarze wie beispielsweise Farbveränderungen können bei Brustkrebs auftauchen.

Ein weiteres Warnzeichen sind geschwollene Lymphknoten im Bereich der Achselhöhle, sofern keine Erkrankungen vorliegen, die dies erklären können.

In fortgeschritteneren Stadien kann es zusätzlich zu Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust und vermehrtem Schwitzen in der Nacht kommen. Man spricht hier auch von der B-Symptomatik. Bei Metastasen in den Knochen können zusätzlich Rückenschmerzen oder Gliederschmerzen auftreten.

Brustkrebs – Therapie

Die Therapie hängt vom Stadium der Krebserkrankung ab. Während vor allem im Frühstadium eine Heilung angestrebt wird, fokussiert sich die Therapie bei metastasierten Mammakarzinomen auf eine Lebenszeitverlängerung bzw. in sehr späten Stadien auf eine palliative Linderung der Beschwerden.

Durch eine Operation des Karzinoms soll zum einen der Tumor möglichst komplett entfernt werden, zum anderen soll ein Rezidiv verhindert werden. In einigen Fällen wird vor der eigentlichen Operation eine Chemotherapie oder eine antihormonelle Therapie durchgeführt. Diese soll den Tumor verkleinern und somit eine brusterhaltende Therapie (BET) ermöglichen. Bei bis zu 70 Prozent der Erkrankten ist eine brusterhaltende Therapie möglich. Voraussetzung dafür ist, dass der Tumor im Verhältnis zur Brust nicht zu groß und zudem nicht in die Muskulatur der Brust vorgedrungen ist.

Bei der BET wird der Tumor mit dem umliegenden Gewebe oder sogar ein kompletter Quadrant der Brust entfernt. Damit die Brust nach der Operation nicht entstellt ist, führt der behandelnde Chirurg eine sogenannte intramammäre Verschiebeplastik durch. Dabei wird die Brustdrüse entnommen und nachher so verschoben, dass eine ausgeglichene Form der Brust entsteht. Ist das nicht möglich, erfolgt häufig eine Rekonstruktion der Brust.

Die Mastektomie wird immer dann durchgeführt, wenn eine brusterhaltende Operation nicht möglich ist. So ist die Brustentfernung dann zu empfehlen, wenn der Tumor sehr groß ist oder wenn die Lymphgefäße der Brustdrüse stark befallen sind. Auch bei Mikroverkalkungen oder einem sogenannten inflammatorischen Karzinom ist die Mastektomie die Methode der Wahl. Einige Patientinnen entscheiden sich zudem freiwillig für eine Brustentfernung, weil sie eine anschließende Strahlentherapie vermeiden möchten oder Angst vor Rezidiven haben.

Da sich in den Lymphknoten der Achsel in der Regel die ersten Metastasen bilden, werden diese zumindest zum Teil entfernt.

Nach der Operation erhält ein Großteil der Patientinnen eine unterstützende Behandlung. So soll eine Chemotherapie eventuell verbliebene Tumorzellen eliminieren. Ob und welche Chemotherapie verabreicht wird, hängt von dem Zustand der Patientin und vom Tumortyp ab. Hormonabhängige Tumoren, die recht klein und zudem frei von Metastasenbildung sind, erfordern keine Chemotherapie. In der Regel kommen bei der Chemotherapie verschiedene Zytostatika in Kombination zum Einsatz. Dazu gehören zum Beispiel Paclitaxel oder Methotrexat.

Insbesondere nach einer brusterhaltenden Operation sollte eine Strahlentherapie der Brust durchgeführt werden. Dadurch lässt sich die Rezidivrate deutlich senken. Die Therapie startet etwa einen Monat nach der Operation und dauert sechs bis acht Wochen.

Bei einem hormonsensitiven Mammakarzinom wird zudem eine Therapie mit sogenannten Hormonantagonisten durchgeführt. Dafür wird bei Frauen vor der Menopause die Hormonproduktion der Eierstöcke für einen Zeitraum von etwa zwei Jahren medikamentös ausgeschaltet. Die Chemotherapie stört ebenfalls die Hormonproduktion der Eierstöcke. Deshalb erhalten Frauen mit Kinderwunsch GnRH-Analoga, die die Eierstöcke zum einen schützen und zum anderen der Hormonproduktion wirksam entgegenwirken.

Nach der Chemotherapie erfolgt zudem eine Behandlung mit Modulatoren der Östrogenrezeptoren. Dazu gehört der bekannt Wirkstoff Tamoxifen. Dieser verhindert, dass sich das körpereigene Östrogen an die Östrogenrezeptoren des Tumors binden kann. Somit wird ein weiteres Wachstum verhindert.

Auch Frauen nach der Menopause erhalten Tamoxifen. Alternativ können Aromatasehemmer genutzt werden. Da viele Mammakarzinome nicht nur Rezeptoren für Östrogen oder Progesteron, sondern auch für das Hormon Testosteron oder andere Androgene aufweisen, können Antiandrogene wie Bicalutamid oder Enzalutamid indiziert sein.

Ist bei den erkrankten Frauen der HER2/neu-Rezeptor sehr häufig vertreten, verläuft die Brustkrebserkrankung oft besonders aggressiv. In diesem Fall wird mit Antikörpern wie Trastuzumab behandelt. Eine Kombination mit dem Antikörper Pertuzumab oder dem Chemotherapeutikum Docetaxel ist ebenfalls möglich.

Bei Fernmetastasen können Chemo-, Hormon- oder Strahlentherapie und je nach Lokalisation auch eine Operation zur Behandlung genutzt werden.

Die Nachsorge der Brustkrebspatientinnen umfasst einen Zeitraum von fünf Jahren. Hier werden unter anderem die Nebenwirkungen der verschiedenen Therapien beobachtet und behandelt. Zudem wird in den ersten drei Jahren alle sechs Monate eine Mammographie durchgeführt, um eventuell auftretende Rezidive frühzeitig zu erkennen. Anschließend erfolgt die Mammographie in einem jährlichen Abstand.

Brustkrebs – Vorbeugung

Da die Ursachen des Mammakarzinoms nicht bekannt sind, ist eine Prävention kaum möglich. Um die Prognose zu verbessern, ist eine frühzeitige Erkennung des Tumors wichtig. So kann die systematische Selbstuntersuchung der Brust zur Früherkennung beitragen. Das korrekte Abtasten sollte jedoch mindestens einmal fachgerecht angeleitet und zudem kurz nach dem Ende der Regelblutung monatlich durchgeführt werden. Bei jeder Auffälligkeit muss die betroffene Frau einen Facharzt aufsuchen.

Die Untersuchung der weiblichen Brust durch den Arzt ist zudem Teil des Krebs-Früherkennungsprogramms, das bei Frauen ab dem 30. Lebensjahr durchgeführt wird. Ferner wird Frauen im Alter ab 50 Jahren ein jährliches Mammographie-Screening empfohlen. Es ist jedoch zu beachten, dass die Aussagekraft insbesondere bei Frauen mit einem dichten Brustdrüsengewebe eingeschränkt ist. Hier kann zur Beurteilung der Brustgesundheit zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung nötig sein.

Bildnachweis: © Jacek Chabraszewski / shutterstock.com

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