Kawasaki-Syndrom
Viele Symptome des Kawasaki-Syndroms erinnern an andere Kinderkrankheiten (z.B. Erdbeerzunge: Scharlach) - © Lukassek / stock.adobe.com
Krankheiten

Kawasaki-Syndrom – Ursachen, Symptome und Behandlung der Erkrankung

Beim Kawasaki-Syndrom handelt es sich um eine Krankheit, die im Kindesalter auftritt und die Gefäße betrifft. Auch Jahre später können infolgedessen Herzkrankheiten auftreten.

Das Kawasaki-Syndrom betrifft Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren. Es handelt sich bei der Erkrankung um eine Entzündung der Gefäße. Jährlich erkranken neun von 100.000 Kinder in Deutschland am Kawasaki-Syndrom. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Ursachen, Symptome und Behandlung der Krankheit.

Was ist das Kawasaki-Syndrom?

Die entzündliche Erkrankung betrifft Kleinkinder bis zum fünften Lebensjahr. Sie befällt kleine und mittelgroße Blutgefäße in den Organen sowie im gesamten Körper. Durch die Vielzahl der Symptome bleibt das Kawasaki-Syndrom oft unentdeckt. Die Gefäßentzündung (Vaskulitis) trägt den medizinischen Namen mukokutanes Lymphknotensyndrom (MCLS).

Erstmals trat das Kawasaki-Syndrom 1961 auf. Der Name Kawasaki-Syndrom stammt von Tomisaku Kawasaki. Der japanische Kinderarzt definierte die Krankheit im Jahr 1967. Damals beschrieb er Fälle, bei denen Kinder unter schwerem kaum zu senkendem Fieber litten. Über mehrere Tage machten Sie den Eindruck schwer krank zu sein.

Welche Ursachen für das Kawasaki-Syndrom gibt es?

Die Erkrankung tritt vornehmlich bei kleinen Kindern auf. Die genauen Ursachen der Entzündung sind nicht bekannt. Wissenschaftler vermuten, dass es sich beim Kawasaki-Syndrom um eine Überreaktion des kindlichen Immunsystems handelt. Als Auslöser gelten Krankheitserreger, die das Immunsystem sehr früh aktivierten.

Im Zuge der Gefäßentzündung entsteht eine Entzündungsreaktion. Die Krankheitserreger greifen die Gefäßwände an. Die Entzündungen entstehen an unterschiedlichen Körperstellen. Mediziner gehen davon aus, dass eine genetische Komponente bei der Ausbildung der Erkrankung eine Rolle spielt. Andere Experten vermuten, dass es in den Zellen der Blutgefäße zu einer Überreaktion kommt, die die Entzündung auslöst.

Gefährlich wird MCLS, wenn sich Herzkranzgefäße entzünden. Die Inflammation schädigt die Gefäßwand. Eine Gefäßverstopfung oder eine Blutung führt zu schweren Schäden. Noch Jahre nach dem Abklingen des Kawasaki-Syndroms ist das Risiko für einen Herzinfarkt oder weitere Komplikationen im Bereich des Herzens groß.

Welche Symptome zeigen sich beim Kawasaki-Syndrom?

Die Erkrankung verläuft in drei Phasen:

  • In Phase 1 (erste bis zweite Woche) leiden die Patienten an akutem Fieber. Es beginnt schlagartig. In den darauffolgenden vier Tagen entwickeln sich die Hauptsymptome (siehe Tabelle) der Erkrankung, die zur Diagnose führen.
  • Phase 2 beginnt nach zwei bis drei Wochen. In dieser Zeit schuppen sich Füße und Hände. Es zeigt sich eine Thrombozytose.
  • Phase 3 zieht sich über Monate. Die Patienten klagen in dieser Zeit über Leistungsschwäche und Müdigkeit.
HauptsymptomeNebensymptome
• Fieber an mehr als fünf Tagen:
Temperaturen liegen häufiger über 39 °C. Unbehandelt dauert das Fieber maximal zehn Tage. Da keine Erreger vorliegen, ist das Fieber antibiotikaresistent.
• Symptome im Mundraum:
Es zeigen sich rote, geschwollene, rissige und trockene Lippen, Stomatitis mit Lacklippen und Erdbeerzunge, gerötete Rachen- und Mundschleimhaut bis zum Abklingen des Fiebers.
• Konjunktivitis (Bindehautentzündung) auf beiden Seiten:
Sie ist schmerzlos und dauert bis zu einer Woche. Die Konjunktivitis zeigt sich nach der ersten erhöhten Temperatur. Es bildet sich kein Eiter.
• Exanthem:
Ein juckender, vielgestaltiger Ausschlag im Rumpfbereich (ähnlich Scharlach, Masern oder rheumatoider Purpura) setzt fünf Tage nach dem Fieber ein.
• Füße und Hände:
Es zeigen sich schmerzhafte Schwellungen und akute Rötungen an Fußsohlen und Handflächen. In der zweiten bis dritten Woche nach Krankheitsbeginn schuppt sich die Haut. Die Schuppung beginnt an den Spitzen von Zehen und Fingern und breitete sich allmählich über die Fuß- und Handinnenflächen aus.
• Halslymphknoten (vergrößert): Die Halslymphknoten schwellen einseitig bis zu einem Durchmesser von 1,5 Zentimeter an. Die Schwellung ist leicht schmerzhaft und eitert nicht.
• Neurologische Symptome:
Diese sind gekennzeichnet durch eine hohe Irritabilität, einen zentralen Hörverlust sowie eine Hirnhautentzündung, die nicht auf einen Infekt zurückgeht.
• Harnwege:
Einige Betroffene leiden an einer Harnröhrenentzündung.
• Gefäße und Herz:
Im Frühstadium treten Myokarditis, Raynaud-Phänomen, Herzklappenprobleme, Perikarditis sowie Aneurysmen an den Herzkranzgefäßen und Arterien auf.
• Bauch:
Erbrechen, Bauchschmerzen, paralytischer Ileus, Durchfall, vergrößerte Milz oder Leber und Gallenblasenhydrops gehören zu den Bauchsymptomen.
• Atemwege:
Hier zeigen sich Husten, Heiserkeit und Schnupfen.
• Augen:
Uveitis anterior (Entzündung der mittleren Augenhaut) die schnell abheilt
• Gelenke:
Am Anfang bestehen Entzündungen und Schmerzen an multiplen Gelenken. Ab dem zehnten Tag treten die Beschwerden im Bereich der gewichtstragenden Gelenke auf.

Behandlung des Kawasaki-Syndroms

Mediziner behandeln die Erkrankung mit Antikörpern. Die künstlich hergestellten Eiweißstoffe (Immunglobuline) dämmen die Entzündungsreaktion ein. Dadurch verläuft die Immunabwehr wieder in geregelten Bahnen. Wird das Kawasaki-Syndrom frühzeitig diagnostiziert und die Therapie eingeleitet, verhindern Ärzte Langzeitschäden am Herzen.

Um die Blutgerinnung zu verhindern und das Fieber zu senken, verordnet der Mediziner Acetylsalicylsäure (ASS). Das Mittel verringert die Gefahr für einen Herzinfarkt. Reicht die Therapie mit ASS und Immunglobulinen nicht aus, verabreicht der Arzt zusätzlich Steroide. Kortison stoppt die Entzündungsreaktion, da das Steroid das Immunsystem hemmt.

Im fortgeschrittenen Stadium kommt es oft zu einem Verschleiß der Herzkranzgefäße. Ein chirurgischer Eingriff oder ein Katheter stellt den normalen Durchlauf des Blutes wieder her. Ferner kommen Implantationen von Gefäßprothesen und Gefäßabschnitten in Betracht. Zudem legen Ärzte Stents (Geflechtröhrchen) um das Innere der betroffenen Arterie zu stützen.

Wichtig ist, dass nach überstandener Erkrankung eine regelmäßige Untersuchung des Herzens erfolgt. Um Spätkomplikationen zu vermeiden, verordnen Ärzte mehrere Monate die Einnahme von ASS, um das Gerinnen des Blutes zu hemmen.

Beitragsbild: © Lukassek / stock.adobe.com

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