Scharlach
Neben Fieber und Kopf­schmerzen kommt es beim Scharlach auch zu einem typischen Haut­ausschlag
Krankheiten

Scharlach – Ursachen, Symptome und Therapie

Scharlach ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien hervorgerufen wird und in der Regel Kinder betrifft. Typischerweise kommt es im Krankheitsverlauf zu hohem Fieber, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden.

Was ist Scharlach?

Der Scharlach gehört zu den akuten Infektionskrankheiten, die vor allem Kinder im Alter von vier bis sieben Jahren betreffen. Im Gegensatz zu Mumps, Masern oder Röteln ist es möglich, mehrfach an Scharlach zu erkranken. Deshalb wird die Infektionskrankheit auch nicht in allen Klassifikationen den klassischen Kinderkrankheiten zugeordnet.

Auslöser der Erkrankung sind Bakterien aus der Gruppe der Streptokokken. Diese rufen Symptome wie Schüttelfrost, Rachenentzündung, Hautausschlag und Kopfschmerzen hervor. Es kommt ferner zur sogenannten Scharlach-Angina, einer Entzündung der Gaumenmandeln.

Scharlach ist weltweit verbreitet. Da die Erkrankung jedoch nur in einigen Bundesländern in Deutschland der Meldepflicht unterliegt, sind keine genauen Erkrankungszahlen bekannt. Die Zahl der jährlichen Neuinfektionen wird auf 1 bis 1,5 Millionen geschätzt. Durchschnittlich erkrankt jeder vierte Deutsche mindestens einmal in seinem Leben an der Infektionskrankheit.

Scharlach – Ursachen

Auslöser der ansteckenden Erkrankung sind Streptokokken der Lancefield-Gruppe A. Haupterreger ist das Bakterium Streptococcus pyogenes. Die Bakterien werden typischerweise durch Tröpfcheninfektion übertragen. Dabei gelangen die Bakterien beim Niesen oder Husten in kleinsten Sekrettröpfchen in die Umgebung und können so beim Einatmen in den Körper eindringen.

Eine Ansteckung ist ferner über direkten Kontakt beispielsweise beim Küssen möglich. In seltenen Fällen erfolgt eine Infektion über kontaminierte Gegenstände wie Geschirr, Besteck oder Spielzeug. Man spricht hier auch von einer Schmierinfektion. Zudem können die Bakterien über offene Wunden übertragen werden.

Scharlach – Symptome

Nach einer Inkubationszeit von zwei bis vier Tagen zeigen sich die ersten Krankheitsanzeichen. Dabei beginnt die Erkrankung plötzlich mit hohem Fieber und Kopf- und Gliederschmerzen. Auch Halsschmerzen und Erbrechen gehören zu den Frühsymptomen. Typischerweise ist der Rachen stark gerötet. Die Gaumenmandeln sind aufgrund der Entzündung geschwollen und weisen weißliche Beläge auf. Auch die Lymphknoten im Bereich des Kiefers schwellen an. Die Betroffenen leiden unter Schluckschmerzen und Schluckstörungen.

Zunächst bildet sich auf der Zunge ein weißer Belag. Im Krankheitsverlauf löst sich dieser jedoch ab. Dadurch erscheint die Zunge glänzend rot, die Geschmacksknospen stehen deutlich hervor. Man spricht hier aufgrund des charakteristischen Erscheinungsbildes auch von einer Erdbeer- oder Himbeerzunge.

Je nach Ausprägung der Erkrankung entwickelt sich nach weiteren zwei bis vier Tagen der typische Ausschlag, der durch die Toxine, die die Bakterien produzieren, hervorgerufen wird. Bevorzugt in den Achseln und im Bereich der Leisten, in einigen Fällen auch am gesamten Körper, entstehen stecknadelkopfgroße, deutlich rotgefärbte Flecken. Das Mund-Kinn-Dreieck bleibt jedoch stets frei. In der medizinischen Fachsprache wird dieses Phänomen als periorale Blässe, im Volksmund als Milchbart bezeichnet.

Etwa zwei Wochen nach Beginn der Erkrankung schuppt sich die Haut an den Fingern, den Handflächen und/oder Fußsohlen. War der vorangegangene Ausschlag nicht so deutlich ausgeprägt, wird nicht selten erst jetzt die Diagnose Scharlach gestellt.

In der Regel ist die Prognose bei Scharlach gut. Eine frühzeitige Antibiotikatherapie verhindert Komplikationen in den meisten Fällen. Jedoch kann die Erkrankung selten auch einen schweren Verlauf nehmen. So kommt es beim toxischen Verlauf zu Erbrechen, Durchfall, Krämpfen, Benommenheit oder Kreislaufversagen. Ein septischer Verlauf geht mit einer lebensbedrohlichen Entzündung der Hirnhäute und einer Blutgerinnselbildung im Gehirn einher.

Auch nach überstandener Infektion drohen beim Scharlach Komplikationen. Gefürchtet sind vor allem Streptokokken-Nacherkrankungen wie das rheumatische Fieber oder die Glomerulonephritis.

Das rheumatische Fieber wird auch Streptokokkenrheumatismus genannt. Es handelt sich dabei um eine entzündliche Systemerkrankung, die vorwiegend bei Kindern und Jugendlichen auftritt. Etwa ein bis drei Wochen nach der Scharlachinfektion kommt es zu Symptomen wie Herz- und Gelenkentzündungen, rheumatischen Knoten und Chorea minor. Die Chorea minor, eine neurologische Erkrankung, äußert sich vor allem durch unkontrollierbare Bewegungen der Hände und der Gesichtsmuskulatur, Muskelschwäche und abgeschwächte Reflexe.

Die Glomerulonephritis ist genau wie das rheumatische Fieber ein autoimmun bedingtes Geschehen. Nicht die Bakterien selbst rufen hier die Entzündungen hervor, sondern die Antikörper, die der Körper gegen die Streptokokken gebildet hat. Bei der Glomerulonephritis entzünden sich die Nierenkörperchen beider Nieren. Zu den Symptomen der Nierenerkrankung gehören neben Blut- und Eiweißausscheidung mit dem Urin auch Bluthochdruck, Wassereinlagerungen und eine erhöhte Thromboseneigung. Die Glomerulonephritis gehört zu den häufigsten Ursachen der chronischen Niereninsuffizienz.

Scharlach – Therapie

Bei einer Scharlachinfektion ist eine antibiotische Therapie erforderlich. Die Erkrankten erhalten über einen Zeitraum von durchschnittlich zehn Tagen das Antibiotikum Penicillin. Bei einer Unverträglichkeit stehen alternative Antibiotika wie Erythromycin zur Verfügung. Auch wenn sich bei einer Antibiotikatherapie die Symptome der Erkrankung nach ein bis zwei Tagen oft deutlich bessern, ist eine konsequente Einnahme über zehn Tage erforderlich. Nur so lässt sich Resistenzen, möglichen Komplikationen und gefährlichen Langzeitfolgen wie Herz- oder Nierenentzündungen vorbeugen. Fiebersenkende Arzneimittel und lokal schmerzlindernde Lutschtabletten können zur ergänzenden symptomatischen Behandlung genutzt werden.

Um einer Glomerulonephritis frühzeitig entgegenwirken zu können, wird etwa zwei Wochen nach Beginn der Scharlacherkrankung der Urin der Patienten untersucht. Blut oder Eiweiße im Urin weisen auf eine Entzündung der Nierenkörperchen hin, die dann mit immunsupprimierenden Medikamenten behandelt wird.

Scharlach – Vorbeugung

Ein sicherer Schutz durch eine Impfung ist bei dieser Infektionskrankheit nicht möglich. Um einer Verbreitung der Erkrankung entgegenzuwirken, sollten Erkrankte so lange den Kontakt zu anderen Personen meiden, bis die Symptome komplett abgeklungen sind. Wird die Infektion mit Antibiotika behandelt, besteht 24 Stunden nach Beginn der Einnahme keine Ansteckungsgefahr mehr.

Bildnachweis: © ARZTSAMUI (ID 436018243) / shutterstock.com

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