Skin Picking
Auch die Lippen werden beim Skin-Picking nicht verschont - © mantia82 / stock.adobe.com
Krankheiten

Skin Picking – Wenn die Haut zum seelischen Spielball wird

Skin Picking stellt eine Zwangsstörung dar, bei der Betroffene sich selbst verletzen. Leider erkennen Ärzte die Krankheit oft nicht als solche, sodass sie nur die äußerlichen Verletzungen behandeln. Die Ursachen dafür bleiben aber oft lange Zeit unbehandelt.

Skin Picking Disorder oder auch Dermatillomanie beschreibt eine Zwangshandlung, unter der Betroffene nicht nur psychisch leiden. Unkontrolliert wird an noch so kleinen Unebenheiten der Haut gekratzt, gequetscht und gezupft. Nicht selten werden neben den Fingernägeln auch Pinzette, Nadel, Schere oder gar Messer verwendet, um die vermeintlichen Schandmale zu beseitigen. Meist bis Blut fließt, sich dicke Krusten bilden und in der Folge auch Narben zurückbleiben. Entzündungen und schlecht heilende Wunden führen zu immer neuen Misshandlungen der malträtierten Stellen. Doch die Finger weg lassen ist Betroffenen schlichtweg nicht möglich.

Was sind die Ursachen für Skin Picking Disorder?

Als Auslöser für die zwanghafte Selbstschädigung gelten psychische Ursachen. Stress, Kontrollverlust und übertriebene Schönheitsideale lassen vor allem Frauen in den Teufelskreis von Skin Picking geraten.

Wer sich am Abend vor einem Date verzweifelt bemüht, einen hässlichen Pickel verschwinden zu lassen und dafür alle möglichen Hilfsmittel versucht, leidet deswegen noch lange nicht an Skin Picking. Wenn aber die Untersuchung der Haut vor einem Vergrößerungsspiegel oder das ständige Abtasten und Erfühlen von Unebenheiten zu einem täglichen Ritual geworden sind, wird es gefährlich.

Ein Hautarzt kann eventuell noch bei der Behandlung der Haut helfen. Die psychischen Ursachen sind dagegen häufig nur durch eine Verhaltenstherapie unter Kontrolle zu bringen.

Skin Picking ist eine Art von Selbstverstümmelung

In die Haut ritzen, sich Verbrennungen zufügen oder sich durch andere Gewalteinwirkungen selber zu verletzen sind bekannte Formen der Selbstverstümmelung. Dass Skin Picking auch zur Borderline-Störung zählen kann, ist vielen nicht bewusst. Vor allem deshalb, weil Dermatillomanie von vielen Ärzten nicht als psychische Störung erkannt wird. Vielmehr wird lediglich ein Fehlverhalten im Umgang mit Hautunreinheiten vorgeworfen. Das ist bei vielen Mädchen und Frauen, die unter Pickel und Hautunreinheiten leiden, durchaus naheliegend. Beim Skin Picking werden die selbstverstümmelnden Handlungen aber exzessiv und unkontrolliert vorgenommen.

Wenn Menschen sich selbst ritzen oder anderweitig Verletzungen zufügen, geschieht dies häufig an den Armen oder Beinen. Hier können die Selbstverstümmelungen relativ einfach mit entsprechender Kleidung verdeckt werden und bleiben lange unentdeckt.

Skin Picking führt eher zu Verletzungen im Gesicht, am Hals, der Brust oder dem Dekoltee. Um die Spuren zu verwischen und zu verstecken verwenden Betroffene Unmengen an Make Up. Denn die Betroffenen schämen sich regelrecht für ihr demoliertes und unvollkommenes Aussehen. Und genau diese Scham führt zu immer neuen Versuchen die Schandmale auszuradieren – der Teufelskreis beginnt.

Skin Picking Betroffene leiden nicht nur äußerlich

Bei vielen Frauen liegt die Ursache für die psychische Störung in dem verzweifelten Versuch den strengen Schönheitsidealen unserer Gesellschaft gerecht zu werden. So werden der Frust über zu dünnes Haar, eine schlecht sitzende Frisur oder ein paar Pölsterchen an vermeintlich leichter zu beseitigenden Makeln ausgelassen – mit oft verheerenden Folgen. Die offenen Hautstellen entzünden sich, die Wunden verheilen nicht oder nur schlecht und es bleiben unübersehbare Narben zurück. Der innere Leidensdruck wächst immer mehr und Betroffene ziehen sich unter Umständen vollständig zurück. Die Unzufriedenheit über die eigene Unzulänglichkeit löst dann immer mehr den zwanghaften Trieb zum Skin Picking aus.

Wo finden Menschen, die unter Skin Picking Disorder leiden, Hilfe?

Leider hilft der gut gemeinte Rat, doch endlich mal die Finger weg zu lassen, herzlich wenig. Dennoch verweigern viele der Betroffenen aus Scham einen Besuch beim Arzt. Das mag auch daran liegen, dass sie im tiefsten Inneren spüren, dass die Ursache nicht an dem ein oder anderen Pickel liegt, sondern viel tiefer geht. Doch ein Gang zum Psychotherapeuten kommt für die meisten Patienten zunächst nicht in Frage.

Ein Besuch beim Hautarzt kann häufig nur der vorläufigen Behandlung der Haut und eventueller Hautunreinheiten dienen, dem Zwang an der Haut zu manipulieren hilft er nicht. Um aus dieser Verhaltensstörung herauszufinden braucht es in der Regel neben sehr viel Selbstdisziplin eine Verhaltenstherapie. Hier können Betroffene unter psychotherapeutischer Anleitung Ersatzhandlungen und Notfall-Maßnahmen erlernen. Das fängt mit extrem kurz geschnittenen Fingernägeln und verdeckten Spiegeln an und geht über Entspannungsübungen bis hin zur tiefer greifenden Verhaltenstherapie.

So lernen Betroffene in auslösenden Situationen ihre Zwangshandlung unter Kontrolle zu bringen, rechtzeitig für Entspannung durch Meditation zu sorgen und ihr Selbstwertgefühl wieder zu steigern. Ein wichtiger Schritt für den Heilungsprozess ist die Selbstbeobachtung, da Skin Picking häufig gedankenverloren aus Langweile, vor dem Fernseher oder in belastenden Situationen auftritt. Daneben gehört das Erlernen von Ersatzritualen zu den wichtigen therapeutischen Maßnahmen, besonders dann, wenn Skin Picking zu einem festen Bestandteil des Tagesablaufs geworden ist.

Sowohl für das Borderline-Syndrom wie auch Skin Picking gilt: Erst müssen die seelischen Wunden heilen, ehe die körperlichen Misshandlungen aufhören können.

Beitragsbild: © mantia82 / stock.adobe.com

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