Windpocken
Die für Windpocken typischen Bläschen können sehr stark jucken
Krankheiten

Windpocken – Ursachen, Symptome und Therapie

Die Windpocken, in der medizinischen Fachsprache auch als Varizellen bezeichnet, sind eine Infektionskrankheit, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Genau wie Mumps und Masern gehört die Erkrankung zu den klassischen Kinderkrankheiten.

Was sind die Windpocken?

Bei den Windpocken handelt es sich um eine äußerst ansteckende Infektionskrankheit, die zum überwiegenden Teil Kinder betrifft.

Der Name Windpocken geht auf die hohe Ansteckungsfähigkeit der Viren zurück. So können diese selbst mit einigen Metern Abstand über die Luft übertragen werden. Andere Bezeichnungen für die Kinderkrankheit sind Spitzblattern, Feuchtblattern oder Wasserpocken.

In der Regel verläuft die Erkrankung, die mit einem charakteristischen, juckenden Hautausschlag einhergeht, gutartig. Komplikationen treten im Gegensatz zu anderen Kinderkrankheiten eher selten auf. Auslöser der Erkrankung ist das Varizella-Zoster-Virus. Dieses verbleibt lebenslang im Körper und kann bei einer Reaktivierung im Lebensverlauf zu einer Gürtelrose (Herpes Zoster) führen.

Vor der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts erkrankten jedes Jahr rund 750.000 Menschen in Deutschland an den Windpocken. Da seit 2004 aufgrund der Impfempfehlung der STIKO mehr Kinder geimpft werden, sind die Erkrankungszahlen stark rückläufig. Allerdings finden sich bei mehr als 90 Prozent der Bevölkerung im Blut Hinweise auf eine durchgemachte Windpockeninfektion.

Windpocken – Ursachen

Die Windpocken werden durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) hervorgerufen. Dieses gehört zu den Herpesviren und wird deshalb auch als Humanes Herpesvirus 3 (HHV-3) bezeichnet. Es ist weltweit verbreitet und wird in den meisten Fällen bereits in der Kindheit durch Schmier- oder Tröpfcheninfektion übertragen. So gelangen die Viren durch Niesen oder Husten einer erkrankten Person in die Luft und können dann andere Menschen infizieren. Es ist zu beachten, dass die Windpocken bereits vor Auftreten des Ausschlags ansteckend sind. Viele der Erkrankten wissen zu diesem Zeitpunkt noch nichts von der Infektion und fungieren somit als potenzielle Infektionsquelle.

Eine Schmierinfektion ist über eine Berührung des Bläscheninhalts möglich. Die Bläschen sind Teil des charakteristischen Hautausschlags und enthalten ein virenhaltiges Sekret. Eine Übertragung in der Schwangerschaft von der Mutter zum Kind ist zwar möglich, tritt aber eher selten auf. Ist die Mutter hingegen gegen die Windpocken immun, besteht bei Neugeborenen und Säuglingen für drei Monate ein sicherer Nestschutz. Erst wenn dieser Schutz ab dem sechsten Lebensmonat nachlässt, können sich die Kinder wieder mit dem Virus infizieren.

Windpocken – Symptome

Zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Erkrankung vergehen in der Regel zwischen 10 und 28 Tage. Dieser Zeitraum wird auch als Inkubationszeit bezeichnet. Zu Beginn zeigen sich lediglich allgemeine Krankheitssymptome wie Müdigkeit, Fieber oder Abgeschlagenheit. Der typische Hautausschlag entsteht erst zwischen dem dritten und dem fünften Krankheitstag. Dabei treten zunächst kleine rote Flecken auf, die sich dann innerhalb einiger Stunden zu Bläschen weiterentwickeln. Diese sind mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt und jucken sehr stark.

Nach ein bis zwei Tagen verkrusten die Bläschen und fallen, sofern nicht gekratzt wird, ohne Narbenbildung ab. Jedoch können sich über einen Zeitraum von drei bis fünf Tagen weitere Bläschen bilden. Dadurch weisen die Erkrankten ein Hautbild mit gemischten Hauterscheinungen auf. Dieses wird auch als Sternenhimmel bezeichnet. Üblicherweise beginnt der Ausschlag an Rücken, Bauch und Gesicht und breitet sich dann über die Arme und Beine aus. Auch auf der Kopfhaut, im Mund und im Bereich der Genitalien kommt es zur Bläschenbildung. Die Anzahl der Bläschen variiert von Patient zu Patient. Kleine Kinder zeigen oft weniger Hauterscheinungen als Erwachsene.

Bei Erwachsenen nehmen die Windpocken häufig einen schwereren Verlauf als bei Kindern. So sind Komplikationen wie Hirn- und Hirnhautentzündungen, Lungenentzündungen und Entzündungen der Leber möglich. Während bei Kindern die Erkrankung meist nach drei bis fünf Tagen abklingt, können bei Erwachsenen über einen Zeitraum von bis zu vier Wochen neue Pocken auftreten. Das Fieber steigt auf über 40 Grad an und das allgemeine Krankheitsgefühl ist sehr ausgeprägt.

Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen kann es zu einer bakteriellen Sekundärinfektion mit Erregern wie Staphylokokken kommen.

Eine weitere schwere Komplikation ist das Reye-Syndrom. Es handelt sich dabei um eine akute Schädigung des Gehirns, die zusammen mit einer Leberstörung auftritt. Das Reye-Syndrom endet bei 25 Prozent der Betroffenen tödlich, bei mehr als 30 Prozent bleiben neurologische Störungen zurück. Über eine Veränderung der Blutgefäße kann eine Windpockeninfektion in seltenen Fällen das Schlaganfallrisiko erhöhen.

Insgesamt verlaufen die Windpocken jedoch eher gutartig. So liegt die Sterblichkeitsrate bei ungeimpften Personen lediglich bei 0,0001 Prozent. Rund 20 Prozent der Menschen, die eine Windpockeninfektion durchgemacht haben, erkranken später an einer Gürtelrose. Die Windpocken-Viren persistieren im Körper und können bei einer Immunschwäche wieder aktiv werden. Auch bei der Gürtelrose zeigt sich ein Ausschlag. Dieser betrifft allerdings nicht den gesamten Körper, sondern tritt eher streifenförmig auf einer Körperseite in Erscheinung. Er juckt in der Regel nicht, ist dafür aber äußerst schmerzhaft.

Windpocken – Therapie

Bei einem normalen Krankheitsverlauf beschränken sich die therapeutischen Maßnahmen zumeist auf die Linderung der Symptome. Salben mit Antihistaminika oder kühlende Umschläge können dem lästigen Juckreiz entgegenwirken. Da Wärme und Schweiß den Juckreiz häufig noch verstärken, sollten sich die Betroffenen vornehmlich in kühler Umgebung aufhalten. Bei kleineren Kindern sollten die Fingernägel gekürzt werden, da das Aufkratzen der Bläschen das Risiko für eine bakterielle Zweitinfektion erhöht.

Bei einem schweren Verlauf kommen virushemmende Medikamente, die sogenannten Virostatika, zum Einsatz. Mittel der Wahl ist hier Aciclovir. Der Wirkstoff wird vor allem zur Behandlung immungeschwächter Patienten genutzt.

Windpocken – Vorbeugung

Die Ständige Impfkommission empfiehlt seit Juli 2004 die Impfung gegen Windpocken. Diese sollte erstmals im Alter von 11 bis 14 Monaten zusammen mit der ersten Masern-Mumps-Röteln-Impfung durchgeführt werden. Vier bis sechs Wochen nach dieser ersten Impfung erfolgt dann eine zweite Teilimpfung. Es gibt auch einen Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMRV). Auch dieser Impfstoff muss zweimal geimpft werden. In der Regel ist die Impfung gut verträglich, Nebenwirkungen wie Fieber oder Müdigkeit klingen recht schnell wieder ab. Schwere Erkrankungen als Folge der Impfung treten laut STIKO nur sehr selten auf.

Bildnachweis: © Asisyaj (ID 275840903) / shutterstock.com

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