Epilepsie
Die Epilepsie ist durch Krampfanfälle geprägt, die oft auch zur Bewusstlosigkeit führen
Krankheiten

Epilepsie – Ursachen, Symptome und Therapie

Die Epilepsie wird umgangssprachlich häufig auch als Krampfleiden oder Fallsucht bezeichnet. Der Begriff beschreibt aber keine einzelne Krankheit, sondern vielmehr eine Gruppe von Hirnerkrankungen, die mit den typischen Krampfanfällen einhergeht.

Was ist Epilepsie?

Die Erkrankungen aus der Gruppe der Epilepsien gehören zu den häufigsten Funktionsstörungen im Gehirn. Durch eine vorübergehende, anfallsartige Störung der Nervenzellen im Gehirn kommt es zu epileptischen Anfällen. Diese können, je nachdem welche Strukturen im Hirn betroffen sind, ganz unterschiedlich ausfallen. So gibt es epileptische Anfälle, die sich lediglich durch ein Zucken der Hand oder des Fußes über ein bis zwei Minuten äußern. Andere Krämpfe gehen mit unkontrollierbaren Zuckungen und Muskelkrämpfen sowie Bewusstlosigkeit über einen längeren Zeitraum einher.

In Deutschland leiden mehr als 500.000 Menschen unter den Krampfanfällen. Die weltweite Erkrankungshäufigkeit (Inzidenz) liegt bei bis zu 0,8 Prozent. Von der Epilepsie müssen die sogenannten Gelegenheitskrämpfe abgegrenzt werden. Bei zehn Prozent der Menschen lässt sich im EEG eine erhöhte Krampfbereitschaft nachweisen. Die Hälfte dieser Menschen erleidet einige Male im Leben einen epileptischen Anfall. Ein Anfall allein ist jedoch noch kein Nachweis einer Epilepsie.

Epilepsie – Ursachen

Die Ursachen der Epilepsie sind vielschichtig und in vielen Fällen noch nicht vollständig geklärt. Grundsätzlich kann zwischen einer genuinen und einer symptomatischen Epilepsie unterschieden werden.

Bei der genuinen Epilepsie lassen sich weder stoffwechselbedingte noch hirnorganische Ursachen finden. Bei bis zu 40 Prozent aller Patienten mit Epilepsie ist dies der Fall. Hingegen gibt es bei der symptomatischen Epilepsie identifizierbare auslösende Faktoren. Sowohl bei der Entstehung der genuinen als auch bei der symptomatischen Epilepsie spielt die genetische Veranlagung eine Rolle. So finden sich bei verschiedenen Formen der Epilepsie mutierte Gene, die vererbt werden können. Allerdings beruhen die Anfälle nicht direkt auf dem genetischen Defekt. Dieser trägt allenfalls zu einer Erkrankung bei, die mit epileptischen Krampfanfällen einhergehen kann.

Für die symptomatische Epilepsie sind weitere Ursachen bekannt. Dazu gehören Hirnschädigungen, die beispielsweise durch Sauerstoffmangel während der Geburt entstehen können. Auch Fehlbildungen des Hirngewebes können eine Epilepsie zur Folge haben. Gefäßmissbildungen des Gehirns wie Aneurysmen oder Hämangiome sowie Hirntumore gehen ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für epileptische Anfälle einher. Bei einigen Patienten treten die Symptome der Epilepsie auch erstmalig nach einem unfallbedingten Schädel-Hirn-Trauma auf.

Ferner können verschiedene Erreger das Gehirn befallen und dort eine Entzündung, eine sogenannte Enzephalitis, hervorrufen. Dazu gehören neben dem Masernvirus auch die Hepatitis C, das FSME-Virus und Meningokokken. Die Enzephalitis kann Auslöser von epileptischen Anfällen sein.

Eine weitere Ursache der Epilepsie ist der Hyperparathyreodismus. Hier kommt es zu einer vermehrten Freisetzung von Calcium und damit zu einem bedrohlichen Anstieg der Calciumkonzentration im Blut. Diese erhöht die Krampfneigung deutlich. Die Hämochromatose gehört genau wie der Hyperparathyreodismus zu den Stoffwechselerkrankungen, die das Risiko für einen epileptischen Anfall erhöhen. Die Hämochromatose ist durch hohe Eisenspiegel gekennzeichnet. Die Krampfneigung erhöht sich hier durch Eisenablagerungen im Gehirn.

Während der Schwangerschaft besteht ebenfalls die Gefahr, eine Epilepsie zu entwickeln. Hier treten die Symptome vor allem im Rahmen einer Eklampsie auf, die umgangssprachlich auch als Schwangerschaftsvergiftung bekannt ist.

Ferner kann die Epilepsie durch eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) im Gehirn, eine sogenannte vaskuläre Enzephalopathie, hervorgerufen werden.

Den Gelegenheitskrämpfen können ebenfalls verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Dazu gehören neben Fieber und Schlafentzug auch starke körperliche Anstrengung, Drogenkonsum und Flimmerlicht. Ebenso können einige therapeutische Psychopharmaka die Entstehung von Krämpfen begünstigen. Diese Ursachen der Gelegenheitskrämpfe können auch bei diagnostizierten Epileptikern Anfälle hervorrufen.

Epilepsie – Symptome

Leitsymptom der Epilepsie ist der epileptische Anfall. Entsprechend der Definition der Internationalen Liga gegen Epilepsie (ILAE) kann zwischen fokalen und generalisierten Anfällen unterschieden werden.

Der fokale Anfall ist auch unter den Bezeichnungen partieller Anfall, teilweiser Anfall oder Herdanfall bekannt. Hier kommt es nur in einer Region des Gehirns zu einem Anfallsgeschehen. Die fokalen Anfälle lassen sich wiederum in einfache fokale und komplexe fokale Anfälle unterteilen. Während die Patienten bei den einfachen fokalen Anfällen das Bewusstsein behalten, treten bei den komplexen fokalen Anfällen Bewusstseinsstörungen auf. Diese reichen von einer leichten Benommenheit bis hin zu kompletter Bewusstlosigkeit. Im Anfall wirken die Patienten verwirrt und/oder abwesend. Auf Ansprechen reagieren sie teilweise aggressiv. Viele Patienten weisen zudem automatisierte Bewegungsabläufe wie ständiges Kauen oder Schmatzen auf.

Bei den generalisierten Anfällen gibt es keine anatomische Begrenzung im Gehirn. Jedoch kann sich ein fokaler Anfall auch über das ganze Gehirn ausbreiten und so zu einem generalisierten Anfall werden.

Eine der bekanntesten Anfallsformen ist die Grand-Mal-Epilepsie, der generalisierte tonisch-klonische Anfall. Dieser verläuft in zwei Phasen: der tonischen und der klonischen Phase.
Die tonische Phase ist durch eine tiefe Bewusstlosigkeit charakterisiert. Der Patient streckt Arme und Beine von sich, die Muskelspannung ist stark erhöht. Die Atmung fällt für einen gewissen Zeitraum aus, sodass es zu einem Sauerstoffmangel und einer Blaufärbung (Zyanose) der Haut kommt. Nach spätestens einer halben Minute folgt der klonische, das bedeutet ruckartige, Abschnitt des Anfalls. Dabei zucken die Arme und Beine des Epileptikers unkontrolliert. Diese Phase dauert wiederum ein bis zwei Minuten.

Eine weitere Form der generalisierten Epilepsie ist die Petit-Mal-Epilepsie. Diese wird auch als Absence-Epilepsie bezeichnet, da es zu sekundenlangen Störungen des Bewusstseins kommt. Die Patienten haben einen starren und leeren Blick. Unwillkürliche Zuckungen von Augen, Kopf oder Mund können auftreten. In vielen Fällen werden die Petit-Mal-Anfälle von den Betroffenen gar nicht bemerkt. Häufiges Augenblinzeln, eine Senkung des Kopfes und vermehrtes Schmatzen können jedoch auf einen Anfall hinweisen.

Die myoklonischen Anfälle machen sich hingegen deutlich durch Zuckungen in den Armen und Beinen bemerkbar. Eine Sonderform dieser Myoklonien sind die myoklonisch-atonischen Anfälle. Aufgrund einer akuten Muskelschwäche stürzen die Betroffenen plötzlich zu Boden. Oft begleiten Muskelzuckungen im Gesicht und ein vermehrtes Augenblinzeln die Sturzanfälle.

Einige Patienten nehmen unmittelbar vor dem Auftreten der Krampfanfälle eine Aura wahr. So verspüren sie beispielsweise ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend oder ein Kribbeln in den Extremitäten. Taubheitsgefühle oder visuelle Halluzinationen können ebenfalls auftreten.

Die meisten epileptischen Anfälle enden nach einigen Minuten von allein. Folgen jedoch innerhalb kurzer Zeit weitere Anfälle über einen Zeitraum von mindestens 20 Minuten, liegt ein Status epilepticus vor. Die Betroffenen erlangen zwischen den einzelnen Anfällen das Bewusstsein nicht vollständig wieder. Insbesondere beim Grand mal besteht dann die Gefahr einer unwiderruflichen Schädigung des Gehirns. Je nach Anfallsform kann der Status epilepticus auch tödlich enden.

In der Regel können sich die Epileptiker später nicht mehr an ihren Anfall erinnern. Sie sind über einen Zeitraum von mehreren Stunden extrem schläfrig, kaum weckbar und desorientiert. Man spricht hier auch vom Terminalschlaf.

Epilepsie – Therapie

Die Therapie der Epilepsie soll den Patienten ein möglichst anfallsfreies Leben ermöglichen und zudem so wenig Nebenwirkungen wie möglich hervorrufen.

Zur Prävention der Anfälle kommen in erster Linie Medikamente wie Lamotrigin, Valproinsäure oder Levetiracetam zum Einsatz. Moderne Antiepileptika wie Zonisamid oder Topiramat werden ebenfalls als Monotherapeutika verabreicht. Die Arzneimittel sollen die Reizschwelle der Nervenzellen erhöhen und verschiedene Rezeptoren im Zentralnervensystem aktivieren, sodass die Neuronen nicht mehr so leicht zu erregen sind.

Lassen sich mit der medikamentösen Therapie keine befriedigenden Erfolge erzielen, kann ein chirurgischer Eingriff in Erwägung gezogen werden. Hier wird zunächst das anfallsauslösende Areal im Gehirn identifiziert und anschließend, falls möglich, entfernt. Je nach Befundkonstellation kann durch den epilepsiechirurgischen Eingriff in 50 bis 80 Prozent der Fälle eine Anfallsfreiheit erreicht werden.

Alternativ kann auch eine sogenannte Vagusstimulation durchgeführt werden. Hier wird den Patienten ein elektrischer Stimulator im Bereich des Brustkorbs eingesetzt, der entweder in festgelegten Abschnitten oder durch den Patienten ausgelöst den Vagusnerv mit Strömen reizt. Dieser leitet die elektrische Erregung ins Gehirn weiter. Dadurch lässt sich die Anfallshäufigkeit bei vielen Patienten reduzieren.

Eine Vagusnervstimulation ist auch ohne vorherige Operation möglich. Der Vagusnerv wird dann über eine Ohrelektrode stimuliert.

Neben diesen Verfahren hat sich in der Behandlung der Epilepsie ferner die ketogene Diät als effektiv erwiesen. Diese Diät besteht aus einer sehr fettreichen Nahrung mit moderatem Eiweiß- und geringem Kohlenhydratanteil. Dadurch wird eine ketogene Stoffwechsellage erzeugt, bei der überwiegend Fett statt Kohlenhydraten zu Energie umgewandelt wird. Warum sich diese Ernährung positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken kann, ist bisher noch unklar.

Einige Epilepsiepatienten profitieren zudem von der Verhaltenstherapie. Mithilfe dieses psychotherapeutischen Verfahrens können sie einen gewissen Einfluss auf die veränderten Hirnaktivitäten erlangen und so gegebenenfalls Anfällen entgegenwirken.

Neben diesen vorbeugenden Behandlungen spielt auch die Akutbehandlung bei der Epilepsie eine entscheidende Rolle. Zwar enden die epileptischen Anfälle in der Regel nach wenigen Minuten von selbst, während des Anfalls können sich die Betroffenen jedoch schwer verletzen. Deshalb müssen krampfende Personen im Anfall vor Gefahren abgeschirmt werden. Gefährliche Gegenstände müssen außer Reichweite gebracht werden, Treppen oder ähnliche Absturzkanten sollten versperrt sein. Jedoch sollten Krampfende nie festgehalten werden. Beim Festhalten besteht sowohl für den Patienten als auch für die haltende Person eine erhöhte Verletzungsgefahr. Ebenso ist das Einführen eines Beißkeils zum Schutz vor Bissverletzungen heute obsolet, da durch den Keil zusätzlich Verletzungen entstehen können.

Menschen mit einer bekannten schweren Epilepsie tragen zum Schutz vor Verletzungen oft einen Epilepsiehelm und führen ein Notfallmedikament bei sich. Dieses kann von geübten Personen im Anfall verabreicht werden.

Epilepsie – Vorbeugung

Einer Epilepsie lässt sich nicht vorbeugen. Um Anfälle zu vermeiden, sollten Epileptiker jedoch streng auf ihre Medikamenteneinnahme achten. Die Zahl der Therapieverweigerer ist bei den Epileptikern besonders hoch. So könnte jede zweite Krankenhauseinweisung verhindert werden, wenn die Patienten ihre Medikamente wie vom Arzt verschrieben einnehmen würden.

Bildnachweis: © Photographee.eu (ID 219110686) / shutterstock.com

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