Beckenschiefstand
Oft ist ein Beckenschiefstand Folge von muskulären Dysbalancen
Krankheiten

Becken­schiefstand – Ursachen, Symptome und Therapie

Ein schiefes Becken kann Rückenschmerzen hervorrufen. Häufig ist der Beckenschiefstand die Folge von Muskelverspannungen oder Verletzungen.

Was ist ein Beckenschiefstand?

Das Becken ist der Körperabschnitt unterhalb des Bauchs. Das knöcherne Becken besteht aus zwei Hüftbeinen und bildet zusammen mit dem Kreuzbein den Beckengürtel. Wirbelsäule und knöchernes Becken sind über das Iliosakralgelenk miteinander verbunden. Somit stellt das Becken auch eine Verbindung zwischen der Wirbelsäule und den Beinen dar. Die Festigkeit und Stabilität des Beckens verhilft dem menschlichen Körper zu einem aufrechten Stand und zu einer sicheren Haltung. Normalerweise befindet sich das Becken des Menschen in einer fast waagerechten Position. Bei einem Beckenschiefstand sitzt das Becken nicht in seiner physiologischen Lage, sondern steht schief. Ein leichter Beckenschiefstand ist nicht ungewöhnlich und bleibt zudem häufig unbemerkt. Insbesondere in den westlichen Industrienationen treten Beckenschiefstände häufiger auf.

Beckenschiefstand – Ursachen

Grundsätzlich kann man zwischen einem strukturellen und einem funktionellen Beckenschiefstand unterscheiden. Dem strukturellen Beckenschiefstand liegen unterschiedliche Beinlängen zugrunde. Wenn beide Beine gleich lang sind, kann das Becken in seiner waagerechten Position verbleiben. Sind die Beine allerdings unterschiedlich lang, kippt das Becken auf der Seite des längeren Beines nach oben. Ist ein Bein nur einige Millimeter kürzer als das andere, wirkt sich dies nicht negativ auf die Stellung des Beckens auf. Ab sechs Millimeter Differenz sollte behandelt bzw. beobachtet werden. Meistens zeigt sich ein so auffälliger Längenunterschied im Wachstumsalter. Innerhalb von einigen Monaten bis Jahren reguliert sich dieser Unterschied häufig von allein.

Bei dem funktionellen Beckenschiefstand gibt es keine echte Beinlängendifferenz. Der Schiefstand des Beckens wird hier meist durch muskuläre Verspannungen im Bereich der Gesäßmuskulatur bedingt. Insbesondere Menschen, die im Alltag viel sitzen und wenig Sport treiben, leiden unter muskulären Dysbalancen. Auch einseitige Belastungen im Sport oder im Alltag führen zu Muskeldysbalancen. Dadurch entstehen Haltungsschäden. Bewegungsmangel und Fehlhaltungen haben zudem eine verspannte Muskulatur mit einem erhöhten Muskeltonus zur Folge. Die Muskulatur verkürzt sich und fühlt sich hart an. Meistens treten Muskeldysbalancen und Verspannungen nur auf einer Körperseite auf. Die Folge ist ein Beckenschiefstand.

Verrenkungen und einseitige Belastungen, wie das Tragen einer schweren Tasche auf der Schulter, können ebenfalls eine funktionelle Beinlängendifferenz zur Folge haben. Hier scheint ein Bein länger als das andere zu sein. Lösen sich die Verspannungen und muskulären Dysbalancen auf, geht auch das Becken wieder in seine normale Position zurück.

Beckenschiefstand – Symptome

Ein geringer Beckenschiefstand bleibt häufig unbemerkt und führt zu keinen größeren Problemen. Wenn das Becken dauerhaft und ausgeprägt schief steht, wirkt sich das auf den gesamten Bewegungsapparat aus. Die Beschwerden breiten sich vom Becken nach oben hin aus. Die Wirbelsäule krümmt sich, um die Fehlstellung des Beckens auszugleichen. Dadurch kommt es zu einer Skoliose, die mit der Zeit insbesondere nach längerem Stehen oder Sitzen mit Schmerzen im unteren Rücken verbunden ist. Zusätzlich können Schulterschmerzen, Schmerzen im Nacken oder Kopfschmerzen auftreten. Einige Patienten bekommen sogar Zahnschmerzen. Ein Beckenschiefstand kann eine Kiefergelenksdysfunktion hervorrufen, die sich durch Zahnschmerzen äußert.

Eine funktionelle Skoliose, also eine dauerhafte Krümmung der Wirbelsäule, führt zu einem schnelleren Verschleiß der Wirbelgelenke und der Bandscheiben. Dadurch begünstigt der Beckenschiefstand Erkrankungen wie den Bandscheibenvorfall oder die Bandscheibenvorwölbung. Da die Wirbelgelenke einer höheren Belastung ausgesetzt sind, verschleißen die Gelenkknorpel, sodass sich frühzeitig eine Arthrose entwickelt. Diese kann im Verlauf eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalstenose) mit Symptomen wie Schmerzen, Kribbeln oder Lähmungen zur Folge haben.

Die Schiefstellung kann sich auch auf Strukturen unterhalb des Beckens auswirken. Die Beweglichkeit der Hüft- und Kniegelenke ist eingeschränkt. Dadurch kann es zu Schmerzen im Bereich der Knie- oder der Fußgelenke kommen. Auch Funktionsstörungen im Bereich des Iliosakralgelenks können im Rahmen des Beckenschiefstandes auftreten.

Beckenschiefstand – Therapie

Bei einem gering ausgeprägten Beckenschiefstand ist normalerweise keine Behandlung erforderlich. Der Körper kann den Schiefstand durch leichte Korrekturen folgenlos ausgleichen. Wenn der Beckenschiefstand Beschwerden verursacht oder eine Krümmung der Wirbelsäule hervorruft, ist eine Therapie jedoch ratsam. Welche Behandlung zum Einsatz kommt, hängt von der Ursache, dem Ausmaß der Fehlstellung und dem Alter des Patienten ab. Bei einem funktionellen Beckenschiefstand, der auf muskulären Dysbalancen oder auf Verspannungen beruht, reichen oft physiotherapeutische und krankengymnastische Übungen zur Korrektur aus. Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rückenmuskulatur helfen dabei, eine aufrechte und symmetrische Körperhaltung einzunehmen. Da der Beckenschiefstand häufig durch Muskelverspannungen fixiert wird, können Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga, Massagen oder das Autogene Training zur Lockerung und Entspannung der Muskulatur beitragen.

Falls der Beckenschiefstand durch unterschiedliche Beinlängen verursacht wird, verordnet der Orthopäde meistens spezielle Schuheinlagen. Beinlängendifferenzen von bis zu einem Zentimeter können mit einer Ferseneinlage ausgeglichen werden. Ist der Unterschied größer, muss die komplette Schuhsohle erhöht werden. Wenn ein Bein mehr als drei Zentimeter länger ist als das andere Bein oder wenn eine deutliche Sohlenerhöhung das ästhetische Empfinden stören würde, kann eine operative Beinverlängerung durchgeführt werden. Diese Methode wird jedoch nur sehr selten durchgeführt, da sie äußerst langwierig und auch schmerzhaft ist. Der Arzt bohrt den Knochen des kürzeren Beins an, sodass eine Wachstumsfuge entsteht. Anschließend wird das Bein mit einem Gestell fixiert. Dieses zieht den angebohrten Knochen leicht auseinander, sodass im Verlauf der Knochen nachwächst. So lassen sich die Beinlängen angleichen.

Beckenschiefstand – Vorbeugung

Einem Beckenschiefstand lässt sich nur bedingt vorbeugen. Regelmäßige Bewegung und gezielte Aufbauübungen für die Rückenmuskulatur können den Rücken jedoch stärken und für eine aufrechte Haltung sorgen. Beim Training und auch im Alltag sollte darauf geachtet werden, dass die Muskulatur stets gleichmäßig beansprucht wird. Dadurch lassen sich muskuläre Dysbalancen und ihren Folgen verhindern. Bei Verdacht auf eine strukturelle Beinlängendifferenz sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Eine frühzeitige Korrektur verhindert Folgeschäden.

Bildnachweis: © Photographee.eu / shutterstock.com

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