ADHS
Von ADHS betroffene Kinder können sich schlecht konzentrieren, sind vergesslich und leiden unter einer motorischen Unruhe
Krankheiten

ADHS – Ursachen, Symptome und Therapie

ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Es handelt sich dabei um eine psychische Erkrankung, die den Verhaltens- und emotionalen Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend zugeordnet wird.

Was ist ADHS?

ADHS ist eine neurologisch bedingte Erkrankung, die erhebliche Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche hat. Umgangssprachlich hat sich für ADHS die Bezeichnung Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom etabliert. Dieser Begriff wird aber auch für Patienten verwendet, die von einer Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität betroffen sind. Die Deklarierung ist hier also etwas unklar. International wird von der attention deficit hyperactivity disorder gesprochen. Auch hier hat sich die Abkürzung ADHS bewährt.

Die Erkrankung äußert sich vor allem durch Probleme mit der Aufmerksamkeit und der Selbstregulation. Die Patienten sind impulsiv und weisen häufig eine körperliche Unruhe (Hyperaktivität) auf.

ADHS wird den psychiatrischen Entwicklungsstörungen des Kindesalters zugeordnet. Zwar weisen auch Erwachsene ADHS-Symptome auf, definitionsgemäß sollten diese aber bereits seit der Kindheit bestehen und für das jeweilige Alter entsprechend stark ausgeprägt sein.

Die Lebenszeitprävalenz, also die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens von ADHS betroffen zu sein, liegt geschätzt bei sieben Prozent. Entgegen der aktuellen Berichterstattung gibt es keine Belege dafür, dass die Erkrankungszahlen in den letzten Jahrzehnten gestiegen sind. Jungen erkranken deutlich häufiger als Mädchen. So haben rund acht Prozent der Jungen und nur knapp zwei Prozent der Mädchen im Alter von drei bis 17 Jahren eine ärztlich diagnostizierte Aufmerksamkeitsstörung. In 30 bis 50 Prozent der Fälle besteht die Störung der Betroffenen bis ins Erwachsenenalter fort. Während jedoch im Vorschulalter vor allem die hyperkinetischen Störungen ohne Aufmerksamkeitsstörung vorkommen, zeigen sich bei Erwachsenen eher Aufmerksamkeitsstörungen ohne Hyperaktivität.

ADHS – Ursachen

Während früher zumeist Erziehungsfehler und Vernachlässigung als Ursachen der Störung angesehen wurden, geht man heute von einem multikausalen Geschehen aus. So gilt es bei der Ursachenfindung sowohl biologische Faktoren als auch Umwelteinflüsse zu berücksichtigen. In der neurobiologischen Forschung wurden bei Betroffenen immer wieder funktionelle Defizite in verschiedenen Kerngebieten des Gehirns gefunden. Auch ein vermindertes Gehirnvolumen zeigte sich bei auffallend vielen Patienten mit ADHS. Die Leitungsbahnen der Nervenfasern der weißen Substanz im Gehirn weisen bei ADHS Betroffenen sowohl anatomische als auch funktionelle Abweichungen auf. 2014 gelang es den Forschern sogar, diese Abweichungen bestimmten Symptomen der Störung zuzuordnen.

Bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ist die Weiterleitung von Impulsen und Signalen zwischen einzelnen Nervenzellen durch verschiedene Neurotransmitter gestört. Insbesondere die Signalübertragung durch den Botenstoff Dopamin in den Kerngebieten für Belohnung und Motivation ist beeinträchtigt. Ebenso weisen die Signalübertragungen durch die Neurotransmitter Noradrenalin und Glutamat Beeinträchtigungen auf. Auch hier zeigt sich die Störung insbesondere in den Gehirnregionen, die eine zentrale Bedeutung für die Bereiche Motivation, Emotion, Kognition und Bewegung haben.

Familien- und Zwillingsstudien zeigen, dass ADHS eine bedeutende genetische Komponente hat. Die Erblichkeit wird auf 70 bis 80 Prozent geschätzt. Es wird vermutet, dass an der Entstehung der Störung genetische Abweichungen in mindestens 14 bis 15 Genen eine Rolle spielen. Aufgrund dieser genetischen Abweichungen kommt es dann zu Störungen in spezifischen Regelkreisen des Gehirns.

Bei der Entstehung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung sind ferner verschiedene Schadstoffe von Bedeutung. So erhöhen Tabakrauch während der Schwangerschaft und Passivrauchen in der Kindheit das Risiko für ADHS. Ebenso stellen die Schadstoffe Blei und PCB (Polychlorierte Biphenyle) Risikofaktoren für die Störung dar.

Weitere Risikofaktoren sind Komplikationen in der Schwangerschaft oder während der Geburt, ein niedriges Geburtsgewicht, Infektionen sowie Erkrankungen des Zentralnervensystems und eine Alkoholbelastung des Ungeborenen während der Schwangerschaft.

Bei Kindern mit ADHS werden zudem häufiger belastende Familienverhältnisse beobachtet. Hier ist allerdings unklar, ob diese Verhältnisse innerhalb der Familie Folge oder Ursache der Störung sind.

ADHS – Symptome

Die Beschwerden bei ADHS lassen sich in Symptome der Unaufmerksamkeit und in Symptome der Hyperaktivität bzw. Impulsivität unterteilen.

Kinder mit einem Aufmerksamkeitsdefizit schaffen es nicht, sich auf Einzelheiten zu konzentrieren. Aus der Achtlosigkeit heraus machen sie Fehler bei den Hausaufgaben oder bei anderen Tätigkeiten. Auch bei Spielen können sie schwer die Aufmerksamkeit behalten. Sie scheinen nicht richtig zuzuhören und reagieren häufig auch nicht auf eine direkte Ansprache. Lästige Arbeiten oder Pflichten werden nicht vollständig oder überhaupt nicht erledigt. Aufgaben und Aktivitäten scheitern bei den Betroffenen häufig schon an der Organisation. Aufgaben, die eine längere Konzentration oder geistige Anstrengung erfordern, werden gemieden.

Typisch für ADHS-Betroffene ist eine ausgeprägte Vergesslichkeit. Diese tritt auch bei normalen täglichen Aktivitäten auf und kann sich zudem durch den Verlust von alltäglichen Gegenständen wie Schlüsseln, Schulmaterialien oder Stiften bemerkbar machen.

Die Hyperaktivität äußert sich hingegen eher durch eine motorische Unruhe. Die Betroffenen zappeln mit Händen oder Füßen. Sie können schwer auf einem Platz sitzen bleiben und stehen deshalb auch in unpassenden Situationen wie beispielsweise bei einer Klassenarbeit oder im Konzert von ihrem Stuhl auf, klettern oder laufen umher. Kinder mit ADHS sind häufig nicht in der Lage ruhig zu spielen oder an ruhigeren Freizeitaktivitäten wie Malen oder Puzzeln teilzunehmen. Sie reden übermäßig viel und geben Antworten, bevor überhaupt die Frage zu Ende gestellt wurde. Wenn sich andere Menschen unterhalten, platzen Kinder und Jugendliche mit ADHS dazwischen.

Bei der Hälfte der ADHS-Betroffenen treten zusätzlich zu der Störung Teilleistungsstörungen wie beispielsweise eine Lese-Rechtschreib-Störung auf.

Auch Depressionen zeigen sich bei Jugendlichen mit ADHS deutlich häufiger als bei gesunden Altersgenossen. In der Regel treten die depressiven Episoden als Begleit- oder Folgeerkrankung jedoch erst mehrere Jahre nach Beginn der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung in Erscheinung. Deshalb gehen Experten davon aus, dass die Depression eine Folge der außergewöhnlichen Belastungen der Störung ist. Rund ein Viertel aller Patienten mit ADHS leidet zudem unter Angststörungen. Ebenso sind ADHS-Betroffene rund dreimal so häufig von Zwangsstörungen betroffen wie Menschen ohne ADHS.

ADHS – Therapie

Die Störung kann in drei Schweregrade eingeteilt werden. Anhand dieser Einteilung lässt sich die Behandlungsbedürftigkeit ableiten. Leicht betroffene Personen weisen lediglich eine milde Symptomatik auf, sodass hier keine Behandlung erforderlich ist. Sie sind kreativer und weniger gehemmt in ihren Impulsen als normal, werden jedoch durch ihre Auffälligkeiten nicht beeinträchtigt. Dennoch können hier eine frühzeitige Information und eine psychosoziale Hilfestellung wichtig sein.

Betroffene mit einer mittelschweren Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung sind behandlungsbedürftig. Neben ADHS leiden sie unter Folgeerkrankungen. Ohne eine Behandlung zeigen sich bei den Betroffenen Probleme in der Schule oder im Beruf. Auch Suizidversuche können vorkommen. Schwer Betroffene haben nicht nur ADHS, sondern auch ein gestörtes Sozialverhalten sowie ein erhöhtes Risiko eine Sucht zu entwickeln oder kriminell zu werden. Ohne eine Behandlung ist hier eine Resozialisierung kaum möglich.

Die Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung erfolgt im besten Fall multimodal. Das bedeutet, dass mehrere Behandlungsschritte parallel durchgeführt werden. Die Wahl der einzelnen Therapiemethoden richtet sich dabei nach der Ausprägung der Störung. Die Behandlung kann sowohl ambulant als auch stationär bzw. teilstationär durchgeführt werden. Insbesondere bei einer schwer ausgeprägten Symptomatik empfiehlt sich jedoch die Unterbringung in einer Klinik oder in einem Heim. Im Rahmen der Psychoedukation werden Eltern, Kinder sowie Erzieher und Lehrer über die Störung aufgeklärt. In speziellen Elterntrainings erhalten die Familien Hilfe. So lassen sich mögliche Belastungen innerhalb der Familie vermindern. Auch Kindergärten und Schulen werden in die Behandlung einbezogen. Die Kinder und Jugendlichen können zusätzlich durch einen Schulpsychologen betreut werden.

Zur Verminderung der unorganisierten und unkontrollierten Aufgabenlösung in der Schule können Kinder oder Jugendliche Selbstinstruktionstrainings absolvieren. Auch kognitive Therapien zum Thema Selbstmanagement im Rahmen einer Verhaltenstherapie können zur Verhaltensänderung beitragen. Bei Teilleistungsstörungen wie Lese- oder Rechenschwächen kann hingegen eine begleitende Lerntherapie sinnvoll sein.

Bei Mittel- und Schwerbetroffenen ist in vielen Fällen eine medikamentöse Behandlung indiziert. Die entsprechenden Arzneimittel sollen die hyperkinetischen Symptome mildern sowie Aufmerksamkeit und Konzentration verbessern. Etwa 80 Prozent der Betroffenen sprechen auf die Wirkstoffe Methylphenidat und Amphetamin an. Diese Stimulanzien verstärken die Signalübertragung der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn. In Deutschland wird der Wirkstoff Methylphenidat unter dem Handelsnamen Ritalin vertrieben. Die notwendige Dosis variiert je nach Ausprägung der Störung. Die erste Dosierung wird anhand von Beobachtungsbögen, die Eltern, Lehrer oder Therapeuten ausfüllen, angepasst. Nebenwirkungen bei der Therapie mit Methylpenidat sind dosisabhängig und treten zumeist zu Beginn der Therapie auf. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Appetitminderung und Kopfschmerzen. Begleitend oder alternativ zu den stimulierenden Wirkstoffen können auch Antidepressiva zum Einsatz kommen. Die Medikamente werden vor allem dann eingesetzt, wenn die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung mit Depressionen, Angststörungen oder Zwangsstörungen einhergeht. Zur Behandlung kommen Antidepressiva wie Bupropion, selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer und Trizyklika zum Einsatz.

ADHS – Vorbeugung

Der genetischen Komponente der Störung lässt sich nicht vorbeugen. Während der Schwangerschaft können die werdenden Mütter jedoch Risikofaktoren meiden, die die Entstehung einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung fördern können. So sollten Schwangere auf Alkohol und Rauchen streng verzichten. Liegt der Verdacht nahe, dass das eigene Kind an ADHS leidet, sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung lassen sich die schwerwiegenden Folgen der Störung häufig vermeiden, sodass die Betroffenen trotz ihrer Erkrankung ein normales Leben führen können.

Bildnachweis: © Jack Frog / shutterstock.com

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