Reizdarm
Für den Reizdarm (Reizdarmsyndrom) typische Beschwerden sind Bauchschmerzen, Blähungen und Völlegefühl
Krankheiten

Reizdarm – Ursachen, Symptome und Therapie

Der Begriff Reizdarm (Reizdarmsyndrom, RDS) bezeichnet eine funktionelle Störung des Darms. Zu den typischen Beschwerden gehören neben krampfartigen Bauchschmerzen auch Stuhlunregelmäßigkeiten.

Was ist das Reizdarmsyndrom?

Der Reizdarm gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Verdauungstrakts in Deutschland. Es handelt sich dabei um eine Funktionsstörung des Magen-Darm-Trakts, die mit verschiedenen Beschwerden einhergehen kann. Weitere geläufige Bezeichnungen für die Erkrankung sind Colon irritable, irritables Darmsyndrom oder irritable bowel syndrome.

Das Reizdarmsyndrom wird den funktionellen Störungen zugeordnet. Das bedeutet, dass die Funktion des Verdauungstrakts beeinträchtigt ist. Jedoch lässt sich für diese Funktionsstörung keinerlei Ursache erkennen. So zeigt die Darmspiegelung beispielsweise keine Auffälligkeiten, es liegen keine deutlichen Entzündung mit Läsionen der Schleimhaut wie beim Morbus Crohn oder der Colitis ulcerosa vor und das Darmgewebe ist auch nicht anderweitig verändert. Ebenso sind Laboruntersuchungen bei Menschen mit einem Reizdarmsyndrom in der Regel unauffällig.

Das Reizdarmsyndrom ist eine Ausschlussdiagnose. Bevor der Arzt die Diagnose Reizdarm stellt, müssen also zunächst Erkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Divertikulose, Tumore oder Infektionen mit Keimen wie Helicobacter pylori ausgeschlossen werden.

Grundsätzlich kann das Reizdarmsyndrom in allen Altersgruppen auftreten, hauptsächlich erkranken jedoch Menschen im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt. Schätzungen zufolge sind bis zu 30 Prozent der Bevölkerung von den Darmbeschwerden betroffen. Frauen erkranken doppelt so häufig wie Männer.

Reizdarm – Ursachen

Die genauen Ursachen der funktionellen Erkrankung sind bisher nicht bekannt. Es gibt jedoch verschiedene Erklärungsansätze, die sich mit der Entstehung der Krankheit befassen.

So könnte dem Reizdarmsyndrom eine Fehlbesiedlung des Dünndarms zugrunde liegen. Ebenso wie der Dickdarm ist auch der Dünndarm von vielen verschiedenen Bakterien besiedelt. Bei einer intakten Darmflora herrscht ein Gleichgewicht in der Bakterienzahl und in der Zusammensetzung der Mikroorganismen. Viele der nützlichen Bakterien benötigt der Körper für eine gesunde Verdauung. Kommt es jedoch zu einer Fehlbesiedlung, können verschiedene Symptome entstehen. Dazu gehören unter anderem allergische Reaktionen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Ferner verflüssigen die entstehenden Gase den Stuhl, sodass die Patienten unter Durchfall leiden. Bei einigen Patienten mit Reizdarmsyndrom zeigen sich auch Störungen in der Dickdarmflora. Diese Dysbiosen stehen ebenfalls in Verdacht, die Entstehung des Reizdarmsyndroms zu begünstigen.

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zudem, dass dem Reizdarmsyndrom häufig Entzündungen im Darm vorausgehen. Eventuell bleiben sogenannte Mikroentzündungen zurück, die die Produktion von Hormonen und Botenstoffen aktivieren. Diese regen wiederum das Nervensystem des Darms an und führen so zu den typischen Beschwerden.

Den Entzündungen kann ein Leaky-gut-Syndrom zugrunde liegen. Bei dieser Erkrankung weist die Darmschleimhaut Lücken auf. Normalerweise fungiert die Schleimhaut des Darms als eine Barriere zwischen dem Inhalt des Darms und dem Blutkreislauf. Eine intakte Darmbarriere sorgt dafür, dass ausschließlich die benötigten Nährstoffe den Weg in die Blutbahn finden. Durch die durchbrochene Barriere beim Leaky-gut-Syndrom gelangen auch Bakterien, unverdaute Nahrungsbestandteile, Pilze oder Giftstoffe in die Schleimhaut des Darms und von dort später auch in den gesamten Körper. Um die unerwünschten Stoffe zu eliminieren, wird das Immunsystem aktiviert. Es kommt zu Entzündungsreaktionen und damit zu Symptomen wie Bauchschmerzen oder Verdauungsstörungen.

Das Reizdarmsyndrom zeigt sich häufig bei Menschen, die unter psychischen Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen leiden. Diese psychischen Erkrankungen scheinen die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, an einem Reizdarmsyndrom zu erkranken. Ob Depressionen und Angststörungen allerdings die Hauptursachen des Reizdarms sind, ist noch umstritten. In keinem Fall bedeutet diese Korrelation, dass das Reizdarmsyndrom eine rein psychosomatische Erkrankung ist. Stress und andere psychische Belastungssituationen können die Symptomatik bei Menschen mit bekanntem Reizdarm jedoch verstärken.

Reizdarm – Symptome

Die einzelnen Symptome, die beim Reizdarmsyndrom auftreten können, sind eher uncharakteristisch. Insgesamt zeigt sich bei den meisten Patienten jedoch ein typisches Krankheitsbild. Dazu gehören Beschwerden wie krampfartige oder stechende Bauchschmerzen und Blähungen. Der Bauch ist häufig prall, gespannt und überbläht. Während einige Patienten vorwiegend über Verstopfung klagen, leiden andere unter Durchfall. Häufig wechseln sich auch Durchfall und Verstopfung ab. Man spricht hier von Wechselstühlen. Ebenso zeigen sich Schleimbeimengungen im Stuhl. Viele Patienten mit Reizdarmsyndrom empfinden den Toilettengang als schmerzhaft. Sie haben das Gefühl, dass der Darm auch direkt nach dem Stuhlgang nicht komplett entleert ist. Beschwerden wie Blähungen oder Völlegefühl bessern sich jedoch meist nach der Stuhlentleerung.

Bei einigen Patienten treten die Beschwerden in Kombination mit Symptomen auf, die typisch für den Reizmagen sind. Dazu gehören neben Schmerzen im Oberbauch auch ein Völlegefühl nach dem Essen und vermehrtes Aufstoßen.

Nicht immer beschränken sich die Symptome des Reizdarmsyndroms auf den Verdauungstrakt. So leidet ein Teil der Betroffenen ferner unter Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen. Ebenso können Herzbeschwerden, Störungen beim Wasserlassen oder Menstruationsbeschwerden im Rahmen der Erkrankung auftreten. Auch für diese Beschwerden findet sich keine erkennbare körperliche Ursache. Zwar sind die Symptome des Reizdarmsyndroms in der Regel harmlos, sie beeinträchtigen aber das persönliche Wohlbefinden und damit die Lebensqualität der Patienten.

Reizdarm – Therapie

Da der genaue Entstehungsmechanismus der Erkrankung noch nicht geklärt wurde, ist eine ursächliche Behandlung nicht möglich. Die Therapie zielt somit einzig auf die Linderung der Beschwerden ab.

Patienten mit Reizdarm sollten mögliche Auslöser, die sogenannten Trigger, kennen und meiden. Zu den häufigsten Triggern gehören neben Stress, Schlaf- und Bewegungsmangel auch bestimmte Nahrungsmittel. Dabei reagieren die Betroffenen jedoch häufig sehr individuell, sodass es keine allgemein empfohlene Reizdarmdiät gibt. Eine ausgewogene Mischkost mit einem hohen Anteil an frischem Obst und Gemüse sowie eine ausreichende Trinkmenge wirken sich aber bei den meisten Reizdarmpatienten positiv auf den Krankheitsverlauf aus.

Zur Linderung der Verdauungsbeschwerden kann der Arzt zudem verschiedene Medikamente verordnen. Lässt sich die Verstopfung nicht mit ausreichend Bewegung, viel Flüssigkeit und einer ausgewogenen Ernährung mit hohem Ballaststoffanteil in den Griff bekommen, können sanfte Abführmittel wie Leinsamen, Pektin oder Laktulose zum Einsatz kommen. Diese sollten jedoch nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, da sich die Darmträgheit sonst noch verstärken kann. Zur Behandlung von Durchfällen eignen sich Wirkstoffe, die die Darmbewegung hemmen. Dazu gehören neben löslichen Ballaststoffen und Loperamid auch Probiotika.

Krampflösende Schmerzmittel, sogenannte Spasmolytika, und Medikamente, die die Darmmuskulatur entspannen, können Bauchschmerzen und Krämpfe lindern. Dazu eignen sich auch pflanzliche Mittel wie Tees mit Kümmel, Kamille, Anis, Fenchel oder Pfefferminze. Diese Phytotherapeutika können sich zudem bei Blähungen und Spannungsgefühlen im Darm positiv auswirken.

Psychopharmaka wie Antidepressiva werden in der Regel nur dann verordnet, wenn neben dem Reizdarmsyndrom auch eine psychische Erkrankung besteht. Von psychischer Unterstützung durch einen geschulten Therapeuten profitieren hingegen auch Menschen, deren Verdauungsbeschwerden sich bei Stress und bei Konflikten in Beruf oder Partnerschaft verschlimmern.

Reizdarm – Vorbeugung

Dem Reizdarmsyndrom lässt sich nur bedingt vorbeugen. Bei Magen- und Darmbeschwerden sollten zunächst Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ausgeschlossen werden. Bei solchen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen kann eine frühzeitige Therapie die Prognose deutlich verbessern.

Auch wenn sich das Reizdarmsyndrom nicht sicher verhindern lässt, kann sich eine ausgewogene und gesunde Ernährung positiv auf die Darmgesundheit auswirken. Empfehlenswert ist eine ballaststoffreiche Ernährung mit einem hohen Frischkostanteil.

Ebenso sollte auf eine ausreichende Trinkmenge geachtet werden. Wasser, Tees und verdünnte Säfte sind hier vorzuziehen, auf Kaffee und andere koffein- sowie zuckerhaltige Getränke sollte weitgehend verzichtet werden.

Auch Sport und Entspannungsverfahren wie das Autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung können der Entstehung eines Reizdarmsyndroms entgegenwirken.

Bildnachweis: © Image Point Fr (ID 174165335) / shutterstock.com