Weißfleckenkrankheit
Die depigmentierten Hautareale bei der Vitiligo führen oft zu einem großen Leidensdruck bei den Betroffenen
Krankheiten

Weißflecken­krankheit (Vitiligo) – Ursachen, Symptome und Therapie

Die Weißfleckenkrankheit, auch Vitiligo oder Scheckhaut genannt, ist eine chronische Hauterkrankung, die mit charakteristischen Pigmentstörungen einhergeht.

Was ist die Weißflecken­krankheit?

Es handelt sich bei der Weißfleckenkrankheit um eine nicht ansteckende, chronisch verlaufende Erkrankung der Haut. Die Betroffenen haben einen Melanozytenmangel.

Die Melanozyten sind für die Hautfärbung verantwortlich. Dementsprechend kommt es bei einem Mangel zu unpigmentierten Hautflächen. Diese treten als weiße Flecken in Erscheinung und haben der Hautkrankheit zu ihrem Namen verholfen. Die Erkrankung gehört zu den häufigsten Störungen des Pigmentsystems in der Haut. Schätzungen zufolge sind zwischen 0,5 und 2 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Männer und Frauen erkranken gleich häufig. Bevorzugt tritt die Weißfleckenkrankheit zwischen dem 10. und dem 30. Lebensjahr erstmalig auf, grundsätzlich können aber Menschen jeden Alters und auch jeder ethnologischen Zugehörigkeit erkranken.

Weißflecken­krankheit – Ursachen

Die Ursache der Pigmentstörung ist bisher unbekannt. Experten vermuten jedoch, dass es sich um ein autoimmunologisches Geschehen handelt. So konnten Forscher im Blut von Vitiligo-Patienten Antikörper gegen die Pigmentzellen finden. Demnach greift der Körper bei der Weißfleckenkrankheit irrtümlicherweise die körpereigenen Melanozyten an. Die Tatsache, dass die Krankheit gehäuft zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise der Hashimoto-Thyreoditis auftritt, unterstützt die These, dass es sich um einen Autoimmunprozess handelt.

Auch die Genetik scheint bei der Entstehung der Hauterkrankung eine Rolle zu spielen. So finden sich in der näheren Verwandtschaft vieler Vitiligo-Patienten Familienmitglieder, die ebenfalls unter der Pigmentstörung leiden. Stress, ein schwerer Sonnenbrand oder Schädigungen der Haut, wie sie zum Beispiel im Rahmen einer Psoriasis (Schuppenflechte) auftreten können, scheinen die Entstehung der Vitiligo zusätzlich zu begünstigen.

Weißflecken­krankheit – Symptome

Typisch für die Hauterkrankung sind weiße Hautflecken, die zumeist eine scharfe Begrenzung aufweisen. Anfangs sind die weißen Flecken nur wenige Zentimeter oder sogar Millimeter klein. Im weiteren Krankheitsverlauf werden sie größer und konfluieren, gehen also ineinander über. In den betroffenen Hautbereichen erscheint die Körperbehaarung aufgrund des fehlenden Melanins ebenfalls weiß.

Grundsätzlich kann bei der Vitiligo zwischen einer generalisierten und einer lokalen Form unterschieden werden. Bei der generalisierten Vitiligo zeigen sich die weißen Flecken auf beiden Seiten des Körpers symmetrisch angeordnet. So sind zum Beispiel beide Schienbeine oder beide Handrücken von der Pigmentstörung betroffen. Je nach Schweregrad können sich die Depigmentierungen auf fast die gesamte Hautoberfläche ausdehnen. Ist nur eine Körperhälfte von der Pigmentstörung betroffen, spricht man von einer lokalen Vitiligo. Zwar können hier auch größere Hautareale eine Depigmentierung aufweisen, diese schreitet aber in der Regel nicht so ausgeprägt und nicht so schnell fort wie bei der generalisierten Form.

Am häufigsten zeigen sich die weißen Flecken im Nacken, im Gesicht, an den Gelenken von Händen und Füßen, in den Achseln und in der Genitalregion. Die Schleimhäute, wie beispielsweise die Lippen- oder die Mundschleimhaut, können ebenfalls von dem Pigmentmangel betroffen sein. Selten geht die Erkrankung auch auf die Augen oder das Innenohr über. Die Depigmentierungen gehen in der Regel mit keinerlei weiteren körperlichen Störungen einher. Einige Patienten klagen lediglich zusätzlich über Juckreiz. Allerdings sind die weißen Flecken äußerst lichtempfindlich und somit auch besonders empfänglich für einen Sonnenbrand. Sonnenbrände, aber auch Verletzungen oder Entzündungen können zu einer Vergrößerung der Flecken oder zu einer Ausweitung der Erkrankung beitragen.

Bei der Weißfleckenkrankheit ist die psychische Belastung der Betroffenen nicht zu unterschätzen. Viele Vitiligo-Patienten empfinden ihre weißen Flecken als erheblichen kosmetischen Makel und neigen deshalb zu psychischen Problemen bis hin zur Depression. Die Angst vor den Reaktionen und Blicken anderer Menschen kann zudem im Extremfall zur sozialen Isolation führen.

Weißflecken­krankheit – Therapie

Art und Umfang der therapeutischen Maßnahmen hängen von der Ausprägung der Hauterkrankung und dem Leidensdruck der Betroffenen ab. Bisher ist die Weißfleckenkrankheit nicht heilbar und auch die Ausbreitung der Hauterscheinungen lässt sich meist nicht dauerhaft aufhalten.

Sind nur kleinere Hautareale von der Pigmentstörung befallen, können diese mit speziellen Cremes behandelt werden. Bei dieser fokalen Therapie kommen Salben mit Kortikosteroiden wie dem Kortison zum Einsatz. Kortison wirkt überwiegend entzündungshemmend. Vermutlich beruht die Wirkung des Kortisons bei der Weißfleckenkrankheit aber auf einer Dämpfung des Immunsystems. Damit die Behandlung anschlägt, muss der Wirkstoff über einen Zeitraum von mehreren Monaten hoch dosiert auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden. Allerdings kann es infolge zu einer Atrophie der Haut kommen. Das bedeutet, dass die Haut zunehmend dünner wird. Alternativ eignen sich Salben mit sogenannten Calcineurin-Inhibitoren. Bekannte Wirkstoffe dieser Arzneistoffgruppe sind Tacrolimus und Pimecrolimus. Sie wirken ähnlich wie Kortison, haben aber weniger Nebenwirkungen. Allerdings sind die meisten Präparate mit diesen Wirkstoffen nur zur Behandlung der Neurodermitis zugelassen. Der Einsatz bei der Vitiligo entspricht also einem Off-Label-use. Somit besteht für die Patienten auch kein Anspruch auf eine Übernahme der Kosten durch die gesetzlichen Krankenkassen.

Zur Behandlung kleinerer weißer Flecken kann ferner die gezielte Phototherapie genutzt werden. Hierfür kommen spezielle Lampen zum Einsatz. Diese sollen die pigmentbildenden Melanozyten in der Unterhaut stimulieren und zur Produktion von Melanin anregen.

Sind größere Areale von den weißen Flecken betroffen, sind Cremes und kleinflächige Lichtbestrahlungen zur Behandlung nicht geeignet. Therapieverfahren der Wahl ist hier die Ganzkörperbestrahlung mit Schmalband-UVB.

Bei einigen Patienten kann zudem eine begleitende Psychotherapie zur Stress- und Krankheitsbewältigung und zur Prävention von Depressionen sinnvoll sein.

Weißflecken­krankheit – Vorbeugung

Da die Ursachen bisher nicht bekannt sind, ist eine Prävention kaum möglich. Bei bestehender genetischer Vorbelastung oder bei einer bereits vorhandenen Autoimmunerkrankung, die mit einem erhöhten Risiko für die Weißfleckenkrankheit einhergeht, können jedoch einige Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, um einem Ausbruch der Erkrankung frühzeitig entgegenzuwirken. So sollten die Betroffenen die Haut ausreichend vor starker Sonneneinstrahlung und Sonnenbrand schützen. Da Stress als einer der Auslöser der Erkrankung gilt, sollten ausgeprägte psychische Belastungen vermieden werden. Entspannungsverfahren wie das Autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson können hier unterstützend zum Einsatz kommen.

Bildnachweis: © Olena Gorbenko (ID 267532190) / shutterstock.com

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