L-Carnitin
Viele Sportler schwören auf eine erhöhte Zufuhr von L-Carnitin
Nährstoffe

L-Carnitin – für Fettstoffwechsel und Energiegewinnung

L-Carnitin ist ein vitaminähnlicher, nicht essentieller Nährstoff, da der Körper ihn selbst bilden kann und nur ein Teil über Nahrung aufgenommen wird. Er ist besonders wichtig für den Fettstoffwechsel sowie die Energiegewinnung und vor allem bei Leistungssportlern und Abnehmwilligen als sogenannter „Fatburner“ bekannt.

Was ist L-Carnitin?

L-Carnitin ist eine wasserlösliche chemische Verbindung, die sich aus den Aminosäuren Methionin und Lysin bildet. Deshalb ist L-Carnitin auch keine richtige Aminosäure, sondern ein Dipeptid. Neben den beiden Aminosäuren sind auch die Vitamine C, B3 und B6 sowie das Spurenelement Eisen für die Herstellung von L-Carnitin notwendig.

Der Name Carnitin entspricht den lateinischen Begriffen „caro“ und „carnis“ für Fleisch, weil es 1905 im Muskelgewebe entdeckt wurde. L-Carnitin lagert sich vor allem im Gewebe des Herzens und der Muskulatur des Skelettes ab, da es dort am meisten benötigt wird. Durchschnittlich befinden sich insgesamt 15-25 Gramm L-Carnitin im Körper. Über die Aufnahme von außen stehen nur 50-70 Prozent zur Nutzung bereit, denn der Rest wird bereits im Darm abgebaut und dann ausgeschieden. Das meiste L-Carnitin verlässt den Organismus jedoch über die Nieren mit dem Urin.

Welche Funktion und Wirkung hat L-Carnitin im Körper?

Eine seiner wichtigsten Aufgaben erfüllt L-Carnitin im Bereich des Fettstoffwechsels. Hier fungiert es als Transporter für die Fettsäuren, die in den Mitochondrien in Energie umgewandelt werden, aber allein dort nicht hineingelangen. L-Carnitin schleust die Fettsäuren gewissermaßen durch die Zellwände der Mitochondrien, in dem es sich an sie heftet. Die Vermutung liegt deshalb nahe anzunehmen, dass je mehr L-Carnitin vorhanden ist, desto mehr Fettsäuren können in die Mitochondrien gebracht und dort in Energie umgewandelt werden. Diese Tatsache hat L-Carnitin den Ruf eines Fatburners eingebracht, von der Wissenschaft wird der Einsatz von L-Carnitin-Präparaten zur Gewichtsreduktion jedoch als unwirksam eingestuft.

Durch seinen Einfluss auf den Energiestoffwechsel und die damit verbundene stärkere Energieversorgung der Gehirnzellen wird auch die Stressresistenz gesteigert, so das seelische und körperliche Belastungen besser zu bewältigen sind.

Daneben ist es die Aufgabe von L-Carnitin, seiner Pufferfunktion für das Co-Enzym A nachzukommen. Falls ein Mangel an freiem Co-Enzym A eintreten sollte, ist L-Carnitin in der Lage gebundenes CoA durch Übertragung wieder freizuschalten.

Indirekt spielt L-Carnitin auch für die Haut eine wichtige Rolle, da es Bestandteil der Aminosäure Methionin ist. Diese bildet wiederum zusammen mit Arginin das Kreatin, das den Aufbau des Bindegewebes, die Zellerneuerung und den Hautstoffwechsel fördert.

Als unterstützende Therapie wird L-Carnitin auch bei einigen Krankheiten, z.B. Angina Pectoris oder bei Dialyse-Patienten zur Verringerung der Nebenwirkungen eingesetzt.

Ursachen und Symptome von L-Carnitin-Mangel

Ein Mangel an L-Carnitin besteht dann, wenn es zu einem erhöhten Bedarf an diesem Nährstoff kommt und dieser nicht über die Ernährung ausgeglichen wird. Das ist bei gesunden Menschen, die eine normale Mischkost zu sich nehmen, normalerweise nicht der Fall. Gründe für einen steigenden Bedarf sind extremer Stress, Schwangerschaft oder körperliche Anstrengungen.

Darüber hinaus birgt eine vegetarische oder vegane Lebensweise ein Risiko, mit L-Carnitin unterversorgt zu werden. Wegen seiner Wasserlöslichkeit sind auch Dialysepatienten gefährdet, weil durch die Blutwäsche zu viel des Nährstoffes ausgeschwemmt wird. Genauso sind eine erhöhte Ausscheidung über die Nieren oder eine gestörte Aufnahme über den Darm Gründe, die eine Unterversorgung auslösen können.

Neben diesen Ursachen gibt es auch den angeborenen L-Carnitin-Mangel, bei dem die Verarbeitung oder der Transport des Nähstoffes gestört sind.

Zu den Symptomen und Beschwerden eines Mangels zählen:

  • Gewichtszunahme
  • Lipose (Verfettung innerer Organe)
  • Vermehrte Fetteinlagerung
  • Leberstörung
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzrhythmusstörungen
  • Erhöhter Cholesterinspiegel
  • Geschwächtes Immunsystem, Infektanfälligkeit
  • Erschöpfung und geringe Leistungsfähigkeit
  • Gestörte Eiweißsynthese

Zwar ist bei Früh- und Neugeborenen die Eigensynthese von L-Carnitin noch nicht vollständig ausgebildet, zu einer Unterversorgung kommt es in der Regel jedoch nicht, da Babykost und Muttermilch genügend des Nährstoffes enthalten. Nur bei Säuglingsnahrung auf Soja-Basis ist eine gesonderte Zufuhr von L-Carnitin nötig.

Ist eine Überdosierung mit L-Carnitin möglich?

Da L-Carnitin auch bei übermäßiger Aufnahme über den Urin wieder ausgeschieden wird, sind auch bei hohen Dosen kaum Nebenwirkungen zu erwarten. Trotzdem wird empfohlen, nicht mehr als drei Gramm L-Carnitin täglich zu sich zu nehmen.

In seltenen Fällen kommt es ab einer Menge von einem Gramm zu leichten Magen-Darm-Problemen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Auf Grund der gesteigerten Hirndurchblutung können hohe Dosen auch zu Schlaflosigkeit führen. Bemerkbar macht sich eine Überdosierung durch die verstärkte Ausscheidung von Trimethylamin aus Haut und Atem, was am fischigen Geruch erkennbar ist.

In Kombination mit Schilddrüsenmedikamenten ist es ratsam, L-Carnitin nur unter ärztlicher Aufsicht einzunehmen. Auch Patienten mit niedrigen Schilddrüsenwerten sollten auf eine Nahrungsergänzung mit diesem Nährstoff verzichten, da dies zur Beeinträchtigung der Wirksamkeit des Schilddrüsenhormons führt.

Lebensmittel mit L-Carnitin

Da der Nährstoff vom Körper selbst produziert werden kann, liegen keine Angaben zur empfohlenen täglichen Zufuhr vor. Im Normalfall werden ca. 100 bis 300 Milligramm L-Carnitin über eine ausgewogene Mischkost aufgenommen. Die Aufnahmemenge ist bei Vegetariern und Veganern deutlich geringer, da das meiste L-Carnitin in rotem Fleisch, Fisch und Milchprodukten steckt.

Negativ wirkt sich die Wasserlöslichkeit von L-Carnitin auf seinen Gehalt in Lebensmitteln z.B. beim Kochen aus, da der Nährstoff mit dem Garwasser ausgeschwemmt wird.

Fazit ist, dass L-Carnitin vor allem für den Fettstoffwechsel und somit die Energiegewinnung von Bedeutung ist. Die daraus resultierende Vermutung, dass L-Carnitin zur alleinigen Gewichtreduktion eingesetzt werden kann oder die sportliche Leistungsfähigkeit steigert, hat sich bisher nicht bestätigt. Die Gabe von L-Carnitin-Präparaten sollte nur dann in Betracht gezogen werden, wenn die Deckung des Bedarfs über die Eigensynthese oder die Ernährung nicht möglich ist.

Bildnachweis: © ogichobanov / shutterstock.com

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