Tinnitus
Tinnitus - meist treten die Ohrgeräusche plötzlich und ohne erkennbare Ursache auf
Krankheiten

Tinnitus – Ursachen, Symptome und Therapie

Der Tinnitus ist vielmehr ein Symptom als eine eigenständige Erkrankung. Beim Tinnitus hören die Betroffenen Geräusche, für die es keine äußere Schallquelle gibt.

Was ist ein Tinnitus?

Der Begriff Tinnitus aurium steht für ein Symptom, das bei vielen verschiedenen Erkrankungen auftreten kann. Die Bezeichnung Tinnitus aurium stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „das Klingeln der Ohren“. Die Betroffenen vernehmen dauerhaft oder in unregelmäßigen Abständen Geräusche. Experten gehen davon aus, dass drei Millionen Menschen in Deutschland unter einem chronischen Tinnitus leiden. Bei etwa 250.000 Menschen pro Jahr geht der akute, also eigentlich vorübergehende Tinnitus, in einen chronischen Tinnitus über. Insbesondere ältere Menschen berichten häufiger über die Ohrgeräusche. Bei ungefähr 30 Prozent aller Tinnituspatienten liegt ein Tinnitus vom Schweregrad 3 oder 4 vor. Es ist zu beachten, dass der Tinnitus keine eigenständige Krankheit ist, sondern lediglich als Symptom auf unterschiedliche Störungen im Körper hinweist.

Tinnitus – Ursachen

Über die Entstehung der störenden Ohrgeräusche gibt es verschiedene Theorien. Es kann zwischen einem subjektiven und einem objektiven Tinnitus unterschieden werden. Der objektive Tinnitus ist allerdings deutlich seltener als die subjektive Form.

Dem objektiven Tinnitus liegen körpereigene Störgeräusche zugrunde, die vom behandelnden Arzt erfasst werden können. Mögliche Ursachen für diese objektiven Ohrgeräusche sind Gefäßmissbildungen im Ohr. Diese gehen mit Strömungsveränderungen des Blutes einher, die sich akustisch bemerkbar machen. Auch ein Gaumensegelnystagmus kann Ohrgeräusche hervorrufen. Die rhythmischen Kontraktionen der Gaumensegelmuskulatur führen zu Geräuschen, die der Betroffene im Ohr wahrnimmt. Eine weitere Ursache des objektiven Tinnitus ist eine Tubenfunktionsstörung. Die Eustachi-Röhre, auch Ohrtrompete oder Tuba auditiva genannt, verbindet das Mittelohr mit dem Nasenrachen. Störungen in diesem Bereich können einen Tinnitus hervorrufen. Auch Bluthochdruck kann durch Strömungsveränderungen des Blutes zu Ohrgeräuschen führen.

Ein subjektiver Tinnitus kann durch Fremdkörper im Gehörgang, durch Mittelohrentzündungen, Knalltrauma oder virale und bakterielle Infekte des Ohres hervorgerufen werden. Auch Tauchunfälle, ein Hörsturz, die Innenohrerkrankung Morbus Menière, das Costen-Syndrom und Autoimmunerkrankungen des Innenohrs können einen subjektiven Tinnitus zur Folge haben. Ein Akustikusneurinom, Lärmschwerhörigkeit, Altersschwerhörigkeit, Nasennebenhöhlenentzündungen, Diabetes, Arteriosklerose, Hirntumore und die degenerative Nervenerkrankung Multiple Sklerose können ebenfalls mit Ohrgeräuschen einhergehen. Bisher konnten Experten mehr als 90 Erkrankungen des Hörsystems nachweisen, die einen Tinnitus verursachen können. Häufig kann jedoch keine körperliche Ursache gefunden werden. In diesem Fall liegt ein idiopathischer Tinnitus vor.

Stress und psychische Belastungen wirken sich negativ auf die Ohrgeräusche aus. Auch Bewegungseinschränkungen im Bereich der Halswirbelsäule und des Kiefergelenks verstärken subjektive Ohrgeräusche. Diesem Phänomen liegen vermutlich Durchblutungsstörungen zugrunde.

Tinnitus – Symptome

Grundsätzlich kann zwischen einem akuten und einem chronischen Tinnitus unterschieden werden. Der akute Tinnitus tritt oft nach Ohrerkrankungen auf. Bei der akuten Form darf der Erkrankungsbeginn nicht länger als drei Monate zurückliegen. Bestehen die Symptome länger als drei Monate, spricht man von einem chronischen Tinnitus.

In der akuten Phase zeigen sich die Ohrgeräusche oft zu unterschiedlichen Tageszeiten. Insbesondere zu Beginn reagieren die Betroffenen sehr empfindlich auf die ungewohnten Wahrnehmungen. Vor allem in Stille nehmen die Patienten die Geräusche deutlicher wahr und leiden deshalb nicht selten unter Einschlafstörungen. Auch Töne, die den eigenen Ohrgeräuschen ähneln, werden oft als störend empfunden. Bei zwei Dritteln der Patienten gehen die episodischen Ohrgeräusche in einen dauerhaften Ton über. Jeder Patient nimmt die Töne anders wahr. Einige hören ein Pfeifen, andere ein Surren oder Piepen. Je nach Tagesform, Lautstärke des Geräuschs und Art des Geräuschs empfinden die Betroffenen das Geräusch als mehr oder weniger störend. Der Leidensdruck, den die Betroffenen empfinden, wird von Medizinern in vier Schweregrade eingeteilt. Beim Grad 1 liegt keine Beeinträchtigung vor. Im Grad 2 werden die Geräusche insbesondere in stressigen Situationen und bei psychischen Belastungen als störend empfunden. Patienten mit Schweregrad 3 fühlen sich durch das störende Ohrgeräusch in ihrem Alltag beeinträchtigt. Sie berichten über Probleme und Beschwerden, die durch die Ohrgeräusche entstanden sind. Der Grad 4 steht für Menschen, die unter den Ohrgeräuschen so sehr leiden, dass sie psychische und körperliche Beschwerden wie Angst, Schmerzen, Konzentrationsstörungen oder Schlafprobleme entwickeln. Auch Depressionen oder Suizidgedanken können die Folge eines Tinnitus sein.

Tinnitus – Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Art und dem Ursprung des Tinnitus. In jedem Fall sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen, wenn die Geräusche im Ohr länger als einen Tag anhalten. Je schneller eine Behandlung erfolgt, desto eher kann eine Chronifizierung vermieden werden. Früher waren durchblutungsfördernde Medikamente bei der Behandlung des akuten Tinnitus erste Wahl. Heute werden diese jedoch nur noch selten eingesetzt. Stattdessen greifen die Ärzte häufig auf das Kortisonpräparat Prednisolon zurück. Dieses verbessert die elektrische Leitfähigkeit der Hörbahnen und regt den Stoffwechsel in den Hörsinneszellen an. Das Medikament kann in Form von Tabletten oder Infusionen verabreicht werden. Falls die Behandlung mit Tabletten oder Infusionen nicht anschlägt, kann der Arzt das Medikament auch direkt ins Mittelohr spritzen. Diese Kortisontherapie kommt jedoch nur bei einer unbekannten Ursache, bei einem Hörsturz oder bei der Meniére-Krankheit zum Einsatz. Liegt den Ohrgeräuschen eine Mittelohrentzündung zugrunde, sind Antibiotika indiziert.

Ein Tinnitus, der aufgrund eines Knall- oder eines Explosionstraumas entstanden ist, wird ebenfalls mit Infusionen oder mit einem operativen Eingriff behandelt. Dadurch können Schäden am Trommelfell oder am Innenohr behandelt werden. Falls die Ohrgeräusche durch einen Hörsturz, eine Knallschädigung oder ein Lärmtrauma entstanden sind, kann die hyperbare Oxygenation (HBO) hilfreich sein. Dabei setzen sich die Betroffenen in eine Druckkammer und atmen reinen Sauerstoff ein. So sollen sich die geschädigten Zellen des Innenohrs erholen.

Bei Patienten mit einem chronischen Tinnitus steht das sogenannte Tinnitus-Counseling an erster Stelle. Die Betroffenen erfahren in diesem Bewältigungstraining, wie Tinnitus entstehen kann und erlernen einen besseren Umgang mit den chronischen Ohrgeräuschen. Auch Biofeedback, kognitive Verhaltenstherapien, Tinnitus-Masker oder die Tinnitus-Retraining-Therapie können die Beschwerden lindern bzw. den Patienten den Umgang mit den Ohrgeräuschen erleichtern.

Tinnitus – Vorbeugung

Zur Vermeidung von Ohrgeräuschen sollte Lärm vermieden werden. Schon bei kurzer Lärmbelästigung können Schäden entstehen. Deshalb sollten Konzerte und Diskotheken möglichst nur mit Ohrstöpseln besucht werden. Ein gesunder Lebensstil dient ebenfalls der Tinnitus-Prävention. So begünstigen hohe Cholesterinwerte, Nikotin und Flüssigkeitsmangel Gefäßerkrankungen, die wiederum das Risiko für einen Tinnitus erhöhen.

Bildnachweis: © Image Point Fr / shutterstock.com

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