Frühgeburt
Es gibt mehrere Faktoren, die das Risiko einer Frühgeburt erhöhen
Schwangerschaft

Frühgeburt – Ursachen und Prävention

Wenn eine Schwangerschaft bereits vor Ablauf der üblichen 40 Wochen endet, dann ist das für Eltern im ersten Moment natürlich ein großer Schock. Viele frischgebackene Mütter machen sich große Vorwürfe, dass sie eventuell etwas falsch gemacht haben könnten, was die Frühgeburt letztendlich ausgelöst hat. Die Ursachen für eine Frühgeburt können jedoch sehr vielfältig sein, manchmal sind es mehrere Faktoren, die dabei zusammengespielt haben.

In einigen Fällen kann man die Ursache im Nachhinein ausmachen, doch häufig findet man gar keinen offensichtlichen Grund für die vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft. Im Augenblick sollte die Ursache auch nebensächlich sein, denn es geht erst einmal um die gesunde Entwicklung des Frühchens.

Wünscht man sich allerdings noch weitere Kinder, so sollte man sich zu einem späteren Zeitpunkt dennoch mit der Ursachenforschung auseinandersetzen, damit ein solches Ereignis sich möglichst nicht wiederholt. Die meisten Gründe für eine Frühgeburt sind heutzutage bekannt und in vielen Fällen kann man auch noch einiges unternehmen, um eine drohende Frühgeburt zu verhindern.

Bestimmte Lebensumstände begünstigen eine Frühgeburt

Die persönlichen Lebensverhältnisse kann man sich leider nicht immer aussuchen, auch während einer Schwangerschaft bleiben Krisen nicht aus. Nicht nur körperliche Ursachen können für eine Frühgeburt verantwortlich sein, die Seele spielt ebenfalls eine ganz entscheidende Rolle. Oftmals ist es gar nicht die seelische Verfassung an sich, sondern Stress, Ängste und extreme psychische Belastungen schwächen den Organismus auf Dauer so stark, dass er viel anfälliger für diverse Erkrankungen ist.

Liegen die Nerven der werdenden Mutter blank, so greifen in Stresssituationen nicht wenige Frauen zur Zigarette oder gar zu Alkohol, das hat unter Umständen verheerende Folgen für das Ungeborene. Raucht oder trinkt eine Schwangere, so ist das Risiko einer Früh- oder Fehlgeburt enorm hoch. In der Schwangerschaft sollten Frauen Stress so gut wie möglich von sich fernhalten, doch natürlich lässt sich dieser nicht immer vermeiden. Unter Umständen können verschiedene Entspannungstechniken helfen, etwas zur Ruhe zu kommen. Handelt es sich um schwere psychische Belastungen, sollte man eventuell auch über die Konsultation eines Psychologen nachdenken.

Scheideninfektionen sind eine der häufigsten Ursachen

Infektionen stellen während der Schwangerschaft grundsätzlich ein sehr hohes Risiko für Mutter und Kind dar. Scheideninfektionen sind besonders gefährlich, denn Keime können zur Gebärmutter hochwandern und vorzeitige Wehen, und damit auch eine Frühgeburt, auslösen.

Hat die Schwangere einen Verdacht auf eine bakterielle Infektion, die sich häufig durch verstärkten und übelriechenden Ausfluss sowie Juckreiz bemerkbar macht, sollte sie schnellstmöglich den Frauenarzt aufsuchen. Dieser kann dann einen Abstrich machen und gegebenenfalls entsprechende Medikamente verordnen. Da viele Erreger durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, ist es empfehlenswert, beim Sex während der Schwangerschaft ein Kondom zu verwenden.

Scheideninfektionen entstehen meist dann, wenn das Immunsystem der werdenden Mutter geschwächt ist, dann kommt die Scheidenflora aus ihrem natürlichen Gleichgewicht und Bakterien können sich rasant vermehren. Oft handelt es sich um Gardnerellen, manchmal können aber auch Chlamydien oder Trichomonaden nachgewiesen werden. Pilzinfektionen der Scheide kommen zwar auch häufiger während der Schwangerschaft vor, generell stellen sie jedoch kein Risiko für den Fötus dar.

Infektionen sind in etwa 50 Prozent der Fälle der Grund für eine Frühgeburt

Scheideninfektionen sind ein Risikofaktor für das abrupte Ende der Schwangerschaft, doch es gibt noch eine Reihe anderer Infektionen, die zur Gefahr werden können. Da wären zum Beispiel die Harnwegsinfekte, für die gerade Schwangere besonders anfällig sind. Das liegt an den körperlichen Veränderungen während dieser Zeit, zum Beispiel an der wachsenden Gebärmutter, die irgendwann auf die Organe im Unterleib drückt.

Darüber hinaus wird in der Schwangerschaft auch eine größere Menge an Progesteron vom weiblichen Organismus gebildet. Dieses Hormon sorgt für eine Entspannung der Harnleiter-Muskulatur, so dass der Urin wesentlich langsamer von den Nieren zur Blase fließt. So verbleiben Bakterien länger in diesem Bereich und können sich in dieser Zeit stark vermehren.

Ein Harnwegsinfekt kann sich unter anderem durch Schmerzen oder ein Brennen beim Wasserlassen, ständigen Harndrang und einen intensiv riechenden Urin bemerkbar machen. In vielen Fällen sind jedoch gar keine Symptome vorhanden, so dass der Infekt unbemerkt verläuft. Um Risiken zu minimieren, wird der Arzt deshalb im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen auch immer eine Kontrolle des Urins vornehmen. Wird dann umgehend eine medikamentöse Behandlung eingeleitet, dürfte es kaum zu einer Frühgeburt kommen.

Es gibt auch noch einige Infektionskrankheiten, die von der Mutter auf das Ungeborene übertragen werden können, wie zum Beispiel Masern, Röteln oder Toxoplasmose. Diese können unter Umständen auch zu einer Früh- oder Fehlgeburt führen, deshalb wird während der Schwangerschaft das Blut auch auf diese Erreger untersucht, so dass ein gewisser Schutz gegeben ist.

Die Suche nach Toxoplasmose-Erregern gehört dabei nicht zu den Routineuntersuchungen. Die Erreger können vor allem von Katzen auf den Menschen übertragen werden, zum Beispiel beim Reinigen des Katzenklos. Als Vorsorgemaßnahme sollte die Katzentoilette möglichst von einer anderen Person gesäubert oder zumindest Handschuhe getragen werden. Lebt eine Katze im Haushalt, sollte die Schwangere den Test unbedingt durchführen lassen, auch wenn die Kosten dafür selbst zu tragen sind.

Auch die so genannten Listerien können eine große Gefahr für das ungeborene Leben darstellen. Diese Bakterien können durch den Kontakt zu Tieren übertragen werden, überwiegend jedoch durch den Verzehr von rohen, tierischen Lebensmitteln. Während der Schwangerschaft sollte die werdende Mutter deshalb unbedingt Rohmilch, Rohmilchkäse, geräucherten Fisch, Rohwurst wie Salami oder Teewurst, Tartar und abgepackten Salat vom Speiseplan streichen.

Eine Gebärmutterhals-Schwäche wird in der Regel rechtzeitig erkannt

Der Gebärmutterhals, medizinisch auch als Zervix bezeichnet, befindet sich am Ende der Gebärmutter und stellt die Verbindung zur Vagina dar. Die Länge des Gebärmutterhalses beträgt normalerweise etwa zwei Zentimeter, im Verlauf der Schwangerschaft verändert sich die Größe auf bis zu vier Zentimeter. Kurze Zeit vor dem Entbindungstermin sorgt der Druck durch das Baby dann dafür, dass er wieder kürzer wird und sich der Muttermund bis zur Geburt öffnet.

Allerdings darf dies eben erst kurz vor der Entbindung passieren, deshalb wird der Gynäkologe die Länge regelmäßig per Ultraschall kontrollieren. Sobald der Gebärmutterhals eine Länge von 2,5 Zentimetern unterschreitet, wird es kritisch und es müssen entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, damit eine Frühgeburt verhindert werden kann. Gründe für eine frühzeitige Verkürzung können unter anderem Operationen an der Gebärmutter, eine Abtreibung, eine Mehrlingsschwangerschaft oder eine schwere Entbindung sein. Eventuell liegt auch eine Infektion vor, so dass es zu einer Wehentätigkeit kommt, die sich auf den Gebärmutterhals auswirkt.

Ist die Ursache für den verkürzten Gebärmutterhals eine Infektion, so sollte schnellstmöglich eine medikamentöse Behandlung erfolgen. Außerdem muss die werdende Mutter sich schonen und möglichst viel liegen. Auf Geschlechtsverkehr sollte fortan komplett verzichtet werden. Durch diese Maßnahmen kann eine weitere Verkürzung häufig verhindert werden, oftmals wird der Gebärmutterhals auch wieder etwas länger. Der Frauenarzt wird die Schwangere in kürzeren Abständen in die Praxis bestellen, um den Verlauf im Auge zu behalten. Sollte sich am Zustand nichts bessern oder die Verkürzung sogar voranschreiten, ist eventuell eine Einweisung ins Krankenhaus notwendig.

Eine andere Möglichkeit ist das Zunähen des Muttermundes, dies wird auch als Cerclage bezeichnet. Auf diese Weise kann man einer frühzeitigen Öffnung des Muttermundes vorbeugen, kurz vor der Entbindung werden die Fäden wieder entfernt. Den gleichen Effekt kann man eventuell auch mit Hilfe eines so genannten Cerclagepessars erzielen, das ist ein weicher Kunststoffring, der über den Gebärmutterhals gelegt wird.

Störungen im Bereich der Gebärmutter und des Mutterkuchens als mögliche Ursache

Manchmal liegt auch eine so genannte Plazenta-Insuffizienz vor, das bedeutet, dass die Funktion des Mutterkuchens eingeschränkt ist. In der Folge wird das Baby im Mutterleib nicht mehr ausreichend versorgt, so dass es zu einer Frühgeburt kommen kann. Die Gründe für diese Störung können ganz unterschiedlicher Natur sein, häufig leidet die werdende Mutter unter einer Schwangerschaftsvergiftung, Bluthochdruck oder einem Schwangerschaftsdiabetes. Auch das Rauchen stellt einen Risikofaktor für die Entstehung einer Plazenta-Insuffizienz dar. Eigentlich sollten gesundheitliche Störungen der Mutter bei den Vorsorgeuntersuchungen auffallen, so dass man mit einer adäquaten Behandlung des Grundproblems eine Frühgeburt verhindern kann.

Bei einigen Frauen ist die Gebärmutter fehlgebildet, so dass sich das Kind im Bauch nur schwer entwickeln kann. Manchmal sind diese Fehlbildungen bereits angeboren, sie können aber auch erst später entstehen. In einigen Fällen sind in der Gebärmutter auch Myome, also gutartige Wucherungen, vorhanden. Diese können größer werden und den Platz für den Fötus dann eventuell einschränken oder unter Umständen auch vorzeitige Wehen auslösen.

Weitere mögliche Ursachen für eine Frühgeburt

Wenn man Frühchen untersucht, so stellt man oftmals eine Fehlbildung fest. Die Vermutung liegt also nahe, dass auch Fehlbildungen des Kindes eine Frühgeburt verursachen können. In den meisten Fällen handelt es sich um einen offenen Rücken, der mit einer Schädigung des Rückenmarks einhergeht. Auch wenn das Herz nicht richtig entwickelt ist, kommt es wesentlich häufiger zu einer Frühgeburt, wie zum Beispiel bei einem Loch im Herz oder Problemen mit den Herzklappen.

Folgt eine Schwangerschaft sehr schnell der vorhergehenden, so verkürzt sich der Gebärmutterhals oftmals wesentlich früher, weil er einfach noch etwas geweitet ist und nicht seine ursprüngliche Festigkeit hat. Auch wenn die werdende Mutter in der Vergangenheit schon eine Fehl- oder Frühgeburt hatte, ist das Risiko wesentlich höher. Das gleiche gilt für Mehrlingsgeburten, da sich die Gebärmutter viel schneller und stärker dehnen muss, so dass der Körper viel früher das Wehenhormon Oxytozin ausschüttet.

Nicht unerheblich für das Risiko einer Frühgeburt sind auch das Körpergewicht und das Alter der Schwangeren. Dieses Risiko ist besonders dann sehr hoch, wenn die Frau jünger als 18 oder älter als 35 Jahre ist. Wenn die werdende Mutter Probleme mit dem Gewicht hat, also starkes Über- oder Untergewicht, kann sich dies auch negativ auf den Verlauf der Schwangerschaft auswirken. Einige Frauen nehmen während der Schwangerschaft auch so stark zu, dass ein Diabetes entsteht, der wiederum Ursache für eine Frühgeburt sein kann.

Bemerkt eine Frau Blutungen, so kann dies ein Anzeichen dafür sein, dass sich die Plazenta vorzeitig ablöst. Eventuell ist die Lage der Plazenta auch nicht korrekt, man spricht dann von einer Placenta praevia, die ebenfalls eine Frühgeburt begünstigen kann. Durch das Tragen schwerer Lasten oder als Folge heftiger Bewegungen kann der Mutterkuchen einreißen, so dass ein großer Blutverlust entsteht. In beiden Fällen können vorzeitige Wehen ausgelöst erden oder es kommt zu einem Blasensprung und somit zu einer Frühgeburt.

Bildnachweis: © OndroM (ID 396467254) / shutterstock.com

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